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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr . 37 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 463 Zum Zeichen der Trauer schließe ich die Sitzung. Die für heute ausgeschriebenen Geschäftssitzungen entfallen. _ . A^ßMiches Renegatentum. An der Spitze des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes A.-G. in Essen steht der Judenstämmling Generaldirektor G o l d e n b e r g. Diese Firma engagierte in mündlicher Absprache einen Reiseingenieur. Wie geschäftsüblich, sollte das Engagement schriftlich bestätigt werden. Anstatt der Bestätigung erhielt der Ingenieur aber von dem Elektrizitätswerk folgenden Brief: Essen-Ruhr, den 26. Januar 1914. Herrn Ingenieur I. Rosenthal, Dortmund, Kaiserstr. 74. Sehr geehrter Herr Rosenthal! Leider mutz ich Ihnen Mitteilen, datz meine Direktion nicht mit einem Engagement einverstanden ist. Da es sich in einer gewissen Beziehung um eine prinzipielle Frage handelt, hat Herr Direktor Butzmann mit unserem Generaldirektor Herrn Eoldenberg Rücksprache genommen. Dieser hat entschieden, datz wir von Ihrer Bewerbung keinen Gebrauch machen können. Ich bedaure diesen Entscheid, kann jedoch in dieser Angelegenheit nichts mehr machen. Ueber die Gründe, warum sich unsere Direktion in diesem Sinne entschieden hat, werde ich Ihnen bei einer gelegentlichen persönlichen Rücksprache gern Auskunft geben. Vielleicht besuchen Sie mich bei einem gelegentlichen Hiersein Ihrerseits einmal, dann können wir uns ja über diesen Punkt aussprechen. «Indem ich nochmals bedaure, datz aus Ihrer Anstellung durch uns nichts geworden ist, zeichne ich Hochachtungsvoll Die prinzipielle Frage entpuppte sich alsbald als Judenfrage. Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk, so wurde Herrn Rosenthal gesagt, stellt grundsätzlich Juden nicht an. So geschehen im Jahre des Heils 1914 und nicht etwa im Offizierkorps irgend eures preußischen Regiments, sondern im Geschäftsbetrieb einer kaufmännischen Firma, deren Generaldirektor ein Täufling ist. Domet Aziz ein nazireischer jüdischer Dramenschriftsteller. In dem ungarisch-jüdischen Blatte „Egyenlöszeg" veröffentlicht der Publizist Emerich Szabo einen interessanten Artikel über einen jungen nazireischrn Dramenschriststeller namens Domei Aziz, den er in Budapest kennen lernte und von dem ihm bekannt war, batz er auch einige Dramen jüdischen Inhaltes geschrieben hat. Ueber sich und seine Arbeiten sagte Domet folgendes: „Ich wurde im Jahre 1890 in Kairo geboren, .wo meine Familie damals bereits ungefähr 140 Jahre ansässig war. Ich entstamme einer alten adeligen Familie, meine Vorfahren waren auf der Insel Rhodus angesehene Persönlichkeiten, wo sie zu einer Zeit sogar fürstlichen Rang hatten. Mit der Zeit gewann jedoch die Gegenpartei Oberhand und die Familie Domet wurde nach Konfiskation ihrer Güter verbannt. Laut glaubwürdiger Aufzeichnungen unserer Familienchronik waren wir mit dem einzigen nazireischen römischen Kaiser Philipus Acabs, der nach kurzer, fünfjähriger Herrschaft von dem Christenverfolger Dezius bei Verona besiegt und ermordet wurde, verwandt. Mein Vater genoß deutsche und arabische Erziehung. Er absolvierte seine Studien in dem lyrischen deutschen Waisenhaus in Jerusalem, welches bekanntlich in Kleinasien der Mittelpunkt deutscher Kultur ist. Im Jahre 1893 wurde mein Vater von der deutschen Regierung als Dolmetsch nach Dal el Salem berufen. Mein Vater kannte nicht nur die ostafrikanische Sprache, sondern war mit allen Wünschen und Schmerzen der Eingeborenen vertraut, so datz er bald zum Rechtskonsulenten befördert wurde. Das unerträgliche Klima bewog meine Ellern zur Rückkehr nach. Asien, sie übersiedelten dann nach Haifa und später nach Jerusalem. Wir sind die Anhänger einer eigenartigen Religion, einer Sekte, welche nicht nur einen eigenartigen Ritus, sondern auch eine eigene Sprache besitzt. Wir sind Naziräer, jene Sekte, aus welcher auch der Begründer des Christentums hervorging. In unserem Bethause ist jedoch keine Spur von einem Kreuz. Unser Glaubensbekenntnis ist eher das Alte Testament als das Neue, und wir haben auch einzelne uralte Zeremonien, welche die Juden seit Einbützung ihres Staatenlebens aufgegeben haben, aufrechterhalten. Zum Pessachfeste opfern wir ein Lamm und bespritzen unsere Türpfosten mit seinem Blute. Großes Gewicht legen wir auf das Laubhüttenfest und überhaupt auf die Feste, welche sich auf die Urgeschichte der Juden beziehen. Wir besitzen keine aus Pergament geschriebene Bibel. In unserem Dethause gibt es kein Musikinstrument. Wir benützen die von unseren Priestern in syrischer Sprache geschriebene heilige Schrift. Unsere Priester ragen jedoch nicht so sehr durch ihre rhetorische Fertigkeit oder theologisches Wissen, als vielmehr durch ihr sittliches Leben hervor. Der Priester kann welchen Berus immer ausüben, er kann auch ein einfacher Landmann sein, die Hauptsache ist, datz er ein makelloses Leben führe. Die Sprache unserer Religion ist ein Gemisch von der alten bereits ausgestorbenen assyrischen, der arabischen und der hebräischen Sprache. Die Schriftzeichen sind armenisch. Wir sind klein an Zahl und haben auch nicht den Wunsch, uns auszudehnen. Die Religion ist bei uns viel enger mit dem Leben verknüpft als bei den europäischen Völkern, und diesem Umstande verdanke ich es, datz trotzdem ich die Kunst zu meinem Beruf gewählt habe und Lessing, Shakespeare für die größten Geister halte, dennoch mich der tiefsten Religiosität rühmen darf. Im Jahre 1905 erlangte ich Kenntnis von Klopftock und Lessing. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Die Stunden, welche ich mit dem Lesen des „Messias", „Minna von Barnhelm" und „Nathan" verbrachte, bedeuteten für mich festliche Stunden. Ich schrieb kleinere philosophische Dialoge, natürlich bloß zu meiner eigenen Erbauung, undch später unter dem Titel „Rhamses II." ein Drama in zwei Aufzügen. Hievon hat mein Lehrer irgendwie Kenntnis erhallen. „Du Unglücksmensch, willst doch nicht etwa Schriftsteller werden!" „Doch," antwortete ich trotzig, „ich werde einer, und zwar einer wie Lessing." „Erst mutzt du zehnmal in die Unterwelt fahren," antwortete der Literaturprosessor, „und zehnmal wieder geboren werden, ehe du auch nur ein Epigramm wirst schreiben können wie Lessing." Ich kümmerte mich nicht um die Meinung des „Sachverständigen" über mich und meine Fähigkeiten, und als er mir einmal die These zum Aufsatz gab: „Die Bedeutung Jerusalems", machte ich die Arbeit in Form eines Dialoges in metrischen Zeilen. Hiesür stellte er mir ein Ungenügend in Aussicht, welche Note er mir auch tatsächlich gab, als ich Seumes „Der Wilde" in Reime setzte, anstatt dessen Inhalt in gesunder, nüchterner Prosa wiederzugeben. Eineinhalb Jahre später schrieb ich unter dem Einflüsse Shakespeares mein Drama „Kena, der letzte Held von Kanada", und bevor ich meine Lehrerprüfung ablegte, vollendete ich meine für eine arabische Wandertruppe bestimmte Arbeit „Sukut Abdul Hamidi" („Die Vertreibung Abdul Hamids"), das auch jetzt noch überall in Arabien gerne gegeben wird. Später schrieb ich noch kleinere Gedichte und studierte eingehend die deutsche Literatur. Im Jahre 1910 kam ich nach Europa, und zwar nach München, der ersten deutschen Literaturzentrale nach Berlin. Hier vollendete ich mein Drama „Ludwig XIV.", und erst dann sah ich mir eine Hamlet-Vorstellung im Hof- und Nationaltheater an. Hier erwachte in mir das Bewußtsein meiner Geringfügigkeit. Der unermeßliche Abstand, den ich zwischen meinem Talent und dem Genie des großen Engländers empfand, hat mich beinahe in Verzweiflung gebracht. Ich ging nach Hause, vergoß bittere Tränen und nach einer schlaflosen Nacht verbrannte ich alle mitgebrachten Manuskripte. Zwei meiner Dramen behandeln jüdische Themen, und zwar „Belsazar" und „Das Opfer der Isis". Ich habe die Empfindung, datz ich mit diesen zwei Arbeiten mich dem großen Wendepunkte der Selbsterkenntnis nähere, und ich habe den Glauben, datz das jüdische Drama mein Metier werden wird. Jetzt empfinde ich bloß und ahne, aber ich weiß natürlich nichts und kann nichts wissen. Die Zukunft liegt in Gottes Hand. Ein jüdisches Mitglied des französischen Kriegsrates. Aus Paris wird gemeldet: Der Kommandant des 3. Regiments in Rouen, General Valabregue, wurde zum Mitgliede des Obersten Kriegsrates ernannt. General Balabregue gehört dem Judentume an. Die „Judenkönige" der Provence. Das Museum von Narbonne besitzt ein Judenpetschaft aus dem Ende des 13. oder vom Anfänge des 14. Jahrhunderts. Es stammt aus der Zeit, wo die Wappen nicht mehr das ausschließliche Vorrecht des Adels waren, sondern wo auch die namhaften Bürger in den Städten anfingen, sich solche beizulegen. Das Petschaft ist zweiseitig und zeigt einen steigenden Löwen in heraldischer Form. Die Umschrift mit dem Namen ist auf der einen Seite prooencalisch, auf der anderen hebräisch. Das Petschaft gehörte dem Momet Tauros oder Kalonymos ben Todros III. aus dem alten, reichen Geschlechte der „Judenkönige", in welchem das Vorsteheramt der Gemeinde von Narbonne erblich war. Der Verfasser einer Studie über die Gemeinde, Jean Regne, führt in der „Revue des Etudes Juives" aus, datz der von einer Generation auf die andere fortgeführte Name „Roi Juif" von den Christen hergerührt habe, welche den hebräischen Vorstehertitel irrtümlich deuteten. Die Familie

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