Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Bloch's Wochenschrift Veite 449 als durchaus unzugänglich gegen alle Bemühungen, diese harte Maßregel zu lindern. Es ist also dabei geblieben, daß christliche ausländische Arbeiter in so großer Zahl beschäftigt werden dürfen, wie man sie nur bekommen kann. Nur Juden sind ausgeschlossen, weil sie Juden sind. Eine Großtat Leo Brodskys. Der jüdische Philanthrop Leo Brodsky in Kiew, der bekanntlich sich auch an die Spitze der Emigrationsaktion der Jto gestellt hat, hat angesichts der großen Notlage, in welcher sich 583 jüdische Familien, welche aus Kiew ausgewiesen wurden, befinden, sich bereit erklärt, die Hilfsaktion zugunsten dieser Unglücklichen in die Hand zu nehmen, beziehungsweise den größten Teil der hiezu erforderlichen Summe aus Eigenem zu decken. Es ist geplant, diese Vertriebenen entweder in den westlichen Staaten Amerikas, oder, wenn es irgendwie tunlich, in Palästina anzusiedeln. Der Erfolg eines vertriebenen Juden. Au der Newhorker Century Opera wurde für die kommende Saison Mr. Josiah Zuro als Chormeister und Dirigent engagiert. Zuro ist erst feit acht Jahren iit Amerika und mußte seinerzeit das kaiserliche Äonservavatorium in Odessa verlassen, weil er als Jude „überzählig" war. Er ging nach München, wo er seine Studien vollendete, war kurze Zeit in Hamburg als Korrepetitor und Dirigent von Konzerten tätig, kam schließlich nach Newyork, wo er die Stelle eines Chormeisters erhielt. Diese hervorragende Stellung tauscht er nun mit einer noch glänzenderen als Dirigent an der Century Opera ein. Die „Newyork-Times", welcher wir diese Daten entnehmen, erinnert' hiebei daran, wie viel Kulturwerte und zivilisatorische Kräfte Rußland in der leichtsinnigsten Weise Tag um Tag verliert, weil es sich nicht dazu emporschwingen kann, den Juden die Gleichberechtigung zu geben. Die jüdischen Kompagnons des Diktators Huerta. In den amerikanischen Tagesblättern wird jetzt viel über die zwei Brüder Abraham und Josef Rattner geschrieben, welche nicht nur die politischen Berater, sondern auch die Kompagnons des mexikanischen Diktators Huerta sein sollen. Der Geschicklichkeit und dem Unternehmungsmut dieser beiden aus Rußland eingewanderten Juden soll es nach diesen Zeitungsmeldungen überhaupt zu danken sein, daß Huerta mit genügenden Gewehren und Munition versehen ist. Auch die diplomatischen Unterhandlungen werden von diesen beiden geführt, denen selbst von ihren amerikanischen Gegnern nicht daS Zeugnis überaus kluger und umsichtiger Menschen versagt wird. Auswanderung ganzer Judengemeinden. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Aus den verschiedensten Teilen der ehemals türkischen Gebiete kommen Nachrichten vor: der fortdauernden, ja stetig zunehmenden Austvanderung der Juden. Aus Kirkilisse sind bis jetzt schon 75 Prozent der arbeitsfähigen Juden ausgewandcrt, während die alten und kranken arbeitsunfähigen Juden notgedrungen zurückgeblieben sind. Die Abwanderung der Juden aus Saloniki hält gleichfalls ungeschwächt an. In den letzten Wochen haben 30 große jüdische Firmen liquidiert und ihre Angestellten und Arbeiter entlassen. Nicht alle diese Arbeiter und Angestellte können sofort auswandern, und mit ihren Familien in der Fremde neue Existenzen suchen. Die hiedurch entstandene Notlage unter den hiesigen Juden ist eine unbeschreibliche. Auch die Gemeindemittel sind völlig erschöpft und steht die Gemeinde vor einer Katastrophe. Es besteht für Eingeweihte kein Zweifel, daß die jüdische Gemeinde in Saloniki ihrem sicheren Untergange entgegengeht. Einführung des Londoner Ehiefrabbis bei Hofe. Bei dem vorigen Mittwoch stattgehabten Empfang bei Hofe wurde, wie aus London berichtet wird, der Großrabbiner von England Dr. Herz bei Hofe eingeführt und dem Könige vorgeftellt. Die Vorstellung besorgte Kapitän Lyonel de Rothschild, Mitglied des englischen Unterhauses: Spende für eine jüdische Universität. Die Beschlüsse der Konferenzen, welche vor kurzem in Bern wegen Errichtung einer durchaus freiheitlichen Utriversität in einer geeigneten Stadt in Europa gefaßt wurden, haben bereits lebhaftes Echo Pfunden. Ein anonymer Spender aus London offerierte für diesen Zweck 50.000 Franken, während der bekannte Schriftsteller und Politiker Rubakin seine 30.000 Bände umfassende Bibliothek der Universität zu überlassen versprach. Diese beiden Spenden sind nicht für eine ausschließliche jüdische Universität gedacht worden, sondern für eine auf liberaler Basis zu gründende Hochschule, in welcher statutarisch eine Einschränkung in konfessioneller oder natio^ naler Beziehung für alle Zeilen ausgeschlossen sein soll. Gegenwärtig handelt es sich allerdings um die Tausende von jüdischen Studenten, welche in Rußland von den Hochschulen ausgeschlossen sind. Lefefrüchte. Karl Müller hatte wenig gelernt, dennoch wollte er gern etwas sein, etwas gelten. Unter anderem wäre er gern irgendein Parteigenosse geworden. Doch dazu mußte man irgendeine Meinung haben und diese entwickeln können. — DaS fiel Karl'n sehr schwer, und er war immer noch nichts und niemand. „Haut die Juden — jagt die Juden aus dein Lande-." Das hörte er einmal in einer Versammlung von Antisemiten. Das war etwas — leicht zu behalten, — leicht zu greifen, — leicht nachzusprechen. Er merkte jetzt auch, daß es seine Meinung war. Er wurde Antisemit. Karl ist jetzt ganz zufrieden. Er ist „etwas" - Antisemit. F. v. K apsf, Essen ther. Ich glaube an daS Blut. Ich glaube an die Raffe. Wie kein anderes Volk hat das jüdische daS Mysterium seiner Rasse heilig gehalten. In seinem unaufhaltsamen Marsche durch alle Jahrtausende der Geschichte, durch alle Staaten und Erdteile hat es seine AuSerwähltheit erwiesen und sich die Bürgschaft seiner Dauer und hohen Zukunft erworben. Eherne Treue hat es seiner Natur bewahrt. Es ist das Salz der Erde. Wachstum und Ausdehnung des Antisemitismus ist Maß und Gewicht dafür, wie weit ein Volk die Heiligkeit seiner Art verloren hat und zum schwachen Mischling geworden ist, so daß es der Kraft nicht mehr die Kraft, dem Stolze nicht mehr den Stolz, dem Naturbewußtsein nicht mehr das Naturbewußtsein entgegenzusetzen vermag. Verjudung und Antisemitismus sind gleichertveise Degenerationsprodukte. Die Erhebung der Völker zu edlerer Menschlichkeit ist an < die Rassenkraft und Heiligung des Blutes gebunden. - Michael Georg Conrad. „Ideen zur Geschichte der M e n s ch h e it." Israel war und ist das ausgezeichnetste Volk der Erde: in seinem Ursprünge und Fortleben bis auf den