Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 385 Die jüdischen Veteranen von Amerika. Wie nicht anders Zu erwarten war, haben sich, gleich als die Feindseligkeiten zwischen -Amerika und Mexiko ausgebrochen waren, zahlreiche Juden freiwillig für den Kriegsdienst gemeldet. Zahllos sind die Briefe, welche der Kriegsminister von 'jüdischen Freiwilligen erhalten hat und noch täglich erhält. Zu den interessantesten gehört zweifellos der Brief, den der jüdische Oberleutnant Charles Hoffman, der an dem Kriege gegen Spanien teilgenommen hat, an den Kricgsminifter richtete. Er ist kurz und lautet folgendermaßen: „Die jüdischen Veteranen des spanischen Krieges, §50 Mann an der Zahl, ioelche ehrlich und tapfer im Kriege gegen Spanien sowie beim Aufstand auf den Philippinen und dem Boreraufstand in China dem Vaterlande gedient haben, melden sich jetzt zum Dienste und fiitb bereit, zu gehen, wohin rnan ihnen befiehlt, wie und wo die Regierung für nötig hält, die Ehre unseres lieben Vaterlandes in diesem Streite mit Mexiko zu schützen und zu verteidigen." Eine neue jüdische Bauernkolonie in Rußland. Trotz der maßlosen Verfolgungen, denen die Juden gerade in der letzten Zeit in Rußland ausgesetzt sind, geben einflußreiche jüdische Persönlichkeiten nicht die Hoffnung auf, daß auch für die Juden in Rußland günstigere Zeiten kommen werden, und sind bereit, für diese ihre Auffassung die weitestgehenden materiellen Opfer zu bringen. So wird aus Kiew berichtet, daß die angesehene reiche Familie Brodskh sich bereit erklärt habe, im Jekaterinoslawer Gouvernement eine neue landwirtschaftliche Kolonie, wie sie bekanntlich im Chersoner Gouvernement bereits seit nahezu einen: halben Jahrhundert bestehen, ins Leben zu rufen. Der Chef der Familie Brodskh hat sich bereits an die Regierung mit der Anfrage gewendet, ob sie geneigt lväre, einem solchen Plane ihre Zustimmung zu erteilen. Ehrenbtgräbnis für einen jüdischen Soldaten aus dem mexikanischen Kriege. Ans Chicago schreibt man uns: Unter den vier ersten Opfern auf amerikanischer Seite ut dein Kriege gegen Mexiko befand sich auch der 19iährige Samuel Martin, der ursprünglich Meisenberg hieß. Er fiel beim ersten Treffen in Verakruz. Samuel Martin-Meisenberg kam erst vor 4 Jahren aus Rußland, und war jetzt unter den ersten, die sich als Freiwillige für den Krieg gemeldet hatten. Meisenberg, dessen Leichnam nach Hause gebracht wurde, ist mit besonderen militärischen Ehren bestattet worden. Die Stadt Chicago sonne fast sämtliche offiziellen Körperschaften und privaten Korporationen waren an den: Leichenbegängnisse vertreten. Die Familie, dessen Ernährer Samuel war und jetzt in sehr dürftigen Verhältnissen zurückgeblieben ist, ist der Gegenstand allseitiger Sympathiekundgebungen. Der bekannte Philanthrop Nathan Strauß suchte die krank darniederliegende Mutter Samuels persönlich auf, tröstete sic, überreichte ihr einen Scheck, der sie momentan der materiellen Sorgen enthebt und stellte ihr für die Zeit ihrer Krankheit einen Arzt zur Verfügung. Die gesamte Presse widmet diesem Fall lange Artikel, in welchen darauf hingewiesen wird, was Amerika durch die Einwanderung der russischen Juden gewinnt. Die „Roosevelt-Garde". In der Stadt Milwaukee in Amerika besteht schon seit langem unter dem Namen „die Roosevelt-Garde" eine jüdische militärische Organisation. Wie uns aus Newyork berichtet wird, hat dieselbe auf eigene Kosten Rekrutierungsstationen eingerickstet und sich verpflichtet, aus der Mitte ihrer Organisation selbst zumindest zweihundert wehrfähige Männer in der: Krieg zu stellen. Vermischtes. Aus der Plenarsitzung der isr. Kultusgemeinde vom IS. Mai. In Einlaufe befinden sich: Dankschreiben des B igittenauer Israelitischen Tempelvereines für die gewährte Sibventionserhöhung. Dankschreiben des Israelitischen Tempelsvereines für den XIX. B'zirk in Wien für die anläßlich des Hinscheidens seines Obmannes, Dr. Max Obersohn, übermittelte Beileidskundg'bung. Dankschreiben des Herrn Dr. W'lhelm Ritter von Gutmann für die Aufnahme des Namens seines Großvaters, des seligen Herrn David Ritter von Gutmann, in die Haskara der Gemeindetempel der Inneren Stadt und Leopoldstadt. Dankschreiben des k. u. k. Gmeralstabs-Arztes Professor Dr. Alois Pick für das Glückwunschschreiben anläßlich seiner Ernennung zum k. u. k. Generalstabsarzt. Dankschreiben der Direktrice der Schulen des Mädchrn-Unterstützungs-Vereines, Frau Regine Ulmann, für die Gratulation anläßlich ihres 40jährigen Dienstjubiläums. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Leopold L o u r i e anläßlich der Vermählung seiner Tochter: für die Armenanstalt.K 300 — „ „ Speiseanstalt.. 300*— „ „ Chewra-Kadischa.„ 200*— „ den Frauenverein 1.. 100 — „ „ Waisen-Verein.. „ 100— K 1000 — Von Herrn Anton Winter zum Andenken an seinen sel. Vrter Herrn Ignaz W'nter zur Verteilung an Arme.K 100*— zum Andenken an seine fei. Mutter Frau Rosalie Winter für Arme.. 100 — 200*— Zr. Errichtung einer „Jakob Bock- Wohltätigkeils- und Graberhaltungs-Stifcung" ink'usive Zws'en. „ 260»*— Bon Herrn Dr. Maximilian Stieglitz. Bezirksrat, Hof- und Gerichtsadvokat, für den Präsidialfonds . „ 50*— Von Herrn Carl Lang für arme Wöchnerinnen... „ 20*— „ „ Grünwald für Arme. „ 5.— Entnahme aus den Sammelbüchsen im Tempel Leopoldstadt: für die Armen-Anstalt.K 110*70 „ „ Chewra-Kadischa.. 93:86 „ den Frauen-Verein.„ 35 42 „ die Kinderbewahr-Anstalt . ... „ 32 28 „ Arme in Jerusalem.. . „ 35*45 „ den Waisen-Verein.. 110*73 „ 418*44 Entnahme aus den Sammelbüchsen im Tempel Fünshaus für Arms. . .. „ 228*50 Entnahme aus den Sammelbüchsen im Tempel Ottakring für Arme... „ 8.76 Entnahme aus den Sammelbüchsen im Tempel Währing: für di- Chewra-Kadischa XVIII. Bezuk X 28*20 „ „ Armen-Anstalt . . . . . . . .. „ 30.13 „ den Frauen-Verern ...... . „ 14*36 „ 72*69 Entnahme der Sammelbüchse auf dem Zmtralfneoyose für den Waisen-Verein... ... „ 271*32 Abfahrt der Kinderkolonie Grado. Am 20. Mai haben 21 kranke Kinder mit dem Abendschuellzug der Südbahn unter Führung der Präsidentin des Seehospizes, Frau Sofie Grünfetd, des Fräuleins Paula Roth und von drei Aufsichtsorgauen Wien verlassen. Der gesamte Vorstand des Sechospizes und viele Freundinnen des Vereines hatten sich zur Abfahrt eingefunden und bedachten die vor Frohsinn und liebermut strahlenden Kinder, die in diesem Augenblick alle Onalen der von ihnen überftandenen entsetzlichen Krankheiten und allen Kummer ihrer düsteren Kindheit vergessen hatten,- mit kleinen Abschiedsgaben. Die Abfahrt der Kinder, die wegen der Nachtfahrt bequem in der II. Klaffe geführt wurden, erregte am Bahnhofe großes Interesse und allgemeine Bewunderung für die aufopfernden Damen, die so Großes für den Kinderschutz leisten. Wien. Dr. Siegfried Frankl hat seine ärztliche Praxis im Bade L u h a t s ch o w i tz wieder ausgenommen.