Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1, Seite 40 £ Dr. Bloch's Wochenschrift Nt. 23 * f '!' I * t % Jitzchok ist Jssak, Jssak ist Jsak und Jsak ist Eisik." — Gut gedreht. Kurz, was soll ich euch sagen! — man sucht meinen Eisik, man bringt mir die Order, er soll sich stellen zum Militär. In meiner Stube hat sich neues Gemein erhoben. Was sag' ich, Gemein! Als märe das Heiligtum zerstört! Erstens hat meine Frau, sic soll leben, sich des Verstorbenen erinnert, die alte Wunde hat sich wieder aufgetan. Besser, sagte sie, er lebte und müßte sich jetzt zum Militär stellen, als daß sein Gebein in der Erde liegt. Zweitens hat sie Angst, vielleicht, am Ende doch, Gott soll hüten, nicht werden soll es und nicht kommen, ist es so, wie der Rabbiner sagt, daß Jtzig ist Jitzchok und Jitzchok ist Jssak und Jssak ist Jsak, und Jsak ist Eisik, und das wäre wirklich nicht gut. So sagt sie, meine Frau, sie soll gesund sein, und legte die Welt ein, die Schwiegertochter fällt in Ohnmacht, wie gewöhnlich. Ist es denn auszureden: ein einzigdiger Sohn, ein einundcinzigdiger, ein ganz echter, wahrhaftiger, koscherer, mit einem vollkommenen Militärbefreiungsprivileg, hat sich dreimal gestellt, hat zwei weiße Billette und ist noch nicht fertig. . . Habe ich die Füße in die Hand genommen und bin nach Jehupetz gefahren, um mit einem richtigen Advokaten zu beraten. Meinen Sohn habe ich mitgenommen, mit ihm zu einem Professor zu gehen, um zu hören, was der Professor sagen wird, ob er tauglich ist oder nicht. Zwar weiß ich allein ganz gut, daß er nichts taugt, der Hund. Das heißt, taugen taugt er schon, nur zum Soldaten taugt er nicht. . . . Und wenn ich werde hören, was der Advokat sagen wird, werde ich schon ruhig schlafen können, werde nicht mehr mit der Militärgestellung zu tun haben. Aber es stellt sich heraus, die Advokaten und die Professoren, wissen alle zusammen nichts. Der eine sagt so. der andere sagt so: was der eine sagt, hält der andere für falsch — meschugge konnte man werden. Der erste Advokat, den ich traf, war ein großer Kopf, ein stumpfer, trotz der großen Stirn mit einer mächtigen Glatze, wie um Lokschenteig darauf auszurollen. Er hat nicht einmal verstehen können, wer Alterchen ist und wer Jtzig und wer Awrohom Jitzchok und wer Eisik gewesen ist. Ich erzähle ihm noch einmal und noch einmal: Alterchen und Awrohom Jitzchok und Jtzig sind ein Mensch, und Eisik ist der. der den Samovar über sich gegossen hat, als ich noch in Worotiliwka gewesen bin. Wie ich meine, daß ich bin mit ihm fertig, fragt er mich eine ganz neue Frage: „Sagt nur, wer iß der Aelteste. Jtzig oder Alterchen oder Awrohom Jitzchok?" Hat man schon so was gehört? Sag' ich ihm: „Ich bab' Euch schon fünfzehinmal gesagt, daß' Jtzig und Awrohom Jitzchok und Alterchen ist alles. eine Person: das heißt, sein wirklicher Name ist Jtzig. das heißt Awrohom Jitzchok, nur rufen ruft ma'n ihn. seine Mutter, meine ich. Alterchen. Seine Mutter hat ihn so verzogen. Und Eisik ist der. der den Samovar über sich gegossen hat, als ich noch ein Worotiliwkaer gewesen bin." — ..Und wann," fragte jener, „in welchem Jahr iß Awrohom Alterchen, ich meine Jitzchok Eisik, zur Militärgestellung gegangen?" — „Was schwatzt Ihr da?" frag' ich, „was bringt Ihr da durcheinander Grausen und Borschtsch? Zum ersten Male in meinem Leben treffe ich einen Jüd mit einem so aoischkischen Kops! Man sagt Euch doch, daß Jitzchok und Awrohom Jitzchok und Jtzig und Eisik und Alterchen, das ist alles ein Mensch!" „Scha," sagte er, „schreien Sie nicht so! Was schreien Sie?" . . . Verstehen Sie eine Sprach'? Nun soll er gar nicht recht haben! . . . Kurz, ich habe selbstverständlich ausgespuckt und bin weggegangen zu einem anderen Advokaten, der war gerade ein guter Kopf, ein talmudischer Kopf war er, nur ein wenig überchochem, überklug ein wenig. Er rieb sich die Stirn und „lernte", den Text des Gesetzes lernte er, drehte sich, folgerte, zog Schlüsse, daß nach diesem und diesem Paragraphen der Meseretscher Magistrat gar nicht berechtigt war, ihn einzuschreiben. „Dagegen," sagte er, „ist vorhanden ein Gesetz, daß, wenn er hier eingeschrieben worden ist und dort nicht ausgeschrieben worden ist, so muß er ausgeschrieben werden; und wieder ist vorhanden eine „Kassation", daß er, wenn er hier eingeschrieben ist und dort nicht ausgeschrieben wurde, so. . ." Kurz, so ein Gesetz und so ein Gesetz, so eine Kassation und so eine Kassation; er hat mir „kassassiert" den Kopf voll und ich mußte gehen zu einem dritten, mußte ich. Da Hab' ich gerade angetrossen auf einen Schlcmiehl, ein ganz junges Advokatchen, ein funkelnagelneues, das erst vor kurzen: sein „Juris" beendet hat, ein sehr gutes Menschchen mit einem Züngelchen wie ein Glöckchen. Wie es scheint, lernte er 'sich reden, reden lernte er sich; denn wenn er sprach, merkte man's ihm an, daß ihm das Vergnügen machte, das Reden, heißt es. Also der wurde voll Begeisterung, Hielt mir eine lange Predigt, so daß ich ihn unterbrechen mußte und sagen: „Alles sehr schön und fein, sehr" — sag' ich — „Sie haben vollständig recht, aber was nützt es mir," sag' ich, „daß Sie mich beweinen. Wozu beweinen Sie mich? Geben Sie mir lieber eilte Eize,"H sag' ich, „was ich mit meinem Sohn machen soll, vielleicht, Gott behüte, ruft man ihn doch, vielleicht?" Kurz, was soll ich Ihnen lange erzählen, ich kam endlich zu einem richtigen, wirklichen Advokaten. Das ist, verstehen Sie mich, ein Advokat von den alten Advokaten, ein Advokat, der einen Sachverhalt versteht, verstehen Sie mich. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte von Aleph bis Thow. Er saß die ganze Zeit mit geschlossenen Augen und hörte mir zu. Dann meinte er: „Schon? Sind Sie fertig? Fahren Sie nach Hanse, cs ist Mumpitz, mehr als dreihundert Rubel Strafe werden Sie nicht bezahlen." — „Das ist das Ganze?" sag' ich, „eh, weun es mit . dtzn dreihundert Rubeln-getan wäre! Aber ich habe Maure-) für meinen Sohn, Maure Hab' ich!" — Was für ein Sohn?" — „Was heißt," sag' ich, „was für Sohn? Mein Alter, Jtzig heißt es." — „Was hat dies alles," sagte er, „mit Jtzigen zu schaffen?" — „Was heißt," sag' ich, „vielleicht ruft man ihn wieder einmal?" — „Er hat doch, sagen Sie, ein weißes Billett?" — „Zwei," sag' ich, „hat er, zwei." — „In diesem Falle," sagte er, „was wollen Sie denn?" — „Wollen," sag' ich, „will ich gar nichts, was soll ich denn wollen? Aber Maure habe ich," sag' ich, „denn man sucht jetzt Eisiken, und Esik ist nicht da, und Alter, Jtzig heißt es, ist eingeschrieben Awrohom Jitzchok, und Jitzchok — so sagt unser Herr Rabbiner — ist Jssak, und Jssak ist Jsak und Jsak ist Eisik; könnte man, Gott behüte, glauben, daß mein Jtzig, oder Awrohom Jitzchok, Alter heißt es, ist Eisik." — „Nun, was schadet's," sagte er, „was schadet's? Im Gegenteil, desto besser, dann werden Sie überhaupt nicht bestraft. Er hat doch, sagen Sie, ein weißes Billett?" — „Zwei," sag' ich, „zwei weiße. Aber die hat doch Jtzig, nicht Eisik." — -- „Sie sagen doch!," sagt er, „daß Jtzig ist Eisik?" — „Wer sagt das," sag' ich. „daß Jtzig ist Eisik?" — „Sie haben es doch selbst gesagt?" — „Ich," sag' ich. „wie konnte ich so was gesagt haben? Wie kann ich sagen," sag 'ich. „daß Jtzig ist Eisik, wenn Jtzig ist Alter, und Eisik ist der, der den kochenden Samovar auf sich umgestürzt hat, zur Zeit, als ich noch ein Worotiliwkaer war, in Worotiliwka heißt es . . ." Er. der Advokat, wird rot wie ein Feuer und befiehlt mir, zu gehen: „Entfernen Sie sich." sagt er, „Sie langweiliger Ebräer," sagt er! . . . Verstehen Sie, was das heißt! Ich bin ein langweiliger Jüd, heißt es. Haben Sie Worte? Ich und langweilig? Ich? . . ." tz Rat. 2) Furcht. _ s a