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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N. 27 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 465 zu unterrichten! Aber was soll man tun? Würde einer wagen, ein Buch zu veröffentlichen, in dem man offen das Judentum begünstigt, so würde Man Verfasser und Verleger bestrafen. Das ist ein bequemes Verfahren, sicher, um immer Recht zu behalten. Aber auch die unter uns^ die in der Lage sind, mit Juden zu verkehren, kommen nicht weiter. Denn diese Unglücklichen fühlen sich unserer Gnade unterworfen, sie sind durch unsere Tyrannei furchtsam geworden, sie wissen, wie wenig Grausamkeit und Ungerechtigkeit der christlichen Liebe kostet; sie wagen keine Aeußerung, die uns in Entrüstung setzen könnte. Sie sind zu reich, um nicht unrecht zu haben, und die Habgier verleiht uns Eifer. Die Gelehrtesten und Aufgeklärtesten unter ihnen sind immer die Vorsichtigsten. Diese Gelehrten werden über eine Torheit lächeln, wenn es auch noch gelingt, über ein paar Unwissende und Feige zu triumphieren, ein paar Elende zu bekehren, die über ihre Glaubens-' gemeinschaft schlecht reden, um euch zu schmeicheln. Aber glaubt ihr an Orten, wo sie sich sicher fühlen, so leichten Kaufes mit ihnen fertig zu werden? Den Doktoren cher Sorbonne steht es fest, daß sich die Messiasverheißungen auf Jesus beziehen, die Rabbiner von Amsterdam sind vom Gegenteil überzeugt. Ich würde nur dann glauben, die Gründe der Juden recht verstanden zu haben, wenn sie einen freien Staat, Schulen und Universitäten besitzen, in denen sie ohne Gefahr sprechen und disputieren können. Erst dann könnten wir wissen, was sie zu sagen haben." Ein merkwürdiges Testament. Ein Amsterdamer Blatt erinnert, da die Erhöhung der Erbschaftssteuer im Augenblick in Holland wieder eine heikle Frage bildet, an ein am Anfang des achtzehn-- tcn Jahrhunderts vollstrecktes Testament, worin unter anderen merkwürdigen Bestimmungen auch eine Nationalspende vorkam, wie sie in der Vergangenheit vielleicht als einziges Beispiel dastehen dürfte. Wie man weiß, fanden die von der portugiesischen und zum Teil auch von der spanischen Inquisition verfolgten Juden in Holland eine sichere Zufluchtsstätte. Viele brachten ihren Reichtum mit, und da sie sich alle in portugiesischen Häsen einschifften, also aus Portugal kamen, wurden sie in Holland im Gegensatz zu den meistens armesn, aus Deutschland eingewanderten „hochdeutschen" Juden kurzweg „portugiesische" Juden genannt. Die reichste Familie unter den letzteren war wohl die de Pintos, und das von einem ihrer Nachkommen, der am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in Amsterdam gestorben ist, hinterlassene Testament, das hundert Jahre später noch einmal gedruckt wurde und den Umfang einer ansehnlichen Schrift hatte, ist von jeher ein Gegenstand regen Interesses gewesen. Die geflüchteten Juden erfreuten sich des besonderen Schutzes des Hauses Oranien, der Leibarzt des Prinzen Moritz war ein Jude, und wenn es nach dem Willen des Statthalters gegangen wäre, dann wäre dieser Professor an der Universität Leyden geworden. Dafür zeichneten sich auch die Juden durch treue Anhänglichkeit an das Haus Oranien aus, in der sie auch nicht wankend geworden sind, als die städtischen Oligarchen und dann der durch den Rausch der französischen Revolution betörte Pöbel grimmige Feinde der Nachkommen Wilhelms des Schweigers geworden waren. Dieser de Pinto war es, der dem Statthalter Wilhelm, dem späteren König von England, zu seinem gewagten Unternehmen gegen seinen Schwiegervater Jakob II. die Summe von zehn Millionen Gulden mit dem Bemerken vorstreckte, daß, wenn das Unternehmen gelinge, er sie von Seiner Hoheit wohl zurückerhalte; wenn nicht, daß er dann auch nicht arm sein werde. Den „Herren Staaten" von Holland hinterließ er außer einer Summe von 500.000 Gulden „für das gemeine Land" noch als zinsfreie Anleihe, 1,500.000 Gulden, „um den Krieg (gegen Ludwig XIV.) kräftig führen zu können"; sollte aber in den nächsten zehn Jahren kein Feldzug stattfinden, dann müsse der Betrag verzinst werden. Daniel de Pinto wurde in Amsterdam nur „de ryke Jood" genannt, bei dem sogenannten Aansprekersoproer im Jahre 1696 — hervorgerufen durch die von der städtischen Behörde von Amsterdam angeordneten Beschränkungen des bei Begräbnissen entfalteten Luxus — wurde sein Haus in der St. Anthoniebreestraat, der heutigen Joodenbreetstraat, vom Pöbel geplündert, ehe die Bürgerwehr einschreiten konnte. Aber sein Testament bewies, daß er ein edles Herz auch gegen seine Feinde hatte, denn jede der christlichen Kirchen bekam 10.000 Gulden, jedes christliche Waisenhaus in Amsterdam und im Haag *-5.000, jedes Kind, das bei seinem Tode in den Waisenhäusern der genannten zwei Städte sich befand, 10.000 Gulden beim Verlassen der Anstalt. Außerdem mußten für eine bestimmte Zeit jedes Jahr 40 Schiffsladungen Torf an die Armen verteilt werden. Nach dem Bisherigen kann man sich denken, in welcher Weise seine Glaubensgenossen bedacht wurden: das portugiesische Waisenhaus erhielt 75.000, der portugiesische Tempel 1,500.000 und „die Restanten für die sogenannte jüdische Stadt Jerusalem" 1,000.000 Gulden. Daneben sollte jeder der sechzehn Träger seiner Leiche tausend Dukaten, alle zusammen 84.000 und jeder seiner Dienstboten 10.000, zusammen 70.000 Gulden, bekommen. Das waren nur Vermächtnisse und man kann aus ihrem Betrag sich einigermaßen einen Begriff von dem machen, was er seiner Familie hinterlassen haben muß. Seine Witwe erhielt drei Millionen Gulben und seinen gesamten Häuserbesitz in Amsterdam; sein Neffe Arias erbte .3,100.000 Gulden, aber unter der Bedingung, eine seiner Nichten zu heiraten. Wenn man den Geldwert jener Zeit berücksichtigt und ihn mit dem heutigen vergleicht, so muß der Reichtum dieser Familie fabelhaft gewesen sein, was wohl auch daraus hervorgeht, daß trotz der Zersplitterung des Vermögens in den folgenden Menschenaltern diese de Pintos bis an die Mitte des vorigen Jahrhunderts nur von ihren Renten gelebt haben. Biblische Vögel. Als waldarmes Land war Palästina im gewissen Sinne arm an Vögeln. Sehr zahlreich waren die Raubvögel und unter diesen besonders die Geier vorhanden. Als der häufigste kam wohl der Schmutzgeier in Betracht. Zahlreich war auch der Weihkopfgeier bertreten, von dessen scharfem Gesicht der Talmud übertreibt: „Er kann in Babel sich befinden und dennoch ein Aas in Palästina erblicken." Dieser in großen Gesellschaften lebende Geier wird von Luther als Adler bezeichnet; denn wenn es bei Micha heiht: ,Mache dich gar kahl wie ein Adler", so trifft das auf die letzteren nicht zu. Auch die Stelle im Matthäus-Evangelium muh dahin berichtigt werden: „Wo ein Aas ist, da sammeln sich die — Geier." Noch heute spielen die Geier bei der Ilnsauberkeit und der Gewohnheit, alles auf die Straße zu werfen, eine bedeutende, ja sogar „geheiligte" Rolle im Morgenlande; sie gehören hier mit zu der von der Natur gestellten Gesundhritspolizei. Von den Nachtraubvögeln ist wohl der Steinkauz am häufigsten. Eine Schleiereule wirkt durch ihr unheimliches Schnaufen und ihren leisen Flug gespensterhaft. Sie wird bei Jesaias erwähnt. Dieser teufkische Kobold „Lilith" soll in Eulengestalt bei Nacht Kinder rauben und töten. — Unter der Bezeichnung Zippor haben wir eine Reihe von Kleinvögeln zu verstehen, die in Dohnen und Netzen gefangen wurden. Aber auch „Stubenvögel" kannte man schon. Im Hiob heißt es vom Leviathan: „Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel, oder ihn für deine Dirnen anbinden?" Es bestand hier nämlich die Sitte, Vögel als Spielgefährten für kleine Mädchen an elnen langen Faden zu binden. Daß man den Gesang der Vögel in der Natur schätzte, beweist die naturfroh» Schilderung im 104. Psalm: „Du lassest Brunnen quellen in den Gründen, dah die Wasser zwischen den Bergen hinfliehen, dah alle Tiere auf dem Felde trinken und das Wild seinen Durst lösche. An denselben sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen." Im bleuen Testament wird in der Bergpredigt auch der Sperling erwähnt. In dem Klagelied des kranken Königs Hiskia wird eine Schwalbenart durch ihr Winseln gekennzeichnet, das seinem Schmerzgestöhn ähnlich sei. — In großer Wertschätzung standen Tauben; sie waren die einzigen Vögel, die geopsart werden durften. Die Taubenhäuser waren großartige Anlagen mit Hunderten von Nistlöchern. In Betracht kommen folgende Arten: Felsentaube (Oolumbi, livia), Ringeltaube (C. palumbus), Hohltaube (0. onnas1» und Turteltaube iT»r'ur Die Zähmung der Tauben erfolgte schon sehr früh; spielt sie doch als solche schon in der Sintflut eine Rolle. — Als Hühnervögel waren

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