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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-12 · 24 (12.6.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 412 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 24 Verteidigers, bei welcher die Klägerin eine Ohnmacht simuliert, zieht sich der Gerichtshof zurück. Nach einer halben Stunde erscheint der Gerichtshof wieder im Gerichtssaal und verkündet das Urteil: Brasul Bruschk o v s k y wird von der Anklage freigesprochen. Eine Rede des jüdischen Dumadeput'erten Friedmann. Aus Petersburg wird uns geschrieben: In der letzten stürmischen Sitzung der Duma hat auch der jüdische Deputierte Friedmann eine Rede gehalten, die sich so wie die meisten Redner der Linken in scharfen Worten gegen den Justizminister wegen der Haltung der Justizverwaltung im Beilis-Prozesse richtete. „Ich will jetzt nicht von den verschiedenen Verfolgungen der Juden seitens des Justizministeriums sprechen," sagte Friedmann unter anderem, „ich will bloß auf die große Ungerechtigkeit Hinweisen, welche dem Judentum widerfahren ist, als man unsere Religion, die Mutter aller Religionen, auf die Anklagebank gesetzt hat. Das Justizministerium hat eine Oblawa (einen bewaffneten Ueberfall) auf den Gott der Juden veranstaltet. Der Hauptzweck des Kiewer Prozesses war, uns völlig verächtlich zu machen, einem ganzen Volke den Schutz des Gesetzes^ zu entziehen, es zu einem Volke von Verbrechern zu stempeln, um auf solche Weise gegen dasselbe eine Atmosphäre des Hasses zu schaffen. Der Kiewer Prozeß hat nicht, wie manchen meiner Vorredner meinte, den Charakter eines Schauspiels getragen, nein, dort hat sich eine große, tiefgehende Tragödie abgespielt als Ergebnis unerhörter Rechtlosigkeit. Und dennoch," schloß Friedmann seine Rede, „geben wir nicht die Hoffnung auf, daß auch diese Situation ein Ende nehmen müsse und daß wir noch gleichberechtigte russische Bürger werden." Die mit großer Wärme vorgetragene Rede Friedmanns wurde von der Linken mit langanhaltendem Applaus ausgenommen. Der Historiker Dubnow gegen eine jüdische Universität in Palästina. Der bekannte jüdische Historiker S. Dubnow wendet sich in einem ausführlichen Artikel in der russischen Zeitung „Novi Wochsod" gegen den Plan einer jüdischen Universität in Palästina. Dubnow vergleicht die wirtschaftliche Auswanderung, welche Hunderttausende russischer Juden aus dem Lande treibt, mit der geistigen Emigration, welche gleichfalls Tausende junger Juden zwingt, im Auslande Bildungsmöglichkeiten zu suchen. Als die wirtschaftliche Emigration begann, gab es auch zwei Richtungen. Die einen sprachen sich für Amerika aus, die anderen forderten, daß die Emigranten nach Palästina geschickt werden. Eine dreißigjährige Erfahrung hat gelehrt, daß die erstere Richtung Recht behalten hat. Und jetzt stellt sich wieder dieselbe Konkurrenz ein. Jetzt, wo die Absicht besteht und die Möglichkeit vorhanden ist, der russich-jüdischen Jugend eine Stätte für Hochschulbildung zu schaffen, tritt abermals die Konkurrenz der Zionisten mit der Universität in Palästina auf. Aber auch hierin wird die Erfahrung lehren, daß die Zionisten Unrecht haben. Gewiß wäre es sehr schön, wenn in Palästina ein solches Institut für geistige Wissenschaft geschaffen würde. Aber eine Universität setzt eine gewisse ökonomisch-entwickelte Atmosphäre voraus, und diese ist in Palästina noch nicht gegeben. Selbst radikale Zionisten stehen auf dem Standpunkte, daß für eine solche Universität die Vorbedingungen in Palästina noch nicht vorhanden seien. Aber alle diese Einwände helfen nichts, sagt Dubnow weiter, denn es handelt sich hier nicht so sehr um die Beftiedigung gewisser geistiger Bedürfnisse der jüdischen Jugend, sondern um die berühmte zionistische Formel von der Vernichtung des Galuth. Und diese Formel gebiete, daß das Galuth keine neue Position gewinne, aus welche es sich stützen könnte, sondern umgekehrt, es müssen alle seine bisherigen Positionen nach Möglichkeit zerstört und untergraben werden, um auf solche Weise den Beweis zu erbringen, daß Idie Juden in Galuth nichts zu schaffen vermögen und deshalb alle ihre Kräfte nur auf die „Erlösung" verwenden müßten. Im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen weist Dubnow darauf hin, baß die Juden unbekümmert um diese Theorie in ihren jetzigen Wohnländern neue, feste Positionen schafften, Lehrstätten errichten, welche für die Zukunft des Judentums von großer Bedeutung find. Brief eines Juden aus Uganda. Die Newyorker „Jewish Gazette" veröffentlicht den Brief eines Juden namens Michel Rosenblum aus Kampala in Uganda, Britisch-Ostafrika. Dieses Schreiben ist mit Rücksicht darauf, daß die „Jto"-Organisation sich gegenwärtig mit dem Angola-Projekt befaßt, welches, wie seinerzeit Uganda von der englischen Regierung, von der portugiesischen Regierung den Juden angeboten wird, sicherlich nicht ohne Interesse. Herr Rosenbaum schreibt unter anderem: „England war so freundlich, uns Uganda unter günstigen Bedingungen als eigenes Kolonisationsland anzübieten. Das angebotene Land befand sich eigentlich nur teilweise in Uganda und zum Teile in jenem ostafrikanischen Gebiete, welches für europäische Siedlungen bestimmt ist. Vor einigen Jahren wurde in dieser Gegend von Afrika eine 600 Meilen lange Eisenbahn gebaut. Anfangs glaubte man, die Bahn werde nur deshalb gebaut, weil man nicht wisse, was mit den Millionen anzufangen. Die Europäer haben von der Gegend in der Nähe des Aequators wenig gehalten. Nun hat Britisch-Ostafrika in den letzten Jahren einen solchen Aufschwung genommen, daß von dieser Haupteisenbahnlinie jetzt ununterbrochen Zweiglinien in entlegenere Ortschaften gebaut werden. ■ Der Wert des Bodens ist ins Ungeahnte gestiegen. In Maira wird heute ein gewöhnlicher Bauplatz für 2500 englische Pfund verkauft, Farmland, 5 Meilen weit von Hmroli, kostet 10 Pfund der Acker. Eine solche Wertsteigerung hat niemand beim Aequator erwartet. Als England den Juden das Ugandaprojekt vorlegte, entsendete die zionistische Organisation dahin eine Expedition, um das Land zu erforschen. Die Expedition berichtete nach ihrer Rückkehr, daß das Klima kein entsprechendes sei. Ostafrika ist jedoch trotz seiner Nähe zum Aequator genau so entsprechend für europäische Kolonisation wie das südliche Europa. Die Europäer wohnen hier viele Jahre und haben an keinerlei tropischer Krankheit zu leiden. Ich selbst wohne in der Nähe eines Teiches, also einer Stelle, welche ganz besonders als schlecht hingestellt wurde, und ich fühle mich hier genau so wohl wie seinerzeit in Newyork. Ich bin überzeugt, daß die Ablehnung des Uganda-Projektes seitens der Zionisten ein schwerer Irrtum ist, der bereut werden muß. Oftafrika ist ohne Zweifel ein für europäische Kolonisation entsprechendes Land, ein Land, das in steter Entwicklung begriffen ist. Bekanntlich hat Zangwill wegen dieser Kurzsichtigkeit der Zionisten den Territorialismus ins Leben gerufen. Der Aeroplan „Israel". Wie der „Aurore" aus Jaffa berichtet wird, hat die seinerzeit gemeldete Sammlung der dortigen Inden für einen Aeroplan, der den Namen „Israel" führen soll, bereits bisher einen schönen Erfolg aufzuweisen. Die Sammlung ergab bisher 23.000 Franken, und da das Präliminare auf 30.000 Franken festgesetzt ist, so dürfte diese Summe bald erreicht sein. Die Jaffaer Juden wollen dann das Kriegsluftschiff „Israel" der ottomanischen Regierung, bezw. der Armee zum Geschenke machen. {

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