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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Bloch's Wüchenschrifl Seite 405 Literat««. Der bekannte Professor der Kulturgeschichte an der Prager böhmischen Universität, Herr Dr. Vinzenz Zibrt, der zugleich die Stelle des Direktors der Bibliothek des böhmischen Museums in Prag bekleidet, redigiert schon durch viele Jahre eine interessante Zeitschrift für böhmische Volkskunde, die „Os y LG? betitelt ist. In der letzten Nummer (Doppelheft vom 1. Mai l. Ji, Jahrgang XXIII.) befindet sich ein Aussatz des Herrn Karl Z a st e r a, der alte Gebräuche bei katholischen und jüdischen Eheschließungen behandelt. Da nun letztere wohl unseren Altvordern gut bekannt waren, aber der neuen Generation eine terra ine gnita sind, will ich den Tenor jener Ausführungen hier im Auszuge wiedergeben: Von den sozialen und privaten Verhältnissen der Juden und ihrer Familien in Richenburg bei Skutsch in Böhmen existieren nicht viele Mitteilungen. Man darf sich darüber nicht wundern; denn die Landbevölkerung mochte die Juden nicht in ihrer Nähe haben. Der Jude tvar daher nur auf sich selbst und seine Stammesgenossen angewiesen, er weihte niemand in seine häuslichen Angelegenheiten ein und lebte abgeschlossen für sich. Die Behörden gaben im Jahre 1726 eine Verordnung heraus des Inhaltes, daß die Juden sich weit über das gesetzliche Matz vermehren und der Bevölkerung zur Last fallen, weshalb eine Beschränkung der Ehebewilligung angeordnet wurde: Nur der erstgeborene Sohn darf auf dem Sitze der Familie eine Ehe eingehen; sind mehrere Söhne vorhanden, ist es den anderen gestaltet, das Land zu verlassen und sich anderswo anzusiedeln, wo sie als fremde Juden behandelt werden. Hat die jüdische Familie nür Töchter, dürfen dieselben sich entweder im Lande oder in der Fremde verehelichen. Sollte ein Jude wider diese Verordnung handeln, hat er gepeitscht und aus allen erblichen Grönländern verwiesen zu werden. Stirbt der Erstgeborene oder verlätzt er das Land oder hat er anderswohin eingeheiratet, tritt der Zweitgegorene in seine Rechte u. s. f. Datz eine solche Heiratsbeschränkung den Juden nicht sehr gefiel, darf uns nicht wundern; deshalb strengten sie a.le Kräfte an, um zu erzielen, datz jene Verordnungen gemildert werden. Schon damals hatten die Juden manche Gönner bei Hofe, so datz der Kaiser auf verschiedene Bitten und Vorstellungen am 4. Mai 1731 zu „resolvieren" geruhte, datz wohl die (gegen die Juden) gegebenen Patente Gültigkeit haben, datz aber bei besonders berücksichtigenswerten Fä.lrn, die Seiner Majestät »in causa particulari« mitgeteilt wurden, Ausnahmen in bezug auf die Heiratsbewilligung platzgrekfen können. Die Anzahl der Juden war in den einzelnen Ländern zur damaligen Zeit genau fixiert. So gab es tzu Beginn des 18. Jahrhunderts in den königlich böhmischen Erdlanden zirka 4800 jüdische Familien oder Nummern. In den größeren Städten lebten bekanntlich die Juden in eigenen Vierteln, die hygienisch die schlechtesten waren; auf den Herrschaften am Lande wohnten mit Bewilligung der Obrigkeit einzelne Familien. Sowohl der Jude als auch der Katholik mutzte sich vor der Verehelichung einer Religionsprüfung unterziehen. Die jüdischen Verlobten mutzten die Größe ihres Vermögens angeben; denn sie waren verpflichtet, 21/., Prozent Steuern hievon auf drei Jahre im vorhinein zu bezahlen und ' die Bestätigung hierüber vorzuweisen. Außer anoereu Zeugnissen mutzte auch ein Moralitätsättest der Ortsgemeinde, in der der Bräutigam wohnte, beigebracht werden. Interessant ist, datz die Braut vor dem Aufstellen des Trauhimmels von allen Brüdern ein besonderes Zeugnis, den ..Schuhausziehungsbrjef", vorlegen mutzte; auch war es ihre Pflicht, einen Sterbekittel und einen Tales für den Mann in die Ehe zu bringen. Dieselbe Nummer des „(’eikv Li bringt ein im volkstümlichen Böhmisch geschriebenes Theaterstück „Esther", das ein Herr Josef Poloprutsky im Jahre 1867 abgeschrieben hat und das um das Jahr 1760—1800 verfaßt worden sein mag. Es wurde gewiß von Dilettanten häufig aufgeführt rrnd hat sich auf diese Weise bis auf die heutigen Tage erhalten. Der Stoff ist unserer Megilla ziemlich genau entnommen; doch sind von dem unbekannten Verfasser manche Szenen erfunden und geschickt eingestreut; das ganze „Elaborat" macht einen günstigen Eindruck und heimelt insbesondere den jüdischen Leser an; ich will auf dasselbe ein andermal des Näheren eingehen. Klattau, im Mai 1914. _Oberlehrer Alex. Baum. Fritz Wittels, lieber den Tod und über den Glauben au Gott. Zwei Vorträge gehalten zu Wien, Allerseelen und Mariä Empfängnis 1913. Verlag von Moritz Perl e s, k. u. k. Hosbnchhandlung, Wien, I., Seilergasse 4, 1914. Von diesen beiden in einer Frei.iiaurecloge gehaltenen Vorträgen ist der erste der ungleich Bedeutendere sowohl nach Form als auch nach Inhalt. Nicht allein das Problem an sich, sondern auch die Art der Behandlung, wie der Verfasser dem Problem beizukomnien sucht, erweckt verdientermaßen das Interesse des Lesers. Ein Wiener 'Arzt, der als Schriftsteller sich einen Namen erworben, hält einen Vortrag über den Tod. Er versucht diesem Problem zunächst als Arzt, dann als Naturwissenschaftler beizukommen. 'Allein er gelangt nicht weiter als jeder Laie und sieht sich auf Spekulation angewiesen. Schließlich drängt die Erkenntnis durch, das; der Tod nichts ist, nur das Wissen vom Tode und die Angst vor ihm ist das Schreckliche und so gelangt der Verfasser merkwürdigerweise zu einer interessanten Auslegung eines rätselhaften Satzes in der hebräischen Bibel (I M. 2, 17). „Aber von dem Baume der Erkenntnis des Garen und Bosen, von dem sollst du nicht essen, denn welches Tages du darou ilfest, stirbst du des Todes." Allein „Adam und Eva sind nicht des Tages gestorben, an dem sie das Gebot Gottes übertraten. Gott Hütte also nicht in Wahrheit gedroht. Adam und Eva wurden wissend. Sie erkannten, das; sie sterblich seien. Gott Pater setzte als Strafe für die llebertretnng seines Gebotes die 'Angst vor dem Tode in die Welt. Ter Tod ist ein Nichts. Nicht der Tod ist schrecklich, sondern die Angst ist es, und psychologisch gesprochen ist der Tod identisch mit der Angst vor dem Tode. In diese:» Sinne sind Adam und Eva allerdings desfelbigen Tages gestorben, als sie Angst vor dem Tode bekamen. Sie starben von da an mit jeder Minute." Was aber ist Augst? Rach einer Hauptthese aus dem Lehr gebäude des Professors F r e u d entsteht Angst dann, wenn Liebe unterdrückt wird. .Liebe, die aus irgendeinem Grunde ihr Ziel nicht finden kann, verwandelt sich im Unbewußten in Angst." Schon beim Kinde sieht man : Liebe verscheucht die Angst, und wer irgendein Wesen stark mit ganzem Herzen und ans tiefster Seele liebt, der fürchtet sich nicht vor dem Tode. So dürfen wir aber auch begreifen, warum es in der Heiligen Schrift heißt, daß Gort zu dem Weibe sprach, als er das erste Menschen paar ans döni Paradiese gewiesen, weit beide vom Baume der Erkenntnis genossen und des Wessen vom Tode erlangt haben ich deinem Manne sei dein Verlangen." Liebe soll die Todesangst iOr winden. I. Ellbogen, Der jüdische G o 1 t e s d i e n st in seiner geschichtlichen Entwicklung. (Schriften, herausgegeben von der EefeLschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.) Leipzig 1913, Gustav Fock, Mk. 12.—. Ein Standardwork. Endlich ein zuverlässiger Führer durch den Irrgarten einer Literatur^ die durch die unzähligen Zwischenfülle unserer mehrtausendjührigen, unvergleichlich bunten und von allen erdenklichen Einflüssen in ihrem Zickzacklauf bestimmten geschichtlichen Entwicklung zu einem schier unentwirrbaren Chaos angewachsen ist. Ein moderner, mit allen Mitteln umfassender Kenntnis des Gegenstandes und besonnener Kritik arbeitender Abudarhim. In drei großen Abschnitten wird der kaum zu übersehenoe Stoff klar und methodisch behandelt. Der Beschreibung des jüdischen Gottesdienstes — mit Berücksichtigung all der ins Tausendfache zersplitterten Varianten und der Traditionen über ihren Zweck und Ursprung — folgt eine Geschichte unserer Gebete, die ihre Entwicklung von den ersten Anfängen des regelmäßigen Gemeindegott-sdienstes bis zu den Erscheinungen der jüngsten Reform fortsührt. Den Schluß bilden drei Kapitel über die gottesdienstlichen Gebäude, die gottesdienstliche Gemeinde und den gottesdienstlichen Vortrag. Selbst dort, wo der Verfasser den Boden gesicherten historischen Wissens verläßt und feine Vermutungen und Urteile ausspricht, wird man ihm bereitwillig Gehör schenken. Sehr schön wird am Schluß die Aufgabe des Gottesdienstes präzisiert als die Sammlung der Gemeinde zu gemeinsamer Andacht, zur Erhebung zum Bater im Himmel und zur Belehrung aus dem ewig sprudelnden Quell seiner Offenbarung. Ob aber, wofür der Verfasser plädiert, zugunsten reicherer Ausgestaltung der Instrumentalbegleitung, der Gesang im Gotteshaus zurückzudrängen sei, darüber dürften die Ansichten weit auseinander gehen. Wir Hütten gern das Moment der Predigt stärker betont gesehen, ein Kapitel, das sich in einer späteren Auflage dem trefflichen Buche leicht angliedern ließe. G. Jüdischer Kulturfonds „Kedem". Zur Förderung der hebräischen Sprache und Kultur in Palästina ist bekanntlich der I ü d is ch e Kulturfonds „Kedem" ins Leben gerufen worden, für den Herr M. Feldstein in Warschau 40.000 Franken gestiftet hat und auch sonstige größere Beiträge eingegangen sind. Nachdem der Fonds nunmehr die nötigen technischen Vorbereitungen getroffen und die behördliche Legalisation erlangt hat. ist er jetzt an die Verwirklichung seines umfassenden Programmes herangetreten. Zunächst wendet er sich den besonders dringenden Aufgaben zu. in erster Reihe der Herausgabe von Lehrbüchern für die hebräischen S.ch ulen sowie der Schaffung von Bibliotheken in Palästina. Ferner begründet der „Kedem" ein wissenschaftliches Organ für die hebräische Sprachforschung. Diese Zeitschrift, der namhafte Gelehrte ihre ständige Mitarbeit zugesichert haben, wird in Jerusalem unter Leitung des W a a d H a l a s ch e n, des hebräischen Sprachrates, erscheinen, der dank der Unterstützung seitens des „Kedem" seine Tätigkeit, wesentlich erweitert und ausgestaltet. — Bei der Größe und Wichtigkeit der Aufgaben, zu deren Durchführung der ^Jüdische Kulturfonds „Kedem" berufen ist, bedarf er der aktiven Förderung (durch eigene Beiträge, Sammlung vom Spenden und Gründung von ständigen Kommissionen) seitens alter bewußt jüdischen Kreise,

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