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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 384 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 „Der König und Dr. Aahuda". Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die in Spanien sehr verbreitete Zeitung „El Liberal ' vom 15. Mai folgende Nachricht: Der gelehrte Professor Dr. Aahuda, über dessen glänzende Vorlesungen „über jüdisch-spanische Kultur" wir ausführlich berichteten, wurde gestern im Palais von Don Alfonso XIII. in Privataudieuz empfangen. Dr. Aahuda brachte ihm die Gefühle seiner Verehrung zum Ausdruck sowie seine Dankbarkeit für die Förderung, die ihm die offiziellen Kreise angedeihen ließen und die ihm ermöglichte, seine im Dienste der Kultur stehenden Bestrebungen durchführen zu können. Dr. Pahuda überreichte ihm ein Exemplar seines Werkes über den jüdischspanischen Philosophen Bachi ben Josef ben Pakuda, der im 12. Jahrhundert wirkte. Der König beglückwünschte Dr. Aahuda zu dem Erfolg seiner Vorlesungen und nahm mit offensichtlichem Interesse und Worten hoher Anerkennung und Würdigung das genannte Werk entgegen. Der Monarch richtete an Dr. Aahuda verschiedene Fragen über seine philologischen und philosophischen Studien und regte ihn an, seine für die allgemeine Wissenschaft so nützlichen Forschungen^fortzusetzen. Dr. Aahuda dankte dem König für die freundliche Aufnahme und die schmeichelhaften Worte, die der Monarch an ihn gerichtet hat. Zu diesem Berichte wird uns von Herrn Redakteur Rafael Cansinos aus Madrid geschrieben: Dr. Iahuda hat die historische Bedeutung der Ueberrcichung des Werkes eines der bedeutendsten jüdischen Religionsphilosophen Andalusiens an einen spanischen Monarchen hervorgehoben. Von den Aeußerungen des Monarchen verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß er es als seine Pflicht erachte, den Juden in Spanisch-Marokko vollen Schutz und weitestgehende Förderung angcdeihen zu lassen, damit sie in der Lage sind, ihre Fähigkeiten in den Dienst der allgemeinen Kultur zu stellen und den spanischen Interessen nützlich zu sein. Die Audienz fand in der Madrider Presse, ganz gleich, ob konservativer oder liberaler Richtung, sehr günstige Aufnahme und fast alle Blätter veröffentlichten Artikel, in denen sie ihre Befriedigung und Anerkennung über die Kundgebung des Monarchen zum Ausdruck bringen. Katastrophale Folgen der Judenvcrtreibungen. Infolge der in der letzten Zeit mit besonderer Rücksichtslosigkeit durchgeführten Ausweisungen von Juden aus den Dörfern und Städten außerhalb des Ansiedlungsgebietes herrscht, wie uns aus Warschau berichtet wird, ein überaus starker Zustrom von Juden in die auch so schon überfüllten Städte des Ansiedlungsgebietes. Hierdurch entstehen geradezu katastrophale Zustände auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete in diesen Städten. Man gewinnt ein annähernd zutreffendes Bild hievon, wenn man bedenkt, daß nach Odessa allein im abgelaufenen Jahre mehr als 30.000 Juden aus den verschiedenen Gegenden außerhalb des Ansiedlungsrayons zugewandert sind. Die Folge war eine allgemeine Arbeitslosigkeit und eine Teuerung aller Lebensmittel, wie sie seit Jahrzehnten nicht beobachtet worden ist. Eine Anzahl von Wohltätigkeitsinstituten und Armenanstalten mußten sich bankerott erklären, da sie den Anforderungen der zahllösen. Arbeitslosen und ihrem Ansuchen um Unterstützung nicht mehr nachzukommen vermögen. Rabbinischer Beirat bei den russischen Botschaften. „Settimana Jsraelitica", welcher wir auch die Verantwortung für diese Meldung überlassen, berichtet aus durchaus gut informierter Pariser Quelle, daß die russische Regierung entschlossen sei, bei ihren Botschaften gewissermaßen rabbinische Attaches anzustellen, denen die Aufgabe zufiele, eine Art jüdische religiöse Gerichtsstelle für die im Auslande lebenden russischen Juden darzustcllen. Sollte sich diese Meldung bewahrheiten, so dürfte sie wahrscheinlich auf die in Frankreich in den letzten Jahren wiederholt aufgetauchten Streitfälle zurückzuführeu sein, welche in bezug auf die Legalität und demzufolge auch Lösbarkeit der in Rußland geschlossenen jüdischen Ehen von in /Frankreich lebenden russischen Juden zurückzuführen sein. Die französische Regierung hat in solchen Fällen die französischen Rabbiner für inkompetent erklärt, und da ist es nicht ausgeschlossen, daß dieser sogenannte rabbinische Attache nichts anderes als ein russisch-jüdischer Ehescheidungsrichter sein wird. Das antisemitische Gesetz Wer die Aktiengesellschaften sanktioniert. Wie das russische Amtsblatt meldet, hat der Zar das Gesetz über das Recht der Juden, an Aktiengesellschaften teilzunehmen, sanktioniert. Laut der treuen Fassung des Gesetzes dürfen nunmehr Juden weder geschäftssührende Direktoren, noch Verwalter von unbeweglichen Gütern oder überhaupt Mitglieder der Verwaltung von solchen Aktiengesellschaften sein, welche zu dem Zwecke gegründet und dazu das Recht erhalten, Boden und Güter anzukaufen und auszubeuten in Orten, in denen Juden der Bodenkauf gesetzlich untersagt ist. Selbst als Kandidaten für solche Äemter dürfen Juden nicht nominiert werden. Hingegen dürfen Juden, allerdings in einer sehr beschränkten Zahl, in die Verwaltung solcher Aktiengesellschaften gewällt werden, deren Zweck es ist, Fabriken, Werkstätten, Niederlagen und andere industrielle Unternehmungen zu gründen und zu erhalten. Aber auch in diesen Gesellschaften dürfen die Juden weder Direktorstellen noch die Stelle eines Geschäftsführers bekleiden. Bezeichnend ist, daß die Minister Casso. Szeglowitow und Maklakoff auch die Forderung aufftellten, daß die Juden auch aus der letztgenannten Kategorie von Aktiengesellschaften üöll'g ausgeschlossen werden, was jedoch nicht angenommen wurde. Ein jüdisches Museum in Petersburg. Vor ungefähr zwei Jahren begab sich auf Kosten des Baron Ginsbürg eine Studienexpedition unter Kontrolle der jüdisch-ethnographischen Gesellschaft in Rußland in die Wolhynicr und Podolier Gouvernements, um dort nach interessanten jüdischen Musealgegenständen zu forschen. Die Expedition, welche unter Führung des bekannten jüdischen Schriftstellers Anski stand, ist nun mit reicher wissenschaftlicher Beute heimgekehrt. Das Eraebnis besteht in ungefähr 800 verschiedenen interessanten Antiquitäten, 600 Buchtiteln, 50 Exemplaren alter gedruckter Bücher, 600 Dokumenten aus alten Pinkassim, nabezu 1000 Photographien, mehr als 1500 jüdischen Volksliedern, Legenden und -Geschichten sowie musikalischen Aufzeichnungen von nahezu 500 verschiedenen jüdischen Melodien. Ueberdies befindet sich in der Sammlung eine venetianische Bibel, zahlreiche Dokumente aus alten Archiven, hauptsächlich von polnischen Magnaten. Sehr interessant ist eine eigene Kollektion von sogenannten Kantschiks, das sind die Züchtigungsmittel, deren sich die jüdischen Lehrer in den alten Chedarim bedient haben. Wie erwähnt, stammt diese Sammlung bloß aus Wolhynien und Podolien. Die jüdische ethnographische Gesellschaft beabsichtigt, eine ähnliche Sammlererpedition in die Lithau, in die polnischen Gouvernements, in das Kiewer Gebiet usw. auszusenden und dann alt die gesammelten Objekte in einem jüdischen Museum zu vereinigen, welches wohl das wertvollste und reichhaltigste in der Welt sein wird.

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