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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 28 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 483 Erniedrigung des Polentums. Ein historisches Dokument. Aus Warschau schreibt man: Nirgends blüht jetzt die Rassenhetze in solchem Maße wie in Russisch-Polen. Wirtschaftlicher Boykott, Gesuche von Dorfgemeinden um Ausweisung der jüdischen Bevölkerung, Einäscherung jüdischer Häuser und Verbrennung der darin befindlichen Insassen, brutale Mißhandlungen und grausame Mordtaten, das ist ungefähr das Ergebnis der Verhetzung, das fast täglich in Stadt und Dorf zu registrieren ist. Einer dieser schrecklichen Fälle kam dieser Tage zur Verhandlung vor dem Warschauer Kreisgericht. Der Sachverhalt ist folgender: Vor einiger Zeit hatte eine gewisse Matuschewskaja, eine Einwohnerin von Schirardowo, Gouvernement Warschau, bei einem Streite eines christlichen Knaben mit einem jüdischen diesem einen Schlag mit den Worten versetzt: „Ich werde unbedingt wenigstens einen Beilis totschlagen." Beilis ist nämlich in Russisch-Polen seit vorigem Herbst der übliche Schimpfname für einen Juden. Die Matuschewskaja wohnte aber bei ihrem Liebhaber in einem Hause, welches der Jüdin Freudenreich gehört. Infolge stürmischer Proteste ihrer jüdischen Mieter bat nun die genannte jüdische Hauswirtin den Liebhaber der Matuschewskaja, diese aus ihrem Hause zu vertreiben. Wenige Stunden darauf tötete die Matuschewskaja mit einer Axt die sechzigjährige Freudenreich, meldete sich dann selbst bei der Polizei und erklärte, daß sie eben eine „Beilisowa" ermordet hätte. Vor Gericht gestand sie ebenfalls ihre Tat und wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Milde des Urteils ist geradezu eine Aufforderung zu ähnlichen Mordtaten. Das russische Gesetz hat einen Paragraphen, der jedes Verbrechen, das aus nationalem Hasse stammt, viel strenger als sonst verurteilt. Der Gerichtshof wußte genau, daß in Russisch-Polen gegen die Juden ein Kampf auf Leben sund Tod ausgefochten wird, und der Zivilklüger hatte es nicht verfehlt, auf die erschreckenden Tatsachen der neuesten Zeit ausdrücklich hinzuweisen. Wenn nun Mordtaten mit kurzen Gefängnisstrafen bestraft werden, so kann man sich leicht vorstellen, welcher Gefahr insbesondere Juden ausgesetzt sind, die vereinzelt innerhalb einer fanatisierten Bevölkerung wohnen. Die alten Privilegien der Salonikier Judengemeinde. Unter der türkischen Herrschaft besaßen die Juden von Saloniki wertvolle Privilegien, welche sich hauptsächlich auf die Verwaltung der Gemeinde, auf das Schulwesen und zum Teile auch auf die Gerichtsbarkeit in gewissen Angelegenheiten bezogen. Seitdem Saloniki zu Griechenland gehört, herrscht darüber völlige Unklarheit, ob und in welchem Umfange diese Privilegien noch zu Recht bestehen, wodurch oft Mißverständnisse und verschiedene Unzukömmlichkeiten eintreten. Aus diesem Grunde hat sich der Großrabbiner von Saloniki an die Prokuratur mit der Anfrage gewendet, wie es um diese Privilegien bestellt sei. Der Prokurator erwiderte, daß die gegenwärtige komplizierte politische Lage bisher die Regierung nicht habe dazu kommen lassen, zu diesen Privilegien Stellung zu nehmen. Auf die Frage, wie cs inl gegenwärtigen Momente damit bestellt sei, war der Prokurator außerstande, eine präzise Aufklärung zu erteilen. Dina Demalkuta. „Univers Jsraelite" erhält die folgende interessante Mitteilung aus Saloniki: Im Gemäßheit des talmudi schen Prinzips, wonach das Gesetz des Landes, in welchem wir wohnen, auch unser Gesetz sei, hat seine Eminenz der Großrabbiner Jakob Meir für die Dauer der drei Festtage, vom fünften bis zum achten Sivau, alle jüdischeu Barken und Wagenführer von Saloniki ihrer religiösen Pflichten enthoben, damit sie den Tausenden aus der Türkei vertriebenen Griechen, welche jetzt fast täglich aller Habe entblößt in Saloniki ankommen, ihren unerläßlichen Beistand leihen. Indem sie ihre Ruhe der Milderung der Not so vieler Unglücklicher opfern, haben unsere Glaubensbrüder, deren Notlage in dieser außergewöhnlich kritischen Zeit eine so große ist, sicherlich etwas Uebermüßiges geleistet. Es ist außerordentlich interessant zu sehen, wie diese Juden jetzt gegen ein geradezu lächerlich geringes Entgelt in langen Reihen auf schwierigen, mühselig ansteigenden Pfaden diese armen Menschen mit ihrem wohl fast wertlosen, aber* immerhin schweren Gepäck, mit ihren totmüden Fraue^ und Kindern aus geplagten Maultieren von Saloniki weiter befördern, und wie dann diese abgehetzten Juden geradezu erschöpft wieder nach Saloniki zurückkehren, wo ihrer selbst eine unsichere Zukunft harrt. Dieses Bild spiegelt unsere gegenwärtige Lage getreulich wieder. Zwischen den nliteinander kämpfenden Griechen und Türken, zwischen dein Kreuz und dem Halbmond die friedliche jüdische Bevölkerung, vollständig ruiniert, unsicher in die Zukunft blickend, selbst-stets zum Wanderftabe greifen zu müssen, leistet den Flüchtlingen ihre schwache Hilfe. Das ist das traurige und gleichzeitig schmerzvolle Los dieses arbeitsamen, friedliebenden Menschenschlages, aus welchem die Juden in Saloniki bestehen. Der Gouverneur von Mazedonien an die Juden. Der Gouverneur von Mazedonien hat dem Oberrabbiner von Saloniki seinen Wunsch wissen lassen, mit den Notabeln der Salonikier Judengemeinde in engere Fühlung zu treten. Diesem Wunsche entsprechend, erschien Großrabbiner Jakob Mair mit den Führern der Salouikier Judenschaft vorige Woche beim Gouverneur, der an die Erschienenen eine in ivarmem Tone gehaltene Ansprache hielt. Der Gouverneur wies unter anderem darauf hin, daß er noch während seines Aufenthaltes in verschiedenen Städten Europas, insbesondere in Deutschland, mit jüdischen Persönlichkeiten in engem Kontakte stand und Gelegenheit hatte, all die hervorragenden Eigenschaften der Juden kennen zu lernen. Er hege den innigen Wunsch, daß die berühmte Solidarität der Juden sich auch in ihren Beziehungen zu den Griechen betätigen möge. Der (Gouverneur erklärte ferner, daß er die leidenschaftliche Preßfehde, welche zwischen den jüdischen und griechischen Blättern in so leidenschaftlicher Form geführt wird, aufs tiefste beklage und es mit inniger Freude zur Kenntnis nehme, daß ein Verein im Entstehen begriffen sei, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, zwischen den Griechen und Juden freundschaftliche Beziehungen herzustellen. Die Regierung wolle alle ähnlichen Bestrebungen im Interesse beider Völkergruppen sowie im Interesse des gemeinsamen Vaterlandes mit allen Mitteln fördern. Der Sprecher der Deputation, Schuldirektor Leon Categno, dankte dem Gouverneur namens der jüdischen Gemeinde für diese aufmunternden Worte und sprach gleichzeitig den Wunsch und die Hoffnung aus, daß die zwei Völker, Juden und Griechen, denen die Welt in früheren Jahrhunderten so viel zu danken hatte, den Weg zu einander finden werden. Die Juden von Griechenland seien gewillt, ihrerseits alles zu tun, um dieses freundschaftliche, brüderliche Verhältnis herbeizuführen, was sie schon dadurch beweisen, daß sie eifrig daran sind, die Sprache des Landes zu erlernen und sie ihren Kindern als Muttersprache einzuflößen. Dänemark und die russischen Juden. Aus Kopenhagen wird berichtet: Auf Initiative des Oberrabbiners Dr. Schornstein und mit Unterstützung der nugesehensten dänischen Juden hat sich hier ein Ver

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