Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 455 Das Stimmrecht der jüdischen Frauen in der Synagoge. Aus London wird uns geschrieben: Die Aktion der jüdischen Frauenstimmrechtsliga, welche es sich zur besonderen Ausgabe gemacht hat, den jüdischen Frauen in allen Fragen des jüdischen Gemeindewesens, Wahl und Stimmrecht zu erringen, gewinnt immer weitere Kreise. Allerdings haben die gegenwärtigen Vorstände der einzelnen Synagogen sich bisher mit aller Entschiedenheit gegen die Zulassung der-Frauen zur Verwaltung der jüdischen /Gemeinde ausgesprochen, doch Ist es kein Zweifel, daß dieser Widerstand nicht lange ausreichen wird, die jüdische Frau von der Erreichung ihrer Ziele abzuhalten. Jakob Saphirstein. In Newyork starb vorige Woche der Herausgeber des weitverbreiteten Tageblattes, des „Morgenjournal", Jakob Saphirstein. Jakob Saphirstein war einer der originellsten Typen unter den eingewanderten russischen Juden. Er kam fast vermögenslos nach Amerika, widmete sich dort der jüdischen Journalistik, gründete das „Morgeujournal" und die „Abendpost", beide im Jargon, und später ein großes Verlagsgeschäft, in welchem eine ganze Anzahl jüdischer Romane und Jugendschriften verlegt wurden. Saphirstein war durch und durch amerikanisiert und ein überzeugter Amerikaner. Von den sogenannten jungjüdischen Bewegungen hielt er gar nichts, sein Motto war und blieb bis an sein Lebensende: „Amerika über alles". Diesem Gedanken der unbedingten Amerikanisierung und des restlosen Aufgehens in dem amerikanischen Staatsgedanken dienten auch alle seine publizistischen Instrumente. Sein Leichenbegängnis fand unter überaus großer Teilnahme statt. Vermischtes. Wien. Am 24. d. M. feierte die Schriftführerin des Frauen-Wohltätigkeitsvereines „Providentia", Frau Anna Brandt, ihren 60. Geburtstag. Die Jubilarin, die durch ihr hervorragendes Wirken allgemein bekannt und geschätzt ist, wurde bei dieser Gelegenheit vom Vorstande korporativ in herzlichster Weise beglückwünscht. Wien. (Mädchen-Unterstützungs-Ve rein.) An den von diesem Humanitären Vereine erhaltenen Schulen werden die Einschreibungen für das Schuljahr 1914/15 am 23. d. M., von 2 Uhr nachmittags an (für die zweiktassige Handelsschule und den einjährigen Kurs zur Heranbildung von Bureauarbeiterinnen), am 24. und 29. d. M., von 3 Uhr nachmittags an (für die Frauengewerbeschule für Weißnähen und Kleidermachen, I. und II. Jahrgang und Atelier) vorgenommen. Der Unterricht wird unentgeltlich erteilt. Bewerberinnen (mittellose israelitische Mädchen, die das vierzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben) können sich in Begleitung der Eltern oder deren Stellvertreter in der Schulkanzlei, IX., Seegasse 16, einfinden. Beizubringen sind Geburts-, Wiederimpfungs- und das letzte Schulzeugnis. Wien-Mariahilf. Der Vorstand des Mariahilfer Tempel-Vereines hat die am Tempel, VI., Schmalzhofgasse, erledigte Predigerstelle Herrn Dr. Jakob Drobinsky in Friedek-Mistek verliehen. Wien. (Akademischer Verein „Jüdische Kultur".) Wir teilen hiedurch allen unseren Freunden und Bekannten mit, daß die Trauung unseres A. H. Dr. Mayer Präger mit Fräulein Marie F ö r st e r Sonntag, den 28. Juni l. I. um! 3 Uhr nachmittags im Seitenstettentempel stattfindet. m Generalversammlung des Vereines „Kurfürsorge". Il, Große Stadtguigasse 7. Am 3. Juni 1914 fand im Restaurant Herlinger die Generalversammlung des Vereines „Kurfürsorge" zur Unterstützung armer Kurbedürftiger statt. In seiner Begrüßungsansprache konstatierte Obmann Dr. Isidor L. Braun, daß sich der Verein dank der Mitarbeiterschaft des neugebildeten Damenvorstandes immer mehr entwickle und an Ansehen und Leistungssähigkeit gewinne. Er erwähnte die notwendig gewordene Aenderung der Statuten und des Namens des Vereines und entwickelte ein Programm für die weitere Tätigkeit des Vorstandes. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch Herrn Schriftführer S. Sperling beantragte Revisor Herr I. Kerner die Erteilung des Absolutoriums, bei welcher Gelegenheit er die erfolgreiche Tätigkeit des Damenvorstandes und der Präsidentin Frau Dr. Helene Stein in anerkennenden Worten hervorhob. Frau Dr. Stein erklärte hierauf, daß die Damen, nachdem sie die eminent humanitären Tendenzen des Vereines erkannt hatten, nur ihre Pflicht erfüllen, wenn sie sich in den Dienst desselben stellen. Die Wahl in die Vereinsleitung ergab folgendes Resultat: Herrenvorstand: Obmann Dr.-.Isidor L. Braun, Obmannstelloertreter Prof. M. R. Salzmann und Apotheker Robert R ad i tz, Schriftführer S. Sperling, Armenrat Hugo Heller und Richard Bruck, Kassiere: Leo Heller und I. Heber, Kontrollore Dr. Mar I a c o b s o h n, Magister Felir Eisler und S. K u l k a; künstlerischer Leiter Komponist Edmund E y s l e r. Damenoorstand: Präsidentin Frau Dr. Helene Stein, Vizepräsidentin Frau Hofrat Freiberger und Frau Dr. Sabine Brüll, Schriftführerin Frau Dr. Hermine L a m b e r g und Frau Melanie Gelbhaus, Kassiererin Frau Gisela Weiß und Frau Regine May, Kontrollorinnen Frau Martha Rad itz und Frau Anna B o n d i. Wien. Der jüdische Gesangsverein „Hakinn or", dessen Werden und Wachsen allseitigem Interesse begegnet, hat sich kürzlich gegegentlich seiner Mitwirkung bei einem Sommerfest des Jugendbundes im Stadtpark zum erstenmal hören lassen. Es war ein herzerfreuender Augenblick, diesen Erstlingsliedern zu lauschen: sie weckten mütterlichen Jubel und Ergriffenheit, wie das erste Wort aus Kindermund. Die stattliche Sängerschar unter Leitung des Herrn Prof. Arthur Wolf ersang sich aber auch verdienten stürmischen Beifall. Das Stimmaterial ist vielversprechend und die Schulung verrät aufopfernde Hingebung. Die mit jugendlichem Schwung und natürlichem Ausdruck vorgetragenen hebräischen und deutschen Chöre von Ignaz Brüll und Arthur Wolf wirkten begeisternd und erhebend; der melodiös-reizvolle heitere „Schir helech" von Wolf mußte zur Wiederholung gebracht werden. Wer die Ausstrahlungen der jüdischen Volksseele in den Formen der Kunst als den Gradmesser ihrer Lebens- und Wirkungskraft zu werten weiß, der wird auch die Bedeutung des Gesangsvereines, „Hakinnor" freudig erkennen und die Vollendung des Baues dieser „Harfe unserer Lieder" werktätig vollführen und fördern. Bekränzt sie doch jetzt schon als Inschrift Jehuda ben Halevys dichterisches Leitwort, der herrliche W a h l s p r u ch, der in freier Uebertragung lautet: Gedenk' ich meines Volkes Weh und Elend, Gesell' ich mich klagend der nächtlichen Eule; Erträum' ich beseligt den Tag der Befreiung — Erjauchzt mein Herz als 'Harfe seiner Lieder. Wien. (Aufruf!) Der jüdische Kleingewerbetreibende D. L. in Wien, II., wohnhaft, hat einst bessere Tage gesehen, als er noch seinem Berufe nachgehen konnte, dem er sich voll und ganz widmete. Seit einem Jahre ist aber dieser Mann schwer krank und daher nicht imstande, zu arbeiten. Seine geringen Ersparnisse sind während der Krankheit aufgebraucht worden, und nun droht ihm die Delogierung. Wir richten nun an unsere Glaubensgenossen den Appell, dem bedauernswerten Kranken durch eine Spende einigermaßen auszuhelfen. Die Administration dieses Blattes ist bereit, diese freiwilligen Gaben entgegenzunehmen und zu veröffentlichen. Dr. I. L. Braun. Austritte ans dem Judentum. Vom 14. Juni bis 20. Juni 1914. Abeies Alfred, geb. 21. März 1890, Wien, II., Castelezgasse 9. Deutsch Friedrich Gottfried, Kaufmann, geb. 12. Oktober 1865, Nagvmarton, I., Neuer Markt 10. Frischhof Fanni, Private, geb. 18. August 1891, Wien, VIII. Bez., Alserstraße 47. Goldschmidt Fanni, Private, geb. 28. April 1870, Budapest, VII., Halbgasse 7. Lederer Anna, geb. 5. Juni 1891, Wien, Königgrätz. Markstein Dr. Egon, geb. 23. Februar 1888, Wien, XIX. Bezirk, Osterleitengasse 2. Marosch Emmerich, Universitätshörer, geb. 18. Juli 1885, Budapest, XIX., Langakergasse 12.