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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 379 Bauernmädchen begangenen Lustmordes vom Schwurgerichte Sanok zum Tode verurteilt und zu 20jährigem schweren Kerker begnadigt. Der Zufall wollte, daß. ein Gendarmerie-Wachtmeister während eines Arrestantentransportes Schnessel im Gefangenhause sprach und sich von ihm den ganzen Sachverhalt genau erzählen ließ. Der Wachtmeister nahm sich der Sache an, sammelte Beweise für Schnessels Unschuld und es gelang ihm endlich, diese Beweise derart zu verdichten, daß der Kassationshof auf Grund eineß Wiederaufnahmegesuches das Urteil der ersten Instanz aufhob und eine neue Verhandlung vor dein Schwurgerichte Przemysl anordnete. Zu den Kosten der Verteidigung bei diesem Prozesse hat die ..Oesterr.- Israel. Union" einen namhaften Beitrag geleistet. Nach siebentägiger Verhandlung ist nun Schnessel am 14. Mai von den Geschwornen in Przemysl fr ei gesprochen worden. (Lebhafter Beifall.) Den Versuchen staatlicher und autonomer Behörden, die verfassungsmäßige Rechtsgleichheit vor dem Gesetze durch die Forderung des Taufscheines von den Bewerbern um öffentliche Stellungen aufzubeben, ist durch unser beharrliches und entschiedenes Einschreiten ein Riegel vorgeschoben worden. Die Stadtaemeinde Tetschen a. E. hatte in gleich gesetzwidriger Weise die Stelle eines Sekretärs ausgeschrieben. Ueber unsere Beschwerde erhielten wir von der k. k. Bezirkshauvtmannschaft die Verständigung, daß infolge Intervention der genannten Behörde der Stadtrat in Tetschen die Richtigstellung der Ausschreibung in allen jenen Zeitungen. in denen sie verlautbart wurde, vorzunehmen l>abe. Tatsächlich bat der Tetschener Stadtrat die Ausschreibung in einer Anzahl von Zeitungen in gesetzlich ricktiaer Form wiederholt und die frühere Ausschreibung widerrufen. Wenn nun auch noch da und dort solche gesetzwidrige Stellenausschreibungen auftauchen, so wird doch im Wege der staatlichen Oberaufsicht in jedem einzelnen Falle die Korrektur ebenso vorzunehmen sein wie in Tetschen. Wiederholt waren wir in der Laae, gegen Aufreizungen antisemitischer Blätter zum Boykott aeaen die Juden und gegen die Herabwürdigung von Einrichtungen der jüdischen Religionsgemeinschaft bei den zuständigen Behörden einzuschreiten. Die Brams der einzelnen Staatsanwaltschaften gegenüber solchen Beichwerden iß eine sehr verschiedene. Während z. B die Staatsanwaltschaft Salzburg allen diesbezüglichen Vorstellungen die entschiedenste Ablehnung widerfahren ließ, hat die k. k. Staatsanwaltschaft in Teschen lSchlesien) gegenüber einer Verivottuna der jüdischen Religion im ..Bielitz-Bmlaer Volksblatt" unsere Strafanzeige mit der Mitteilung beantwortet, daß sie beim k. k. Kreisals Preßgericht Teschen das Verbotserkenntnis erwirkt habe, womit erkannt wurde, daß der Inhalt des betreffenden Artikels den Tatbestand des Vergebens nach § 802 Str.-G. begründe. In ganz unerhörter Weise wird in Galizien durch Flugblätter zur Boykottierung jüdischer Geschäftsleute aufaereizt. Wir waren in der Laae. dem Justizminister solche Flugblätter vorznleaen. welche die genau.e Angabe des Verlages und des Druckers trugen, ohne daß die betreffenden Staatsanwaltschaften hegen die Schuldigen eingeschritten wären und die Beschlagnahme dieser Pamphlete verfügt hätten. Der Minister sagte in dieser Audienz zu. daß er entsprechende Weisungen an die aalizischen Staatsanwaltschaften erlassen wolle und tatsächlich ist seither der Verbreitung solcher Flugschriften ein Ziel gesetzt worden. Die von uns in Angriff genommene Reichs» rgauisation zur Regelung des jüdischen Wände r b e t t e l s hat im abgelaufenen Jahre weitere Fortschritte gemacht und ist nunmehr so weit gediehen, daß dieselbe voraussichtlich am 1. Juni ihre Tätigkeit in vollem Umfange wird aufnehmen können. Diese Reform wird nicht nur die angeschlossenen Kultusgemeinden materiell erheblich entlasten, sondern auch einem schwer empfundenen sozialen Uebel steuern. Die Mitgliederzahl der ..Oesterreichisch-Jsraelitifchen Union" ist im abgelaufenen Jahre ziemlich konstant geblieben. Wir haben 402 Mitglieder durch Ableben, Austritt usw. verloren, wogegen 333 Mitglieder neu eingetreten sind, so daß sich der Mitgliederstand derzeit auf 7873 beläuft. Leider ist durch die Lahmlegung des Parlamentes auch die Verabschiedung des vom .Herrenhause beschlossenen neuen Vereinsgesetzes unmöglich gemacht worden, so baß unsere Hoffnung, schon in diesem Jahre die Mitglieder der „Union" nach Ortsgruppen zusammenfassen zu können, neuerlich hinausgeschoben wurde. Im Berichtsjahre sind 2223 Geschäftsstücke ein- und 2318 Geschäftsstücke ausgegangen. Für Propaganda, Kalender und Expedition wurden 15726 Briefe abgefertigt. Die Vereinsagenden wurden in drei Vorstands- und drei Vräsidialsitzungen erledigt. Der Unionkalender hat im abgelaufenen Jahre einen Reinertrag von 2352.24 Kronen, somit gegen das Vorjahr ein Minus von 62.83 Kronen ergeben. Außer der Teilnahme der ..Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" an der bereits erwähnten großen Protest- Versammlung gegen die Ritualmordbeschuldigung haben wir unseren Mitgliedern im Berichtsjahre einen Vortrag geboten, welcher das nachhaltigste Interesse der gesamten Oefsentlichkeit erregte und in einem der größten Säle Wiens ein glänzendes Auditorium vereinigte. Es war dies der Vortrag, den der berühmte Professor der Theologie an der Berliner Universität, Dr. Hermann Strack, der unermüdliche Bekämvfer des Ritualmordwahnes, unter dem Titel ..Die Blutbeschuldigung und die n e u e st e n V r o z e s s e" am 18. November 1913 unmittelbar nach Beendigung des Beilisvrozesses gehalten bat. Wie sehr dieses Thema die gebildete Welt ohne Unterschied der Konfession berührt, bewies die Anwesenheit zahlreicher christlicher Abgeordneter, Geistlicher, Gelehrter und sonstiger Standesversonen. Auch fort letzten Jahre hat der Tod schmerzliche Lücken in unsere Reihen gerissen. Wir betrauern insbesondere das Ableben unseres hochverdienten, langjährigen Vorstandsmitgliedes Dr. Felix Höniqsmann und unseres hochanaelebenen Ehrenmitgliedes Dr. Adolf Schmiedl, und unseres angesehenen Mitgliedes Herrn Lucian Brunner, ferner der Herren: Phil. Bauer, Jos. Beck, Herm. 'Beck, Gustav Berlitzer. Kom.-Rat Ignaz Bittmann, Lnzian Brunner. Karl Engländer, Eduard Fleischmann, Moriz Fischer.- Moriz Frankl, Geora Friedmann, Moriz Fried^nann. Salomon Friedmann. Janaz Fürnbera, Michael Gloaau. Ianaz Goldschmidt. Friedrich Haas, Gustav Haas. Adolf Holzbauer. Mar Jeiteles, Heinrich Iellinek, Friedrich Kbuner. Ad. Klemverer. Karl Körmendy. Edm. &ohv. Leovold Kuffler, Adolf Mandl, Max Mandl, Heinrich Morawitz. Emil Oesterreicher. Hermann I. Vach, Hermann Pfeiner. Adolf Pichler. Moses Leib Pisk, Friedrich Pollak. Hermann Vollak. Josts Vragan. Dr. Salo R6vnarn>-t. Ludwig Rosenzweig, kais. Rat Albert Saborskv. Marimilian Singer. Bernhard Subak, Vrof. Josef Schjfs. Adolf Schlesinger. Abrabam I. Sckorr, Alerander Schorr. Dr. Mär Steiner, Moriz Stern. Dr. Albert Trjfchet. Hermann Uhlfelder. Ludwig Weishut. Jakob Willenz. Ignaz Wolf, Emil Wottitz. sämtlich in Wien: Wilhelm Arm. W'tkowitz. Sigmund Benisch, Klattau, Ignaz Bermann. Pohrlitz. Moritz Bermann, Zlonitz. Fakob Blecker, Villen, I. H. Bloch. Falkenau, Heinrich Bondy, Budweis, Sigmund Brun, Freiwaldau. Sigmund Brauner. Tetschen, Elias Brunner, Pobrlitz. Dr. Hieronymus Fialla, Brünn, Leopold Freund, Laun, Jonas Friedmann, Krc, Siegfried Gebreuer, Laun, Moriz Glaser, . V! ■* . - . .*

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