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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2B Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 453 mann war über diese Mitteilung nicht wenig verblüfft, meinte jedoch auf die Frage des Vorstehers, ob er die Bemessung zu hoch halte: „Durchaus »ncht, es geht ja auf einen guten Zweck, aber ich finde die Lache doch etwas komisch, denn ich bin kein Jude und stamme auch nicht von Juden ab. Ich wurde in Milano als Sohn guter Katholiken geboren. Da ich weiß, daß die jüdische Gemeinde sehr viele ltüfclidje Wohlfahrwanstalten zu erhalten hat, erkläre ich mich bereit, so lange ich Direktor des hauptstädtischen Orpheums bin, die freiwillige Kultussteuer von 300 Kronen jährlich zu leisten." Bemerkt sei hierbei, daß dieser ausgezeichnete Mensch der Budapester Jto-Organisation in einer Zuschrift an den gewesenen Ministerialsekretär Dr. Alexander Lederer das Reinerträgnis zweier Vorstellungen im hauptstädtischen Orpheum anbot, und um dieses Reinerträgnis zu erhöhen, sich mit der Vergütung bloß der Hälfte der Regiekosten zufrieden gab. Zionistischer Delegiertentag in Leipzig. Im Leipziger Krystallpalast hielt die Z i o n i st i - fche Vereinigung für D eutschland am U. und 15. Juni ihren 14. Delegiertentag ab. Aus allen Teilet» des Reiches wäret» über l20 Delegierte aus 80 Ortsgruppen erschienen. Anläßlich der Tagung waren im Krystallpalast interessante Ausstellungendes jüdischen Kunstgewerbevereines „Bezalel", des Jüdischen Verlages und des Verbandes jüdischer Frauen für .Kulturarbeit in Palästina, der die Erzeugnisse seiner valästitiensischen Spitzennteliers zur Ausstellung brachte. Ter Vorsitzende der Zionistische»» Vereinigung, Rechtsanwalt Dr. H a n t ke - Berlin, eröffnete die Tagung mit dein Rechenschaftsbericht über die letzten zwei Jahre zioui stischer Arbeit in Deutschland. Er konstatierte, daß gerade die Kämpfe mit dem A n t iz io n i st i s ch e n K o - mite e, dem Z e n t r a l v e r e i n deutscher Staat sbürger jüdischen Glaubens und dem .Hilfsverein der deutschen Juden zu einer Stärkung und Vergrößerung der zionistischen Organisation geführt haben. Die Zahl der organisierten Zionisten ist ii» Deutschland von 8730 auf 9867, die der Gesamtorganisätion auf 130.000 gestiegen. Für zionistische Zwecke wurden im letzten Jahre, abgesehen von den Kosten der lokalen Vereine, etwa 240.000 Mark aufgebracht. Die zionistische Organisation ist jetzt in 450 Orte»» Deutschlands vertreten. Sie verfügt über fünf Wochenschriften. Der Vorsitzende »vandte sich in seiner Ansprache auch gegen den antisemitischen W a n d e r v o g e l, der in seiner Presse, das Judentum beschirnpfe. Hierauf begrüßte Dr. T s ch l e n o »o, zweiter Vorsitzender des Engeren Aktionskomitees, den Delegiertentag »»»»d konstatierte die kraftvolle Unterstützung, die die deutsche zionistische Organisation der Gesamtbewegung, besonders in der letzten Zeit im Kainpfe um die hebräische Sprache, geleistet habe. In der Debatte sprachen die Herren Dr. K l e e, der sich gegen den »nißlu»»genen Versuch, »»»»ständischen Juden das Wahlrecht in den jüdischen Gemeinden vorzuenthalten, wandte, Wiener- Kattowitz, Dr. Fried eman »»-Berlin, der den Radikalismus der zionistischen Leitu»»g tadelte, und Dr. H e y m a n n - Berlin. Kurt B t u»»»e n f e l d - Berlin begründete die jüdischnationale Tendenz des Zionismus und wandte sich! gegen die Versuche, den unbedingt nationalen Charakter der Be»vegung abznschwüchen. Privatdozent Dr. Franz O p p e n h c i m e r verteidigte den Standpunkt, daß die zionistische Organisation als eine politische von ihren Anhängern nur das Bekenntnis zurr» B a s e l e r P r o - g r a»»»»»», »»icht eine bestiininte nationale Gesinnung fordern könne. Die Mehrzahl der Redner stellte sich auf den von der Leitung vertretene»» jüdischnntionaleu Sta»»ddaß Punkt und zuiu Schlüsse »vurde die Resolution, die die bisherige Politik des Geschäftsführenden Ausschusses b i ll i g t e, fast ein ft i »n m t g angenoinmen. Au» ziveiten Verhandlungstage erstattete der soebe»» mus Palästina zurückgekehrte Leo M o tz k i n - Berlin das Referat über die e r f r e u l i ch e E n t »v i ck l u n g der neujüdischen Kolonisation in Pa last in»», und Herr Dr. Theodor Z l o c i st i - Berlin entrvickelte den Plan einer deutschen A ch u s a, die nach amerikanischem Muster deutschen Zionisten es ermöglichen soll, eineu gewissen Prozentsatz ihres Einkornmens für die in einer genossenschaftlichen Form vor sich gehende Erwerbung landlvirtschaftlichen Eigentums in Palästina zu verwenden. Es »vurde eine Resolution zwecks Begründung einer solchen Achusa angenomnlen und ferner wurden für die Paleftine Land Development Company l Palästinensische Parzellierungsgesellschaft) größere Sumlnen gezeichnet. In der Nachmittagsitzung »vurde nach einer längeren Debatte beschlossen, mit der Gründung und Förderung zioni stischer I u g e n d g r u p p e n, die die uationaljüdische Er ziehr»»»g der jüdischen Jugend sich zur Aufgabe »nache»», systeinatisch und energisch fortznfahren. Wo die Grün düng zionistischer Jngendgruppen nicht möglich ist, soll aber den Mitgliedern der zionistischen Organisation die Mitarbeit in den neutralen jüdischen Jugendvereinen ni»cht »»»»tersagt sein. Bei den hieraus vorgenolnii»e»»en Wahlen »vurde Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke zun» Vorsitzenden der Verei»»ig»»»»g »viedergcnvählt, ebenso »vurde»» die bisheriger» Mitglieder des Gefchäftsführenden Ausschusses, Kurt B l u m e nfel d, Dr. H e y in a »t»», Rechtsanrvalt Dr. K 1 e e und Leo M otzki n, »viedergervühlt. Die Tagung »var von zahlreichen Güsten a»»s Leipzig u»»d aus allen Teiler» des Deutscher» Reiches besucht, die den Verhandlungen mit größte»»» Interesse folgten. Montag abend fand 'im Krystallpalast eine große öffentliche Versarumluug statt. Der Delegiertentag hat auch den Fernstehenden bewiesen, daß die zionistische Organisation sich stetig entivickelt, auf ihre Anhänger in moralischer u»»d materieller Hinsicht zählen kann und sich im jüdischen Leben Deutschlands eine steige»»de Anerkennung errungen hat. D»»s Präsidium der Tagung erhielt folgende Telegramme: „Seine Majestät der Kaiser »mb König lassen den» Delegiertentag der deutscher» Zionisten für de»» Huldigungsgruß dcmken. Der Geheime Kabinettsrat von Va lentini." „Seme Majestät der König lassen für den freund liehen,Huldigungsgruß bestens danken, vor» Metzsch, Major und Flügeladjutant." Die Tagung »vurde auch iu eiriem besonderer» Tele grarnm von dern »»»nerikanischen Philanthropen Nathai» Strauß begrüßt, der seinen Gesinnungsgenossen erfolgreiche Arbeit »vünschte. Revolverattentat auf Baron Henri Rothschild. Paris, 21. J»»ni. Als Henri Rothschild gestern nach Schluß der Opernvorstellung d»»s Theatergebüude verließ und auf den Boulevard ging, feuerte ein Mann »»»» der Ecke der R»»e de Caumartin zivei Revolverschüsse auf ihn ab. Henri Rothschild »vurde von einer Kugel an der Hüfte getroffen, doch ist seine Verwundung keine schivere. Er begab sich sofort in seine Wohnung. Zahlreiche Passanten stürzte»» sich auf den Attentäter »»nd mißhandelten ihn. Er »vurde auf die Wachstube in der Rue Choiseul gebracht, »vo er angab, Prouthon zu heißen, 60 Jahre alt und Rentier zu sein. Die Untersuchung ergab, daß Prudhon, der 65 Jahre alt ist, längst einen H a ß g e g e n B a r o»» Roth schild hegte, »veil er diesen dafür verantwontich hielt, infolge der philanthropischen Milchverabreichung

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