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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4L4 Dr. Bloch's Wochenschrift leitete sich her von einem Gelehrten, den Karl der Große ans Babylon berufen haben soll, damit er in Narbonne eine Talmudschule nach dem Muster der babylonischen Akademien gründe. Diese jüdischen Gelehrten in Babylon, die sogenannten Erhorchen, hatten den Vorzug, vom königlichen Blute Davids zu sein. Der heraldische Löwe auf dem Petschaft des Moment Tauros soll daher möglicherweise an den „Löwen vom Stamm Juda" erinnern. Bis über die Mitte des 13. Jahrhunderts waren diese provencalischen Judenkönige freie Abodialherren, die unmittelbar unter dem französischen Könige standen. Reicher Allodiarbesitz kam in Südfrankreich unter den Juden schon von gallisch-römischer Zeit her vor, jedoch ohne Gerichtsbarkeit und ohne die Macht, Untertanen zu Kriegsdiensten aufzubieten. So blieb es unter der merowingischen und unter der karolingischen Herrschaft. Die Feudalzeit trieb die kleineren jüdischen Allodialbesitzer, ebenso wir die Christen, dazu, sich als Lehensleute unter den Schutz größerer Herren zu begeben. Sie kamen auch als Lehensleute von Abteien und Bischöfen vor. Die mit den Kreuzzügen entstehende Feindseligkeit der Christen veranlaßte dann die jüdischen Grundbesitzer, ihre Güter nach und nach zu barem Gelde zu machen. Als 1306 die große Konfiskation kam, da fanden sich bei den „Judenkönigen" nur mehr etwa dreißig Häuser vor; ihren AUodial- und ihren Feudalbesitz hatten sie kluger Weise einige Jahrzehnt: vorher veräußert. Die Tscheberjak unter Polizeiaufsicht. Wie uns aus gutinformierter Quelle aus Kiew berichtet wird, wurde die aus dem Beilis-Prozeß bekannte Wera Tscheberjak unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Sie mußte sich durch einen schriftlichen Revers verpflichten, ohne polizeiliche Genehmigung die Stadt nicht zu verlassen. Gegen die Tscheberjak liegen bekanntlich schwerwiegende Verdachtsmomente vor, daß sie mit der Ermordung des Knaben Juschtschinsky, wegen bereit Beilis angeklagt und freigesprochen wurde, in Verbindung stehe. Aus der obigen Verfügung der Polizei wird irun gefolgert, daß sie sich endlich entschlossen habe, diesen Verdachtsmomenten ernstlich näherzutreten. Juden auf dem Meteorologenkongretz in Petersburg. .In Petersburg findet demnächst ein Meteorologenkongreß statt. Die Abhaltung des Kongresses war jedoch bis in die letzten Tage in Frage gestellt, da die Regierung bezüglich der Zulassung ausländischer jüdischer Delegierter zu diesem Kongresse eine ablehnende Haltung einnahm. Wie uns nun aus Petersburg gemeldet wird, hat die russische Regierung nach längeren Unterhandlungen die Kongreßleitung verständigt, daß den ausländischen Juden, soweit sie Delegierte des Meteorologenkongresses sind, für die Dauer des Kongresses der Aufenthalt in Petersburg gestattet wird. Getaufte Juden und die jüdischen Friedhöfe. In dem von der Petersburger jüdischen Gemeinde ausgegebenen Jahresbericht wird u. a. darauf hingewiesen, daß sich immer mehr die Fälle häufen, in denen getaufte Juden auf Dem jüdischen Friedhofe in Petersburg beerdigt wurden. Nach den russischen Gesetzen genügte die Erlaubnis des kompetenten russischen Geistlichen, um die Beerdigung eines solchen Getauften auf einem jüdischen Friedhofe vornehmen zu können. Wenn nun ein Getaufter letztwilliK den Wunsch äußerte, im jüdischen Friedhofe begraben zu werden, so erwirkten die Hinterbliebenen durch Geld bei dem betreffenden Geistlichen die erforderliche Bewilligung. Um diesem Unfug zu steuern, hat nun der Vorstand der Petersburger jüdischen Gemeinde beschlossen, von nun ab die Bestattung solcher getaufter Juden auf dem jüdischen Gottesacker zu verweigern. In gleichem Sinne faßte auch die Odessaer jüdische Gemeinde einen einhelligen Beschluß. Ein jüdischer Oberstaatsanwalt. Wie aus Konstantinopel berichtet wird, wurde der Rechtsanwalt Jsaac Effendi Ferrara zum Oberstaatsanwalt am Kassationshofe in Konstantinopel ernannt. dtr. 27 Der neue Oberstaatsanwalt hat seine Studien als Stipendist der türkischen Regierung in Paris mit Auszeichnung absolviert. Der Talmud Der die Brille. Der bekannte Augenarzt Professor Dr. I. Hirschberg hielt einen Vortrag über die Geschichte der Erfindung der Brillen. Dr. Hirschberg konstatierte u. a., daß im Talmud keine Angaben über Grillen Vorkommen. Wie nun Herr Oberrabbiner I. Horowitz, Also-Kubin, feststellt, ist diese Behauptung nicht stichhaltig. Im Talmud, Traktat Kelim XXX. 2, werden verschiedene Glasgerätschaften aufgezählt, unter diesen auch ein Apparat „Spekular". Spekular ist taut Erklärung der Kommentare ein Sehglas, welches eine optische Täuschung hervorbringt. Maimonides kommentiert wie folgt: Spekular wird aus Glas, Berylium oder Edelstein verfertigt, ist durchsichtig, wodurch man den Gegenstand nicht an der wirklichen Stelle und nicht in derselben Größe erblickt wie er wirklich ist." Nach Raschi handelt es sich um den Elasspiegel, „der auch von unseren Frauen benützt wird". 'Das Wort Spekular kommt übrigens als Mittel zur Verbesserung der Sehkraft im Talmud noch öfter vor. Ein.jüdischer Held zu Zeiten Napoleons III. Anläßlich der Einweihung eines Denkmals für die Luftschiffer, die während der Belagerung von Paris per Ballon die Vermittlung der belagerten Stadt mit der Außenwelt unterhielten, wurde von den französischen Zeitungen ein jüdischer Name vielfach erwähnt. Es ist dies der kühne Held, Herr Neitlingen, ein geborener österreichischer Jude, der anfangs der sechziger Jahre nach Frankreich ausgewandett war. 1866 wurde er von Napoleon III. beauftragt, ein Buch über das gegenseitige Genossenschaftswesen zu schreiben. Neitlingen entledigte sich seines Auftrages so glänzend, daß Napoleon III. ihm die Erand-Naturalisation wegen dem Staate geleisteter Dienste verlieh. Während der Belagerung unternahm Neitlingen Ballonfahrten nach Wien und London, wobei das zerbrechliche Fahrzeug eines Tages in einen Wirbelwind geriet und herabstürzte. Selbst der „Figaro" kann nicht umhin, ehrend des Mannes zu erwähnen, „der, obgleich in Oesterreich geboren, aus Liebe für das französische Wesen nach Frankreich übersiedelte und hier in Anbetracht seiner großen Verdienste um das Land naturalisiert wurde". Juden im persischen Parlamente. Russischen Blättern wird aus Teheran telegraphiert, daß die Juden in Persien es nach langem Kampfe durchgesetzt haben, in einer eigenen Wahlkurie Deputierte für das persische Parlament zu wählen. Bisher hatten die Juden in Persien weder aktives noch passives Wahlrecht. Juden in Der afrikanischen Oase Fignig. Figuig ist eine große Oase auf marokkanischem Gebiete. Sie ist ungefähr 850 Kilometer von Oran und 260 Kilometer von Fez entfernt gelegen. Sie umfaßt sieben Ksours oder befestigte Städte. Den Zugang zur Oase bilden drei Gebirgspässe, deren westlich gelegener den Namen Teniet-el-Poudia, Judengebirge, trägt. In einer der letzten Nummern der Annales Africaines erzählt ein Tourist, daß er in der Hauptortschaft der Oase im Ksours-el-Oudaghir.Juden angetroffen habe. Nicht weit von der Moschee, so erzählt der Tourist, befindet sich eine größere Anzahl Judenhäuser, in denen der Fremde stets mit großer Zuvorkommenheit und Gastfreundlichkeit empfangen wird. Die jüdischen Frauen, die einzigen, deren Gesicht nicht Mit einem Schleier verdeckt ist, oerraren sehr feine Züge und erinnern durch nichts an ihre sie umgebenden Geschlechtsgenossinnen. Viele unter ihnen sind mir wegen ihrer blonden Haare und klaren blauen Augen au,gefallen. Hingegen erinnern sie stark an die Berberinnen, die gleichfalls ähnliche Züge aufweisen. Manche Forscher wollen diese Eigentümlichkeiten der jüdischen Frauen der Oase als Beweis ihrer Abstammung von den Vandalen ansehen. Doch liegt hiefür ein strikter Beweis nicht vor. Im allgemeinen muß bemerkt werden, daß die Zahl der Juden in Figuig eine verhältnismäßig geringe ist, daß ihnen bei Todesstrafe die Abschließung von Geldgeschäften verboten und auch der Erwerb von Häusern oder Gärten untersagt ist. Rousseau und die Juden. In dem berühmten „Glaubensbekenntnis des savoyardischen Vikars" (4. Buch des Emile) findet sich folgende Stelle: „Kennt ihr viele Christen, die sich die Mühe genommen haben, das sorgsam zu Prüfen, was das Judentum wider sie anführt? Sie schöpfen ihre Weisheit aus christlichen Büchern, als wenn das eine Art wäre, sich über die Gründe der Gegner

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