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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-05 · 23 (5.6.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 401 einig und stark zu kämpfen für die unvergänglichen Ideale unseres Glaubens, für 'Aufklärung und wahre Humanität. Und es wird sich auch an Ihnen das Dichterwort bewahrheiten: Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eingeweiht, nach hundert Jahren klingt sein "Wort und seine Tat dem Enkel wieder! Das walte Gott! Jeder Zuhörer fühlte: Dank und Liebe prägten diese ausgezeichneten Worte, Geist und Herz gaben ihnen in ernster Stunde die rechte Weihe. Der Gefeierte wie alle Anwesenden waren tief ergriffen, als Herr K r a u * mit der Versicherung dauernder Treue und tiefgefühlten Dankes seine Ansprache an Herrn kais. Rat Lieblich schloß. Nun ergriff unser Rabbiner Herr Dr. W e i ß das Wort, um in würdigster Form Dank zu sagen im Namen derer, die vorhem mit dem scheidenden Vorsteher für die Gemeinde gewirkt haben, im Namen derer, die nicht mehr leben und nicht mehr für seine beratenden, helfenden Worte danken können, wie im Namen aller, die noch im Dienste der Gemeinde stehen oder sich der verdienten Ruhe erfreuen. Worte, die aus dem Herzen kamen und zu Herzen gingen, die von stavker Liebe zur Gemeinde, von herzlicher Verehrung zum greisen und geistig so überaus rüstigen Kultusvorsteher zeugten, widmete er ihm. Mit dem Gebete um Gottes Lohn und seinen Segen für den verdienten Führer beendete Herr Rabbiner Dr. Weiß seine von allen Anwesenden tief empfundene Rede. Herr kais. Rat Lieblich erhob sich und dankte im ernsten Hinblick auf seine Tätigkeit für die Ehrung und für die Freundschaft und die helfende Arbeit feiner Borstandskollegen. Besonders erfreute ihn die Mitteilung, daß eine seinen Namen tragende Wohltätigkeits-Stiftung ins Leben gerufen worden sei, und er versprach, weiterhin seine Kräfte in den Dienst der Gemeinde und des öffentlichen Wohles zu stellen. Mit der Gratulation der Anwesenden schloß diese denkwürdige und erhebende Feier. Mögen die herzlichen Wünsche in Erfüllung gehen und Herr kais. Rat Adolf L i c b l i ch der israelitischen Kultusgemeinde und der Stadt Jglan noch viele Jahre in Rüstigkeit erhalten bleiben! —nt.— Was ift's mit dem roten Zettel. hOtromanifche Juden 'können nicht nach Palästina gehen.) Dem offiziösen Organ der Zionisten in Koustauti uopel „Aurore" entnehmen!vir die merkwürdig klingende Mitteilung, daß eine Gesellschaft von Juden in Saloniki, welche die Absicht hatte, eine Pilgerfahrt nach Palästina an unternehmen, dieses Vorhaben aufgeben mußte, weil das türkische Konsulat sich anfangs überhaupt weigerte, die Pässe dieser Juden zu vidieren, und nachher die Interessenten verständigte, daß sie selbst in dem Falle, als ihre Pässe vidiert werden würden, bloß eine v'erzehntägige Aufenthaltsbewilligung für Palästina erhalten würden. Diese Angelegenheit hat der Chacham Baschi der Türkei bei dem Ministerium zur Sprache gebracht, ohne eine Abhilfe erzielt zu haben, und auch eine zweite Intervention soll resultatlos geblieben sein. Von welchem Gesichtspunkte immer dieser Fall betrachtet wird, bildet er einen traurigen Beweis dafür, in welcher Lage sich die Juden im Orient befinden. Denn entweder steht die türkische Regierung auf dem Standpunkte, daß die Juden von Saloniki, welche die griechische Staatsbürgerschaft noch nicht angenommen haben, ottomanische Juden . sind, dann ist es nicht einzufehen, weshalb ne in ihrem Vaterlande, und Palästina gehört ja immer noch zum türkischen Reich, ohne Beschränkung in der Freizügigkeit sich nicht bewegen könnten. Aber selbst rvenn diese Juden von Saloniki nicht mehr als ottomanische Inden gelten sollten, so steht diese Haltung der türkischen Regierung im Widerspruche zu der vor zwei Monaten verbreiteten offiziösen Mitteilung, daß der berüchtigte „rote Zettel", welcher das Aufenthaltsrecht der ausländischen Juden in Palästina auf drei. Mona.e besä;üu restle. abgeschafft worden sei. Schaffung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Unter dem Namen „Agudad Hamageu" hat sich dieser Tage iu Palästina eine Art Schubverband gebildet, welcher den Zweck hat, einerseits alle von ara bhcher Seite erscheinenden Mitteilungen über Juden der jüdischen Bevölkerung zu vermitteln, anderseits allen falschen Berichten der Araber über die Juden durch aufrläreude Literatur entgegenzutreten. Man hofft auf diese Weise ein freundschaftlicheres Verhältnis zwischen Juden und Arabern im Heiligen Lande herbeizuführen. Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten. Aus Paris wird berichtet: Der junge jüdische Ehe miker Dr. Wolk, welcher erst vor kurzem zum Professor für industrielle Chemie an dem ueugegrüudeten Institut Leonardo Davinci in Paris ernannt wurde, erhielt jetzt über Vorschlag des französischen Ackerbauministers eine hohe Auszeichnung, indem er die goldene Medaille der Merite Agricole empfing. Professor Dr. Wolc ist der Sohn des verstorbenen Pinsler Gaom, Rabbi Wolf Wolk und ein ausgezeichneter Talmudist und treuer Jude. Ec ist bereits Besitzer mehrerer Auszeichnungen. Naturalisation russischer Juden in England. Als ein interessanter Beweis für die leichte Assi milationsfähigleit der Juden mag die Meldung aus London dienen, wonach unter den im Jahre 1913 in England naturalisierten 1702 Ausländern sich 690 russische Juden befanden. Aber auch unter den als Oesterreicher, Ungarn, Deutsche und Türken verzeichneteu neuen englischen Staatsbürgern gibt es sehr viele Juden, so daß Eingeweihte behaupten, daß im Jahre 1913 zumindest zn>ei Drittel der Naturalisierten Juden waren. Das ist um so bedeutsamer, als ja bekannt ist, daß gerade in England die Bedingungen, an welche die Naturalisation geknüpft ist, sehr strenge sind, und daß die Aufnahme eines Ausländers iu den englischen Staatsverband von der Ablegung einer schweren Prüfung in englischer Sprache abhängig ist. Generalversammlung des Vereines der jüdischen territorialistischen Organisation in Krivoj Rog. Sonntag, den 2. Mai, fand in Krivoj Rog eine außerordentliche Versammlung des Vereines „Jto" unter Vorsitz von Tr. Kan statt. An der Versammlung nah men 150 Mitglieder teil. Obmann Paul D o l s ch a n s k N erstattete einen Bericht des Vereines in bezug auf die Regulierung der Emigration wie auch über die terri torialistische Tätigkeit. Wahrend der letzten drei Jahre hatte der Verein in Kriwoj Rog 1200 Kronen gesammelt und an die Zentrale der „Jto" gesandt. Nach langen Debatten hat die Versammlung folgende Resolution au uommen: a) Die Versammlung in .Kriwoj Rog des Ver eines der „Jto" richtet an den Präsidenten Israel Za n g will die Bitte, eine Konferenz nach Budapest zu be rufen; b) unabhängig davon, ob das Angola-Projekt angenommen oder abgelehnt wird, soll die Konferenz die Kolonisation in Nordamerika irr Betracht ziehen und eine spezielle Kommission zu diesem Zwecke wühlen: o die Konferenz soll eine Finanz-Institution auf Aktien von 10 Rubel nach Muster der Jüdischen Kolonialbank in London schaffen: d) die Versammlung ersucht die Kom Mission zur Ausarbeitung der Statuten der „Jto" in Wien, die Verfassung demokratisch zu gestalten.

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