Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 450 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 26 heutigen Tag, in seinem Glück und Unglück, in Fehlern und Vorzügen, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz dieses Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm haben und wissen. So etwas läßt sich nicht erdichten, solche Geschichte, mit allem, was daran hängt, und davon abhängt, kurz, ein solches Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich noch bis zur Entwickelung des letzten, noch unberührten Knotens aller Erdnationen hinaus. -Dieses sonderbarste Volk hat die sonderbarsten Bücher; ein Volk, dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt, hat auch Bücher der Art, des Geistes; jene Dinge sind aus diesen, diese aus jenen entstanden, und alles ist im Grunde nur eins. Ein Gepräge, einl Charakter, eine Beurkundigung aller Zeiten, ihr Name ist „Das Volk Gottes, wie dort von Ezechiels Stadt und Tenrpel „LGonai Schemo". — I. G. v o n Herder. Der Antisemitismus ist nichts anderes als der schmachvolle Ausdruck des krassesten Egoismus und gemeinen Strebertums. Das stärkste Kontingent zu diesem Korps von Raub- und Brandbrüdern stellen alle jene Schiffbrüchigen — atte jene Schnorranten und Vaganten (nach Johannes Scherr), die hoffen, vielleicht auf diese Weise in einen sicheren Hafen einzulaufen, nachdem sie bisher überall gescheitert. Und besieht man sich einmal die Führer dieser Bande etwas näher, so steigt einem das Grausen auf: In Deutschland, in Oesterreich, in Frankreich (von Rußland gar nicht zu reden) Leute, die den ganzen Inhalt des Strafgesetzbuches mit sich als Gepäck führen und immer mit einem Fuß auf der Zuchthausschwelle stehen. Und von solcher Seite soll die Beglückung über das Volk kommen! Bedauernswert das Volk, das dem Gaunertum das Recht einräumt, sich zum Vertreter aufzuwerfen! Schloß Harmansdorf. A. G u n d a c c a r von Suttner. Ausgrabung der Davwstadt. In einer der letzten Sitzungen der Academie des inskriptions et belles-leitres in Paris erstattete Kapitän Raymond Weill Bericht über die Ergebnisse der Ausgrabungen, welche er im Aufträge und auf Kosten des Barons Ednrond de Rothschild vorigen Winter in Jerulem durchgeführt hat. Es handelt sich ^diesmal um jene Stelle, welche unter dem Namen Davidstadt bekannt ist und seinerzeit von dem Begründer des Königreiches im Sturme erobert wurde, woselbst er und seine Nachkommen begraben wurden. Kapitän Weill hat nun diese alte königliche Nekropolis bezw. die Ueberreste der alten Grabstätten aufgedeckt. Er kam hiebei auch auf die Festungsmauern und auf das ganze Befeftigungssystem, welches auch vom kriegstechnischen Standpunkte von ganz besonderer Bedeutung ist. Ebenso konnte er die ganze Wasserversorgungsanlage ans Tageslicht setzen und hierbei ganz besonders jene Reservoirs bewundern, in welche das Hochquellenwasser geleitet wurde und welche auf ganz originelle Weise gegen kriegerische Ueberfälle geschützt waren, damit die Stadt im Kriegsfälle nicht ohne Trinkwasser bleibe. Kapitän Weill wird seinen äußerst lehrreichen und interessanten Bericht demnächst im Druck erscheinen lassen. Anatole Leroy Beaulieu über die jüdische Religion. Der Verfasser des Werkes „Israel cliez les Nations“, der bekannte Nationalökonom Leroy Beaulieu, sagte auf die Frage eines Interviewers in Amerika, wo er jetzt weilt, was er von der Zukunft des Judentunis halte: „Ich hoffe aufrichtig und glauhe, daß das Judentum leben werde. Die Hauptsätze der jüdischen Religion: die Einheit und Vaterschaft Gottes und die Brüderlichkeit aller Menschen, sind Prinzipien, die niemals sterben können. Die philosophischen Teile des Judentums werden bleiben, denn ich glaube entschieden, daß das Judentum eine Philosophie ist. Ich weiß es von meinen Studien, daß der Hauptinhalt des Judentums aus Philosophie beruht. Bis zu einem gewissen Grade jedoch wird das Judentum sich ändern müssen; es muß in Harmonie mit' dem modernen Leben, mit der Gegenwart gebracht werden. Immerhin müssen einige alte Formen zurückbehalten werden, um das Judentum von anderen Religionen zu unterscheiden. Das Judentum hat eine edle Tradition; es gleicht darin keiner anderen Glaubensform. Meine jUeberzeugung ist, daß die Menschen hinsichtlich der Form ihrer Religionen von einander abweichen können, wenn ihre Religionen nur auf demselben Fundament ruhen. Diese Unterschiede sollten aufrechterhalten werden. Auch die jüdische Tradition sollte um jeden Preis erhalten werden; der Geist des Judentums muß am Leben bleiben, und die Juden sollten an ihrer alten Religion festhalten. Ihr Uebertritt gerade provoziert den Antisemitismus. Die Antisemiten sagen: Sie sind keine Juden, sie sind Nichts. Die Leute fürchten solche Juden, weil sie ein negierendes, zerstörendes Element bilden lind einen irrelegiösen Geist ermutigen." Meyerbeer und die hebräische Sprache. Im Jahrgang 1864 der „Archives isr." findet sich ein Interview Alexander Weill's mit Giacomo Meyerbeer. Meyerbeer erzählte u. a., daß er den Plan einer Oper „Moses" deshalb wieder ausgegeben habe, weil er des Hebräischen unkundig sei. jUm Jude zu sein, ja, um nur etwas Jude zu sein, mutz man" — fuhr er fort — „hebräisch verstehen, wie man französisch verstehen mutz, um Franzose zu sein. Denn das Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine Nationalität. Die Nationalität bleibt uns schon darum, weil man sie uns immer vorwirft, selbst dann, wenn die Religion schon verschwunden ist. Wenn ich einen Cohn hätte und wenn ich diesen hätte in der jüdischen Religion erziehen wollen, ich hätte ihn Hebräisch lernen lassen. Das Wenige, das mir vom Judentum geblieben ist, verdanke ich einigen biblischen Worten, einigen Erinnerungen an das Hebräische. Nicht nur die Jungen, sondern auch die Mädchen müßten im Alter von drei Jahren anfangen, Hebräisch zu lernen; sie würden dann niemals der Gefahr ausgesetzt sein, ihre Religion wechseln zu wolleih" Hier warf der «Interviewer ein, warum Meyerbeer bei einer solchen Anschauungsweise gestattet habe, daß seine Töchter sich taufen ließen. „Warum! Ich glaubte damals, daß ein Vater nicht das Recht habe, die Religion seiner Kinder von Geburt an zu bestimmen, und ich ließ daher meinen Kindern die Freiheit, die Religion nach ihrem Ermessen zu wählen. Heute aber glaube ich, daß der Vater die Pflicht hat, seine Kinder in seiner Religion zu erziehen." Glauben Sie, daß das Studium der hebräischen Sprache allein genüge, ein jüdisches Denken anzuregen? „Sicherlich. — Denn Gott sagt mir nichts. Der Herr ist ebenso christlich wie jüdisch; auch der Ewige. Aber der Schein Hewaje sagt mir etwas, besonders wenn ich weiß, daß dies ein geheimnisvolles Wort ist, welches die Vergangenheit; die Gegenwart und die Zukunft vereinigt." Die Ingrndlrhrrr der talmudilcheu Zeit. Von L. Wiesner. (7. Fortsetzung.) tnsso piw "i R. Simeon, Safra von Terbenth. Ein würdiges Seitenstück zu Chanina Kara, nur noch energischer und entschlossener, bildet sein Kollege und Zeitgenosse R. Simeon, der Safra von TerbenthZ) Der von Chanina Kara in Sepphoris eingeführte Modus i) Klein, Beiträge zur Geographie und Geschichte Galiläas, Leipzig 1909, S. 84, Anm. 4 identifiziert Terbenth mit dem galu'äischen Orte Tarbana, südlich von Dscherbata. Vergleiche Hirschensohn P2V niasn Lemberg 1885, ferner Kraus, Lehnwörter II, 275.