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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 376 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. L-2 Die geplante jüdische Emigrationsbank in Rußland geht ihrer Vollendung entgegen. Die Herren Jakob Schiff, Leopold v. Rothschild und Leo Brodsky, die Förderer dieser Bank, werden für große Zeichnungen wirken. In Warschau hat einer der Gründer, Herr L w o w i t s ch, dieser Tage allein über 100.000 Rubel gezeichnet erhalten. Die Irrgendlehrer der taLrnndischr« Zeit. Bon L. Wiesuer. (Fortsetzung.) 'v'v * *2 l*? Levi b. Sisi. Eine Episode im Leben dieses großen Mannes zeigt ihn uns auch in der Wegrichiung des berufsmüszrgeu Schullehrers. Levi b. Sisi rst der Repräsentant des durchgesallenen Lehramtskandidaten. Bon früher Jugeno Schüler des Patriarchen R. Jehuda yanassi, zeichnete er sich durch gründliche Kenntnis der Hecklgen Schrift und durch geistreiche Auslegung dersewen aus. Wollte man spater den besten Kara mrd Darschan (Bibelienner und Bibelerklärer) nennen, so nannte man feinen Namen?) Einst wandten sich die jüdischen Bewohner der Stadt Simonia an den Patriarchen mit der Bitte, ihnen einen Mann zu senden, der das Amt eines Dajan (Richter), Darschan (Schristerrtärer), Ehazan (Synagogenbeamter), Kinderlehrers für Bibel und Mischna, üverhaupt alle religiösen Funktionen in der Gemeinde zu versehen hätte. Der Patriarch schickte ihnen Levi b. Sisi. Die Leute von Simonia empfingen diesen mit alten einem geistlichen Oberhaupte gebührenden Ehrenbezeigungen, errichteten für chn eine große Rednertribüne und luden chn ein, auf dieser seinen Sitz einzunehmen. Nun begann in aller Öffentlichkeit die merkwürdigste aller Prüfungen. Zunächst sollte der Kandidat halachische Fragen beantworten und den Befähigungsnachweis für religionsgesetzliche Entscheidungen erbringen. „Womit soll eine Frau ohne Arme den Ehalizaschuy lösen?" lautete die erste Frage. Levi b. Sisi fand darauf keine Antwort und blieb auch aus die zweite Frage die Antwort schuldig. Da meinten die Leute: vielleicht ist er nur im Gesetze nicht bewandert, fragen wir ihn etwas aus der Hagadah. Darauf forderten sie ihn auf, einen Widerspruch irr Daniel X. 21 aufzutlären. Levi b. Sisi blieb stumm und zog schließlich beschämt von dannen. Als die Leute von Simonia dem Patriarchen von dem Mißerfolge des ihnen so warm empfohlenen Mannes berichteten, war er sehr erstaunt und beteuerte, daß er ihnen einen seiner Schüler geschickt habe, der in keiner Beziehung seinem Meister, das ist chm selbst, nachstehe. Er ließ darauf Levi b. Disi zu sich kommen mrd legte chm dieselben Fragen vor, die dieser sogleich beantwortete. Als Ursache seines Mißerfolges bezeichnete er die ihm erwiesenen großen Ehrenbezeigungen, die chn verlegen machten und verwirrten?) Wir gewinnen aus dieser Episode Einblick in das Leben einer jüdischen Gemeinde in Palästina im zweiten Jahrhundert und lernen einigermaßen den Umfang der Pflichten eines religiösen Oberhauptes kennen. Als Knabe bekundete Levi b. Sisi einmal echten Schülerwch. Er und Simon, der Sohn des Patriarchen, wurden von diesem gemeinsam in der Heiligen Schrift unterwiesen. Ein Buch war eben zu Ende gelesen worden, worauf der Patriarch die Wahl des nun zu beginnenden Buches den Knaben anheimstellte. Diese konnten sich aber darüber nicht einigen. Während Levi sein Interesse ») Pesikta B. 165b. *) Jer. Jebamoth XII, 6, vergl. Gen. r. 61,2, Jebamoth 105a, Tanchuma Zaw. für die Sprüche Salomos, das auch später sein Lieblingsbuch blieb?) bekundete, sprach sich Simon für die P;aimen aus und drang schließlich mit seinem Willen durch. Levi fügte sich. Als der Patriarch zu dem zweiten Verse im ersten Psalm: „sondern an der Lehre Gottes seine Lust hat" erklärend bemerkte: man lerne in der Thora immer nach eigener Herzenslust, erhob sich Levi mit den Worten: Hiermit, mein Lehrer, hast du mir die Erlaubnis erteilt, mich zu entfernen?) Von großer Körperkraft und. voller Lebenslust, pflegte er seinen Lehrer durch das Kunststück zu erheitern, daß er acht Messer in die Höhe warf und dauernd eines nach dem anderen auffing. Einmal wollte er vor dem Patriarchen das überaus schwierige Kunststück des Bückens des Hohenpriesters demonstrieren, verunglückte aber dabei und blieb für sein ganzes Leben lahm?) K'bd SJi:an 21 R. Hanmuna, Sasra von Babylon. Ein Schullehrer in BabylonH in der zweiten Hülste des zweiten Jahrhunderts, glicht zu verwechseln mit dem späteren palästinensischen Schullehrer gleichen Namens. Der Name dieses ausgezeichneten Bivellehrers ist der Nachwelt durch einen ferner hervorragendsten Schüler erhallen geblieben. Chanina b. Chama, auch Chanina der Große genannt, der aus Babylon nach Palästina kam und zu den Begabtesten und Ausgezeichnetsten inr Schülertrerje des Patriarchen R. Jehuda 1 zählte, .hatte seine gründliche Bibelt'enntnis bei diesem Lehrer erworben. Als der Patriarch gelegentlich der Erklärung des Schrift- Verses Ezechiel VII, 16 nvoin statt man zitierte, erlaubte sich Chanina b. Chama, ihn auf den Irrtum aufmerksam zu machen. Der Patriarch, in ziemlicher Verlegenheit, pah sich zu der Frage veranlaßt, bei wem er Bibel gelernt habe. Auf die Antwort: bei R. Hamnuna in Babylon, bemerkte der Patriarch: Wenn du ilach Babylon kommst, so sage ihm, daß ich dich zum Chacham ernannt habe. Diese Bemerkung verstand R. Chanina richtig dahin, daß er vorläufig auf diese Würde werde verzichten müssen.-) (Fortsetzung folgt.) Österreichisch-Israelitische Union. Am 19. Mai fand im Saale des Hotel Guth die diesjährige ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt. Präsident Dr. I. Samuely hieß die Anwesenden herzlich willkommen und fuhr sodann fort: „Es ist uns ein Herzensbedürfnis, bei diesem solennen Anlasse unseres geliebten Monarchen zu gedenken (die Versammlung erhebt sich), der soeben auf deyr Wege der WiedergenesunZ von schwerer Krankheit ist. Wir hegen den innigen Wunsch, daß unser erhabener Kaiser in kürzester Frist seine volle Gesundheit wiedererlange. Dieser Wunsch entspringt nicht nur unserem treuen patriotischen und dynastischen Empfinden, sondern auch der innigen Dankbarkeit, die wir dem Kaiser schulden. Er ist der Träger des Friedensgedankens, er ist der Schirmherr der nationalen und konfessionellen Gleichberechtigung, der Spender der Verfassung, auf welcher unsere staatsbürgerlichen Rechte beruhen. Möge uns Kaiser Franz Joseph noch 3) Siche die Biographie Levi b. Sisis in ain von Kinne niPö n,*w S. 46. 4) Abodah Zarah 19 a. ->) Sukka 53 a. 0 Vielleicht in Nahardea. Vergl. Bacher, Ag. pal. Am. I S. 2, Anm. 1. 0 Jer. Taanith IV, 2, Kohel. r. zu VII, 7, an letzter Stelle wird joiiön 21 als (?221 K1DD bezeichnet.

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