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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-19 · 25 (19.6.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
25 (19.6.1914)
Date
1914-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 428 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 25 in ihrer Domäne wird um 8 Kronen Wochenlohn gearbeitet und um 10 Kronen gestreikt. Das ist eine bittere Satyre auf ihre jahrzehntewährende „Aufklärungsarbeit" unter dem galizischen Proletariat." „Jiddisch". Das Sekretariat des internationalen Gewerkschaftsbundes in Berlin versendet folgenden Zirkularbrief an die Redaktion der jüdischen Arbeiterpresse: ,^Der internationale Gewerkschaftsbund gibt seit den: Anfang des Jahres 1913 eine internationale Gewerkschaftskorrespondenz heraus, die zuerst in der deutschen und englischen Sprache erschien, seit kurzem auch in der französischen. Wir beabsichtigen i tz. uua,, eine Ausgabe in der j L d i s ch e n Sprache erscheinen zu lassen;. Die Korrespondenz gibt regelmäßig ein Bild der Gewerkschaftsbewegungen und wird an alle Zeitungen umsonst versendet, die unsere Nachrichten abdrucken. Die jüdische Korrespondenz beginnt demnächst zu erscheinen und bitten wir Sie, uns, wie bis jetzt, Ihr Blatt zukommen zu lassen." Gezeichnet: K. Legio n." Die braven Leser der „Arbeiter-Zeitung", denen so oft erzählt wird, daß die jüdische Sprache ein „Budapefter-Orpheum-Deutsch" und darob separatistisch, reaktionär und klerikal rst, werden nicht wenig erstaunt sein über diesen Schritt der höchsten Instanz der proletarischen Gewerkschaftsbewegung. Kongreß der B'nai B'rith-Vereine im Orient. Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Kommende Woche findet hier ein Kongreß der B'nai B'rith-Logen im Orient statt. An den Beratungen werden Delegierte aus der Türkei, Bulgarien, Griechenland, Serbien und Aegypten teilnehmen. Der Kongreß wird nach Anhörung der Referate der Delegierten der einzelnen Länder über die soziale Lage der Juden in diesen Ländern Beschlüsse zur Verbesserung chrer Lage und zur Hebung des kulturellen Niveaus durch Gründung sich notwendig ,e^ weisender Anstalten fassen. Der Kongreß wird schließlich die bereits ausgearbeiteten Statuten einer zu gründenden Federation der B'nai B'rith-Bereine im Orient durchberaten und annehmen. Organisation zur moralischen Erziehung jüdischer Emigrantenkinder in Frankreich. 'Aus Paris geht uns ein Aufruf zur Gründung eines „Oeuvre francaise pour l'education morale de la jeunesse juive immigree“ zu. Dieser Aufruf hat die Gründung einer Organisation zum Zwecke der moralischen Erziehung der Kinder der nach Frankreich aus Rußland, Galizien und Rumänien eingewanderten Juden, deren Zahl gegenwärtig 50.000 beträgt, zum Ziele. „Wir wollen," so schließt der Aufruf, nachdem aus die Gefahren, denen die Kinder dieser Einwanderer ausgesetzt sind, hingewiesen wird, „daß jedes eingewanderte Kind unter die moralische Vormundschaft eines Mitgliedes der zu schassenden Organisation gestellt werde. Wir wollen diesen Kindern die Hand reichen, sie führen, ihnen eine moralische Atmosphäre schaffen und ihnen auch in das Leben folgen. Wir wollen sie Frankreich kennen und lieben lehren und es ihnen auf diese Weise ermöglichen, anfangs im Herzen und in den Gefühlen und dann durch die Tat gute französische Bürger und Mütter zu werden, die sich der großen Pflichten gegenüber dem Vaterlande bewußt sind, welches sie so liebevoll ausgenommen hat. Die hebräische Universitäts-Bibliothek in Jerusalem. 'Im letzten Jahrzehnt ist im Heiligen Lande von jüdischer Seite eine emsige Kulturarbeit geleistet worden. Zu all dem, was bisher geschaffen ist und noch geschaffen wird, ist nun eine neue Unternehmung getreten, die bej..iui.lt ist, den Männern, die unter großen materiellen und vielleicht noch größeren ideellen Opfern in Palästina eine neue hebräische Kultur schaffen, das geistige Rüstzeug zu bieten, das sie zu ihrer kulturellen Arbeit brauchen. Dieses geistige Arsenal soll in einer großen, allgemein-wissen-- schaftlichen und zugleich hebräisch-jüdischen Bibliothek bestehen, die später einmal, wenn in Jerusalem die hebräische Universität ins Leben getreten sein wird, die Universitätsbibliothek sein soll. Diese große Bibliothek in Jerusalem, deren Gründung jetzt beschlossen worden ist, ist denn auch in Anbetracht ihrer höhen Bedeutung sofort in Angriff genommen worden. Sie wird in Berlin unter der Leitung eines bekannten Jachmannes zusammengestellt. Der große Enthusiasmus unserer Jugend und der Zauberklang der Namen Jerusalem und Zion lassen hoffen, daß sich diese Bibliothek aus freiwilligen Spenden zusammensetzen wird. Schon der Anfang dieser Arbeit für die Bibliothek in Jerusalem hat bewiesen, daß diese Hoffnung berechtigt ist, und der Zweifler wird überrascht sein, zu hören, daß in der Tat nicht nur viele Bücher, sondern schon ganze Privat'bibliokheken gespendet wurden, und daß große Zuwendungen für die Zukunft in Aussicht stehen, da jüdische Gelehrte, die jetzt ihre Bibliothek für ihre wissenschaftlichen Arbeiten noch brauchen, sie testamentarisch der Universitäts- Bibliothek in Jerusalem zuzuwenden gedenken. Daß eine solche Bibliothek alles umfassen muß, was je von Juden und für Juden geschrieben und gedruckt wurde, ist selbstverständlich. Es wird später kein hebräischer Druck fehlen dürfen, aber auch kein Druck in einer anderen Sprache, der. Juden und Judentum, Bibel und Talmud betrifft. Was das jüdische Volk und einzelne Juden gedacht und getan, gedichtet und empfunden haben, wird in dieser einzigartigen Bibliothek an der heiligsten Stelle der Welt gesammelt und zum Gebrauch geordnet werden. Aber die hebräische Bibliothek wird auch eine gut organisierte allgemein-wissenschaftliche Bibliothek sein müssen. Jedes Volk mit seiner Wissenschaft und seiner Dichtung soll darin vertreten sein. Nach dieser Richtung sind Maß und Vorbild die großen Bibliotheken in Berlin und Paris> in London und Washington. Darum sind auch gleich unter den ersten Bänden für die Jerusalemer Uniüer,>t»ts - Bioliohet ebenso Z.o.isteu wie N.ch^zion.sten, Juden wie Nichtjuden vertreten. Denn wer in Jerusalem wirkliche, echte Kultur verbreiten will, muß die ganze Fülle derartigen Wissens in der Universitäts-Bibliothek auszuspeichern helfen. Sie wird den Lehrern an den Gymnasien und den Realschulen, den Lehrer- und Lehrerinnen-Seminaren an den Kunstgewerbeschulen und Erziehungsanst>al1en aller Art, aber auch jedem Privatgelehrten das lang entbehrte geistige Material zu geben haben, nach dem sich alle geistigen Arbeiter in Palästina schon lange sehnen. Nach allen modernen Grundsätzen werden Fachleute in Berlin die Bibliothek ordnen und katalogisieren und zum Gebrauch fertig machen,, während-in Jerusalem .der. ^Vau aus fachmännischer Grundlage vorbereitet und ausgesührt wird. Jedes Buch erhält für' alle Zeiten ein Erlibris mit dem Namen des Spenders und verewigt ihn an den heiligen Stätten von Jerusalem. Außerdem wird im Hauptkatalog bei jedem Werk der Name des Spenders vermerkt werden. Das Verständnis für die Aufgaben der Bibliothek in Jerusalem soll alle jüdischen Schriftsteller, Verleger und Drucker veranlassen, der Bibliothek von jedem Druckwert ein Ehrenpflicht- Eremplar zu übersenden,. Jeder junge Doktor wird es als hohe Auszeichnung betrachten dürfen, daß die Jerusalemer Universitäts- , Bibliothek seine Dissertation ausbewahren wird. Keine Drucke schrift und keine Ausgabe ist so nebensächlich, daß sie für den Wissenschaftler oder den Forscher nicht einmal das willkommene Material erbringen kann. Schon jetzt ist es notwendig, Bücher zu spenden, denn wenn es erreicht werden soll, daß in längstens zwei Jahren die Bibliothek ihre segensreiche Tätigkeit beginnt, so ist es allerhöchste Zeit; daß die Arbeit in energischer Weise in Angriff genommen und sortgeführt wird und daß schon jetzt alle Freunde der Gründung einer hebräischen Universitäts-Bibliothek Bücher und Drucksachen aller Art, jüdische und allgemeine, an die Sammelstelle ein-i schicken. Alle Sendungen sind zu richten an die Hauptsammelstelle zu Händen des Kgl, Bibliothekars Herrn Dr. Heinrich L o e w e, Berlin NW. 52, Flemingstraße 12. Die Bibliothek der Inquisition. Der bekannte.jüdische Gelehrte und Professor für rabbinische Literatur und semitische Sprachen an der Columbia-Universität Gottheil hat,, wie aus Newyork geschrieben wird, dieser Tage eine Reise nach Spanien angetreten, um daselbst Studien .über die Geschichte der Juden in diesem Lande zu machen. Er war bereits im Jahre 1904 in Spanien und hat sehr viel wichtiges Material für sein Spezialgebiet, die Geschichte der Inquisition, gefunden. Professor Gottheit erklärte, daß er niemals die Inquisition so recht zu begreifen vermochte, wie damals, als er zum erstenmale einem Stierkampfe in Spaniel: beiwohnte. Erst da lernte er es verstehen, wie die Vorfahren der heutigen Spanier einem Autodafe, bei welchem die Opfer der In-

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