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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 83 bads zu ’fjörejit bck'am, das spottet jeder Beschreibung. Mau mußte nur die damals mit Hermann Jakob unterschriebenen Flugblätter und Plakate anläßlich der Wahlen lesen, um zu sehen, welchen unauslöschlichen Haß dieser Ma.nn gegen die Juden hegt und wie er durch seinen Einfluß die maßgebenden Karlsbader Vereine, das Stadthaus und die 'gesamte Beamtenschaft arisiert hat. Diesem Manne ist es tauch gelungen, sich zum 1. Vizebürgermeister von Karlsbad ailfzuschwingen und dadurch den deulschfortschrittlicheu Bürgermeister von Karlsbad auszuschalten, daß der letztere auf Grund eines Kompromisses mit den 'Deutschradikaleu wiedergewählt wurde. Heute zählt das Karlsbader Stadtverordnetenkollegium 36 Mitglieder, davon find 22 Deutschuationale und im Gefolge Hermanns, und verpflichtet, alle Beschlüsse des deutschuationaleu Klubs zu befolgen; 13 Stadtverordnete bekennen sich zur deutschfortschrittlichen Partei und der Bürgermeister ist „unabhängig", d. h. er muß das tun, was der Bizebürgermeister Jakob für gut befindet. Die gesamte Beamtenschaft des Stadthauses steht deshalb natürlich ebenfalls unter dem Kommandoruse des Herrn Jakob — und die Folgen davon machen sich in der Frequenzziffer bemerkbar. Die Karlsbader jüdischen Bewohner hatten seit Jahren vorausgesehen, was für Folgen es einstmals haben wird, wenn int internationalen Kurorte Karlsbad in einer so offenen Weise gegen die Juden gekämpft wird; allein sie mußten sich sagen, daß sie ebenso bei einem Freaueuzrückgange in Mitleidenschaft gezogen würden, als ihre christlichen Mitbürger, und sie konnten um so eher den wirklichen Zustand verschweigen, als die Majorität des Stadtverordnetenkollegiums' und der Bürgermeister selbst der deutschfortschrittlichen Partei angehörten. Nunmehr liegen die Berhälrnisse aber gar zu offen, und wenn ein Jude nach Karlsbad kommt und hört, daß hier ein a n t i s e m i t i s ch e r Bizebürgermeister der eigentliche Stadtr'gent ist. der die überwiegende Majorität in Händen hat, wenn dann jüdische Journalisten und die Inhaber jüdischer Zeitungen aus allen Teilen der Welt nach Karlsbad kommen und hier Erkundigungen einziehen, dann hat dies eben zur FD ge, daß die wahre Situation bekannt wird und ein Kesseltreiben gegen Karlsbad bemerkba nnrd, welches sich in der verminderten Frequenz äußert. Mau mag die Miuderfrequenz in den Jahren; 1912 und 1913 der Balkankrise, dem schlechten Wetter oder der Geldknappheit zuschreiben so viel man will, die wahre Ursache ist hie, daß die jüdischen Aerzte und die jüdische Presse der ganzen Welt nunmehr Karlsbad bekämpfen und mit Recht auf dem Standpunkt stehen, daß in einem internationalen Kurorte ein erklärte r A n t i s e - mit nicht 1. Bizebürgermeister und der erste Ma chthaber der Stadt zu sein hat, und wenn die Frequenz noch weiter zurückgeht, dann hat dies nichts mit der Balkankrise und der Geldknappheit zu tun, sondern die wahre Ursache heißt - Hermann Jakob. König Ludwig von Bayern in Ungarn. Bor kurzen; weilte König Ludwig von Bayern aus seiner königlichen Besitzung in Särvür. Der König benützte auch diesen Anlaß, um feine Freundlichkeit den Juden gegenüber zu bekunden. Man erinnert sich noch, daß anläßlich der Hoffestlichkeiten im letzten November in der Synagoge in Sürvar ein Feftgottesdienft abgehalten wurde, bei welchem der Kantor der Gemeinde, Herr Pinkas Winkler, ein von ihm verfaßtes hebräisches Gebet rezitierte. Als nun König Ludwig in Sürvür weilte, empfing er Kantor Winkler in Audienz und nahm von ihm den Text jenes Gebetes in hebräischer Sprache mit ungarischer und deutscher Uebersetzung mit den von Kantor Winkler komponierten Noten entgegen. Der König sprach dem jüdischen Funktionär für diese Widmung den herzlichsten Dank und die Anerkennung aus. Bor seiner Abreise ließ der König seinen Gutsnachbarn Baron Bela Hatvany-Dentsch zu sich bitten und überreichte ihm persönlich den Sankt Michael-Orden mit der Krone. Auszeichnungen und Ernennungen in Griechenland. Das jüdische Amtsblatt in Athen meldet, daß der König von Griechenland dem Präsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde A. Constantini das Kommandeurkreuz des Erlöserordens und Herrn Alfred de Rothschild das Ritterkreuz desselben Ordens verliehen hat. Diese Auszeichnung sowie die Verleihung der goldenen Verdienstmedaille an den Arzt des Prinzessin Alice-Hospitals in Athen, Dr. Abraham Alhanati, erfolgte, wie das Amtsblatt hervorhebt, in Anerkennung ihrer hervorragenden Verdienste für das Vaterland während der letzten Balkankriege. Dasselbe Blatt meldet auch die Ernennung des Hiskia Sciaky zum Richter erster Instanz am Gerichtshöfe auf der Insel Chio. Eine Organisation der orientalischen Juden in Paris. Wie aus Paris berichtet wird, nimmt die Zahl der aus dem Orient eingewanderten spaniolischen Juden in Paris täglich zu. Aus allen Gebieten der früheren europäischen Türkei sin/d hier in den letzten zwei Jahren nahezu 10.000 Spaniolen zusammengeströmt, welche sich in Paris viel leichter akklimatisieren als die aus Rußland, Rumänien oder Galizien eingewanderten Juden. Die orientalischen Juden, welche fast durchwegs in ihrer alten Heimat die Schulen der Pariser Alliance Jsraelite Universelle besucht haben, bringen in der Regel die vollkommene Beherrschung der französischen Sprache mit, was sie bei der Gründung einer neuen Existenz iu Frankreich wesentlich fördert. Da die meisten mit nur geringen Mitteln oder ganz mittellos ihre Heimat verlasset mußten, so ist ihre kulturelle Organisation in Paris noch nicht auf jener Höhe, wie es zu wünschen wäre. Ihr Kultusverband zählt im ganzen 300 Mitglieder, welche naturgemäß nicht in der Lage sind, eine ständige Synagoge und ihre Funktionäre zu erhalten. Trotzdem besitzen die spaniolischen Juden in Paris bereits einige wertvolle Wohlfahrtseinrichtungen, Unterstützungsvereine für Kranke und Wöchnerinnen rc. Wie berichtet wird, soll demnächst auch der Weg gefunden werden, um eine spaniolische Synagoge zu errichten, damit sie nicht gezwungen seien, wie dies jetzt der Fall ist, in einem aus einem Kinotheater adaptierten Lokale den Gottesdienst zu verrichten. Die Ergebnisse der Stichwahlen in Frankreich. Aus Paris wird uns berichtet: Nunmehr liegen auch die Ergebnisse der Stichwahlen vor. Dieselben brachten noch drei jüdische Deputierte, und zwar Edouard Jgnace, für das 12. Arondissement in Paris, Bokonowsky, ein naturalisierter russischer Jude, für Saint Denis und Lazare Weiller für die Charante. Ein Herr Jaques Stern, der in den Niederalpen gewählt und von von einem Teil der Tagespresse als Jude bezeichnet wurde, hielt es für nötig, feine Wähler darüber zu beruhigen, daß er nicht Jude, sondern Katholik sei. Die neue französische Kammer hat nunmehr sieben jüdische Deputierte, und zwar außer den Obenerwähnten De Herren L. O. Klotz, Picard, Hesse und Masse, die bereits im ersten Wahlgange gewählt wurden. Tw drei jüdischen Deputierten, und zwar die Brüder Joseph und Theodore Reinach sowie Javal, welche in den früheren Kammern eine angesehene Stellung einnahmen und eine große politische Rolle spielten, wurden bei den letzten Wahlen bezeichnenderweise nicht wiedergewählt.

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