Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 23 (5.6.1914)
- Date
- 1914-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 23 Dr. Ploch's Wochenschrift Seite 3Sb Rothschild über religiöse Erziehung. Kürzlich fand in London ein Festbankett zugunfterl des Komitees für religiöse jüdische Erziehung slatl, bei welchem der Präsident dieser Gesellschaft, Lionel de Rothschild, ein Neffe des Lord Rothschild, die Festrede hielt. Er sagte unter anderem: „Es ist kein Zweifel, daß man heute den Fragen der Religion viel weniger Aufmerksamkeit schenkt, als vor einem Jahrhundert. Aber ebenso zweifellos ist es, daß, wenn den Kindern die Grundlagen des Glaubens und der Religion beigebracht werden, Äiese, selbst wenn die Kinder nicht fromme Juden wären, immerhin die Anreger zum Guten und die Führer für ein anständiges Leben bilden." Viel besprochen wurde auch seine Bemerkung, daß die Juden mangels ständiger großer Fonds für religiöse Zwecke gezwungen feien, stets mit offener Hand zu geben, um auch den Kindern armer Eltern die kulturfördernden Ideen der jüdischen Religion nichtvorzuenthalten. Die Rede eines Juden im amerikanischen Kongreß. In einer der letzten Sitzungen des amerikanischen Kongresses hielt der jüdische Deputierte aus Cicago, Mr. Sabath, eine Rede, die verewigt zu werden verdient; Mr. Sabath sagte: „Gleich als die Nachricht hier einlangte, daß unsere Flotte, um die Ehre der amerikanischen Fahne zu erhalten, den Hafen von Verakrut in Anierika zu bombardieren begann, erfuhren mir auch, daß vier amerikanische junge Leute bei diesem Sturme ihr Leben ließen. Aber bloß drei dieser auf dem Felde der Ehre Gefallenen wurden der Oeffentlichkeit bekanntgegeben, während der vierte als „Unbekannter" verzeichnet war. Nun denn, auch der Name dieses Helden ist nicht mehr unbekannt. Er hieß Samuel Eisenberg und war unter dem Namen Samuel Martin registriert. Er ist der Sohn jüdischer Eltern in meinem Wahlkreise Chicago. Es ist für unsere Verhältnisse nicht ganz uninteressant, zu erfahren, daß dieser brave und mutige Jüngling sich, wie es viele im Auslande Geborene zu tun für gut halten, unter einem „nom äös'aörc;-' anwerben ließ, um aus diese Weise in gewissen Zweigen unseres Militärdienstes leider bestehenden Vorurteilen zu begegnen. Wenn ich es nun aus der Tiefe meines Herzens bedauere, daß überhaupt Menschenleben verloren gingen, so muß. ich doch zugeben, daß ich Genugtuung empfinde darüber, daß unter den erstell vier Opfern, welche für die Ehre unseres Landes ihr Leben einbüßtell, ein Jude aus meiner Stadt sich befindet, und daß auch zwei andere junge Männer unter den Toten von Emigranteneltern stammen. Dies ist ein neuerlicher klarer Beweis dafür, worauf ich wiederholt hingewiesen habe, daß unsere Einwanderer unsere freien Einrichtungen schätzen ulld auch in Zukunft schätzen werden, und daß sie zu jeder Zeit bereit sind, diese Einrichtungen mit ihrem Leben zu verteidigen, gerade so wie jeder Amerikaner, der vielleicht in der Lage ist, eine lange Ahnenliste amerikanischer Abstammung nachzuweisen. Dies zeigte sich auch bei dem ersten Berichte, den unsere Regierung nach Ausbruch des spanischamerikanischen Krieges erhielt. Auch damals war ein Jude das erste Opfer. Aber es ist nicht das erstemal in unserer Geschichte, daß Juden oder Bürger, welche in anderen Staaten geboren wurden, einen so herrlichen Beweis erbrachten, daß sie stets bereit seien, für die Ehre der Vereinigten Staaten zu den Waffen zu greifen. Als im Jahre 1848 derselbe Hafen Verakrut eingenommen wurde, da war der Vater 'meines Kollegen Lewi aus Newyork, Kapitän Philipp Lewi, der erste. der dort landete und zum Hasenkapitän ernannt wurde." Sabath schloß mit folgenden Worten: „Herr Vorsitzender? Soeben wird mir eine neue Liste von Toten und Verwundeten überreicht lind abernials finde ich an der Spitze Namen von Juden. Jawohl, meine Herren, Sie können sich auf unsere jüdischen jungen Leute verlassen, möge es kommen wie es wolle!" Die Rede wurde mit großem Beifall belohnt. Das „rituelle Laboratorium" im Beilisprozest. (Aus einem Gespräch mit Ärasvwskp.) Der gewesene Kiewer Polizeichef Krasowsky hat einem jüdischen Journalisten gegenüber sich dahin geäußert, daß nunmehr, wenn nicht jedes Schamgefühl von der russischen Regierung gewichen ist, der Feststellung der tatsächlichen Mörder des Knaben Juschtschinski nichts mehr im Wege stehe. „Da ich die sicheren Beweise dafür habe, daß die Tscheberjak des Mordes schuldig ist, so bin ich entschlossen, sukzessive so lange Details aus meinem Datenmaterial zu veröffentlichen und gewisserinaßen mit den Fingern auf die wirklichen Mörder hinzuweisen, bis die Regierung sich endlich entschließen wird, ihre Pflicht zu tun. Sie können sich denken," sagte er zu denk Journalisten, „wäre ich nicht so fest überzeugt, daß das, was ich tue, richtig ist, und hätte ich nicht alle Beweise für meine Behauptungen in der Hand, so hätte ich es nicht gewagt, nach Kiew zurückzukommen, wo selbst in den offiziellen Kreisen gefährliche Feinde auf v.tich lauern. Ich bin dessen sicher, daß die Welt in ganz kürzer Zeit die wahren Mörder kennen lernen wird, aber ganz besonders wird es interessant sein, eine echt russische Einrichtung, das sogenannte „rituelle Laboratorium" in dem Mordprozesse JuschtschinskiS sowie die Laboranten desselben vor aller Welt zu entlarven." Jüdische Farmer bevorzugt. Anläßlich der jüngsten Graduierung der Absolventen der jüdischen landwirtschaftlichen Hochschule in Woodbyne im Staate Newyork sind der Jnftitutsleitung so viele Gesuche von Gutsherren um Zuweisung von Absolventen der Anstalt zugekommen, daß viele dieser Ansuchen unberücksichtigt bleiben mußten. Die betreffenden Farmbesitzer erklärten in ihrer Zuschrift, daß die jüdischen Farmer 'und Agronomen allen anderen bevorzugt werden, -und ganz besonders sind es die Absolventen der Baron Hirschschen landwirtschaftlichen Hochschule von Woodbyne, welche gesucht werden. Das Kuratorium der Anstalt hat nun eine Erweiterung derselben beschlossen, und mit dem beginnenden Schuljahre wird die Zahl der auszunehmenden Schüler verdoppelt werden. Woodbyne ist bekanntlich die einzige ausschließlich jüdische Stadt in Amerika, in welcher sämtliche öffentlichen Stellen, vom Bürgermeister bis zum letzten Straßenkehrer, von Juden besetzt sind. Die Erfindung eines jüdischen Arztes. Aus Newyork wird uns geschrieben: Der jüdische Arzt Dr. Harry Plotz, Leiter des pathologischen Instituts an dem großen Mount Sinai-Hospitale, hat in einer Versammlung von Medizinern die Mitteilung gemacht, daß er den Erreger des Typhus entdeckt habe und nun mit gutem Erfolge daran arbeite, ein Mittel zur Tötung dieses Erregers zu finden. In amerikanischjüdischen Kreisen bringt man diesen Mitteilungen großes Vertrauen entgegen, da Dr. Plotz trotz seiner jungen Jahre — er ist noch nicht 30 Jahre alt — bereits sehr Beachtenswertes aus medizinischem Gebiete geleistet hat. ° _