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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 451 der Teilung und Wiederzusammenfassung der Bibelverse im Schulunterrichte fand als errungener Fortschritt Nachahmung und Verbreitung, namentlich in den in Galiläa gelegenen Gemeinden, zu welchen auch Terbenth gehörte. Nun verlangten die Leute von Terbenth, daß der Lehrer auch bei der Vorlesung der Thora beim öffentlichen Gottesdienste in den Versen eine Pause eintreten lasse, damit sie inzwischen mit ihren Kindern die kleineren Verstelle lesen!ötuten.la) Der Lehrer, der wußte, welche Mühe es gekostet hat, die Teilung der Verse in der Schule durchzusetzen, trug Bedenken, diesem Verlangen nachzükommen und begab sich nach Sepphoris, um die Meinung des Schulöberhauptes R. Chanina b. Chama einzuholen. Mit Anspielung auf das Verlangen der Leute von Terbenth: „Mache Einschnitte in die Verse", lautete der Bescheid R. Chaninas: „Und wenn man dir auch den Kopf abschneidet, gehorche nicht." Der Lehrer gehorchte nicht und — wurde seines Amtes enthoben. Dieses Vorgehen gewahrt uns einen Einblick in das Verhältnis, in welchem Gemeinde und Lehrer in jener Zeit zueinander standen. Nach einiger Zeit kam der Lehrer nach Tiberias?) und traf mit R. Simon b. Josina zusammen, dem er seine Geschichte erzählte. Auf die Frage, warum er deni Wunsche seiner Stadtleute nicht nachgekommen sei, da man doch auch in der Schule die Verse teile, antwortete der gewissenhafte Safra, daß die Sache in der Schule, wo pädagogische Rücksichten wahrzunehmen sind und wo die Verstelle nachher zusammengefaßt werden, ganz anders liege als im Gotteshause, p?o das Vorlesen der' Thora eine gottesdienstliche Handlung bilde. Als R. Zeira von diesem wackeren Manne hörte, sprach er-sich Wer dessen Verhalten sehr anerkennend aus, indem er meinte: „Wäre dieser Safra zu meinen Zeiten gewesen, ich hätte ihn zum Chachan ernannt?), * 2 * 4 5 б 7 8). Ephraim Safra. Die Persoil sowohl als auch das Wirken dieses in Talmud nur ein einzigesmal genannten Schullehrers ist ganz in Dunkel gehüllt. Einen spärlichen Lichtscheu:, der uns die Umrisse einer bedeutenden Persönlichkeit erkennen läßt, bildet die einigermaßen auffallende, seinem Namen als Charakteristikum beigefügte Bezeichnung: Schüler des R. Simon b. Lakisch?) Wir erfahren zunächst daraus, daß Ephraim Safra auf palästinensischen Boden in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts gewirkt hat. Das ausdrückliche Hervorheben des Schülerverhältnisses zu dem großen Amora des dritten Jahrhunderts weist aber auch auf einen vertraulicheren Umgang hin, dessen sich dieser Schüler vor allen anderen seitens seines Meisters zu erfreuen hatte. Wenn dies schon bei einem anderen hervorragenden Lehrer als Auszeichnung anzusehen wäre, so darf es bei R. Simon b. Lakisch um so mehr als solche gelten, als dieser Lehrer in der Wahl der Personen seines Verkehres äußerst strenge war. Es ist bekannt, daß man demjenigen, mit Ja) Die Stelle ist vielfach mißverstanden worden. Man faßte sie dahin auf, daß die Leute von Terbenth den Lehrer aufforderten „zum Zwecke des Jugendunterrichtes Stücke. aus der Thorarolle zu schneiden", (Bacher, Ag. p. Am. I. S. 5 Anm. 7 Ende; vergl. auch Kraus, Talm. Archäologie III, 217 u. Anm. 185). Abgesehen davon, daß eine solche Aufforderung als eine Ungeheuerlichkeit erscheint, ist nach dieser Auffassung der weitere Verlauf des Berichtes ganz unverständlich. a) Der Ausdruck ionf? nro bedeutet, stieg nach Tibereas hernieder, welches bekanntlich im Tale lag. Nicht wie Hymann, Toldoth Tann, v’aamor. S. 1191 meint: Kam nach Babylon, da R. Simon b. Josina Palästinenser war. Vergl. mp niB’bn von Polak S. 18. ->) Jer. Megillah IV, 5. 4) Nach M. Sotah IX, 15 nahm der Chacham einen höheren Rang ein. Vergl. auch Sukka 38 d und Rasi daselbst. *) B. Mezia 119 a; Vergl. Bacher, Ag. pal. Am. I. 348 Anm. 7. dem man R. Simon b. Lakisch auf der Straße im Gespräche sah, ohne Bedenken zeugenlos ein Darlehen gewährte?) Nach dem Gesagten dürfte sich der Schulmeister Ephraim, der bevorzugte Schüler des R. Simon b. Lakisch, allgemeiner Hochachtung erfreut haben. K1SD VltKlK ‘) Abitul Safra. Dieser Schullehrer wird in Talmud nur an einer einzigen Stelle erwähnt, wo er drei Aussprüche im Namen Rabs tradiert,-) von welchen jedoch keiner auf die berufliche Tätigkeit des Safra Bezug hat. Ueber die Perfon, den Wohnort und das Wirken dieses Schullehrers ist uns nichts bekannt. *rp jm Ehija Kara. Der Vertreter dieses Namens, dem wir nur ein einzigesmal begegnen, legitimiert sich uns durch die Bezeichnung Kara als palästinensischer Schullehrer, Thoravorleser und gründlicher Bibelkenner?) Chija Kara lebte um das Ende des 3. Jahrhunderts, die Stätte seiner Wirksamkeit vermuten wir in Tiberias, dem Wohnorte seines Lehrers Samuel b. Nachman?) Ueber seine Persönlichkeit, wie über seine Fähigkeiten und Leistungen fehlt uns jede Angabe. Wenn es jedoch gestattet ist, einen Schüler nach der Größe und Bedeutung .seines Meisters zu beurteilen, so werden wir Chija Kara zu den Besten seines Standes zählen dürfen. Samuel b. Nachnlan * genoß als Kenner und Erklärer der Bibel einen weiten Ruf und galt allgemein als hervorragende Autorität auf diesem Gebiete. Männer wie R. Chelbo, R. Ami, R. Simon b>. Jehozadak und der Patriarch R.- Jehuda II?) holten sich bei ihm Bescheid.4) Diese gründlichen Bibelkenntnisse, verbunden mit der Kenntnis der Schreibweise der Wörter und der Anzahl der Verse eines jeden einzelnen Buches der Heiligen Schrift?) brachten Samuel b. Nachman in nähere Beziehungen zu den Schullehrern und Thoravorlesern, deren Spezialfach diese Kenntnisse bildeten. Wahrscheinlich gehörte auch Chanina Kara zu dem Kreise jener Schullehrer, an welche Samuel b. Nachma:: die bekannte Verordnung erließ, in der heißen Zeit vom 17. Tamus bis 9. Ab die Schulkinder schon um 10 Uhr vormittags zu entlassen und den Unterricht erst um 3 Uhr nachmittags wieder aufzunehmen.") Viel pädagogisches Verständnis bekundet Samuel b. Nachman mit seiner jedenfalls an den Lehrer gerichteten Ermahnung, sich beim Unterrichte der Kleinen möglichst Beschränkung aufzuerlegen und mit der Enthüllung des tieferen Sinnes des Bibelwortes zu warten, bis sie dafür die nötige Reife erlangt haben?) Durch Chija Kara, dem berufensten Vertreter dieser Seite seines Lehrers, erfahren wir leider nichts, was auf pädagogisches Interesse Anspruch erheben dürfte. Der einzige Ausspruch, den er uns von seinem Lehrer überliefert und vielleicht kulturhistorisch zu bewerten ist, lautet: „Seit der Zerstörung des Heiligtums gibt es keinen „geronnenen Wein" und kein „weißes (zusammenlegbares) Glas" mehr?) а) Joma 9 b. *) Nach Samuel II. 3, 4, auch Frauenname. 2) Moed Katan 18 a. 9 Siehe Chanina Kara, Anm. 1. 2) Jer. Therumoth VIII. Ende, Genesis r. 63, 8. ß Frankel. Mebo 93 a und 146 a. 4) Quellennachweise bei Bacher, Ag. pal. Am. I, 480, Anm. 4—8). 5) Jawitz, Toldoth Israel VII. S. 171, Anm. 3 und 4. б) Numeri r. 12, 3, Echo r. zu I. 3, Schochar Tob zu Ps. 91, 6. Siehe Bacher, Ag. pal. Am. I, 479 Anm. 4. 7) Jer. Ab. Zarah II. 7., Schir. r. zu I, 1. 8) Echo r. zu IV. 2, vergl. Jer. Sukka IV. 6, wo der Tradent "13 ,Tm '"> ist, ferner Sotah 48 b. (Fortsetzung folgt.)

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