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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 462 Dr. Blach's Wochenschrift Nr. 26 Korrespondenzen. Verta Maronin Suttner geborene Gräfin Kinsky. Anläßlich ihres 70. Geburtstages widmeten nur in diesen Blättern (f. „Wochenschrift" Nr. 24 v. I. 1913) der am 21. Juni d. I. verstorbenen Baronin Suttner einige warme Worte der Erinnerung. Wir konnten unmöglich annehmen, daß kaum 43 Monate später die Augen einer der edelsten und zugleich zielbewußtesten Frauen aller Zeiten für immer geschlossen sein, der Mund unserer Ehrenpräsidentin nicht mehr zu gemütstiesen Aeußerungen sich öffnen werde. Vorbei - Eine feurige, hochgestimmte Seele hat ausgehört, ihre Ideale zu verfechten, sie gegen den steten Ansturm der Niedrigen, Unbedeutenden zu verteidigen, hohe Begeisterung auch bei den Kühleren anzufachen. Der Verlust nicht für uns allein, für die ganze Welt ist unersetzlich. Es dürfte schwer sein, eine auch nur annähernd ähnliche Beharrlichkeit in der Durchsetzung ungewöhnlich hehrer Gedanken ausfindig zu machen, wie die uns viel zu früh Entrissene sie besaß. Ihr Erscheinen wirkte stets verklärend, herzerhebend, von ihr floß das Fluidum der Hoheit aus die Umgebung nieder. Es ist nicht zu fassen: nun soll das alles mit einemmale aus sein, vorüber für immer! — Und die Welt, aber auch wir mitten darin, bedürften ihrer jetzt mehr denn je. Wohl ihr, sie hat ausgekämpft. An uns soll es nicht fehlen, nach Maßgabe unserer Kräfte ihre großen uitd reinen Gefühle weiter zu pflegen. Der Unvergeßlichen bleibt unser dankbares Erinnern für alle Zeiten gesichert! Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Eingesendet. Wien, am 22. Juni 1914. Geehrter Herr Redakteur! In der jüngsten Nummer Ihres gesch. Blattes beklagen Sie mit Recht die triste Lage der Handelswelt und insbesondere der Juden, und wie soll es denn auch anders sein, wenn unser Land in erster Linie eine Politik unterstützt, um die Malisoren zu retten und die Kultur auf türkischem Boden zu verbreiten, wobei Italien und Griechenland materielle Vorteile ziehen und wir — gleich dem passiven Begleiter eines Liebespaares - den „Elefanten" machen. Abgesehen von Balkanunruhen, leidet die Kaufmannswelt durch unsere inneren Verhältnisse, wo für alle Stände gesorgt wird, nur nicht für die Gilde der Kausteute. Sichtbare Konsequenzen sind die Fallimente und die leerstehenden Lokale in fast jeder Gasse der Kais, und rvo größere Lokale geteilt werden, finb die Nachfolger ein Greisler, ein Weinschenker oder ähnliches. Mit der Jeremiade ist aber wenig gedient, sondern der junge Nachwuchs gravitiere nach dem Auslande, denn in keinem Lande sind die Existenzverhältnisse so schlecht wie bei uns. Ueberall werden die Dinge nach der Rechnung behandelt, aber bei uns liegt der Bleistift im Winkel unberührt und die Devise lautet: „Mir san mir". Vom traditionellen „Backhendel" verspürt man schon lange nichts mehr in Oesterreich, aber die kürzlich erzeugte schwüle Atmosphäre in Handel und Wandel wirkt ruinös und es ist wenig Aussicht vorhanden, daß ein frischer Luftzug wehen wird; noch weniger, daß die antisemitischen Gewalttaten in absehbarer Zeit aufhören sollten — also wer kann, ziehe weg, dann wird sich zeigen, ob die Staatsmaschine auch ohne viel Juden gut funktioniert. Hochachtungsvoll Patriot. Die Frage der Autonomie der Juden in Ungarn. Am 19. l. M., nachmittags, erschien das zur Förderung der jüdischen Autonomiebewegung entsendete engere Komitee beim Kultusminister Bela I a n k o v i ch, um ihm ein Memorandum zu überreichen, in dem die Wünsche der Judenschast bezüglich der Autonomie angeführt sind. Der Führer der Deputation war Hofrat Franz S z e - kely, die Mitglieder der Präsident der Pester isr. Religionsgemeinde Ludwig Adler, ferner Baron Adolf Kohner, Baron Moritz Herzog, Manfred v. Weiß, Hofrat Julius Winterberg und Max S z a b o l c s y. Auf die Ansprache des Hofrates Franz S z e k e l y erwiderte der Minister, der die Deputation in der herzlichsten Weise empfangen hatte, daß, insoferne eine Einigung zwischen den Orthodoxen und Neologen zustande käme, es in der Sache selbst keine Schwierigkeiten gäbe. Eine ähnliche Antwort erhielt auch die Deputation vom Staatssekretär Jlosvay, bei welchent die Deputation ebenfalls ihre Aufwartung machte. Die jüdische Konfession, deren Rezeption durch bcn G.-Art. XLII 1895 imatrikuliert wurde, könne die Autonomie mit Recht fordern. Der Kampf aber, der zwischen den Orthodoxen und Neologen seit bereits 40 Jahren währt, habe zu keinem Resultate führen können, da erstens die Orthodoxen in der Mehrheit sind, und zweitens wollen dieselben in keiner Weise, wenn auch nur administrativ, sich beu Neologcn nähern, wodurch die Autonomie der Juden in Ungarn als gänzlich unerreichbar zu betrachten ist. Ein neuer Kurialrichter. Aus Budapest wird uns geschrieben: Dr. Josef Grün, der mehrere Jahre als Richter an der königlichen Tafel in Szegedin gewirkt hat, wurde vom Kaiser zum Richter an der königlichen Kurie, dem höchsten Gerichtshöfe Ungarns, ernannt. Der neue Kurialrichter tritt feinen neuen Posten am Ende dieses Monats an. Dr. Grün wird als Jurist ersten Ranges, glänzender Charakter und warmfühlender Menschenfreund allseits hoch geschätzt. Kurialrichter Dr. Grün nimmt auch an den öffentlichen Angelegenheiten der Juden regen Anteil und sein Sohn Dr. Bela Grün, der als Verteidiger gleichfalls einen guten Ruf genießt, ist ein einflußreiches Mitglied der Szegediner israelitischen Kultnsgemeinde. Wohltätige jüdische Frauen. In Budapest fand dieser Tage unter Vorsitz des Grafen August Zichy die Generalversammlung des Stefaniekinderspitales statt. In seinem Präsidialberichte meldete Graf Zichy, daß Frau Karl von Bachruch zur Umgestaltung des Scharlachpavillons 60.000 Kronen und Frau Baronin Joseph von Hatvany-Deutsch zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten zum selben Zwecke 50.000 Kronen gespendet haben. Das Stefaniekinderspital in Budapest ist ein interkonfessionelles Krankenhaus. ' Of Der katholische Steuerzahler der Pester Kultusgemeinde. In Budapest hat sich vorige Woche der folgende interessante Fall zugetragen: Der Direktor des hauptstädtischen Orpheums Enierich Waldmann, ein wegen seiner Wohltätigkeit sehr geachteter Mann, hat bereits vor vier Jahren, als die Kultussteuerbemessungskommission der jüdischen Gemeinden ihn wegen seines jüdisch klingenden Namens zur Steuerleistung aufforderte, freiwillig eine jährliche Steuer von 200 Kronen auf sich genommen, obgleich er nicht Jude ist. Nun hat dieselbe Stenerbemessungskommission in Unkenntnis des erlvähuten Umstandes die Steuer des Direktors Waldmann auf jährlich 300 Kronen erhöht und ihn hievon durch ein Vorstandsmitglied in Kenntnis setzen lassen. Direktor Wald-

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