Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 429 quisition bei lebendigem Leibe verbrannt wurden, in Extase zujubeln konnten. Die königliche Bibliothek in Madrid allein besitzt 30.000 Bände über die Inquisition, in welchen alle Verfolgungen und die verschiedenartigsten Torturen, denen die Juden zur Zeit der Inquisition ausgesetzt waren, bis in das kleinste Detail beschrieben sind. Sie enthält aber auch interessante Stammbaumbücher, welche die Inquisitoren als Nachweis dafür angefertigt hatten, daß die von ihnen verfolgten Marannen wirklich von Juden abstammen. Professor Gottheil verspricht sich auch diesmal eine große Ausbeute archivarischen Materials. Professor Fr. W. Foerster über das Alte Testament. Aus Fr. W. Foersters „Jugendlehre, ein Buch für Eltern Lehrer und Geistliche", möchten wir hier eine Stelle wiedergeben, um zu zeigen, wie selbst ein Nichtjude, der nicht auf dem Offenbarungsstandpunkt steht, wenn er unsere Bibel nur mit Gefühl und Verstand liest, urteilen 'müß. Foerster schreibt Seite 112: „Gerade aus diesen Grunde wird auch das Alte Testament nie veralten, und es ist im Interesse der pädagogischen Schätzung seiner Erzählunger und Gedanken nur zch bedauern, daß ne -erdings von historischer Seite versucht Morden i,r, die unvergleichliche innere «Größe dieser Schöpfungen herabzusetzen dadurch, daß man auf der Suche nach dem historischen Ursprung ihrer äußeren Bestandteile die Originalität ihres inneren Lebens verdunkelte und verkannte. Gegenüber den Uebergriffen einiger Erforscher der alten babylonischen Kultur möchten wir nur fragen, wie es komme, daß jene babylonische Gottesauffassung nur in geborstenen Steinbruchstücken und nicht als schöpferisches und herzbewegendes Ganzes auf uns kam? Eben weil der monotheistische Eottesgedanke dort zwar den äußeren Umrissen nach entstanden, aber niemals so schöpserisch und gewaltig konzipiert, so feurig erlebt und erlitten wurde wie im Alten Testament. Darum eben liegt in der alten Lehre von der Bibel als der Offenbarung Gottes doch weit mehr Wahrheit als in jener Verwischung aller Unterschiede, wie wir sie in den Deutungen der neuesten Forschung vor uns haben. Im Alten Testament ist „das Göttliche gegenwärtig", weil es von genialen Menschen in höchster Konzentration aller Willensmächte erfaßt wurde — und weil das der Fall ist, weil Gott dort An brennendes Feuer, eine Steigerung und Sammlung aller Lebenskräfte ist, darum empfindet auch der Mensch, der nicht verbohrt ist, bei der Lektüre, daß er hier eine Schöpfung vor sich hat, die unvergleichlich aller anderen Literatur durchglüht ist von jenem Geiste des Lebens, der nach den Worten der Genesis am Weltbeginn „über den Wassern schwebte". Man lese die Psalmen „Herr, du bist unsere Zuflucht für und für" oder „Gott, du bist mein Gott, früh wache ich zu dir, es dürstet meine Seele nach dir" — und die anderen: ist da nicht ein Aufschwung, eine Sehnsucht, eine Betrübnis, die niemals in einem Atem mit dem babylonischen Gottesempsinden hätte genannt werden dürfen? Man hat das Gefühl, als gehörten alle diese gewaltigen Worte mit Flammenschrist an den Himmel geschrieben, als dürfe man sie nur lesen, wenn man sie so geschrieben denkt, — die babylonischen Eottesworte aber gehören dahin, wo. sie gefunden sind, in die Trümmerwüste, auf Steinbruchstätten, ohne fortzeugendes Leben, wo man sie lesen kann ohne Herzklopfen." Gine Kulturschande. Aus Warschau wird uns geschrieben: Als ein Dokument der Kulturschande aus dem Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts wird der künftige Historiker jenes Zirkular bezeichnen müssen, welches die Gesellschaft der polnischen Aerzte an die ausländischen Fabrikanten von Heilmitteln und chemischen Artikeln versendet hat. In direktem Widerspruche mit ihrem Eide, den sie bei Uebernahme ihres Doktordiploms zu leisten hatten und der sie zur Humanität gegenüber jedem Leidenden verpflichtet, haben diese Aerzte in ihrem Zirkular allen Fabrikanten, welche ihre Vertretung in Rußland Juden anvertrauen, den Boykott angedroht. Dieser Schritt ist nichts anderes als böses Tun des bösen Willens. Mit Recht sind die russischen progressiven Blätter über diesen kulturwidrigen Schritt akademisch graduierter Menschen, welche eher die Pflicht hätten, durch ihre Aufklärung den Boykott einzudämmen, empört und erklären, daß eine solche Külturschande nicht ungestraft begangen werden kann. Wenn die Intelligenz eines Volkes solcher Verrohung verfällt, dann ist es ein Zeichen, daß die ganze Nation einer Katastrophe entgegengeht, welche den völligen Untergang der Nation herbeiführen muß. Nach einer Version soll übrigens ein Teil der Fabrikanten erklärt haben, die Drohungen unberücksichtigt zu lassen, da sie mit ihren langjährigen Vertretern durchaus zufrieden sind. Antisemiten gegen den deutschen Kronprinzen. Berlin, 8. Juni. Die antisemitische Presse, die so lange den Kronprinzen in der aufdringlichsten Weise beweihräuchert und sogar gegen den Kaiser auszuspielen versucht hat, wird angesichts gewisser Vorkommnisse stutzig und beginnt vom Kronprinzen abzurückeu, weil er sich — mit den Juden gar zu sehr einlüßt. So gibt in einem Artikel mit der Spitzmarke „Des Kronprinzen Tafelrunde" der „Hammer" seinem Mißfallen darüber Ausdruck, daß das Kronprinzenpaar kürzlich zu einem Diner außer dem Minister v. Breitenbach, dem General v. Falkenhayn und den Abgeordneten Gras Westarp, Graf Praschma, Dr. Oertel, auch Direktor Gutmann, Geheimen Justizrat Cassel, Direktor Dr. Mantler und Rudolf Presber geladen hatte. Mantler wird flugs zum Juden gemacht, und von Presber heißt es: „Er soll kein Jude sein, aber Deutscher im rassischen Sinne des Wortes ist er sicher nicht." Resigniert schreibt der Verfasser des „Hammer"-Artikels: „Gutmann, Cassel, Mantler und Presber — sollte der Einfluß dieser Herren nicht den sogenannten „alldeutschen" Einflüsterungen eines Paul L i m a n die Wagschale halten, eines Mannes, dessen Großvater noch den Sabbat heiligte?" ^Schrecklich!) Die Berliner „Morgenzeitung" (v. 5. d.) bemerkt hiezu: Es ist grausam von antisemitischer Seite, Herrn Dr. Paul Liman, der schon so viel für den Antisemitismus getan hat, seine jüdische Abstammung vorzuhalten. Und tvelche Lehre zieht der „Hammer" daraus? Man könne, meint er, in den völkisch gesinnten Kreisen eine gewisse Hoffnung auf den deutschen Kronprinzen setzen, der in seiner ganzen frischen Art und echt germanischen Erscheinung etwas Siegfriedhaftes an sich hat. Aber, so schließt er: „Andererseits ist es eine alte Erfahrungssache, daß Monarchen selten das halten, was sie als Thronfolger- Versprechen, und vor allem muß uns die Beobachtung höchst vorsichtig in unseren Erwartungen stimmen, daß es just die deutschen Fürsten au echter völkischer Ge sinnuncp am meisten fehlen ließen." Da hat nun auch der deutsche Kronprinz seine Kritik von den Kreisen, die ihn soeben noch angejubelt hatten. Und alles das, weil er nicht nur mit den „deutschvölkischen" Kreisen des von Juden abstammenden Liman verkehrt. Der Delegiertentag der Agudas Jisroel von Palästina. Am 27. Adar versammelten sich im Hause des Rabbiners D i s t1 n in Jerusalem die Vertreter der palästinensischen Ortsgruppen, um den palästinensischen Gruppenverband der Agudas Jisroel zu begründen und über lausende Angelegenheiten der palästinensischen Judenheit zu beraten. Rabbiner D i s k i n und Rabbiner Ber Epstein hielten Begrüßungsansprachen. Die sodann vorgenommene Wahl des Bureaus ergab: Rabbiner D i s k i n, Ehrenpräsident, Rabbiner E p st e i n - Jerusalem und Dr. Auerbach- Petach Tikwah, Vizepräsidenten, M. Blau- Jerusalem und M. Chodorowsky- Jaffa, Schriftführer. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete „Das Erziehungswesen im heiligen Lande im Geiste des gesetzestreuen Judentums". Das einleitende Referat hielt Dr. Auerbach mit einer Darstellung der kritischen Lage, in der sich die gesetzestreue Bevölkerung Palästinas in bezug auf die Jugenderziehung befindet, seitdem die europäischen Organisationen begonnen haben, in Palästina Schulen zu errichten, die nicht den religiösen Grundsätzen der Eltern entsprechen. Als Korreferent sprach I. M. Tukatzinskk - Jerusalem über das Erziehungswesen in Jerusalem. Der Redner schließt sich