Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 400 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 auf den Plan getreten, mannigfache Veränderungen haben sich in der Kultusgemeinde vollzogen, Sie aber waren in der Erscheinungen Flucht der ruhende Pol, Sie sind sich in Ihren Gefühlen und Ihrer Liebe für die Kultusgemeinde stets der Gleiche geblieben, der Schnee, der auf Ihrem Haupte liegt, trügt, Ihr Herz schlägt heute mit der gleichen jugendlichen Liebe und Begeisterung für unsere Kultusgemeinde wie früher und ist voll des regsten Interesses und der Hingebung für alle das Judentum berührenden Fragen gleichwie Ihre Opferwilligkeit und Teilnahme liiefür. Was alles Sie, hochverehrter Herr kais. Kat, während Ihrer' Amtsperiode gewirkt und geschaffen haben, kann in diesem knappen Rahmen der heutigen Feier unmöglich gebührend gewürdigt werden; denn Ihr Arbeitsgebiet umfaßte alle die Kultusgemeinde berührenden Angelegenheiten. Als Sie das Amt als Kultusvorsteher angetreten haben, befand sich unsere Gemeinde in ihren ersten Anfängen. Wohl war kurz vorher die prächtige Synagoge erbaut worden, doch war sie mit einer großen Schuldenlast beschwert. Alles übrige aber-, was sonst für das Leben und Gedeihen der Kultusgerneinde notwendig ist, alle Institutionen, deren sie bedarf, um ihren großen und wichtigen Aufgaben entsprechen zu können, fehlte voR ständig. Da griffen Sie mit starker, schöpferischer Hand ein und gleich großen Meilenzeigern Ihrerlangen Wanderung, die Sie irnit der Kultusgemeinde zurück gelegt haben, ,wie R uhmes - säulen stehen die Schöpfungen da, die Ihnen teils ihre Entstehung, teils ihre Entwicklung und ihr Aufblühen verdanken. Zunächst war es das Armenwesen, dem Sie Ihre besondere Fürsorge widmeten; die Chewra-Kadischa, dieses eminente Wohltätigkeitsinstitut, die Zierde unserer Gemeinde, wurde durch Ihre energische und hingebungsvolle Tätigkeit ausgestaltet und durch Schaffung eines neuen muster-gütigen Statuts in die Lage versetzt, ihre Kräfte voll entfalten zu können und infolge dieser nachhaltigen und kräftigen Unterstützung und Förderung zu jener Entwicklung und Blüte gebracht, die es ihr ermöglicht, ihre cliaritative Wirksamkeit zum Segen der Gemeinde ungestört ausüben zu können. Gleichzeitig aber wurde auch der Israelitische Frauenverein, der in Betätigung wahrer Nächstenliebe und Wohltätigkeit auf eine segenvolle Tätigkeit zurückblicken kann, ins Leben gerufen und in jeder Weise gefördert, so daß die Armenpflege in unserer Gemeinde I ank dieser Institutionen auf eine feste Grundlage gestellt ist und allen gerechten Anforderungen entspricht. Hand in Hand mit diesen Einrichtungen wandten Sie Ihr Augenmerk auch der Ausgestaltung des Religionsunterrichtes an unseren Schulen zu, und in Erkenntnis dessen, daß die wahrhaft sittliche und religiöse Ausbildung unserer Jugend das Rückgrat der Gemeinde und die Zukunft des Judentums bildet, wurden von unserer Gemeinde über Ihre Initiative und Mitwirkung für diese Zwecke im Laufe der Jahre die größten Opfer gebracht und der Religionsunterricht in jeder Weise gefördert. Aber auch der Gottesdienst wurde durch Ihre Einflußnahme in einer den iZeitVerhältnissen entsprechenden Weise durch das Inslebenrufen eines Gesangvereines und Aufstellung einer Orgel würdig ausgestaltet und dient derart im wahren Sinne des Wortes zur Zierde und Freude der Gemeinde. Nebst diesen Schöpfungen aber verdient auch Ihre sonstige Wirksamkeit rühm’iclist hervorgehoben zu werden, die Sie zur Konsolidierung der Gemeinde ausgeübt haben. Die Vermögensverwaltung der Kultusgerneinde wurde auf eine sichere und feste Grundlage gestellt, deren finanziellen Verhältnisse vollständig geregelt, die frühere große Schuldenlast fast zur Gänze getilgt und die" Ordnung und Verwaltung der zahlreichen mit dem Betriebe der Kultusgemeinde zusammenhängenden Angelegenheiten durch Schaffung eines neuen Statuts geregelt und umgestaltet. Hiezu aber kommt noch Ihre Fürsorge für die zahllosen anderen die Gemeinde interessierenden und für ihre Entwicklung notwendigen Fragen, Ihr jederzeitiges energisches und verständnisvolles Eintreten für alle unsere Kultusgemeinde und wohl in weiterer Richtung auch die jüdischen Interessen berührenden Angelegenheiten, so daß kaum ein Gebiet besteht, das von Ihrer befruchtenden Tätigkeit unbeeinflußt geblieben wäre. So weist jedes Blatt in der Geschichte unserer Kultusgemein de die Spuren Ihres segeiivollen Wirkens auf. Was Ihnen aber als eines der größten Verdienste an gerechnet werden muß, was Ihnen unvergessen bleiben soll, das sind Ihre Bemühungen und Erfolge um die Erhaltung des Friedens innerhalb unserer Gemeinde und des konfessionellen Friedens nach außen, welche beide als die Grundfesten der Gemeinde angesehen werden müssen, jenes Friedens, den Sie selbst vor kurzem in Ihrer Ansprache an 8e. Ehrwürden unseren Herrn Rabbiner anläßlich dessen Einführung in sein Amt in so schönen und begeisterten Worten gepriesen und ihm ans Herz gelegt haben. Ihre große Lebenserfahrung und die durch Jahrzehnte gewonnene Orientierung der maßgebenden Verhältnisse haben in Ihnen die Ueberzeugung gefestigt, daß die kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Juden in allen nationalen Fragen ein einträchtiges Zusammenwirken mit unseren Mitbürgern, in deren Mitte wir leben und mit denen wir uns vollkommen gleichberechtigt fühlen und ansehen, erfordern, und daß eine Isolierung und Absonderung der Juden gerade in solchen das ganze Volk, mit dem wir vereint Zusammenwirken, tief berührenden Angelegenheiten zu unserer Vereinsamung führen muß und dadurch eine eminente Gefahr für das jüdische Gemeinwesen bedeutet. Sie haben aber auch durch Ihre Amtstätigkeit den Beweis erbracht, daß man ein guter und aufrichtiger Jude sein kann, der jederzeit für die Interessen seiner Glaubensgenossen mit ganzem Herzen eintritt, ohne seine Zugehörigkeit zur deutschen Nation zu verleugnen, der man durch seine Muttersprache, seine Erziehung, sein ganzes Denken und Fühlen angehört, der man seine Kultur und die größten Errungenschaften seines Lebens verdankt, und daß die Solidarität der jüdischen Glaubensgenossen keineswegs identisch sein kann damit, daß wir jederzeit und bei jeder Gelegenheit nur das konfessionelle Moment voranstellen, sondern daß wir bei Wahrung und Inanspruchnahme der Zugehörigkeit zu jener Nation, in deren Mitte wir wirken und leben, für die volle Gleichberechtigung und Anerkennung unserer gesetzlich begründeten Rechte eintreten. Und Dank aller dieser Bemühungen ist auch die Ehre und das Ansehen unserer Kultusgerneinde in mächtiger Weise gehoben worden. Jawohl, das ist nicht mehr die kleine, unansehnliche Gemeinde von einst, an deren Spitze Sie damals traten, die kaum beachtet, mühsam ihr Dasein fristete und um ihre Existenzberechtigung kämpfte, sondern wie wir mit Stolz und Freude sagen können, ein großes, freies und selbstbewußtes Gemeinwesen, das achtunggebietend dasteht, sich mit Recht der größten Wertschätzung seiner Mitbürger erfreut und ein wichtiger Faktor im öffentlichen Leben ist, und dies zum großen Teile auch infolge Ihrer starken, persönlichen Autorität, der sich niemand entziehen kann, der in den Bannkreis Ihrer Persönlichkeit tritt und Ihrer hei - vo -ragen len Ehrenstellung, die Sie in dieser Stadt einnehmen und von der ein Abglanz auf unsere Kultusgemeinde fällt. Das alles wollten wir heute uns nochmals in Erinnerung rufen, da wir Ihnen für alles, was Sie für unsere Kultusgemeinde und für das Judentum überhaupt geschaffen haben, dinken wollen. Ihre große Bescheidenheit, Ihr schlichtes, jeder öffentlichen Würdigung Ihrer Person abholdes Wesen, verwehrt uns leider eine andere Kundgebung, allein sie kann nicht eindämmen die Gefühle heißen und aus der Tiefe unseres Herzens strömenden, Dankes, den wir Ihnen in so reichem Maße schulden, wir alle, die wir heute um Sie versammelt sind und mit uns die ganze Kultusgemeinde, die in unauslöschlicher Dankbarkeit in Ihnen ihren alten, treuen Freund und Führer verehrt. Unser Dank ist so schlicht und einfach wie der Kultus unserer Religion, aber er ist so wahr und echt wie Ihre Liebe und Treue zu unserer Gemeinde, so aufrichtig und herzlich wie Ihre Zugehörigkeit und Anhänglichkeit zu uns, so stark und überzeugungstreu wie Ihr Glauben an die Wahrhaftigkeit und Unvergängliclikeit des Judentums und seine Ideale und wie Ihre Wünsche für das Aufblühen und Gedeihen unserer Kultusgemeinde. Und mit diesem Dankgefühl verbindet sich der innige Wunsch, Sie auch weiterhin mitschaffend und mitwirkend in unserer Mitte sehen zu können, denn es soll kein Abschied sein, den wir heute feiern, an das wollen wir noch :-ng licht denken, und vielmehr dem XV um che und der Hoffnung Ausdruck geben, daß di»* Vorsehung i ns das Glück bescheiden wird, Sie noch viele, viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische als unseren Freund und Berater schätzen zu können, zur Ehre und zum Wohle unserer Kultusgemeinde und zur Freude Ihrer großen Freundesschar. So wird Ihr Name dauernder als Erz und Stein fortleben in der dankbaren Erinnerung unserer Kultusgerneinde für immerwährende Zeiten, der Name Adolf Lieblich wird das Symbol sein eines wahrhaft guten-und edlen Menschen, eines glaubensstarken und überzeugung&treuen Mannes, das Wahrzeichen eines Mannes, der in vorbildlicher Selbstlosigkeit und Pflichttreue sein Leben in den Dienst des jüdischen Gemeinwes; ns gestellt hat der Mahnruf an uns alle, es ihm gleich zu tun in seiner Liebe und Opferwilligkeit für unsere Gemeinde, ihm nachzueifern in dem Streben um Wahrung jüdischer. Interessen und