Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 23 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 403 M.-Budwitz. Am Ersten des Monats Sivan fand im hiesigen Tempel anläßlich des Jahrzeitstages nach der verehrungswürdigen, biederen Frau Katharina Schwarzbarl s. A. eine würdige Trauerseier statt. Aus diesem Anlasse spendete der Gatte derselben, Herr Jakob S ch w a r z b a r t, ein kostbares Thoramäntelchen und übergab dasselbe unter rührenden Worten dem Tempelvorstande. Außerdem wurden der Vater und dessen drei Söhne zur Thora gerufen, wo sic alle Vereine mit namhaften Spenden bedachten. Frieder. (Todesfall.) Am 27. Mai wurde in Friedet der im 75. Lebensjahre verschiedene Großindustrielle Adolf Landsberger Edler von Freideck, Ritter des Eisernen Kronenordens, i'. k. Kommerzialrat rc.. zu Grabe getragen. Der Verblichene war Gründer und Inhaber der Firma A. Landsberger, einer der angrsehensten und bedeutendsten Fabriksunternehmungen der Textilindustrie Oesterreichs. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, an der sich alle Bevölkerungskreise der Schwesterstädte Frieder und Mistek, in denen sich die Fabriksetablissements des Verstorbenen befinden, überaus zahlreich beteiligten. Vor dem Leichenwagen zogen die Zöglinge des städtischen Waisenhauses, die uniformierten Vereine und die Gesangvereine der beiden Städte mit ihren Fahnen und das schier endlose Heer der Arbeiter und Arbeiterinnen. Auch der gesamte Gemeinderat der Stadt Friedet, deren Ehrenbürger der Verstorbene war, der Eemeinderat Misters, die Vertreter der staatlichen Behörden, zahlreiche Körperschaften und Vereine und viele Freunde und Bekannte aus nah und fern nahmen an dem Trauerzuge teil; selbst der Stadtpfarrer mit seinen Kaplänen und der evangelische Pastor fehlten nicht. Rabbiner Dr. Drobinsky schilderte in einer tief empfundenen Grabrede tie großen Verdienste, die sich A. von Landsberger um die Hebung der heimischen Industrie erworben, sein erfolgreiches Schaffen und segensreiches Wirken als Arbeitgeber. Stadtvater und Menschenfreund, zeichnete in ergreifender Weise die Jnniakcit des Familienbandes, das nun der Tod zerrissen und gab der allgemeinen Trauer um den Tod detreuen Sohnes seines Glaubens und seiner Heimat beredten Ausdruck. Adolf von Landsberger war eine der gerechtesten und populärsten, auch eine der wohltätigsten und menschenfreundlichsten Persönlichkeiten und hat dem Judentum, dem er treu ergeben war, zur Ehre und zur Zierde gereicht. Pohrlitz. Frau Berta W o l l n e r, Kassierin des Jsr. Frauenwohltätigkeilsvereines in Pohrlitz, feierte am 10. Mai d. I. das 25jährige Jubiläum als Mitglied des genannten Vereines. Seit dem - Jahre 1889 ist Frau Wollner mit ganzem Eifer im Dienste des Wohltuns und der Humanität tätig bei Kranken und Leidenden wie bei Sterbefällen. Zur Ehrung der Jubilarin erschien daher die Präsidentin Frau Rosa Bader mit den Vorstandsdamen bei derselben, beglückwünschte sie namens des Vereines und überreichte ihr eine schön ausgestattete Dankadresse. Möge es Frau Berta Wollner vergönnt sein, noch viele Jahre im Vollbesitze ihrer Gesundheit ihre verdienstvolle Tätigkeit weiter entfalten zu können. Ung.-HraWch. Am Sonntag, beit 24. Mai, fand in den Sälen der „Schienstätte" die erste Chewra Sudoh statt, um deren Zustandekommen sich der Obmann der Chewra-Kadischa Herr Dr. M. I e l l i n e k und Kultusvorsteher Herr Sigmund F ü r st besonders verdient gemacht hatten. Das schöne Fest, das einen wahrhaft jüdischen Charakter trug und ein erfreuliches Bild von der Cinigkeit der jüdischen Gemeindemitglieder gab, wurde durch die einleitcnbcu Begrüßungsworte des Chewra- Obmanncs Herrn Dr. M. I elli n e k eröffnet. Bon Den weiteren Ansprachen sei besonders der Kaisertoast, den Herr .Kultusvorsteher F ü r st sprach, erwähnt. Der Redner gab der unendlichen Freude über die erfolgte Genesung Seiner Majestät Ausdruck, welche von den Juden Oesterreichs die bange Sorge der letzten Wochen genommen hat und schloß unter lauten Beifallsrufen aller Anwesenden mit einem dreimaligen „Hoch". In formvollendeter Weise sprach Herr Dr. Zwick über die Bedeutung der Chewra-Sudoh. Ueberdies sprachen noch die Herren Med.-Dr. Brauner, Professor Lemb e r g e r, Professor Lieben und einige Ansschußmitglieder der Ehewra-K'adischa. Das Brndermahl wurde in musterailtiaer Weise vom Restaurant Anna Braun brigestellt. Vukovar. (Gemeindewahlen.) Am 25. Mai erfolgte die Wahl der Kultusgemeindevertretung in Vukovar. Das Ergebnis der einstimmig erfolgten Wahl war folgendes: Frank Sigmund, Präses, Dr. T t a n g l Alexander, Vizepräses, Hirth Heinrich, Tempelvorsteher, und Klein Samuel F., Kassier. Ordentliche Vorstandsmitglieder wurden: Bader Kalman, Baum Armin, Baum Hugo, Bier Arnold, Goldarbeiter Isidor, G o l d st e i n Adolf, Goldstein Heinrich, Groß Leopold, Herzl Josef, Löwy Max, Obersohn Samuel und Schnitzler Wilhelm. Ersatzmitglieder wurden: Herzog Adolf, Herzog Desider, Ofner Moritz, Steiner Heinrich und Weiß Josef. Spende. Aus Paris wird uns geschrieben: Madame Emile Deutsch de la Meurthe, eine wegen ihres WohltätigkeitSfinnes hochangesehene Dame, hat dem Präsidium der jüdischen Gemeinde 100.000 Franken für die Wohltätigkeitseinrichtungen derselben gespendet. Feuilleton. Die Assentierung.*) Bon S ch o l e m A l e i ch e m. (Schluß.) Ich >nuß stärker sein als Eisen, daß ich das Jahr überlebt habe. Freilich, wenn man zurückdenkt: was brauche ich Schaute Furcht zu haben? Zehnmal zur Gestellung - ich weiß, er taugt doch nicht, der Hund! Das heißt, wieso taugt er nicht? Taugen taugt er schon, nur zum Soldaten taugt er nicht . . . Und da man ihn schon zweimal ausgemustert hat. Aber das überlegt man sich erst nachträglich. Damals, in einer frenkden Stadt, ein Amt mit Leuten, die nicht nehmen da soll man sagen! Wir haben aber doch einen großen Gott auf der Welt? Mein Alterchen, Jtzig heißt das, hat wieder einmal eine hohe Nummer gezogen, hat sich wieder gestellt. Gott hat ein Wunder getan, die Militärkommission in Worotiliwka hat wieder gesagt „nicht tauglich" und hat ihm ein weißes Billett gegeben, ein Freischein. Hatten wir schon mit Gottes Hilfe zwei weiße Billette. Nach Hause gekommen, Freude und Wonne. Eine Mahlzeit hergerichtet. Dazugerufen fast die ganz' Stadt, gejubelt bis an den lichteil Tag. Mit wem brauch' ich jetzt zu reden! Wer ist mir gleich? Ein Kaiser! Jetzt wollen wir zu meinem Eisik zurückkehren, erliegt und ruht, der, dem anderen zu längeren Jahren, als Kind den Samovar über sich gestürzt hat. Nun werdet ihr ein Stückchen hören. Ein Prophet müßte man sein. Der schöne Row, der Kronsrabbiner von Worotiliwka hatte vergessen, ihn in der Matrikel anszn löschen, den Verstorbenen nämlich: und mir wird als Schuld gerechnet, ich hätte noch einen Sohn Eisik. der sich dieses Jahr zum Militär stellen, müßte. Eine Bombe war das. Was ist das für ein Unglück ans mir? Eisik ist schon lange auf jener Welt, so spreche ich zu mir und berede mich mit unserem Rabbiner, was man tun soll. „Die Sache ist nicht gut," sagte er. — „Wieso?" sag ich. „Sie ist nicht gut," sagte er, „weil Jtzig und Eisik derselbe Name ist." - „Wieso," sage ich. „ist Jtzig und Eisik derselbe Name?" - Sagt er: „Jtzig ist Jitzchok, *) Aus dem neuerfchieuenen Werke: „Das Ghettobu ch". Die schönsten Geschichten aus dem Ghetto. Herausgegsben von Arthur Landsberger. Mit 18 Bildern von F. F e i g l 1914. München, Georg Müller. Preis 7.50 Kronen. 33 Erzählungen und Novellen, teils Originalarbeiten, teils Uebersetzungen aus dem Jiddischen und Hebräischen, sind zu einem wunderbaren, farbenprächtigen, duftenden Blumenstrauß vereinigt. Es ist ein Genuß, das Buch zu sehen; ein noch größerer, es zu lesen. Wir geben aus dieser Sammlung vorstehende Erzählung.