Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 470 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 Kultusgemeinde Herr M. Glauber, von Schluchzen unterbrochen, tiefbewegten Abschied von Dr. Wittenberg, dessen Tod einen ungeheueren Verlust für die Kultusgemeindc bedeute, die sein leuchtendes Angedenken immer in Treue bewahren werde. — Herr Dr. Emil Stein („B'nai Brich" Teplitz) würdigte die nimmermüde Tätigkeit des Verstorbenen um das Ferienheim, dem er sich noch kurz vor seinem Tode widmete und rief ihm die letzten Grüße nach. — Herr Dr. Gottlieb Pick sprach im Namen der Aerzteschaft, für deren Interessen Dr. Wittenberg seit mehr als 20 Jahren kämpfte, gedachte der sozialen Tätigkeit des Verstorbenen und sprach ihm für seine Arbeit im Interesse des Standes den tiefgefühlten Dank aus. — Als Vertreter der „Bohemia B'nai Brich" in Prag überbrachte Herr Großkaufmann Bondy die letzten Grüße, für den Verein „Societät" (Prag) sprach Herr Dr. Ludwig Bloch (Teplitz). Die Reden wurden von den Versammelten mit tiefer Rührung angehört, die sich bei dem ergreifend zum Vortrage gebrachten Grabliedc des „Orpheus" — „lieber den Sternen" — und den letzten Abschiedsworten des Herrn Rabbiners Dr., R o s e n z w e i g in Tränen auflöste. Sie flössen nicht nur bei Angehörigen und nahen Freunden: Ein beredtes Zeichen, daß mit Dr. Wittenberg ein wahrhaft guter und edler Mensch dahingegangen .... Das Ende des famosen Pater Hrachovsky. Endlich hat einen der widerwärtigsten antisemitischen Agitatoren unter den Tschechen das Schicksal erreicht. Pater Hrachovsky, der seine Beichtkinder verführt hat, ins Elend trieb, und als sie dann freiwillig aus dem Leben schieden, die Juden des Ritualmordes öffentlich anklagte, dieser saubere Geistliche dürfte seine Rolle nunmehr ausgespielt haben. Pater H r a ch o vsky. war Katechet in Kolin, hat im Vorjahre das Verschwinden des Dienstmädchens Pavlik, das bä Juden diente, zu einem Ritualmord ausschroten wollen. Nachdem der Be-- zirksschulrat in Kolin den klerikalen Kämpfhahn von Kolin versetzt hatte, entschied nun .der k. k. Landesschulrat von Böhmen einstimmig, daß Pater Hrachovsky vom Lehramt überhaupt zu entfernen sei. In der Begründung wird sein unmoralischer Lebenswandel durch mehrere ihn arg bloßstellende Tatsachen dargetan. So hat er mit dem Dienstmädchen Pavlik Beziehungen unterhalten, ihre Besuche empfangen und ihr sein Bild geschenkt, er hat weiter mit der definitiven Lehrerin K. korrespondiert, Ausflüge unternommen und seinem Stand nicht geziemenden Verkehr gepflogen. Schließlich hat er durch gehässige, unwahre Eingesendet in den Prager erzbischöflichen, antisemitischen Blättern (o, diese Betätigung der christlichen Nächstenliebe!) gegen eine staatlich anerkannte Religion (die jüdische) zu hetzen gesucht. Pater Hrachovsky war übrigens schon gerichtet, als er zur Vertuschung seines Liebesverhältnisses zur Pavlik das Ritualmordmärchen zu verbreiten suchte, während die aus der Elbe aufgefischte Leiche des betörten Mädchens keine Spur eines gewaltsamen Todes aufwies. So flüchtete er von Kolin nach Olmütz, dem klerikalen Eldorado, nahm die klerikale Preß- und politische Agitation auf. Ja, er, der Butler auf dem Kopfe hatte, hielt in Olmütz, Proßnitz und Umgebung Vorträge über katholische — Moral! Aber ein Redakteur eines tschechischen Blattes trat ihm derart heftig entgegen, daß Hrachovsky ihn vor das Schwurgericht Olmütz zitieren wollte. Aber es blieb beim Wollen, denn der Katechet zog die Klage zurück, so daß die auf den 15. d. M. anberaumte Verhandlung unterblieb. Jüdische Wohlfahrtsstiftungen in Lemberg. Am 14. v. M. fand zunächst die Einweihung der vom Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer Samuel v. H o r o w i tz mit-einem Kostenaufwande von etwa 150.000 Kronen errichteten Zeremonienhalle am Eingänge des jüdischen Friedhofes statt. Die Modernisierung und Verschönerung dieses Friedhofes hat irr den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, was zum großen Teile dem verstorbenen Präses und Stifter des Spitals Dir. Moritz Lazarus zu verdanken ist. Die neuerbaute Halle ist ein 29 Meter hoher Kuppelbau, der über 1000 Personen faßt und in jeder Hinsicht den repräsentativen Bedürfnissen der Großgemeinde Rechnung trägt. — Für den Fall außerordentlichen Andranges ist auf der Seitenwand eine nach außen gerichtete Kanzel angebracht. An dieses Gebäude soll sich eine in nächster Zeit zu errichtende Leichenkammer anschließen. Die Feier verlief einfach, aber würdig. Außer den Notabilitäten der Gemeinde hatte sich Stadtpräsident Neumann eingefunden. Die Ehrenwache vor und m der Halle bildeten die jüdischen Schomrim (Skauting), die in ihren schmucken Uniformen und durch ihre stramme Haltung allgemeines Aufsehen erregten. Ansprachen hielten Präsident Horowitz, Gemeindepräses Dr. Schafs und Präsident Neumann. Rabbiner Braude sprach ein hebräisches, Rabbiner Dr. Caro ein Gebet in polnischer Sprache, Oberkantor Saitz trug mit dem Tempelchor mehrere liturgische Gesänge vor. — Am 16. v. M. fand die (Grundsteinlegung zu einer segensvollen Stiftung des durch seine jahrzehntenlange philantrophische Tätigkeit bekannten kais. Rates Jakob S t r o h statt. Herr Stroh, der bereits mehrere Institutionen geschaffen und schaffen geholfen hat, krönt nun sein Lebenswerk, indem er ein großes, von einem Garten umgebenes Grundstück im Werte von 100.000 Kronen und einen Bäufond im Betrage von 200.000 Kronen zur Errichtung eines Heimes für herabgekommene jüdische Kaufleute widmet. In diesem mit dem modernsten Komfort zu erbauenden Hause, das den Namen „Ruhiges Alter" führen wird, sollen ungefähr 30 Familien unentgeltliche Wohnung erhalten Den Bau wird Herr Architekt Kaßler leiten, das Haus im Juli 1915 seiner Bestimmung übergeben werden. Welchen Segen dies angesichts der heutigen wirtschaftlichen Krise, der so viele Existenzen zum Opfer fallen, bedeutet, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Das bayrische Königspaar in Regensburg. Am Sonntag den 14. und Montag den 15. Juni waren für Regensburg hohe Feiertage. Se. Majestät König Ludwig III. und Ihre Majestät Königin Maria Theresia mit den Prinzessinnen Töchtern weilten in den Mauern der oberpfälzischen Kreishauptstadt. Ueberall herrschte Freude und Jubel. Zu den Festlichkeiten war neben den Geistlichen der anderen Bekenntnisse auch der Distrikts-Rabbiner Dr. Meyer eingeladen. Beim Empfange-wie beim Cercle nach der Hoftafel wurde der Rabbiner von Sr. Maejstät dem König mit einer Ansprache beehrt. Mit besonderem Interesse nahm Se. Majestät davon Kenntnis, daß die israelitische Kultusgemeinde Regensburg eine einheitliche Gemeinde ohne jegliche Spaltung sei. — Unter den mit Orden ausgezeichneten Persönlichkeiten befindet sich auch der Distrikts-Rabbiner Dr. Meyer, dem der Verdienstorden vom hl. Michael 4. Klasse verliehen wurde. Die Orden wurden von Sr. Majestät persönlich den Ausgezeichneten überreicht.