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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Blockes Wochenschrift Seite 447 Auf einem scharf umgrenzten Gebiete zeigt sich nun die christlichsoziale Fäulnis in ganz besonderem Maße. Der jüdische Schachergeist, der jüdische Betrug, die jüdische Profitgier sollten umgebracht werden von einer Partei der reinen Hände. Nun zeigt es sich aber an einer beängstigend großen Zahl von Beispielen, daß diese reinen Hände meistens in fremden Taschen stecken. Der christlichsoziale Feldzug auf dem Finanzmarkt ist ein hunnischer Beutezug, der in schrankenloser Rücksichtslosigkeit selbst die Aermsten plündert, deren Religiosität in finanzielles Vertrauen umgewandelt wird. Unter der Aegide der reinen antisemitischen Hände sind die Vorschußkasse in Prag, die in Nußdorf, die Josesskassen in Krain und Kärnten, der kleine Wiener- Merkur und viele Sparkassen in einzelnen Städten geschaffen, durch deren betrügerischen Baukerott ganze Landstriche verwüstet worden. Hat es vor der christlichsozialen Aera so viele und so folgenschwere Verbrechen gegeben? Nun hat sich ein neuer krasser Fall ereignet, der für viele Leute ein furchtbares Schicksal bedeutet und bei welchem der Zusammenhang zwischen Blauer Luchs und Rathaus klar auf der Hand liegt. Der Chef und der Prokurist des Bankhauses Th. I. Plewa, der Schober und der Bauer, wurden wegen eines riesigen Betruges dem Landesgericht eingeliefert. Mehr als sechs Millionen wurden gestohlen unb mehrere hundert Leute beklagen verzweifelt den Verlust ihres Vermögens, arme Waisen, Diener und Näherinnen ihre mühselig zusammengesparten Notpfennige, alte Leute den Zehrpfennig für ihre letzten Jahre. Furchtbare Szenen spielen sich in dem Hause ab, in welchem die Behörde viel später ihres Amtes waltet, als es eigentlich ihre Pflicht gewesen wäre. Denn wir haben ja eine staatliche Aufsicht über Finanzinstitute und diese sollte auch bei jenen Bankhäusern streng sein, welche gute Verbindungen mit maßgebenden Politikern haben. Die Betrüger im umgefallenen Bankhaus Plewa profitierten von der Wirkung der Aufforderung, welche noch immer mutig und fett gedruckt in der antisemitischen Presse steht: Kauft nur bei antisemitischen Gesinnungsgenossen. Es war ein offenes Geheimnis, daß das Haus Plewa das freundliche Interesse vieler maßgebender Antisemiten besitze, und das verschaffte ihm den Kredit bei seinen vielen Einlegern, welche auf hohe eigene Kosten den Kämpfern gegen die jüdische Korruption Gefolgschaft leisteten. Damit aber der Humor bei diesem furchtbaren Schlag für so viele bemitleidenswerte Leute nicht fehle, erschien noch am 20. Juni ein großes Inserat des Bankhauses im „Deutschen Volksblatt", sehr auffallend gedruckt und mit dem Versprechen der „bestmöglichsten Verzinsung von Bareinlagen". Am 20. Juni war die Verhaftung der Betrüger schon erfolgt, aber Gott Nimm übersieht solche Kleinigkeiten. Gott Nimm war auch Pate gestanden bei eineranderen Unternehmung der Partei der reiner; Hände, deren Zusammenbruch viele Tränen von armen Mädchen gekostet hat. Ihre mühselig ersparten Kreuzer waren dahin beim Zusammenbruch des Vereins „Mädchenhort", der versprochen hatte, allen seinen Mitgliedern eine Heiratsausstattung von 900 Kronen auszuzählen. Man kann als sicher annehmen, daß die Gründer und Leiter dieses Unternehmens vor die Geschworenen kommen würden, wenn sie Juden wären. Hier aber handelt es sich um den Grafen Colloredo-Mels, einen fanatischen- Feind der Juden, und seine Freunde. Man hat ihre Unschuld herausgefunden, weil die finanzielle Grundlage der gegenseitigen Versicherung unhaltbar gewesen sei. Man hatte zu wenig Einzahlung verlangt und zu hohe Prämien gegeben. Das haben die Gründer nicht berechnen oder begutachten lassen können? Wahrscheinlich wurde damit gerechnet, daß die meisten Mädchen des Vereins sitzen bleiben und viele Jahre lang Einzahlungen leisten würden. Wenn man etwas anderes annimmt, so muß man schon ein gehöriges Vertrauen zu der Naivität anderer Leute haben. Wenn man aber auch den guten Glauben der Gründe annimmt, so sieht man noch immer nicht die Schuldlosigkeit der Staatsbehörde, welche für solche Gründungen verantwortlich ist. Sie hätte es nicht dulden dürfen, daß man gerade den ärmsten Mädchen unter mindestens bedenklichen Vorspiegelungen das Geld aus der Tasche lockt. Wenn der Behörde ein Jude mit einem solchen finanziellen Plane, wie der Gründung des Mädchenhorts, gekommen wäre, so hätte man ihn sicher scharf abgewiesen. Wo es sich aber um Gefälligkeiten gegen Christlichsoziale handelt, ist man zum Verhängnis gerade der wirtschaftlich Schutzlosen rasch bei der Hand. Man kann sich darauf verlassen, daß diese letzten Fälle schwerer christlichsozialer Korruption nicht die letzten bleiben werden. Die Verderbnis dieser Partei ist so groß und eingewurzelt, daß sie noch bald und oft in die Erscheinung treten wird, wenn auch viele schlaäe Christlichsoziale triumphierend die berühmte Rede des Ehrenbürgers aus dem Witzblatt wiederholen können: „Fünfundzwanzig Jahre lebe ich unter Euch und nichts könnt Ihr mir beweisen!" Viele von der Partei der reinen Hände sind in kürzester Zeit reich und mächtig geworden und leben politisch vergnügt vom Mangel an Beweisen. Bei Tag machen sie ihre dunklen Geschäfte und am Abend erleuchten sie in Wählerversammlungen das Gehirn ihrer Leute mit Verleumdungen der Juden und mit der strengen Forderung: „Kauft nur bei Christen!" _ Vom Sabrmarfet des Hebens. Eingabe der Juden an das rumänische Parlament. Bukarest. Anläßlich des Zusammentrittes der Konstituante hat der Verband der eingeborenen Juden in Rumänien eine Eingabe an diese gerichtet, in der mit Hinweis auf die militärische Dienstleistung der Juden in den Kriegen Rumäniens gegen die Türkei und Bulgarien sowie unter eingehender Darlegung der Verhältnisse, unter denen die Juden in Rumänien zu leiden haben, gebeten wird, den in Rumänien geborenen Juden die staatsbürgerlichen Rechte zu verleihen. Dies ist bereits im Berliner Vertrag ausgesprochen worden, bisher aber noch nicht zur Ausführung gelangt. — Selbstverständlich ist das nur ein Schlag ins Wasser. Juden als Erfinder. Beim Vorstande der Jüdischen Gemeinde Berlin ist von privater Seite angeregt worden, die verfallene Grabstätte des 1863 verstorbenen Malers Jacob L i e b m a n n, des Erfinders des Oelgcmäldedruckes, wieder würdig herzustellen. Eine ganz kuriose Geschichte des Tr. Berger aus/Lemberg. Einem Lemberger Brief der Warschauer „Hazefirah" (Nr. 127) entnehmen wir folgende Geschichte: Dr. Berger ist ein junger Mensch von hoher Gelehrsamkeit. Hat „sub auspitiis“ promoviert, ist Doktor dreier Fakultäten. Ein Lemberger Kind, in Lemberg erzogen, ging durch das polnische Gymnasium, wagte dieser Dr. Berger an den Senat der Lemberger Universität ein Gesuch, ihn zum Dozenten für Rechtswissenschaft zu ernennen. Daraufhin erhielt er vom Senat folgenden Bescheid: „Die Verhältnisse zwischen Juden und Polen haben sich in letzter Zeit so gestaltet, daß es unmöglich ist, einen Juden zum Dozenten an einer polnischen Universität zu ernennen." Dr. Berger suchte hierauf sein Glück in Deutschland, wo man ihm jedoch antwortete: „Als Pole können Sie in eine deutsche Uui-

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