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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 454 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 durch die bekannte Rothschild-Stiftung sein, Prudhons, Milchgeschäft zurückging. Tatsächlich mußte Prudhon, der einen Milchladen in der Rue d'Artois hatte, das Geschäft aufgeben, weil seine, den unteren Kreisen angehörenden Kundschaften es vorzogen,»die bessere und billigere Milch in dem Laden der Rothschild-Gesellschaft in der Avenue Friedland zu kaufen. Prudhon übersiedelte nun nach der Avenue Rapp, aber der Zufall wollte, daß wenige Schritte von dort, in der Avenue La Bourdonne, abermals eines dieser Milchgeschäfte, das die Milch zum Selbstkostenpreis abgibt, eröffnet wurde. Prudhon ging wieder zugrunde, und von da an hegte er einen fanatischen Haß gegen Baron Rothschild, der übrigens bei diesem „Milchhandel" ganz nach dem Muster des berühmten amerikanischen Philanthropen Oskar Strauß vorgeht und Hunderttausende jährlich aus seiner Tasche zusetzt. Prudhon begann den Baron mit Drohbriefen zu verfolgen, so daß er mehrmals auf die Präfektur vorgeladen und verwarnt wurde. Baron Henri Rothschild gehört zu jenen Mitgliedern der Familie Rothschild, die ihr Leben der Kunst oder der Wissenschaft widmen. Er ist als dramatischer Autor zu widerholten Malen hervorgetreten. Am 7. April 1911 wurde das von ihm verfaßte Schauspiel „Die Rampe" zum erstenmale im Deutschen Volkstheater aufgeführt. In der Pariser Gesellschaft spielt Baron Henri Rothschild eine große Rolle. Er trat auch politisch hervor und war in mehreren Duellaffären mit den Führern der Royalisten de Pujo und Daudet verwickelt. Henri Rothschild ist ein bekannter Wohltäter. Er gründete Ambulatorien für die französischen Kolonien, Spitäler in Paris und läßt jahraus, jahrein die Säuglinge der Armen mit sterilisierter Milch versorgen. Auch Forschungsreisen machte Baron Rothschild, die ihn nach Afrika, Asien und Amerika führten. Paris. Am 247 Mailand"di"Generalversammlung der Kultusgenossenschaft statt. Etwas über 100 Mitglieder wohnten der Versammlung bei, her Baron E.. von R o t hschild präsidierte. Ter Rechenschaftsbericht erwähnte, daß nach langen Verhandlungen die russische Regierung versprochen hat, ihren ausländischen Vertretern Kronrabbiner beizuordnen, welche bei den ausgewanderten Juden die standesamtlichen Funktionen wahrnehmen sollen: hiemit wäre endlich einem unhaltbaren Zustande ein Ende gemacht. Die Einnahmen im Berichtsjahre beliefen sich auf 898.764 Franken, denen an Ausgaben 847.913 Franken gegenüberstehen, so daß ein Ueberschuß von 51.000 Franken verbleibt. Wenn demnach die finanzielle Situation auch günstig erscheint, so war die Warnung des Schatzmeisters vor übertriebenem Optismismus durchaus am Platze; er wies auf die nicht nur vom finanziellen Standpunkte ernste Erscheinung hin, daß die Zahl der Mitglieder wie die Höhe der Beiträge seit einigen Jahren langsam abnehme; die regelmäßigen Beiträge beliefen sich nur auf ca. 350.000 Franken. Es versteht sich unter diesen Umständen von selbst, daß trotz der außerordentlichen Subventionierung der Fainüie Rothschild das Gleichgewicht des Budgets nur dadurch erzielt werden konnte, daß sich die Gemeinde allen Aufgaben, die eine jüdische Großgemeinde neben den eigentlichen Kultusangelegenheiten auf sich nehmen sollte, aufs strengste verschließt. Nach einer kurzen Ansprache Baron Rothschilds wurde die Sitzung geschlossen. Die Bewachung des Zaren. Aus Warschau wird uns geschrieben: Die Bewachung des Zaren und die zum Schutze seiner Person getroffenen Maßregeln anläßlich seiner Reise nach Rumänien sowie bei seiner Rückkehr haben den Behörden viel Sorge bereitet. Es ist nun bezeichnend, daß in mehreren Städten, welche der Kaiser von Rußland mit seinem Gefolge zu passieren hatte, die Ordre erteilt wurde, zu den kommandierten Huldigungsdeputationen keine Juden zuzulassen. Diese angeblich im Interesse des allerhöchsten Dienstes getroffenen Maßnahmen haben jedoch die Juden der betreffenden Städte als eine Beleidigung angesehen und dagegen protestiert. Ganz besonders nachdrucksvoll geschah dies in Kischenew, wo der berüchtigte Pogromveranstalter Purischkewitsch wohl den Ausschluß der Juden forderte, aber andererseits nichts dagegen hatte, wenn die Juden in separater Deputation erscheinen, in welchem Falle er jedoch verlangte, daß auch die antisemitischen Nationalverbändler eine eigene Abordnung entsenden. Nach längeren telegraphischen Beratungen mit Petersburg wurden jedoch beide Vorschläge abgelehnt. Prozentnorm für Brbliothekleser. Die russischen Behörden gehen in der Unterdrückung des Wissensdranges der Juden systematisch vor. In sämtlichen Lehranstalten Rußlands besteht bereits die berüchtigte Prozentnorm für Juden, welche nur einen verschwindenden Teil der jüdischen Jugend die Aufnahme in diesen Schulen und Bildungsanstalten ermöglicht. Nun wird aus Petersburg gemeldet, daß das Chersoner Zemstwo beschlossen hat, in seiner neuerrichteten großen öffentlichen Volksbibliothek gleichfalls eine Prozentnorm für jüdische Leser und Besucher der Bibliothek einzujführen. Die Verwaltung ist nur noch nicht darüber einig, auf welche Weise der Prozentsatz statuiert werden soll. Die Minorität in Zemstwo, welche der Meinung Ausdruck gab, daß, wenn der Besuch der Bibliothek durch Juden eingeschränkt werden soll, die Gefahr besteht, daß die Bibliothek fast gar nicht benützt werden wird, hat auf die Majorität gar keinen Eindruck gemacht. Scholem Aleichem von der russischen Regierung verfolgt. Wie uns von verläßlicher Seite mitgeteilt wird, verfolgt die russische Regierung den berühmten jüdischen Humoristen Scholem Aleichem in der unerhörtesten Weise. Bekanntlich war der Dichter viele Jahre krank und kam jetzt, nachdem er iir der Schweiz Wohnung gesucht hatte, nach Rußlaird zurück, woselbst er nicht nur von den jüdischen, sondern auch von den allgemein russischen Blättern gefeiert wurde. Diese Ehrenbezeigung scheint nun der Regierung nicht gepaßt zu haben, denn die Vorlesungen Scholem Aleichcms wurden bald verboten, und selbst nach Petersburg konnte er, wie er in einem Briefe an einen Freund ironisch bemerkt, nur auf die Weise kommen, daß er von einer großen Firma eine Legitimation als Handlungsreisender erhielt. ScholeM Aleichem verläßt nun Rußland wieder und dürfte sich über London nach Amerika begeben, wo er bereits vor seiner Erkrankung einige Zeit geweilt hatte. Gründung einer jüdischen patriotischen Gesellschaft in Newyork. Aus Newyork wird uns berichtet: Unter dem Namen „Army and Navy League" hat sich hier eine Gesellschaft gebildet, welche den Zweck hat, Patriotismus unter der jüdischen Jugend zu pflegen, jüdische Soldaten und Seeleute während des Pessachfestes zu versorgen und solchen, die ihren Militärdienst zu Lande oder zu Wasser in Ehren absolviert haben, mit Stellungen und Arbeitsgelegenheiten zu versehen. Die Gesellschaft wird an allci? militärischen und Marinestationen in den Vereinigten Staaten Exposituren haben. An der Spitze der Liga steht Kapitän I. B. Greenhut. Die Ehrenpräsidentschaft hat der Präsident der Vereinigten Staaten Wilson übernommen.

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