Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022115--23227-3048414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 436 Dr. Bloch's Wochenschrift Nc. 25 MassenausMisungen russischer Juden aus Dänemark. Wie uns aus Kopenhagen berichtet wird, hat sich dort jetzt auf Initiative des Oberrabbiners Dr. Schornstein mit Unterstützung angesehener dänischer Juden ein Verband russischer Juden in Dänemark gebildet. Dieser Verband ist eigentlich eine Schutzorganisation, die notwendig geworden ist, weil die dänischen 'Behörden in letzter Zeit eine Ausweisungspraxis gegen die russischen Juden üben, welche zum Schutze der Interessen der verfolgten Juden herausfordert. In den letzten Jahren sind aus dem russischen Reiche nicht nur zahlreiche Juden, sondern auch „echte Russen" uird „Polen" in großer Anzahl eingewandert, welch letztere durch ihr unbotmäßiges Verhalten den Gerichtsbehörden viel zu schaffen geben. Die Regierung hat nun, ohne zu distinguieren, sehr scharfe Maßnahmen gegen alle Russen, so auch gegen die russischen Juden, verfügt. Am härtesten werden jedoch — wie bei allen ähnlichen Verfügungen — von diesen Ausweisungsbefehlen die russischen Juden betroffen. Der obenerwähnte Verband hat auch zunächst den Zweck, die nichtjüdische Bevölkerung Dänemarks über das Leben der russischen Juden authentisch zu unterrichten. Der Verband hat denn auch schon in dieser kurzen Zeit seiner Existenz den Erfolg aufzuweisen, daß die russischen Juden, welche eine anständige Beschäftigung nachzuweisen vermögen und gegen welche auch sollst nichts vorliegt, von der Ausweisung verschont bleiben. Der russische Botschafter gegen das Schächtverbot. Wie aus Konstantillopel gemeldet rvird, stattete der Großrabbiner der Türkei Rabbi Haim Nahum dem russischen Botschafter in Konstantinopel von Giers einen Besuch ab, im Verlaufe dessen auch über das Projekt, das rituelle Schächten in Rußland zu verbieten, konferiert wurde. Der russische Botschafter stellte zunächst fest, daß dieser Antrag nicht voir der Regierung der Duma unterbreitet worden sei. Er hoffe übrigens, daß die Duma diesen Antrag sich auch nicht zu eigen machen werde. Er persönlich hege übrigens die Ueberzeugung, daß die jüdische Schlachtmethode auch vom hygienischen Standpunkte aus nicht angefochten werden könne, so daß auch von dieser Seite kaum ein erfolgreicher Angriff zu erwarten sei. Die Verächtlichkeit der Judentaufen. Nirgends zeigt sich so deutlich die Verächtlichkeit der Judentaufen, so schreibt man aus Odessa, wie hier bei uns, wo die Taufen der jüdischen Studenten in erschrecklichem Maße zunehmen. Unter den 2048 Studenten der hiesigen Universität gibt es 192 Juden und 160 getaufte Juden. Die letzteren galtenanfangs als Marannen, 'welche die Taufe nur zum Schein annahmen, um dann nach absolviertem Studium zum Judentume zurückzukehren. Nun aber zeigt es sich, daß diese schwachen Charaktere auch innerlich reif waren für den Abfall vom jüdischeil Glauben, denn sie setzen ihre Ehre -darein, mit ihren christlichen Kollegen int Judenhaß zu wetteifern und sich als die Ultraantisemiten aufzuspielen. Bekanntlich hat die Taufe unter der jüdischen Jugend in Rußland auch dadurch Nahrung gefunden, daß seinerzeit sogenannte jungjüdische Publizisten die verderbliche Theorie aufgestellt hatten, daß man ganz gut christlichen Glaubens und dennoch jüdischer Nationalität sein könne, da auch das Christentum eine Schöpfung der jüdischen Nation sei. Das Schicksal -er bucharifchen Juden. Die russische Regierung hat mit cinemmalc gefunden, daß die bucharischen Juden in Turkestan, trotzdem sie seit Jahrzehnten dort leben und Handel und Industrie geschaffen und zur Blüte gebracht haben, in dem Lande kein Wohnrecht besitzen und hat auf Grund dieser Entdeckung an sänltliche bucharischell Juden in Turkestan einen kurzfristigen Ausweisungsbefehl erlassen. Der natürlichen Bitte der Juden, welche vom Emir von Buchara unterstützt wurde, daß es ihnen gestattet sei, noch so fange im Lande zu bleiben, bis der Senat über ihren Rekurs eine Entscheidung gefällt haben wird, hat die Regierung nicht stattgegeben, wodurch es klar wird, daß diese kurze Frist nur dazu dienen soll, die Juden zum Verschleudern ihrer Habe zu zwingen. Ein jüdischer Nnivrrsitätsprofesfor in Rußland. Aus Petersburg wird berichtet: Der angesehene Mediziner und bisherige Universitätsdozent Dr. Leon Levin wurde zum ordentlichen Professor ernannt. Der neuernannte Professor ist der Sohn eines Warschauer Kauf-' mannes namens Tanchnrn Levin und der Schwager des berühmten jüdischen Schriftstellers David Frischmann, dessen schriftstellerisches Jubiläum gerade jetzt aller Orten so außerordentlich gefeiert wird. Die letzten zwei von Fünfhundert. Aus Kiew erhalten wir die folgende vielsagende Meldung: Dieser Tage wurden die letzten zwei jener 500 jüdischen Familien aus Kiew ausgewiesen, welche auf Grund einer vor einigen Monaten erbrachten Senatserklärung ihr Wohnrecht verloren haben, obgleich sie seit vielen Jahren in Kiew leben. Nun, da diese Henkerarbeit vollführt ist, soll, wie russische Blätter melden, auch jenen Eltern, welche mit Rücksicht darauf, daß ihre Kinder in Kiew die Mittelschulen besuchen, in Kierv wohnen durften, das Wohnrecht entzogen werden. Auch auf diese Weise soll der jüdischen Jugend in Rußland das Mittelschulstudium erschwert, bezw. unmöglich gemacht werden. - Nationalisierung der Kunst in Rußland. .... Die Direktion des Petersburger kaiserlichen Konservatoriums hat dieser Tage den Beschluß gefaßt, die bisher üblichen Stipendien uird Subventionen an unbemittelte Konservatoristen einznstellen. Der Professor des Konservatoriums Durassov erklärte einem Journalisten gegenüber, daß dieser inerkivürdige Beschluß auf politische Motive zurückzuführen sei. Die Majorität der Zöglinge des Konservatoriums sind Juden und diesen soll nuf solche Weise die Möglichkeit geraubt werden, sich zu Künstlern auszubilden. Professor Durassov erklärt eine solche Politik der Nationalisierung der Kunst nicht nur für einen Unsinn, sondern auch für ein nationales Unglück. Beschämend dabei ist noch, daß diejenigen, die durch ihre Abstimmung einen solchen Beschluß 'herbeiführten, doch daran denken mußten, daß der Begründer dieser berühmten Kunstanstalt, in welcher die Juden so bedrängt werden, der berühmte Komponist Anton Rubinstein war. Die jüdische Bevölkerung in Argentinien. Anläßlich der letzten Parlamentswahlen in der argentinischen Republik fiel der jüdischen Bevölkerung von Argentinien eine wichtige politische Rolle zu, indem sie besonders in Buenos-Aires und in den Wahlkreisen, zrr welchen die jüdischen Kolonien gehören, den Ansgang der Wahlen stark beeinflußte. Im Jahre 1895 hat die damalige Volkszählung in Argentinien in der ganzen Republik nicht mehr als 6085 jüdische Seelen festgestellt. Heute wird die Zahl der Juden bereits mit rund 100.000 angenommen. Davon wohnen 40.000 in der Hauptstadt Buenos-Aires, 40.000 in den Kolonien und Dörfern und ungefähr 20.000 zerstreut in bett verschiedenen Städten. 95 Prozent aller dieser jüdischen Emigranten stammen aus Rußland und Rumänien. Bei den letzten Wahlen hat es die spanische Presse, besonders die angesehene Zeitung „La Nacion", diesen Juden übel