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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 388 Dr. Bloch's Wochenschrift r. 22 zum Soldaten taugt er nicht. Einer hat widersprochen und gesagt: „Tauglich". Hat der Doktor geschrien: „Nicht tauglich" . . . Der sagt „tauglich", der sagt „nicht tauglich", tauglich, nicht tauglich, hin und her, bis der Gouverneur selbst sich von seinem Bänkchen erhoben hat herankommt und sagt: „Ganz und gar nicht tauglich", das heißt er taugt aus neunundneunzig Kapores . . . Hab' ich sofort weggeschickt eine Depesche nach Haus in verstellter Sprache: „Masel Low, die Ware ist für vollkommen unbrauchbar erklärt." Jetzt muß ich noch einn.al zu der Zeit zurück.ehreu, wo ich — nicht gedacht soll es heute werden — in Worotiliwla ansässig gewesen bin und mein Jtzig, das heißt Alterchen, noch ein ganz tleincs Kind gewesen ist. Kommt da eine Geschichte, etwas wie eine Revision in der Stadt. Von Stube zu Stube ist man herumgegangen und hat ausgeschrieben von jedem, klein und groß, wie er heißt und wie alt er ist, wieviel Kinder er hat, ob Jungen oder Mädchen, und wie man sie ruft. Ist man auch zu meinem Jtzig gekommen fragen, wie man ruft ihn. Sagt meine Frau, sie soll gesund sein: „Alterchen". Jener ist zufrieden und geht und schreibt aus: „Alterchen". Genau ein Jahr nach der Militärgestellung kommt eine neue Schickung: man sucht meinen Sohn Alterchen; er soll, Gott erbarme sich, zur Gestellung kommen in Worotiliwta. Hab' ich denn geträumt jene Nacht und diese Nacht und das ganze Jahr "hindurch! Kurz, was soll ich euch erzählen! — man ruft Jtzig, das heißt Alterchen, noch einmal zur Gestellung. Meine Frau, sie soll gesund sein, legt die Welt ein, meine Schwiegertochter fällt in Ohnmacht. Ist so etwas je erhört worden von Eck der Welt zu Eck der Welt, daß ein einzigdiger Sohn, ein einundeinzigk iger, ein ganz echter, wahrhaftiger, koscherer, mit einem' vollkommenen Militärbefreiungsprivileg, dreimal zur Gestellung kommen muß! Nun sieh du zu, red' türkisch, red' tartarisch! Was tut man da? Bin ich hingelaufen zu unserer Gemeinde, habe Gewalt geschrien, daß zehn Juden sollen beschwören und schriftlich geben, daß sie wissen, daß Jtzig ist Awrohom Jitzchok, und Awrohom Jitzchok ist Alterchen, und daß Alterchen und Jtzig und Awrohom Jitzchok alle zusammen ein Mensch sind. Das Papier habe ich bekommen und bin damit nach Worotiliwta gegangen. Dort trifft mich ein Jüd Reo Jossel und fragt mich: „Was tut Ihr hier?" Will ich ihm doch nicht sagen — wozu auch; es ist schon besser, er weiß es nicht — sage id) chm: „Ich habe zu tun mit einem Edelmann." — „Wegen was?" fragt jener. — „Wegen Kleie," sag ich. „Ich habe Kleie gehandelt und, habe Handgeld gegeben. Nun habe ich keine Kleie und kein Handgeld; verfallen die Kuh mit dem Kalb!" — Nun gehe ich in die Militärkommission. Wie ich hereinkomme, treffe ich einen Schreiber. Dem gebe ich das Papier. Der liest das Papier und wird ganz wild, der Schreiber nümlich, und schmeißt mir mit Gewalt das Papier ins Gesicht, behütet und bewahrt soll man werden! „Geht zu allen Teufeln mit Euren Namen und Euren jüdischen Faxen! Ihr wollt Euch nur um die Gestellung drücken, verdammte Juden! Bei Euch wird Jitzchok aus Awrohow, und Jtzig aus Jitzchok und Alterchen aus Jtzig. Nein, solche Stückchen gehen bei uns nicht an, solche Schachermacherei!" — Nun überlege ich mir: Mit Schachermach?r:i meint er vielleicht einen Rubel. Nehme ich einen Rubel heraus und WÄ ihn ihm in die Hand drücken und sage leise zü ihm: „Entschuldigen Sie, Euer Hochwohlgeboren!" 'Da erhebt er ein mächtiges Geschrei: „Bestechung!" . . . Sind gelaufen gekommen die Schreiber, und was soll ich euch sagen, man hat mich rausgebracht. So ein Unglück! Muß ich gerade auf einen treffen, der nicht nimmt! . . . Nun, zwischen Jüden ist man nicht verloren. Ich fand einen Jüd, durch den man ninnnt. Geholfen hat es, wie einem Toten Schröpfköpfe helfen, und es ist dabei geblieben, daß ich noch einen Sohn habe, der Alterchen heißt, und der soll sich stellen in Worotiliwla zum Militär. Ein gut Päckel! (Schluß folgt.) Literatur. Preisgekrönte Arbeit. Aus Paris wird uns geschrieben: Die französische Academie des imeriptiems de iiterature hat dem berühmten Sanskritprofessor am College de France, Silvaine Levy, für seine Arbeit, Studienreise nach Nepaul, einen Preis von 2500 Francs verliehen. Ein neues Stück von Israel Zangwill. Aus London wird uns geschrieben: Zangwills „Malting-Pot" bildet noch immer eine ungeschwächte Zugkraft des Commedy-Theaters. Das Stück wird jedoch nächste Woche von einem neuen Stücke Israel Zangwills abgelöst werden. Zangwill hat seiner neuen Schöpfung den Titel „Plaster saints" (Uebertünchte Heilige) gegeben, und nennt sie eine hohe Komödie in drei Akten aus dem modernen Leben. Neue Wiener Bühne. Der Vorstellung von Hermann Reichenbachs „Ketteu" am 20. Mai wohnte Baron v. Rothschild nebst Familie und viele Mitglieder der Hocharistokratie bei. Rudolf Schildkraut war Gegenstand lebhafter Ovationen. Festschrift des „Gerber-Courier". Aus Anlatz der fünfundzwanzigjährigen Mitarbeiterschaft des nunmehrigen Chefredakteurs Hermann Kohn veranstaltete die Redaktion des im 55. Jahrgange erscheinenden „Gerber-Courier" eine Jubiläumsausgabe, die durch die Reichhaltigkeit des Stoffes, durch die Reproduktion allererster Betriebsstätten und Fabrikanten, endlich durch die künstlerische Ausstattung in alten Fachkreisen des In- und Auslandes mit schmeichelhaften Kundgebungen ausgenommen wurde. The Jewish Review. Edited Ly L)r. Joseph Hochmail- Vol. V. Ne. 25. Mai 1914. ConUn:s: Editorial Note: The Pilgrimase lo the New Jerusalem. — Israel Cohen: The Civil Emancipation of Jewry. — E. E. F r a n k 1 i n: Sacred Art in Jewish Ritual. — Jack Mosseri: The Synagogues of Egypt: Fast and Present. — J. Abelson: The Optimism of Jewish Theology. — Dr. A. Marmorstein: The Apologetigs of the Rabbis. — Max J. Herzberg: Emma Lazarus: A Study in Psychology. — Re iews of Boots: A Hebrew Grammar; Cbad Gadja; Jewish Mysicism. — Geo. Routledge & Sons, London. Schriften zur Einführung in die Benutzung der Berliner Universitäts-VibliothrL Herausgegeben von der Verwaltung. Heft 4. Führer durch den Lesesaal. C. Judentum. Orientala von Dr. Heinrich Löwe, Bibliothekar an der kgl. Universitäts- Bibliothek zu Berlin. Berlin 1914. Druck und Verlag von Georg Reimer, Berlin, W. 10, Genthinerstratze 38. M. 0.50. Das dünne Heftchen ist em Muster sorgfältiger Bibliotheksarbeit. Es besitzt aber auch sär weitere Kreise den Wert einer Uebersicht über die Mutigste Literatur der einschlägigen Wissensgebiete. Jung - Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XV. Jahrg., Nr 9. Prag, den 22. Mai 1914 (23. Jjar 5674!. Inhalt : Trost im Leid. — Ben I e h u d a. - Nathan Grün: Was uns die Grabsteine auf dem allen jüdischen Friedhofe in Prag er zählen. (Fortsetzung. - — Josef Hart: Die drei Freunde. ^Schluß — Krupps Stadt in Essen. (Illustration.) — Heinrich Löwe: Un tausend Jahre find ihm wie ein Tag. — Der Gaukler Ration al Begründer der Pharaonen-Dynastie. — Julius E i s n c r: Nowoj Ebräji. — Uebersetzungsanfgabe. — Rätsel. — Redaktion und Admini stratiou: Prag,!!., Stephansgasse 629. RothfchiLd-Anekdote. Von der alten Frau von Rothschild, der Stammutter der Freiherren von Rothschild in Frankfurt a. M., erzählt die „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens" („Union", Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart) folgende hübsche Geschichte: Die alte Dame besaß viel Witz und Geisteskraft; beide blieben ihr bis an ihr Lebensende getreu und verließen sie auch an dem Totenbette nicht. Sie erreichte ein Alter von

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