Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 24 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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'Jlr. 24 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 419 Dreier Seils (Paula), Private, geb. 27. September 1882, Lipnik, V., Reinprechtsdorferstrasse 8 Greger geb. Villner Amalia, Private, geb. 27. November 1886, Teplitz-Schönau, V., Reinprechtsdorferstrasse 28 Kanner Max, geb. 8. August 1873, Wien, X., Wielandplatz 7 Löwy Re ja, Private, geb. 26. Mai 1888, Belgrad, II., Ferdinandstrasse 11 Polacsek Rudolf, Beamter, geb. 17. November 1872, Wien, XX , Klosterneuburgerstrasse 66 Tänzer geb. Stein Therese, geb. 18. Jänner 1876, Wien, XV>., Klausgasse 32 * .. * * Herr Lende Robert, Reisender, ist zum Judentum wieder zurückgetreten. Neuern (Böhmen). Bei der am 4. Juni d. I. durchgeführten Neuwahl der ifr. Kultusgemeinde Neuern wurden Herr Berthold F l e i s ch l, Fabrikant, zum Kultusvorsteher und Herr Eduard B o g l, Fabrikant, zu dessen Stellvertreter gewählt. Als Ausschußmitglieder lourdeu die Herren David Bloch, Dr. Goldbach, Josef Bernhard B l o ch, Adolf E p st e i n, Friedrich Steiner, Carl I e t t e r, Jakob S ch w a r z und Dr. Ignatz Bloch gewählt. Zum Tempelvorsteher wurde Herr Adolf Epstein gewählt. Der Ghettobrand in Eisenstadt. Wie die Tagesblätter meldeten, ist in der verflossenen Woche in der historischen Judengasse von Eise.iftadt in Ungarn ein verheerender Brand aus-gebrochen. Dieses Ghetto von Kismartonhegy wurde im 17. Jahrhundert durch jüdische Ansiedler aus Deutschland, die einem Rufe des Fürsten E st e r h a z y folgten, gegründet. Die Ansiedlung, die sich in der unmittelbaren Nachbarschaft des Esterhazyscheu Schlosses befindet, trügt auch heute noch das Gepräge des Ghettos. Es ist ein jüdisches Dörfchen für sich, bestehend aus einer einzigen langgestreckten Straße, das eine jüdische Verwaltung hat. "Alle Aemter und Würden sind in den Händen von Juden und Samstag sind alle Aemter geschlossen. Einem alten Brauch entsprechend ist die Judenstadt von 8 Uhr abends bis 8 Uhr früh durch eine Kettenrampe von der Welt abgeschieden. Nun find 18 Häuser dieses interessanten Dörfchens, das ein Stückchen Mittelalter darstellt, ein Raub der Flammen geworden. Paris. Der Brigadegeneral Bloch ist zum Divisionsgeneral befördert und an die Spitze der 6. Division in Paris gestellt worden. Der Major Franck ist zum Oberstleutnant befördert worden. Die Senatoren Ferdinand D r e y f u s und Paul S t r a n ß wurden zu Mitgliedern des Conseil superieur de rAgiiadtiue ernannt. Feuilleton. Gin deutscher Professor in der Schweiz Die heiligen Bücher unserer dem Proselytentum so abgeneigten Religion lassen merkwürdigerweise den jüdischen Nationalheros David aus einer Mischehe mit einer rassenfremden Konvertitin hervorgehen, deren Anmut, Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit sich entschieden im Bilde des Urenkels widerspiegelt. So hat uns eine geistvolle Konvertitin, Nahida Remy-Lazarns, von ihrem Gatten liebkosend „Ruth" geheißen, mit einer Reihe ganz ausgezeichneter Bücher beschenkt, die direkt oder indirekt zur Verherrlichung des Judentums beitragen. Ihre neueste, bei Ferdinand D um ml er in Berlin W. 30, Rosenheimerstraße 12, erschienene Gabe: „Ein Professorenleben in der Schweiz", 'ist eines aus jener Reihe von Werken, die Nahida dem Andenken des Gatten gewidmet hat. Dieses Buch, welches von eminentem kulturhistorischen Wert ist in seiner Schilderung der Zustände von 1861—05, soll hier nur insofern Besprechung finden, als es mit dem Judentum zusammenhängt. Wenn mau bedenkt, welcher Wertschätzung i') sich das Judentum heute bei der germanischen Gelehrtenwett erfreut, klingt, es fast wie eine verschollene Sage, wenn ,vir die Stellung sehen, die der Jude Lazarus sich im Sturme in Bern erobert, wie er der Mittelpunkt des geistigen Bern wird, wie der Bundespräsident, also der oberste Mann der Schweiz, der Studiendirektor (unser Kultusminister), die in Bern akkreditierten deutschen Diplomaten, ja was noch mehr sagen will, der uralte Berner Patrizieradel, die Spitzen der protestantischen Geistlichkeit, von den engeren Kollegen ganz abgesehen, sich um ihn scharen und ihn feiern. Man darf hier nich: von verschönernder L'ebe der Frau sprechen, da von allen diesen Persönlichkeiten ein eingehender, durch Jahrzehnte nach dem Abgang von Bern dauernder Briefwechsel vorliegt, in dem das brüderliche „Du" vorwiegt. Wer, wie ich, das Glück hatte, Lazarus zu kennen und sprechen zu hören, kann sich wohl den märchenhaften Zauber des Mannes erklären, der töte ein Bote aus besseren Welten der Ideale erschien, der noch dazu in jüngeren Jahren von sieghafter, germanischer Männerschönhcit gewesen sein muß und als Sohn eines schlichten, aber mit" jüdischer Bildung durch tränkten Kaufmannes der polnischen Grenze über das feinste weltmännische Benehmen verfügte, sonst gerade nicht der Vorzug deutscher Gelehrten. Alte diese Eigenschaften haben ihn später in seiner Stellung als Professor der Berliner Kriegsakademie die gleiche Verehrung seiner Junkerzuhörerschast verschafft. Untern den Bildnern des Deutschen Reiches darf Lazarus mit Recht genannt werden: war er durch seinen im politischen Leben der Schweiz im innigen Verkehr mit den leitenden Staatsmännern geschürften Blick doch fast der erste Jude und Liberale, der trotz der politischen Gegensätze Bismarcks überragende Größe, wie schon früher Preußens Bedeutung für Deutschland erkannt hatte. Daß er die Juden von Virchow in der Konfliktszeit zu der staatserhalteirden Partei zurückgesührt hat, ist ein Verdienst, das Bismarck und beide Kaiser Wilhelm anerkannt haben. Lazarus war gleichzeitig Dekan der philosophischen Fakultät und Rektor der Universität, welche Ernennung zufällig zwei Tage früher erfolgte, als die letzten hemmenden Bestimmungen für das Judentum im Bundesrat zur Sprache kamen. Das Argument, es wäre besser gewesen, ein einheimischer als ein fremder Jude würde solche Doppelwürden bekleiden, „und hättet ihr die Juden emanzipiert, würde jetzt vielleicht ein Schweizer solche Ehrenämter bekleiden", trug den Sieg zur gänzlichen Emanzipation davon. Als Jude eben hat Lazarus durch die Weite seines Blickes, durch den Sinn für die realen Zustände des Lebens Politik, Sozialpolitik, durch die Freiheit seiner religiösen Auffassung, durch sein Interesse für Kunst und Dichtung im großen als Bindeglied zwischen romanischen und germanischen, katholischen und protestantischen, kaufherrlichen und gelehrten, achtundvierziger Flüchtlingen und reaktionären Elementen gewirkt, endlich ist er schon durch das von ihm geschaffene Fach Völkerpsychologie, welches in die Domäne aller vier Fakultäten hinübergriff, ein Bindeglied gewesen, wie es eben nur der Jude sein kann. So hat er durch sich und an sich die welthistorische Notwendigkeit des Judentums auch im modernen Geistesleben bewiesen, wie er in einem Einzel fall, einer aristokratischen Liebesehe, in.der die katholisch protestantische Doppelreligion der Galten und Kinder zu Mißhelligkeiten führte, der stete Schiedsrichter sein mußte. So wurde auch sein Urteil bei einer Bewegung angerufen, welche die Ausschaltung des Unterrichtes im Alten Testament in den Volksschulen der protestantischen Schweiz bezweckte, so hat er, sowie die von ihnt veranlaßte Anwesenheit des greisen Zunz aus die Bibelforschung