Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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&eite U8 Dr. Bloch's Wochenschrift N.. 26 versität nicht ausgenommen werden." Der Jude Berger ist also in Polen Jude und in Deutschland — Pole. Nun wendete er sich an den Senat in Rom und wurde ausgenommen. Jetzt empfängt er Lobeshymnen von der polnischen Presse, daß ein „Pole" in Rom dem Polentum Ehre bringe, wahrend ein deutscher Professor — der frühere Lehrer Bergers — an diesem schreibt, er freue sich, daß die deutsche Wissenschaft einen so glänzenzenden Vertreter in der Person Bergers in Rom gefunden habe! Die Tragik dieses Vorfalles hat einen hohen Gehalt von Komik. Züchtigung eines antisemit.ischen Prchbubens. Das Przemysler Organ „Ziemia Przemyska" erläuterte den grauenvollen Mord in Pikulice in der Weise, daß an diesem Mord nur die Juden die Schuld tragen, welche überall Judaismus verbreiten und damit die polnische Bevölkerung demoralisieren. Diese unverschämte, ganz eigenartige Apologetik entrüstete einen Przemysler Arbeiter namens Chomiall in so hohem Grade, daß er den Verfasser obigen Pamphlets, den Dr. Nowcsilski, auf offener Straße ohrfeigte und somit der Gerechtigkeit Satisfaktion verschaffte. Ein weiterer Raubmord. Lemberg, 21. Juni. In dem Städtchen Jaryczew bei Lemberg wurde an dem 73jährigen Pferdehändler Chaim Schor ein Raubmord verübt. Zwei Banditen drangen nachts in die Wohnung des als sehr wohlhabend geltenden Schor ein. Als dieser aus dem Bette sprang, stürzte sich einer der Banditen auf chn und versetzte ihm mehrere Messerstiche. Die Frau und die Kinder eilten chrem Vater zu Hilfe, worauf die Einbrecher durch das geöffnete Fenster entflohen. Der Schwerverletzte konnte den Banditen noch beschreiben, worauf er das Bewußtsein verlor und starb, ohne daß ärztliche Hilfe zur Stelle gewesen wäre. Der Bezirksarzt Dr. Goloub weigerte sich nämlich, sich auf den Tatort zu begeben, wenn man ihm nicht das Honorar im vorhinein bezahle. Die Lemberger Polizei entsandte einen. Detektiv mit einem Polizeihund. Dieser nahm die Spur auf und verfolgte sie bis in das Wohnhaus des Fabriksarbeiters N a r i n s k i, den er verbellte. Der Mann sowie seine Frau wurden trotz ihres Leugnens verhaftet, da verschiedene Umstände darauf Hinweisen, daß sie, wenn sie auch nicht die Täter sind, an der Mordtat beteiligt sind. Es wurden auch noch zwei weitere Verhaftungen vorgenommen. Die Petersburger Advokaten und der Beilisprozeß. Aus Petersburg, 19. d. M., wird telegraphiert: Ju dem Prozeß gegen 26 Petersburger Advokaten wegen einer während des Beilisprozesses von ihnen Unterzeichneten Resolution, deren Inhalt für das Justizressort und das Gericht beleidigend war, wurde heute nach dreitägiger Verhandlung das Urteil gefällt. Die Rechtsanwälte Sokolow und Kerenski wurden zu je achtmonatiger, die übrigen zu je sechsmonatiger Gefängnishaft verurteilt. Ein Bankett zu Ehren der Anwälte im Beilisprozesfe. Aus Petersburg wird telegraphiert: Zu Ehren der zu acht-, respektive sechsmonatigem Gefängnis verurteilten 25 Rechtsanwälte und chrer Verteidiger veranstaltete der Petersburger Anwaltrat ein Bankett im Restaurant Donon. Biele Reden, auch von den Verurteilten, wurden gehalten, unter Hervorhebung des Umstandes, daß trotz des Ausganges des Prozesses kein Grund vorhanden sei, den Mut zu verlieren, und daß man vielmehr weiter für das Gemeinwohl wirken müsse. Die Fraktion der Linken in der Reichsduma und die Kiewer Kollegen sowie zahlreiche Freunde sandten herzliche Glückwunschtelegramme. Das „Schächten". Straßburg i. Elf., 12. Juni. In seiner jüngsten Vorlesung über die „Physiologie des Nervensystems" führte Herr Professor Dr. Ewald bei Besprechung der Blutversorgung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) folgendes aus: „Sobald die Blutzufuhr zum Gehirn aufhört, tritt Bewußtlosigkeit ein. (Daher die sofortige Bewußtlosigkeit bei einem Erhängten.) Das Schächten, wie es zum Beispiel die Juden ausführen, ist eine sehr humane Art der Tötung,- wenn es auch schlecht aussieht. Es hat einen Kampf hervorgebracht von Leuten, die es nicht verstehen, und zwar wegen der Krämpfe, die eintreten. Die Tiere bekommen Krämpfe, und das sieht für den Laien aus, als ob sie Schmerzen hätten. Aber bevor die ersten Krämpfe eintreten, ist schon vollständige Bewußtlosigkeit vorhanden." Hannover. Am 1. Juni d. I. ist der frühere Direktor der tierärztlichen Hochschule, Geheimer Oberregierungs- und Medizinalrat Dr. D a m m a n n, im Alter von 75 Jahren verschieden. Der Verstorbene hat es verdient, daß auch in jüdischen Blättern seiner ehrend gedacht werde. Das Judentum ist ihm zu großem Dank verpflichtet für die außerordentlichen Dienste, die er ihm in seinem Kampfe gegen die Angriffe auf das rituelle Schächten geleistet hat. «schon im Jahre 1886 hat er in einer besonderen Schrift, die später in dem 1894 erschienenen Gutachten über das jüdisch-rituelle Schächtversahren nochmals abgedruckt worden ist, die gegen die rituelle Schächtmethode und die ihr vorangehenden Vorbereitungen erhobenen Angriffe mit wissenschaftlicher Gründlichkeit widerlegt und nachgewiesen, daß dieselbe gerade vom Standpunkte der Humanität aus sehr zu empfehlen ist. Das Eintreten Dammanns für die jüdische Schächtart war aber deshalb von besonderer Bedeutung, weil gerade seine Meinung bei den staatlichen Behörden außerordentlich ins Gewicht fiel; Es dürfte vielleicht wenig bekannt sein, daß, als in demselben Jahre die Genfer Tierschutz-Gesellschaft diese Angelegenheit betreffende Vorschläge dem Reichskanzleramt machte, Dammann von diesem unter allen deutschen Fachmännern allein dazu ausersehen wurde, sich hierüber gutachtlich zu äußern, und daß er dadurch gerade bei den amtlichen Stellen ausklärend gewirkt hat, welche für die weitere Behandlung dieser Frage ausschlaggebend waren. Die jüdischen Bergarbeiter in Kattowitz. Kattowitz (Oberschl.) Wir haben seinerzeit die Verwendung jüdischer ausländischer Bergarbeiter in den an Arbeitskräften notleidenden oberschlesischen /Bergwerkeil mit großem Interesse verfolgt und über die guten Erfahrungen, welche man mit diesen Leuten nach dem Zeugnis der Zechenverwaltungen gemacht hatte, wiederholt eingehend berichtet. Handelte es sich bei diesen Versuchen doch einmal darum, der notleidenden jüdischen Arbeiterbevölkerung Galiziens und Rußlands ein neues Tätigkeitsfeld zu eröffnen und andererseits durch sie den antisemitischen Vorwurf zu entkräften, daß die Juden durchgängig schwerer körperlicher Arbeit abgeneigt und ungeeignet für diese seien. Die importierten jüdischen Bergarbeiter waren sehr religiös und nüchtern, froh, daß sie Gelegenheit zur Arbeit hatten und sich ihr Brot verdienen konnten, lebten harmlos und bescheiden, zeigten sich vor allem absolut frei von jeder Neigung zu Exzessen. Aber es waren Juden! Und die Folge war, daß die oberschlesische Regierung, die aus Rücksicht auf die Bedürfnisse der Industrie die Ausschreitungen polnischer und ruthenischer Christen sehr nachsichtig beurteilen muß, sie allesamt auswies! Es wurde förmlich eine Jagd aus sie veranstaltet, bis endlich der letzte Mann jenseits der Grenze war. Die Oppelner Negierung erwies sich leider