Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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©eile 456 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 Nadeje geb. Mautner Boriska, Musikersgaltin, geb. 6. Juni 1891, Budapest, XV., Holochergasse 55. Politzer Stella, geb. 29. Mai 1887, Wien, IV., Starhembergg. 28. Poseles Richard, Privatbeamter, geb. 22. Mai 1875, Prag-Smichow, XIII.. Hietzinger Hauptstraße 117. Revi Kurt, Student, geb. 31. Dez. 1895, Budape t, I., Neuer Ma’kt 10. Skamperls David, Buchhalter, geb. 13. November 1882, Wien, 11. ü eongasse 11. Winkler Elise, Private, geb. 13. Juni le91, Muglitz, I., Führichg. 6. Generalvcrsammlung des TempelLauvercins. Aus Klosterneuburg wird uns gemeldet: Am 9. d. M. fand die Generalversammlung des Klosterneuburger Tempelbauoereines statt. Nachdem der Obmann Kultusausschuß Hermann Erber den ausführlichen Jahresbericht erstattet hatte, wurde dem abtretenden Ausschuß das Absolutorium erteilt. Ueber Vorschlag des Kultuspräses Herrn Dr. Rud. Schneeweiß wurde der alte rührige Ausschuß, und zwar zum Obmann Herr Hermann Erber, Bürger von Klosterneuburg, Kassier Jacob Scheuer, Kaufmann, und zum Schriftführer Herr Kantor Wiche'm Sie in'er wicdcrgewählt. Zuaim (70jähriges Geburtsfest.) Am 17. Juni l. I. feierte Frau Jeanette Reich in vollster körperlicher Rüstigkeit und geistiger Irische im engsten Familienkreise das 70jährige Geburtsfest, umgebet, von allen Kindern und Enkeln der Familten Stuckhart. Staatsbahnrat Reich, Wallis, Fisch! und Hansel in Znaim. Karl Reich in veidenretchstein, Rudolf Reich in Gmünd, Oskar Wohlmuth in Wen XIX. und Max Reich in Tachau. Die Jubilarin, welche durch ihre Glaubensstärke, ihr Wissen und ihre Bescheidenha't sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, war Gegenstand vieler, teils schriftlicher, teils persönlicher Gratulationen, von denen ein die Jubilarin b.sonders ehrendes Schreiben Sr. Ehrwürden des Professors und Rabbiners Dr. Kaha« hervorgehoben zu werden verdient. Möge es dieser Frau bis ins höchste erreichbare Alter gegönnt sein, wie b'sher eine Z'erde de' hieroit'gen Kultusgeminde u bleiben. Neuern (Böhmen). Donnerstag den 18. d. M. fand im Zcichensaal der hiesigen Bürgerschule eine öffentliche Religionsprüfung statt, an der sich bereits alle Mitglieder (Damen und Herren) dieser Kultusgemeinde beteiligten. Das Resultat derselben ist ein ausgezeichnetes gewesen. Alle Erschienenen waren von den Leistungen der Kinder hocherfreut und aufs angenehmste überrascht. Herr Fabrikant Philipp Vogl dankte Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. H i r s ch b e r g in besonders warmen und schönen Worten für den glänzenden Erfolg seines Unterrichts und seiner wahren Lebrerbegeisterung. An diesem Platze halten wir es für eine Pflicht, auch der Tatsache zu erwähnen, daß Herr Bürgerschuldirektor dem ganzen Gange der Prüfung folgte und sich auch bei dieser Gelegenheit über das Gehörte in der schmeichel- Hamtmrg. (T r a u u n g.) Sonntag, den 5. Juli 1914, 21's Uhr, findet int Logenheim, Hartungstr. 9 11, die Trauung des Fräulein Hanna Jmmerglücf, Tochter des Herrn P. Jmmerglück mit Herrn Theodor P a p p e n h e i m, Sohn des Herrn Wolf Pappenh e i m aus Wien, statt. Breslau, 14. Juni. Wie amtlich bekannt wurde, ist Dozent Dr. M. B r a n n, der feit über zwei Dezennien dem Lehrkörper des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars angehört, zum Professor ernannt worden. Die Nachricht von dieser Auszeichnung dürfte die zahlreichen Verehrer, Freunde und Schüler wohl mir lebhafter Genugtuung erfüllen. — Rabbiner Dr. Lewkowitz, ein Schüler des Seminars, ist als Dozent in den Lehrkörper neu eingetreten. Feuilleton. Die Mesusa. (Eine Kindergeschichte.) „Rein, Melanie hat ihre Puppen - aber das gehört mir;. Mama hat mich immer emporgehoben, es zu küssen, auch der Großpapa, wenn er bei uns war, und was man küßt, das gehört einem; ich geb' es nicht her!" So sagte der fünfjährige Siegfried, eine winzig kleine Mesusa in Silber gefaßt fest in seiner Rechten haltend und an seine Brust drückend, während sein um ein Jahr jüngeres Schwesterchen die Hand darnach ausstreckte. „Aber ich will es haben!" stampfte Melanie energisch den Teppich. — „Fräulein! Siegfried ist schon wieder eigensinnig!" „So? Siegfried schon wieder eigensinnig?" ertönte da die sonore Stimme des unhörbar eingetretenen Vaters. „Aber, Herr S t e i n b a ch, wie erschrecken Sie mich!" - erhob sich die hübsche junge Dame aus der Fensternische, von wo aus sie dem Streit der Kinder zugesehen hatte - „so unangemeldet — —" „Verzeihen Sie, Fräulein," entschuldigte sich mit verbindlicher Miene Herr S t e i n b a ch, „der Disput der Kinder hat Sie mein Anpochen überhören lassen. Ihm was handelte es sich?" „Vom Eingang in den Salon ist die Kapsel, ich weiß nicht, wie Sie sie nennen, herabgefallen, Siegfried haschte darnach und kehrt einmal wieder die egoistische Seite seines Charakters heraus - Melanie bat ihn, ihr nur auf einen Augenblick das Ding da —" „Du weißt, Siegfried, ich hasse nichts mehr als diesen fortwährenden Unfrieden zwischen euch beiden!" wendete sich der Vater an den mit flehenden Augen ihn anblickenden Knaben, — „Fräulein hat sich bereits mehreremal über deinen Eigennutz beschwert! Ich hoffe, Aehnliches nicht wieder zu hören! Im übrigen, Fräulein, ist es wahr, meine Frau war, vielleicht wegen ihrer Kränklichkeit, schwärmerisch religiös und hat den Knaben mit dieser Schwärmerei angesteckt, indem sie ihm dieses Symbol öfters zum Küssen bot, und mögen Sie es ihm deshalb verzeihen, wenn er es wie ein Idol verehrt und sich davon nicht trennen will!" Mit Inbrunst küßte Siegfried wieder sein Heiligtum, als der Vater das Zimmer verlassen hatte, und Melanie rief mit gerunzelter Stirn und zusammengeballten Händen: „Rein, nein! I ch muß es doch haben!" „Laß nur, mein Engel!" strich das Fräulein schnteichelnd über die Goldlacken des Mädchens, „ich gebe dir etwas Schöneres zu küssen" und zog ein goldenes Kreuz aus ihrem Busen, das sie an die Rosenlippen des Kindes führte. „M e I a n i e!" schrie der Knabe erschrocken — „küss' nicht, du darfst nicht, wir sind Juden!" Und weinend warf er sich auf den Teppich und rief: „Mama, Mama! Sieh vom Himmel herab, was Melanie tut!" Seit sechs Monaten war Herr S t e i n b a ch Witwer. Infolge eines Inserates in mehreren großen Blättern kam das Fräulein als „Haus-Repräsentantin" und Erzieherin der verwaisten Kinder in sein Haus. Sie war die Tochter eines in der Provinzstadt wohnenden pensionierten Beamten. Daß Herr Steinbach Jude sei, erfuhr sie erst zufällig nach dem Antritt ihres Platzes, aber er stand in den schönsten Mannesjahren, war reich und in religiöser Beziehung von liberalster Gesinnung, und sie dachte an ihre Zukunft und richtete ihr Benehmen ihm gegenüber darnah ein, so daß die Freunde des Hauses bald Gelegenheit zu bemerken hatten, daß die Augen des Hausherrn, wenn sie aus der blendenden Gestalt des Fräuleins ruhten, viel mehr als bloße Zufriedenheit mit der würdigen Repräsentanz seines Hauses verrieten. Sie gab sich auch alle Mühe, die beiden Kinder, an sich zu ziehen. Bei dem Mädchen gelang es ihr; aber der Knabe zeigte gleich von der ersten Stunde an einen Widerwillen gegen diesen Ersatz für seine Mama, und sie tat ihr Bestes, diesem ihren Haß fühlen zu lassen. Am nächsten Tage, während Herr S t e i n b a ch mit dem Fräulein und dem Mädchen beim Morgenkaffee saßen, ging der Knabe verstört, wie etwas suchend, von Winkel zu Winkel des Zimmers. „Aber was hast du denn, Siegfried?" fragte der Vater. „O Papa — meine Mesusa ist weg — o meine MesiPa, meine Mesusa!" sprach er weinend. „Du scheinst in der Tat wenig Wert auf das Andenken der Mama zu legen, wenn du es verlieren konntest!" zürnte der Vater. — „Wann hast du es zuletzt gehabt?" „Gestern abend habe ich es noch gehabt, Papa!" schluchzte das Kind — „ö nun, nun weiß ich's: heute morgen — ich lag noch im Bette — ja, Fräulein hat es mir aus der Hand genommen - ich schi ef noch, aber ich habe es gefühlt - ich" - - Hastig näherte sich das Fräulein dem Kleinen, und schon hielt sie die Hand des Kindes gefaßt, um ihm das Silberstück zu entwenden, als sich eine Hand gewichtig auf ihren Arm legtH.