Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022115--23223-3048410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 432 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 25 der Kücheneinrichtung — zirka 18.000 Kr. — hereinzubringen. Auch soll die Ausgabe der Koscherkost nicht beschränkt sein. Welcher jüdische Kranke koscheres Essen will, soll dies, und zwar in allen Wiener Krankenhäusern erhalten können. Er forderte alle auf, den Vorstand in seinen Bestrebungen nachdrücklichst zu unterstützen. Der Vorsitzende ergänzt den Bericht dahin, daß Herr Wilhelm Kohn den Betrag von 100 Kronen als Ergebnis einer Sammlung abgeliefert hat. Ferner teilt er mit, daß Herr Rabbiner Dr. Grunwald sein Fernbleiben schriftlich entschuldigt. Zum Berichte nimmt Dr. Reiniger das Wort. Er spricht namens der Adas Jisroel der Vereinsleitung den Dank aus und beglückwünscht sie aus Anlaß der Erreichung des längst angestrebten Zieles, um das sich der verewigte Buchwald schon so viel bemühte. Er wünscht dem Vereine das beste Gedeihen und die Unterstützung weiterer Kreise. Die Wohltaten des Vereines werden allen Juden ohne Unterschied der Landeszugehörigkeit zuteil. Gleichwohl ist die Mitgliederzahl eine verhältnismäßig geringe. Die Bethausspenden sind mit 1607 -Kronen ausgewiesen; davon stammen 1465 Kronen aus der Schiffschul, aus allen übrigen Bethäusern zusammcngcnommen 142 Kr.!!! (Talmud Thora 88 Kr., Beth Israel 19 Kr. k.). Die Tempel im 6., 8. und 9. Bezirke re., besonders die der Kultusgemeinde, fehlen vollständig! Redner ersucht den Vorstand, den betreffenden Körperschaften nahezulegcn, diesem wahrhaft jüdischen Zwecke das Augenmerk zuzuwenden. Der Vorsitzende dankt dem Redner für die herzlichen Worte der Anerkennung; bezüglich der Anregung teilt er mit, daß die Vereinsleitung alles mögliche in diesem Sinne, jedoch ohne Erfolg getan habe. Die Kultusgemeinde verweist auf die Subvention von 9000 Kronen, die sie dem Vereine zuwendet. Herr Jakob Fuchs unterstützt die Anregung des Herrn Dr. Reiniger; man wüsse die Versuche wiederholen. Wenn die Kultusgemeinde auf die Subvention verweist, möge man ihr entgegenhalten, daß die Pessachverköstigung allein, der sie sich gewiß nicht entziehen kann, einen größeren Betrag in Anspruch nehmen würde. Besonders aber muß mau sich an die Judenschaft außerhalb Wiens wenden, weil vornehmlich Juden, .die außerhalb Wiens wohnen, den Verein in Anspruch nehmen. Die Wiener versorgen und bezahlen sich vielfach ihr Koschcr-Essen selbst. Während der Ausführungen des Herrn Fuchs erscheint Herr Kültusvorfteher Emanuel Grünwald in Vertretung des Kultusvorstandes. .Derselbe wird vom Vorsitzenden und von der Versammlung Herzlichst begrüßt. Zum Bericht sprechen noch Herr Geza Braun und Herr Gabriel Fischer, worauf das Absolutorium einstimmig erteilt wird. Herr Wolf Pappen heim stellt den Antrag: Zum Zeichen des besonderen Dankes und der Anerkennung seien sämtliche bisherigen Mitglieder des Vorstandes mit Akklamation wiederzuwählen, was unter stürmischem Beifalle geschieht. Herr Isidor F r o m m e r stellt namens des Vorstandes den Antrag, Herrn Markus B o n d i, den langjährigen Obmann des Vereines, in Ansehung seiner Verdienste zum Ehrenmitgliede des Vereines zu ernennen. Unter nicht endenwollendem Jubel wird dieser Antrag von der Versammlung trotz des Protestes des Herrn B o n d i zum Beschlüsse erhoben. In bewegten Worten dankt er für diese Ehrung. Indem hieraus der Vorsitzende die Anwesenden auffordert, in weiten Kreisen dafür Propaganda zu machen, daß zur Deckung der Kosten der Küche wie für die übrigen Vereinsaufaaben reichliche Mittel zufließen mögen, schließt er die Versammlung. F. M. Spenden für den Verein wolle man an die Vereinskanzlei, II., Untere Augartenstraße 17, senden. Eine Beratung jüdischer Delegierten in Lemberg. Vorige Woche fand in Lemberg eine Konferenz jüdischer Delegierten statt, an welcher Vertreter der Lemberger, Krakauer sowie einer Anzahl größerer jüdischer Gemeinden Galiziens, ferner mehrere jüdische Reichsrats¬ und Landtagsabgeordnete sowie andere im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten teilnahmen. Den Gegeirstand der Beratungen bildete die Abwehrbewegung gegen den antijüdischen Boykott, der aus Russisch-Polen nach Galizien importiert, unter den Juden Galiziens in wirtschaftlicher Beziehung wahre Verwüstungen anrichtet. Die Frage wurde hauptsächlich nach der Richtung hin diskutiert, ob die Aktion einen öffentlichen Charakter tragen solle oder ob man sich begnügen möge, sogenannte stille Abwehrmittel in Anwendung zu bringen. Da die Konferenz gleich nach ihrer Eröffnung für vertraulich erklärt wurde, wurden auch über die Beschlüsse, welche in derselben gefaßt wurden, keine Mitteilungen ausgegeben. Karlsbad. Die rauschenden Festtage sind vorüber und wir gehen wieder unseren alltäglichen Weg. Aber es waren bewegte Zeiten; vor mehreren Tagen hatte der Stadtrat von Karlsbad die Bevölkerung aufgefordert, die Häuser zu beflaggen; in 78 Zweispännern zogen die jungen Leute vom Bahnhose durch die Stadt, wurden auf Kosten der Munizipalität bewirtet und offiziell als Gäste der Einwohnerschaft behandelt, und der Gedanke an die Möglichkeit, daß der Stadtrat einer Kurstadt offizell antisemitische Studentenverbindungen mitten in der Saison, wenn wenigstens 2000 Juden als Badegäste in der Kurstadt weilen, als Gäste begrüßen läßt und ihre Anwesenheit feiert, lag so fern, daß selbst Judenfrauen und -Mädchen die einziehenden Prager Barden mit Blumen aus den Fenstern bewarfen, und erst als man sie aufmerksam machte, daß es ja antisemitische Verbindungen seien, die von ihnen begrüßt würden, schlossen sich die Fenster und die jüdischen Frauen und Mädchen zogen sich zurück. Nun freilich, wer sollte denn auch daran glauben können, daß man sich solche gewagte Scherze in einem internationalen Kurorte erlauben könnte. Wir halten es allerdings noch einige Zeit aus, daß man unaufhörlich an unseren Existenzen bohrt; aber in unserem Grundbuche fängt es an, verflucht schlecht auszusehen und die Juristen erzählen, daß schon bald jedes zweite Haus mit einer exekutiven Steuerpost belastet ist, da die Steuern nicht rechtzeitig gezahlt werden können. — Unsere Stadtvertretung hat endlich damit begonnen, einen Unfug zil beheben, der schon zu vielen Aergernissen Anlaß gegeben hat, allein es ist ihr dabei, wie gewöhnlich, das Malheur passiert, wahrscheinlich aus Versehen, auf Juden loszuschlagen, während das eigentliche Uebel bei den Christen wurzelt. Es besteht nämlich in Karlsbad ein Unfug darin, daß sich zu den ankommenden Badegästen Leute gesellen, die ihnen behilflich sind, Wohnungen zu suchen, und die betreffenden Vermieter müssen, wenn ihnen solche Kurgäste Augeführt werden, eine Vermittlungsgebühr bezahlen. Für die zu Hunderten und Tausenden ankommenden Juden aus Rußland und Galizien sind die polnischen Kellner, die seit langen Jahren diese Vermittlung betreiben, sehr bequem, und die jiidischen Vermieter wiederum zahlen gern die Gebühren, denn die christlichen Wohnungsvermittler, die Kondukteure der Postomnibufse, Dienstmänner usw. bringen, so behaupten die jüdischen Frauen, nur in höchst seltenen Fällen mietende Kurgäste zu ihnen, so daßsie ganz auf die polnischen Kellner angewiesen sind. Nun ist die Stadt gegen die unbefugte Vermittlung einqeschritten und jeder jüdische Vermittler wird, wenn er Wohnungen anbietet, unnachsichtlich angezeigt undi eingefperrt. Eine ganze Anzahl jüdischer Kellner, welche seit Jahren die Tätigkeit als Vertrauenspersonen der Polen ausüben, kennt schon die gastlichen Hallen des