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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 420 Dr. Bloch's Wochenschrift r. 24 des berühmten St über befruchtend gewirkt, so bekennt einer der berühmtesten protestantischen Theologen: „Wir protestantischen Theologen kennen das Judentum doch eigentlich nur recht oberflächlich, so weit es nicht der Zeit des Alten Testaments oder wenigstens der neutestamentlichen Zeitgeschichte angehört. Da ist es uns ein Gewinn, von einem so sachkundigen Führer durch diese Pfade geleitet zu werden, und manches Vorurteil wird dadurch beseitigt." Uebrigens wirkt xs überaus wohltuend, wenn gleiches Wohlwollen, gleiche Förderung wie dem berühmten und reichen Lazarus, einem damaligen „Borches", dem heute ebenfalls hochangesehenen M. Gngtzenhcim von Protestanten und Katholiken uralten Berner Adels entgegengebracht wird, für deren gütige Vermittlung Guggenheim seinem Lehrer zeitlebens dankbar blieb. Sonst erscheinen im Berner Kreis naturgemäß wenige Juden außer Zunz als Gast, die berühmten Universitätsprofessoren Physiologen Valentin und Moriz Schiff, dann der ebenfalls schon wegen seiner Sprachforschung bei den Schweizern ganz rezipierte Berthold Auerbach. Die Liebenswürdigkeit, die diesem Juden von der Schweiz entgegengebracht wurde, stach von dem Mißtrauen ab, mit dem fonft norddeutsche Lehrer ausgenommen wurden, und die Gegensätze zwischen eingeborenen Schweizern und von Deutschland eingewanderten Professoren haben sich seitdem womöglich noch verschärft. Für die hinreißende Beredsamkeit von Lazarus, die übrigens ihren größten Triumph hier in Wien feierte, als er als Rektor der Berner Universität diese bei der Wiener Univcrsitätsfeier von 1865 vertrat, weiß ein christlicher Kollege kein schöneres Wort als das hebräische Zitat: „Ihre Worte waren hancchmodim mischof, umisukim midwasch," (Psalm 19) und er preist ihn, daß er den alten Chachonnm an Gedankentiefe und Sprachgewalt ebenbürtig sei. Derselbe große Philologe S tu der bekennt, wie viel Anregung zu seinen Hiob- und Jeremiaswerken wie zu seiner herrlichen Schrift: „Die Bestimmung des Menschen nach der Lehre des Alten Testaments" er von Lazarus empfangen: „Unsere religionsphilosophischen und sprachwissenschaftlichen Erörterungen haben uns oft in die Tiefe, nie in die Irre geführt". Uebrigens ist für jüdische Gelehrte und Rabbinen der Bricßvcchsel Studer-Lazarus schon deswegen hochinteressant, weil man daraus mit Staunen sieht, wie gering damals der poetische Wert des Alten Testaments angeschlagen wurde und achtzig Jahre nach Lessing, Herder und Goethe christliche Gelehrte sich fast entschuldigen mußten, wenn sie die Aufmerksamkeit auf die rein poetische Schönheit der Propheten und Hiobs lenkten, eine heute zum Glück kaum faßbare Tatsache, wobei freilich Archäologie und Ausgrabungen das Ihrige taten, das Bibelstudium wieder in weitesten Kreisen zu beleben. Interessant ist auch, daß Studer und Lazarus an der heutigen Ausbildung der jungen Theologen zu nörgeln haben, sie, die beiden großen Gelehrten, über die Ueberbürdung mit philologischem Wissen klagten. „O b sie auch nur für ihren speziellen Beruf, das religiöse Leben der Gemeinden zu wecken und zu pflegen, die besseren Männer sind als ihre Vorfahren, ob es ihnen zum Ruhme oder auch nur zum Nutzen gereicht, daß sie fast ausschließlich von dogmatisch-historischen und allenfalls philologischen Studien erf-üllt sind?" Wieder eine der zahlreichen Stellen, in denen Lazarus, der gewesene Kaufmann, für alle Stände den regsten Zusammenhang mit dem Leben fordert, der ihm bei seinem Studium und in seiner Laufbahn so förderlich gewesen ist. Nach den traurigen Erfahrungen, die wir jüdischen Männer und Frauen, die den Stempel unserer Rasse nicht augenfällig für Christen tragen, bei der vorjährigen Deutschen Naturforscherversammlung in Wien machen mußten, wo wir von weltberühmten deutschen Gelehrten die rohesten Aussprüche in unserer Gegenwart gehört haben, weil unter den wissenschaftlichen und künstlerischen Darbietungen in dem gewiß nicht judenfreundlichen Wien so viel jüdische Mitwirkende waren, wird jeden Leser des Buches folgender Brief Karl Schenks, des besten Mannes der Schweiz seit Tell, wie ihn Widmann nennt, herzlich freuen. Der damalige Präsident der Schweiz schreibt im Jahre 1894: „Wir haben während der letzten Jahre in unserem kleinen Kreise (d. h. dem Regierungseafe, in dem nicht ein einziger Universitätsprofessor außer Lazarus beigezogen war) gar oft von Ihnen gesprochen und die Traurigkeit mitgefühlt, die sich Ihrer als Völkerpsychologe bei dem greulichen antisemitischen Geheul hat bemächtigen müssen, wir habeil auch mit io armer Sympathie nr a u - ches gute und edle Wort gelesen, das während dieser Zeit von Ihnen gesprochen und geschriebeil wurde. Jenes Gebaren falscher Propheten ist schon geeignet, einem zu den Füßen eines echten Propheten, eines edel und wahrhaft patriotisch gesinnten (Schenk meiilt seine Jeremiaslektüre) zurückzuführen." Wir können zum Schlüsse der Verfasserin des mit dem Jugendbildnisse von Lazarus geschmückten Buches nur danken, daß sie uns in meisterhafter und knapper Darstellung in die Gesellschaft erleuchteter Geister geführt und einen: weiten Kreise so geistige Werte vermittelt hat, die sie an der Seite ihres greisen Gatten so würdig und edel genossen hat. Nicht m:r in Deutschland und in der Schweiz, auch in Oesterreich, dein Lande, in dem Frau Nahida einzig dem Andenken ihres Gatten, der Kunst und Wissenschaft lebt, wird das Buch viele Freunde und Verehrer finden. Clotilde Benedikt. A1erat«r. Vier Synagogengesänge und ein religiöses Lied für Kantor mit Orgelbegleitung von Aron Friedmann, königl. Musikdirektor und Hauptkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Der kunstbegeisterte Vertreter des jüdischen liturgischen Liedes hat uns für die Sabbate und Feiertage mit 3 Keduschas, für das Simchas-Thorafest mit einem Jahrkaddisch und mit einem Sonderliede „Dies ist die Thora" angenehm bedacht. Ich habe schon seinerzeit die Vorzüge der Friedmannschen Arbeiten hervorgehoben, welche darin wurzeln, auf ritueller Grundlage seinen Gesangstil aufzubauen. Bereits im Jahre 1904 hat F r i e d m a n n eine Studie: „D e r synagogale Gesang" veröffentlicht, worin er in Bezug auf Vortrag einer Kednscha folgendes schreibt: „Die jetzigen Kantoren haben allerdings die Neigung, die Mussaf-Keduscha modern vorzutragen; dies sollte schon aus dem Grunde vermieden werden, weil die Responsen der Mussaf-Keduscha einen besonders religiös-historischen Hintergrund haben." Und in der Tat sind auch diese Keduschas, die uns vorliegen, in diesem Rahmen gehalten und durch .eine entsprechende Harmonisierung stilvoll unterstützt. Was wir aber zu bemerken glauben, ist, daß bei nianchen Wendungen Levandovskischer Einstuß nicht unberührt blieb; aber der Schritt von Levandovski zu F r i e d m a n n ist ja nicht so entfernt. Haben ja beide gemeinsam und veredelnd in einer Gemeinde, vielleicht auch in einer Synagoge gewirkt — in Berlin! Nr. 4 enthält einen Jahrkaddisch für das Thorafest. Dieser Spezialgesang, der den alten Chasonim so recht Gelegenheit gab, ihr in der Liturgie allumfassendes Können kompendiös zum Besten zu geben, uns natürlich sehr antiquiert erscheint, erfährt hier durch Friedmann eine hübsche interessant-harmonisierte Wiedergabe. Wir folgen ihr von Chanuka angefangen durch alle Feste, respektive deren Niqunim, und die Verbindung der einzelnen Teile ist so trefflich durchgeführt, daß der Umfang der Mittellage, die für den Vortragenden am geeignetsten ist, nicht überschritten wird. Nr. 5 ein begeisterndes Preislied für die Thora, entsprungen deni tieffühlenden Herzen und frommen Sinn, den wir bei der Persönlichkeit unseres verehrten Komponisten immer gewahr werden, und der hier niedergelegte Ausdruck hehrer Stimmung für unser größtes Vermächtnis: unserer heiligen Thora, er wird textlich sowie durch trefflich musikalische Illustrationen erhaben dargestellt.

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