Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 466 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 vertreten Steinhuhn (Caccabis saxatilis) und Königshuhn (Am mopeidix he><i). Sre wurden, wie auch die uu 2. Mv>. tb. 13 und 4. Mos. 11, 31 erwähnten Wachteln in Netzen oder durch Lockvögel gefangen. Schließlich mag noch der Prophet Micha erwähnt sein, wenn er sagt: „Ich will ein Trauern ansetzen wie ,Strauße/" Me Jugerrdlrhrer der lalmudischerr Zeit. Von L. WicSncr. sna -o trn *i (8. Fortsetzung.) R. Chija b. Adda. R. Chija b. Adda war Elementarlehrer der Kinder des R. Simon b. Lakisch, Einmal traf es sich, daß er drei Tage ausülieb. Als er wiederkam und von R. Simon b. Lakisch wegen seines Fernbleibens zur Rede gestellt wurde, entschuldigte er seine Abwesenheit mit seiner Weinlese, die so reichlich ausfiel, daß sie ihn drei Tage lang in Anspruch nahm. „Einen einzigen Weinstock, der eine ganze Laube bildet, hinterließ mir mein Vater. Dieser Wcinstock war so ergiebig, daß ich an jedem der drei Tage dreihundert Stränge abschnitt, von welchen die des ersten Tages drechundert, die des zweiten Tages hundertundfünszig und die des dritten Tages hundert Krüge Wein ergaben, dabei habe ich mich noch über die Hälfte des Eigentumsrechtes begeben und diese als freies Gemeingut erklärt." Mit einem leichten Tadel meinte R. Simon b. Lakisch: „Wärest du nicht ausgeblicben, so wäre der Ertrag deiner Weinlese noch besser ausgefallen."^) Dies ist die einzige Reminiszenz an die Wirksamkeit des R. Chija b. Adda als Kinderlehrer, lieber seine Persönlichkeit und seine anderweitigen Beziehungen geben uns einige wenige Daten Nachricht. Chija b. Adda war von Geburt Palästinenser -und entstammte einer Gelehrtenfamilie, er war der Schwestersohn des Bar Kappara, jenes bekannten, durch Geist und Witz hervorragenden Schülers des Patriarchen R. Jehuda I. Sein- Wohnort, vielleicht auch sein Geburtsort, war Tiberias, der Sitz der Akademie der beiden Schulhäupter R. Jochanan- und R. Simon b. Lakisch, deren Lehrvorträge er besuchte. Doch fühlte sich Chija b. Adda mehr zu dem scharfsinnigen R. Simon b. Lakisch hingezogen und blieb nach und nach den Vorträgen des R. Jochanan ganz fern. Auch R. Simon b. Lakisch gewann diesen hochbegabten Schüler lieb wie einen Sohn und betraute ihn, wie bereits erwähnt, mit dem Unterrichte seiner kleinen Kinder. Neben hervorragenden Geistesgaben besaß Chija b. Abba eine angenehme Stimme. Sein Onkel Bar Kappara ermunterte ihn, beim öffentlichen Gottesdienste vorzubeten und durch seine herrliche Gabe den Gottesdienst zu verschönern, denn es heißt: Ehre den Ewigen durch deinen Schatz ^-.-12 (Spr. III, 9), das will sagen, mit dem, womit er dich begnadet hat "rn.-.* 2) Mit diesem seinen Onkel finden wir einmal Chija b. Adda in einer Kontroverse über die Auffassung des Wortes i2*trn (Deuter. V, 25).3) Wenn man, nach Rab, aus der Trauerrede über den Heimgegangenen auf dessen Verdienste schließen darf/) so ist R. Chija b. Adda ') Kethuboth 111b. Gegen die Annahme Bachers, (Agada d. pal. Amor. 1. 341 Änm. I und 353 Amu. 4) daß hier, wie Kethuboth 8 b k:k für x-itc zu lesen ist, spricht, wiewohl diese Annahme durch Cod. München Ed. Strack gestützt erscheint, der Unistand, daß Chija b. Abba in Babylon geboren wurde und daher in Palästina keinen Weinstock als väterliches Erbe besessen haben könnte. Daß sein Vater mit ihm nach Palästina gekommen sein und hier ein Grundstück erworben haben soll, wäre erst zu erweisen. Vergl. Jawitz, Toldoth Israel VH. 84. Anm. 7. 21 Pesikta B. 97 a, Tanchuma B. Rech 9. 2) Kohel th r. zu X. 20 — Frankels Behauptung, Mebo 82 b, daß Chija b. Adda jung gestorben ist, dürfte in Anbetracht des Umstandes, daß er noch mit Bar Kappara eine Kontroverse hat und später noch Hörer des R. S. b. L. war, nicht zutreffen. *) (Sabbatt) 153 a. den bedeutendsten Männern seiner Zeit zuzählen. Kein Geringerer als R. Simon b. Lakisch hielt ihm die Leichenrede. R. Jochanan übertrug diese Aufgabe seinem jüngeren Kollegen, weil dieser, als Lehrer des Verstorbenen, dessen Bedeutung besser zu würdigen vermöge. Diese Leichenrede ist uns erhalten geblieben und wirkt schon durch die Wahl des Textes (Schir. VI, 2) ergreifend. „Mein Geliebter stieg hinab in seinen Garten ' zu den würzigen Beeten,, zu weilen in den Gärten und Lilien zu pflücken." „Mein Geliebter, das ist Gott, stieg hinab in seinen Garten, das ist die Welt, zu den würzigen Beeten, das ist Israel, zu weilen in den Gärten, das sind die Völker der Welten, und die Lilien abzupflücken, das sind die Frommen, die er durch den Tod abberuft. Gott kennt die Verdienste des Chija b. Adda und hat ihn darum aus der Welt abberufen."'') 12 *rn i R. Chija b. Abba. R. Chija b. Abba war. eigentlich kein berufsmäßiger Schullehrer. Er zählte vielmehr zu den hervorragendsten palästinensischen Amoraim zu Ende des dritten und Anfang des vierten Jahrhunderts, die ihre Lebensaufgabe in dem geistigen Ausbau und der Befruchtung der Gebiete der Halacha und Hagada erblickten. Allein sein Leben und Wirken bietet so viele Berührungspunkte mit der Unterweisung der Jugend, daß bei einer Zusammenstellung der im Talmud erwähnten Kinderlehrer sein Name nicht fehlen darf. Es soll demgemäß hier keine erschöpfende Lebensbeschreibung dieses großen Amora geboten, sondern lediglich jene Momente aneinändergereiht werden, welche ihn in seiner Beziehung zum Jugendunterrichte zeigen und charakterisieren. Von Geburt Babylonier, verließ er in noch jungen Jahren seine Heimat, um sich in den palästinensischen Schulen auszubilden. Er. traf hier noch die großen Geister des ersten Amorageschlechtes, R. Chanina b. Chama, R. Josua b. Levi, freilich schon hochbetagt, an und weilte gerne in ihrer Nähe, um ihnen Dienste zu leisten und aus dem Umgänge mit ihnen zu lernend) Sein eigentlicher Lehrer, dessen Lehrsätze und Aussprüche er in sich ausgenommen und vorwiegend tradiert, war R. Jochanan/) das Schuloberhaupt zu Tiberias. In der Wiedergabe der Aussprüche und Lehrsätze seines Lehrers war -er äußerst genau und galt deshalb als dessen zuverlässigster Tradent,3) wie er überhaupt in allem, auch in Dingen, worauf die anderen Lehrer keinen Wert legten, die peinlichste Genauigkeit beobachtete, weshalb er von einem seiner Kollegen als 4 5) Tüpserlmensch, bezeichnet wurde. R. Chija b. Abba bekundete auch im Unterrichte von Kindern Lehrgeschick. R. Simon b. Lakisch, Schwager und Freund seines Lehrers R. Jochanan, vertraute ihm den Bibel-, nach einer Ansicht den Mischna-Unterricht seiner Söhne an/) Auch seinem eigenen Sohne Nehemia erteilte er selbst Unterricht/') Ein Gespräch R. Jochanans mit seinem jungen Neffen, eben dem Schüler R. Chijas, gewährt uns einigermaßen Einblick in die Art des Bibelunterrichtes und zeigt uns zugleich, bis zu welchem Grade die Bibelkenntnis eines allerdings sehr geweckten Knaben zu jener Zeit reichte. R. Jochanan begegnet dem Knaben und fordert ihn auf, den zuletzt in der Schule gelernten Vers?) herzusagen. Prompt antwortet der Knabe: its-y "tw (Deuter. XIV. 22) und richtet zugleich an den Onkel die 'Bitte, ihm diese Worte zu erklären. R. Jochanan ■"') Je'r. Berachoth If, 8, Schir, r. zu VI. 2, Koh^eth r. zu V. 11. Y-Jer. Sabbath I, 2, Jer. Horajoth III, 4. 2) Jer. Abodah Zarah II, 8. ->) Berachoth 33b. 4) Jer. Berachoth VII, 3. 5) Kethuboth 8 b. a) Jer. Berachoth III, 4. 9