Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Tlemcen 2× ep/1048142
- Oran 1× ep/1048048
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 435 änderten die Herrschaften am letzten Tag ihren gefaßten Beschluß, „Juden nicht zu laden", und erließen ein Zirkular an die jüdischen Mitglieder der Ortsgruppen des Inhalts, daß leider einige Mitglieder in der Einladungsliste übersehen worden seien und dieses Versehen entschuldigt werden möge. Ein Kommentar ist wohl überflüssig. Wir fragen die jüdischen Mitglieder der Ortsgruppen Eöding, Lundenburg, Brünn, Olmütz rc. rc., werden sie aus solchen Vorgängen nicht die Konsequenzen ziehen? Wenn die Leitung des Deutschen Schulvereines den jüdischen Mitgliedern der Ortsgruppen Nikolsburg nicht volle Satisfaktion geben wird, werden die jüdischen Mitglieder in den anderen Ortsgruppen sich mit uns solidarisch erklären und alle ihren Austritt aus dem Deutschen Schulverein erklären. 5>0jähriges Gründungs-Jubiläum der jüdischen Schule in Nagyszombat. Aus Nagytzombat (Tyrnau) wird gemeldet: Die Stadt war am 7. d. der Schauplatz einer höchst erhebenden Feier. Die jüdische Volksschule beging das 50jährige Jubiläum ihres Bestandes, und die überaus rege Teilnahme, die an diesem Tage aus allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung dieser Feier zuteil wurde, lieferte den erfreulichen Beweis, welche Popularität diese seit 50 Jahren bestehende Schule sich erworben hat. Schon lange vor Eröffnung der Feier war der Riesenturnsaal bis auf das letzte Plätzchen mit eine n distinguierten Publikum gefüllt, und hunderte Personen mußten fern bleiben, da sie keinen Einlaß erlangen konnten. Die Feier begann mit der Absingung des 23. Pfalmes durch die Schuljugend. Hierauf betrat der Präsident der Gemeinde, Herr L. Diamant, die Tribüne, um die zahlreich erschienenen Festgäste, darunter den Magistrat der Stadt Nagyßombat mit dem Bürgermeister an der Spitze, ferner die Vertreter der Militär- und Schulbehörden aufs herzlichste zu begrüßen. Er dankte den Behörden sowie der Gemeinde für die bisher gebrachten Opfer, betonte insbesondere die Verdienste der Schule um Kultur und Religion und gab namens der Gemeinde die Erklärung ab, daß letztere stets bestrebt sein werde, ihre Schule nicht nur zu erhalten, sondern sie auch weiter zu entwickeln. Tosender Beifall zollte diese Rede, nach welcher Oberrabbiner Herr Mar Stein die Rednertribüne betrat. Von dem Bibelverse ausgehend: „Auf daß alle Völker der Erde erkennen, daß es nur einen einzigen Gott gibt", führte er aus, fei es Pflicht der jüdischen Schule, allen Menschen zu verkünden, daß dieser Gott nur ein Gott der Liebe sein könne und wir Menschenkinder die uns von ihm befohlene Liebe in der dreifachen Art, als Liebe zu unserer angestammten Religion, als Liebe zum- Vaterlande und Liebe zu den Nebenmenschen, zu betätigen haben. Und diese Mission habe die Schule bisher im vollsten Sinne des Wortes erfüllt. Cr appelliert an die Gemeinde und Gesellschaft, die Schuie als kostbarstes Kleinod sämtlicher Gemeindeinstitutionen nicht nur zu erhalten, sondern auch zu fördern. Die Rede übte auf die Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck. In geistvoller Weise erstattete darnach Direktor I. G e r ö den Bericht über die 50jäh:ige Geschichte der Schule, welcher mit gespanntem Interesse angehört wurde. Die Schule hatte — so berichtete er unter anderem — wie alle übrigen Schulen des Landes ihre schweren Kinderkrankheiten durchgemacht, Mißgunst, Vorurteile, Mißverständnisse, Feindseligkeiten hatten oft auch den Bestand dieser Schule gefährdet und die Eristenzfähigkeit ihrer Lehrer in Mitleidenschaft gezogen. Seit zirka 25 Jahren aber weht ein Frühlingshauch über den Wipfeln der Schule. Gemeinde und Lehrkörper halten sich verstehen und — schätzen gelernt. Kein Lehrer verließ seit jünlgrrer Zeit seinen Posten, ohne mit Ehrenbezeugungen und Geschenken bedacht, kein Lehrer ging in Pension, ohne von seiner Gemeinde mit einem .Gnadengebalte nebstbei bedacht worden zu sein, damit er den Rest seiner Lebenslage vor Not geschützt noch genießen könne. Die Gemeinde habe für die Lehrer väterlich gesorgt, und die Lehrer waren die dankbarsten Mitarbeiter an der Mission der Gemeinde für Religion und Fortschritt. Rührend war die Wirkung die,er Rede. Hunderte von Händen streckten sich den anwesenden wackeren Veteranen der Schule entgegen, um ihnen ihre Dankbarkeit nochmals zum Ausdruck zu bringen. Nebst einigen gelungen vorgetragenen Musik- und Deklamationspiecen gelangten auch zwei Dilettantenvorstellungen von Lehrer M. Lederer und Dr. Engelberg zur Aufführung, welche beide Stücke von der kleinen ABC-Schar in meisterhafter Weise ge p'elt wurden. Nicht endenwo'.'ender Beifall zollte das kleine Künstlerensemble. Mit einer effektvoll arrangierten Apotheose, bei welcher die Voikshymne gesungen wurde, schloß die herrliche Feier, ein Gedenktag der Stadt Nagyßombat, der israelitischen Gemeinde und ihres wackeren Lehrkörpers. i Ein Legat uon 250.009 Kronen für Jerusalemer jüdische Spitäler. Durch das Urteil eines Gerichtes in Philadelphia gelangen, wie uns aus Newyork berichtet wird, vier jüdische Hospitäler in Jerusalem in den Besitz eines vielumstrittenen Legates in der Höhe von 250.000 Kr. Dieses Legat hat der im März 1913 in Philadelphia verstorbene reiche Glasfabrikant Jakob H. Werbelofski den jüdischen Spitälern testiert. Während sämtliche Erben sich mit diesem Legat einverstanden erklärten, hat eine Tochter des Testators, eine Frau Anna Epstein, das Testament angefochten und gegen das Legat protestiert. Vorige Woche nun hat das kompetente Gericht in Philadelphia das Testament zu Recht erkannt und den jüdischen Hospitälern in Jerusalem das namhafte Legat zugesprochen. Der Oberrabbiner beim Te Deum. Aus Saloniki wird uns geschrieben: Aus Anlaß des Namenstages des Königs von Griechenland fand am dritten Juni in der Sofienkirche der ehemaligen Haggia- Sofia ein feierliches Te Deum statt. Unter den Ehrengästen befand sich auch der Oberrabbiner von Saloniki Jakob Meir in der ersten Bankreihe in der Kirche. Nach der kirchlichen Zeremonie nahm der Generalgouverneur von Mazedonien Sopoulis die Glückwünsche der offiziellen Persönlichkeiten entgegen. Namens der Judenschaft verdolmetschte der Großrabbiner die Glückwünsche derselben. Das „Fest des Rab" in Tlemcen (Algier). Wie alljährlich, so wurde auch heuer in Tlemcen (Algier) das „Fest des Rab" gefeiert, bei welchem die Juden aus allen Teilen Algeriens in Massen zu dem Grabe des berühmten Rab wallfahrten. Wie doch alles der Mode unterworfen ist, schreibt hiezu „Univers Jsraelite". Diese Wallfahrt, welche eigentlich aus dem Anlasse des Lag-Baomer veranstaltet zu werden pflegte, ist jetzt mit verschiedenem Kurzweil verbunden, welche eine ganze Woche anhält und deren Programm in den Blättern ausführlich angekündigt wird. Eingeleitet wurde diesmal das Fest mit einem Vortrage des Professors der Allianzschule in Oran, Soffer, über „Rab und die Verehrung der Toten"; daran schloß sich in den folgenden Tagen ein Ball, verschiedene Konzerte, ein Zapfenstreich mit Fackelzug, sportliche Feste, kinematographische Vorführungen und selbst amerikanische Jongleurs fehlten nicht. Man sieht, die Verehrung der Toten ist im algerischen Tlemcen nicht allzu traurig. Diese Festlichkeiten haben bereits eine solche Berühmtheit erlangt, daß sie nicht nur jüdische Wallfahrer, sondern auch Touristen anziehen und die algerischen Eisenbahngesellschaften veranlassen, Vergnügungszüge mit 50 Prozent Ermäßigung einzustellen und einen Autobusverkehr zu dem berühmten Grabe einzurichten. Russische Auszeichnungen an Petersburger Juden. Der Kaiser von Rußland hat, wie uns aus Petersburg berichtet wird, dem Baron G. Günzburg den Titel „Staatsrat" verliehen. Ferner wurden die Petersburger Juden Jakob Feigin, Michael Soloweitschik, Gottlieb Mersch und Boris Poljakov in Anerkennung ihrer Verdienste auf verschiedenen öffentlichen Gebieten mit dem Titel „Wirklicher Staatsrat" ausgezeichnet. Ausweisung von 300 Fleischhauern aus Kiew. Aus Kiew wird uns geschrieben: Die Kiewer Polizei führt jetzt bei sämtlichen jüdischen Fleischhauern der Stadt über höheren Auftrag eine Untersuchung zur Feststellung des Wohnrechtes derselben. Die verworrenen Wohnrechtsverhältnisse sollen nun, nachdem verschiedene andere Berufe bereits in Mitleidenschaft gezogen worden sind, gegen die jüdischen Fleischhauer ins Treffen geführt werden. Wie der Oberpolizeimeister von Kiew erklärt, habe die Untersuchung bereits bisher ergeben, daß 300 jüdische Fleischhauer, welche zum größten Teile seit nahezu zwanzig Jahren ihr Gewerbe ungestört betreiben, nunmehr aus Kiew ausgewiesen werden sollen.