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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-19 · 25 (19.6.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
25 (19.6.1914)
Date
1914-06-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 434 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 25 Patienten befanden, die von Dr. Hirsch trotz seiner beschränkten Zeit unentgeltlich behandelt werdenwahrhaft ein guter, edler Mensch, dieser Dr. Hirsch, und darüber eben auch ein guter Arzt. Was Wunder, wenn die armen Kranken im jüdischen Hospital schon beim Anblick dieses guten Arztes ausleben und sich verjüngen. Bei dem Verabschieden einer Truppe von armen Kranken im Hospital von ihrem behandelnden Arzte hatte ich das Glück, zugegen zu sein. Von den Armen hat jeder einen kleinen Betrag beigesteuert, um den Doktor für seine väterliche Behandlung mit eitlem bescheidenen Blumenstrauß zu verehren. Erhebend war dieser Anblick für mich. Mehrere Kranke weinten Dankestrünen und er nahm diesen kleinen Blumenstrauß an, dieser gute Arzt. Hatte er doch erstens die Ueberzeugung, daß es von 'wahrhaft dankerfüllten Herzen kommt, zweitens wollte er die Armen durch Ablehnen dieser kleinen Aufmerksamkeit 'nicht verschämen. Anläßlich einer Unterredung mit deni rührigen Präsidenten der Franzensbader Kultusgemeinde Herrn Theodor Spiegel klagte er mir, daß es bei diesen vielell Opfern doch nicht möglich ist, allen Anforderungen gerecht zu werden, und so manches Ansuchen muß infolge der ungenügenden Mittel unberücksichtigt bleiben. Obwohl die Subventionen seitens mehrerer jüdischer Gemeinden, unter welchen selbstverständlich die Wiener an erster Spitze steht, und die Sammlungen, welche unter den Franzensbader Kurgästen gemacht werden, ein nettes Sümmchen aufweisen, kann doch die Verwaltung des Hospitals den Anforderungen der Zeit, in welcher so große Not im jüdischen Lager sich einheimisch machte, nicht gerecht werden und ist vielen armen Kranken infolge unzureichender Mittel der Weg zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit abgeschnitten. Daß viele unserer reichen Glaubensgenossen ein besseres, aottgesälligeres .Werk getan hätten, anstatt ihre Spenden für internationale Blumentage, Stadtpark und Praterfeste zu verabreichen, dieselben lieber für allgemein jüdische Wohltätigkeitszwecke, unter welchen auch die Verwaltung des Hospitals in Franzensbad gemeint ist, geben würden, davon überzeugte ich mich ebenfalls bei meinem Besuche im jüdischen Hospital. Wien, 2. Juni 1914. Josef Grob. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina versendet seinen 6. Jahresbericht, der ein Bild seiner Tätigkeit im Jahre 1913 gibt. Wir erseben aus diesem Bericht, daß die Spltzenschulen des Verbandes im Frühjahr 1913 eine Krisis durchzumachen halten, die sie jedoch gut überstanden haben. Der Absatz der Spitzen hat sich gegen Schluß des Jahres, dank den vom Verbände ergriffenen energischen Maßnahmen, sehr gehoben, und die Aussichten für die Zukunft der Spitzenateliers scheinen somit günstige zu sein. Die Mädchensarm in Kinereth ist im Laufe des vergangenen Jahres. weiter ausgebaut worden. Eine zweite Lehrkraft wurde engagiert, die Milchwirtschaft wurde durch die Ortsgruppe Moskau erweitert, die Baumschule übernahm der Prager jüdische Fraucnverein, der Haushaltungsunterricht wurde gefördert, eine Geflügelzucht angelegt. Zum erstenmale wurden Schülerinnen der Farm im Sommer 1913 entlaßen und erhielten sofort Anstellung in den Kolonien, teils in Arbeiterküchen, teils übernahmen sie den Gemüsebau und die sonstigen weiblichen Arbeiten in der Landwirtschaft. Für das Krankenhaus in Haifa, dessen finanzielle Lage im letzten Jahre eine sehr traurige geworden war, da der Verband seine Subvention leider nicht erhöhen konnte, war der Besuch der Frau Baronin Rothschild in Palästina von großer Bedeutung. Frau Baronin Rothschild hat dem Spital eine jährliche Subvention von Frs. 6000.— zugesichert, außerdem Terrain und Baukosten für ein eigenes Gebäude. Zwar ist das Budget des Krankenhauses dadurch . noch nicht gesichert, immerhin ist seine Lage bedeutend gebessert, und wir dürfen hoffen, daß es nun der dortigen jüdischen Bevölkerung dauernd erhalten bleibt. - Am 13. Mai fand die Generalversammlung des Verbandes im Hause der jüdischen Gemeinde zu Berlin statt. Am besten sehen wir das Anwachsen des Verbandes, wenn wir die Zahlen aus dem Kassenbericht, der 'der Versammlung vorlag und der auch dem gedruckten Bericht beigefügt ist, mit den Zahlen aus dem Bericht für 1912 vergleichen. Darnach wurden im Jahre 1912 für Spitzen in Berlin und in Jaffa Mh 15.632.— eingenommen. Im Jahre 1913 Mk. 19.673.—. An Mitgliedsbeiträgen hatte der Verband im Jahre 1912 Akk. 16.848.—. Im Jahre 1913 Mh 22.672.—. Ebenso stiegen die einmaligen Beiträge von Mk. 3414.— auf Mk. 5616.—. Die Generalversammlung beschloß, die Tätigkeit des Verbandes noch auf einen weiteren Zweig kultureller Arbeit auszudehnen, indem sie für die seit dem August 1913 in Jaffa eröffnete Kinderbewahranstalt, die den hebräischen Namen „Haomen" führt und unter der ärztlichen Aufsicht von Frau Dr. Gutmann- Jaffa steht, eine Subvention bewilligte. So geht der Verband aus seinem Wege immer weiter, und jedes neue Anwachsen seiner Mitglieder gibt ihm die Möglichkeit, sein Arbeitsfeld auszubauen und zu erweitern. Möge diese Erkenntnis alle diejenigen, die ihm noch bislang fernstehen, recht bald zu seinen Freunden und Förderern machen. Eine Rede des Fürstprimas von Ungarn. Anläßlich der Ernennung des Fürstprimas von Ungarn Dr. Johann Csernoch zum Kardinal erschien bei ihm eine Abordnung der jüdischen Gemeinde seiner Residenzstadt Gran, um den Kirchenfürsten zu begrüßen. Auf die Ansprache des Führers der Abordnung Dr. Moritz Aldori wies der .Kardinal-Fürstprimas in seiner längeren Ansprache darauf hin, daß man ihn an vielen Stellen gerne als einen Philosemiten bezeichne. Das kränke ihn nicht ini mindesten, denn er erkläre es öffentlich, es ist seine Ueberzeugung, daß die Juden in dem ungarischen Vaterlande auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete ausgezeichnete Dienste geleistet haben und dem Allgemeinwohl stets zum Vorteile gereichten. Er werde jederzeit dahin streben, daß man in Ungarn den konfessionellen Frieden nicht störe, und sollte er eine gegen diesen Frieden gerichtete Bestrebung wahrnehmen, so werde er, so weit es in seiner Macht liege, immer dagegen auftreten. In seinen Predigten — führte der Fürstprimas weiter aus — erwähne er es oft, wie anhänglich die Juden ihrer Religion sind und wie'sie im Interesse chrer Konfession jederzeit auch gii beit größten Opfern bereit sind. Es würde ihn sehr freuen, wenn auch jede katholische Familie dieses schöne Beispiel nachahmen würde. Der Kirchenfürst unterhielt sich längere Zeit mit den Mitgliedern der Deputation und zeigte sich über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde in Gran sehr gut informiert. Der Dekan der philosophischen Fakultät in Budapest. Aus Budapest wird uns gemeldet: Die philosophische Fakultät der hiesigen Universität hat in der letzten Sitzung ihrer Professoren cinstinunig den Professor Dr. Bernhard Alexander zum Dekan für das Schuljahr 1914/15 gewählt. Professor Alexander ist durch seine publizistischen Arbeiten auf philosophischen Gebieten auch im Auslande bekannt. Nikolsburg. Deutschnationale „Eigenar t". Anläßlich eines Ausfluges der Sagl-Eefellfchaft im Schubertbund nach Nikolsburg veranstalteten die beiden Ortsgruppen des Deutschen Schulvereines in Nikolsburg ein Fest, zu dem alle Vereine, mit Ausnahme derjenigen der Juden, geladen wurden. Insoweit arische Vereine Unterhaltungen unter sich veranstalten, wäre ja die Sache in Ordnung, die Herrschaften wollen unter sich sein, und niemanden gelüstet es, ihre Kreise zu stören. Den beiden Ortsgruppen, sowohl der Männer-Ortsgruppe als auch der Frauen-Ortsgruppe des Deutschen Schulvereines in Nikolsburg, gehören aber auch eine stattliche Anzahl von Juden an; es genierte die Leitung nicht, alle Mitglieder der Ortsgruppen mit Ausnahme der jüdischen zu der Veranstaltung zu 'laden. Die Beiträge der Juden nimmt man gerne, mit den Mitgliedsziffern prunkt jnan, aber Juden haben keinen Zutritt! Damit aber der Gemeinheit noch nicht genug, die Herrschaften erfrechten sich sogar, die jüdischen Hausbesitzer aufzufordern, aus Anlaß der Veranstaltung ihre Häuser zu beflaggen, und trotzdem tags vorher alle jüdischen Hausbesitzer von diesem Vorgehen der Ortsgruppenleitung durch ein zu diesem Zwecke gebildetes Komitee verständigt und ersucht worden. sind, solidarisch vorzugehen und das Fest zu ignorieren, haben, zu unserer Schande müssen wir es leider gestehen, vier Juden ihre Häuser beflaggt!! Die deutschnationalen Juden sind unbelehrbar. Nun

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