Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 431 Schulmann zeigte sich Chanina Kara bei einer pädagogischen Frage, in welche eine halachische Norm hineinspielte. Mit großem Nachdrucke vertrat Chanina Kara das Interesse des Unterrichtes und ruhte nicht, bis die Frage eine Lösung fand, die sein pädagogisches Gewissen beruhigte. Es handelte sich dabei um folgendes: Bei dem Unistande, als das Hebräische längst aufgehört hatte, Volkssprache zu sein, und die Vokalzeichen, welche uns das Lesen erleichtern, zn jener Zeit noch nicht erfunden waren, bot das Lesen hebräischer Texte, namentlich für Anfänger, große Schwierigkeiten, welche bei weitem größer waren als die, welche wir heute beim hebräischen Leseunterrichte zu überwinden haben. Der Lehrer mußte daher beim Bibelunterrichte jeden einzelnen Vers mit den Kindern einüben, was gewöhnlich in der Weise geschah, daß der Lehrer den Vers vorsprach und ihn dann von den Schülern nachsprechen ließ. Nun konnten aber die Schüler des Chanina Kara einen ganzen Schriftvers auf einmal nicht fassen. Was war unter diesen Umständen einfacher und selbstverständlicher, als eine zweckentsprechende Teilung der Schriftverse in kleine Absätze vorzunehmen? Diese didaktische Notwendigkeit stieß aber auf ein schier unüberwindliches Hindernis. Da stand die von Rab vertretene halachische Norm fest, nach welcher von. der traditionellen, von Moses herrührenden Verseinteilung nicht abgegangen werden dürfe.") Das war ein religiöses Bedenken, über welches sich Chanina.Kara aus eigener Machtvollkommenheit nicht hinwegzusetzen wagte, und so begab er sich zu seinem Lehrer Chanina b. Chama und trug ihm die Bitte vor, im Interesse des Unterrichtes eine Teilung der Verse zu gestatten. Doch wie sehr sich auch der gewissenhafte Schulmeister dafür einsetzte, und wie sehr er das pädagogische Moment betonte, es gelang ihm nicht, die gewünschte Zustimmung des Schuloberhauptes von Sepphoris zu erlangen. Der wackere Lehrer gab jedoch die Sache nicht auf und wurde nicht müde, immer wieder auf die Schwierigkeiten und Nachteile, welche dem Unterrichte erwachsen, hinzuweisen. Schließlich gelangte er doch zum Ziele. Es wurde ein Modus gesunden, nach welchem die religiösen Bedenken beseitigt erschienen und dem Wunsche des Lehrers Rechnung getragen werden konnte. Der Lehrer durfte in der Schule die Verse nach Belieben teilen, nur sollte er, damit die traditionelle Verseinteilung Nicht tangiert werde und die Schüler auch diese erlernen, die einzelnen Verstelle, nachdem sie eingeübt waren, wieder zu einem Ganzen zusammenfassen.") Chanina Kara wird in Sepphoris keinen leichten Stand gehabt haben. Es werden uns Beispiele arger Verwilderung der Jugend dieser Stadt erzählt,1-1) überhaupt standen die Sepphorenser nicht im besten Rufe.") Außer der Mitteilung einer Deutung der Gelehrten auf Sam. II, 12, 9, dahingehend, daß Davids Schuld bei der Tötung Urias größer war, als in der Schrift angegeben erscheint,") und einer eigenen Deutung des Psalmverses 97, 7, auf die messianische Zeit, wobei er mit Chanina Hazaken in eine Kontroverse gerät,1'1) ist uns von dem Schullehrer Chanina Kara nichts bekannt ") Megillah 22 a. 12) Megillah 22 a, Taanith 27 b, Jer. Megillah IV, 5. ") Koh. r. zu III, 2. ") Frankel, Einleitung S. 4 b. ,5) Midrasch Samuel c. 25. 2. H er wird Chanina als Safra bezeichnet. Tanchuina B. Schoftiin 8. s. Bacher, Ag. pal. Am. I. S. 5 Anm. 7 Ende. (Fortsetzung folgt.) -Korrespondenzen. Gemeinderat Dr. Alfred Mittler über die Taufseuche. In einer grotzangelegten Rede während der Generaldebatte über den städtischen Hauptvoranschlag hat Gemeinderat Dr. Mittler die Taktik der christlichsozialen Antisemiten nach verschiedenen Richtungen in bengalische Beleuchtung gebracht. Ein Passus seiner hochinteressanten, geistreichen Rede mag hier eine Stelle finden: „Aber gegen eines mutz ich mich verwahren, datz heute überhaupt noch von jüdischem Grotzkapital gesprochen wird. Das ist doch heute schon eine Mythe. Von der Teinfaltstratze bis zur Hohenstaufengasse, rechter Hand, linker Hand, alles getauft. Sie können doch nur mehr von getauften Banken sprechen. Es sollte eine eigene Glaubenswechselstube errichtet werden. Revidieren Sie also Ihre Schlagworte, Sie würden sonst der jüdischen Kultusgemeinde das Recht geben, gegen die Bezeichnung „die jüdische Bank" zu remonstrieren. Man wird bald in die Lage kommen, nicht von jüdischen, sondern von christlichsozialen Banken zu sprechen; datz das gewesene jüdische Banken sind, wird nicht genieren." Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien. Der Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien, der die statutenmäßige Aufgabe hat, armen Juden, die in den Wiener Krankenhäusern sich in Pflege befinden, mit Koscherkost zu versehen, hat nun eilte» großen Erfolg zu verzeichnen. Nach jahrelangen Bemühungen gelang es endlich der Vereinsleitung, von der Krankenhansverwaltung im Allgemeinen Krankenhause eine Räumlichkeit zugewiesen zu erhalten, um darin eine eigene Küche zur Verabreichung der Koscherkost einzurichten. Die Küche ist nun fertiggestellt. Trotz der ungemein beschränkten Raumverhältnisse ist dieselbe ein hygienisches Musterstück und von vollendetster Zweckmäßigkeit. Es ist sicher, daß die Einrichtung für viele vorbildlich sein wird. Am 7. Juni wurde sie von Herrn Rabbiner Für ft und dem Vorstande der Adas Jisroel in allen Teilen genau besichtigt. Die vorsorgliche Anlage, die neben den höchsten hygienischen Anforderungen die peinlichsten Vorschriften für Kaschrus gewissenhaft im Auge hat, fand die begeistertste Anerkennung, und die Herren wurden nicht müde, Herrn Markus B o n d i, dem Obinann des Krankenhausvereines, sowie Herrn Isidor Frommer, der die Vorarbeiten zu diesem Werke gemacht hatte, und Herrn Adolf Fischer, dem die ganze Leitung dieser Arbeiten oblag, den verbindlichsten Dank zu sagen. Am Nachmittag desselben Tages wurde die .95. Ge neralversammlung des Vereines abgehalten. Nach dem glänzenden Erfolge war es selbstverständlich, daß dieselbe sich zn einer großartigen Ovation für dert Vorstand gestaltete. Lange vor Beginn der festgesetzten Zeit hatte sich eine große Anzahl von Vereinsmitgliedern im großen Bethamidrasch-Saale, II., Große Schifsgasse 8, einaefunden. Präzise um 3 Uhr wurde die Sitzung von dem Obmanne Herrn Markus Bondi unter stürmischem Beifall eröffnet. Der Vorsitzende verwies auf die 35jährige Tätigkeit des Vereines, dem es nun gelungen sei, eine eigene Küche im Spitale fertigzustellen, ein Erfolg, der zum größten Teile den Bemühungen der Herren F r o mm e r und F i s ch e r zu danken sei. In diesem Jahre sei es auch gelungen, das Gleichgewicht im Haushalte des Vereines insoferne herzustellen, als die laufenden Ausgaben aus den laufenden Einnahmen bestritten werden konnten, ohne die Zahl der Unterstützten neuerlich herabzusetzen. Nun müsse man darnach trachten, die Kosten