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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 375 Ein hygienischer Rat. Der Gegenstand ist so ernst und wichtig genug, daß ich die Erklärung des - löblichen Kultusvorstandes auf meine Anregung in Nr. 19 der „Oesterreichischen Wochenschrift" nicht unerwidert lassen darf. Damit, daß vom löblichen Kultusoorstande eine solche Verfügung über den Wechsel der Becher bei aufeinanderfolgenden Trauungen erlassen worden ist, sind wir entschieden einen Schritt vorwärts gekommen, zumal wenn sie so gewissenhaft befolgt wird, wie sie gut gemeint ist. Meiner Besorgnis, daß ein und derselbe Wein zur Verwendung gelangen und durch Umgießen von Glas zu Glas eine Ersparnis er strebt werden könnte, wird gewiß unser löblicher Vorstand durch genaue Kontrolle den Boden entziehen. Der Weinvergeudung beugt man durch Gläser mit erhöhtem Boden vor. Die Eröffnung unseres „Lupusheims" und andere hygienische Fortschritte ermahnen uns, ganz besonders in unseren Ritualien die größte Vorsicht walten zu lassen.. L. B. Sensationelle Enthüllungen zum Beilis-Prozeß. Wie bekannt, hat Burzew im „Rußkoje Slowo" an gecündigt, er werde Enthüllungen über den wirklichen Mörder des Knaben Juschtschlnsri veröffentlichen. Nunniehr erklärt er in dem Blatte, daß die eigentliche Mörderin Wera Tscheberjak fei und führt hiefür folgende Beweise an: In dem Prozesse gegen Beilis war das Auffallendste, daß die Zeugin Adele Rawitsch verschwunden sei. Diese Zeugin hat in der Voruntersuchung angegeben, sie habe bei einem Besuch bei der Tscheberjak in deren Wohnung den Leichnam Juschtschinskis, welcher in ein Tuch eingewickelt lvar, gesehen, kurz darauf ist die Rawitsch mit ihrer ganzen Familie verschwunden. Burzew erklärt, er habe ihre Spur verfolgt und konstatiert, daß die Familie Rawitsch nach Amerika geflohen sei und daß sie zu dieser Flucht vott der Tscheberjak überredet worden war. Die Tscheberjak drohte ihr mit der Rache der echtrussischen Leute und gab ihr auf die Reise 200 Rubel mit. Burzew entsendete nach Amerika einen Vertrauensmann, der die Rawitsch aufsuchte und von ihr nähere Auskünfte über ihre Aussage verlangte. Die Rawitsch bestätigte neuerdings, sie habe den Leichnam des Knaben in der Wohnung der Wera Tscheberjak gesehen und lieferte auch dem Vertrauensmann wichtige Dokumente, unter denen sich die Korrespondenz mit der Tscheberjak befand, aus. Aus diesen Dokumenten gehe hervor, daß die Tscheberjak an dem Morde Juschtschinskis zumindest beteiligt war. Das russische Justizministerium hat sich dieses Material erbeten und, wie verlautet, wird der Prozeß wieder ausgenommen, wobei jedoch die Tscheberjak als Angeklagte vor Gericht stehen wird. Die Affäre Beilis in einem Pariser Kino. In Paris wird seit einiger Zeit in einem der ersten Kinematographentheater die Affäre Beilis aufgeführt. Diese Vorführung hat deshalb besondere Bedeutung, weil der Urheber der Bilder kein Geringerer als der gewesene Chef der Kiewer Geheimpolizei, Krasowski, ist und die Erstaufführung von ihm persönlich, als er sich auf der Rückreise von Amerika in Paris aufhielt, überwacht wurde. Das Drama, das aus fünf Teilen besteht, wird von der Pariser Presse als durchaus objektiv und nicht übertrieben bezeichnet und macht auf das Publikum, welches in das Theater strömt und über das Wesen des Prozesses seinerzeit entweder gar nicht oder falsch inforformiert worden war, einen tiefen Eindruck. Es fällt allgemein auf, daß der Film, der bekanntlich in England, Deutschland und Rußland verboten ist, in Paris anstandslos vorgeführt werden darf. Der Beilis-Prozeß, in der russischen Duma. - Bei der Verhandlung des Budgets für das Justizministerium' ergriff der Abgeordnete Maklakvff das Wort, um die russische Justiz und das Verfahren im Beilis-Prozeß scharf zu zeichnen. Redner führt unter anderem aus und ruft mir lauter Stimme.- „Ist es nicht eine Schande, daß sämtliche Beteiligte an denl schmachvollen Kiewer Prozeß, die Richter, der Prokurator und der famose Sachverständige für Hebräisch hohe Auszeichnungen erhalten haben? Die Urheber des Mordes sind bis fetzt nicht bestraft und mau tut nichts, sie der Bestrafung zuzuführen. Warum hat man auch eingestellt;ede wettere Untersuchung dieses Mordfalles? Nur darum, weit man keinen einzigen Schritt machen kann, ohne auf die Tfcheberjatowa zu stoßen, und sie anzurühren, wagt das Gericht nicht." (Lebhafter Beifall lincs.) Millionenlegate einer bürgerlichen Rothschild. Aus Newyork wird berichtet: Frau Rosa Rothschild, welche jüngst in Konters im Staate Newyork starb, hat einen großen Teil ihres Vermögens wohltätigen Zwecken vermacht. Tie Sumnre ihrer Legate für Wohlfahrtsanstalten in Newyork und Chicago beträgt rund drei Millionen Kronen. _Konferenz jüdischer Emigrationsgefellschaften. Am 16. Mai sind in St. Petersburg die Vorsteher mehrerer Emigrationsgesellschaften zu einer Konferenz zusammengetreten. Verhandlungsgegenstand war die in Hamburg am 5. Juni bevorstehende Zusammenkunft der in Rußland tätigen Emigrationsvereine mit den Vertretern der deutschen Schiffahrtsgesellschaften Hamburg- Amerita-Linie und Norddeutscher Lloyd in Sachen der jüdischen Auswanderungsverhältnisse. Präsident W. Mandel berichtete über den Gang der vorn „Verein für die Regelung der jüdischen Emigration" eingeleiteten Verhandlungen mit den Vertretern der deutschen Schiffahrtslinien einerseits und den jüdischen Emigrationsvereinen andererseits. Wie aus der Korrespondenz erhellt, legen die deutschen Schiffahrtsgesellschaften die Bereitwilligkeit an den Tag, den gerechten Wünschen der jüdischen Emigrantenvereine entgegenzukommen und etwaige Reformvorschläge, die Verhältnisse in den Kontrollstationen, Häfen und bei der Ueberfahrt betreffend, gemeinschaftlich mit den Vertretern der jüdischen EmigrationSvereine durchzuberaten. Andererseits haben auf eine Anfrage hin seitens des „Vereines für die Regelung der jüdischen Emigration" folgende jüdische Vereine ihre Bereitwilligkeit erklärt, an den Beratungen in Hamburg teilzunehmen: Minster Hilfsverein für jüdische Emigranten, jüdische Emigrationsgesellschaft (Kieff), Warschauer Jnformationsbureau, Kieffer Abteilung des „Vereins für die Regelung der jüdischen Emigration", Lodzer Jnformationsbureau. In der Konferenz wurden detaillierte Berichte über die Lage in den Kontrollstationen an der russisch-deutschen Grenze verlesen und die entsprechenden Wünsche formuliert, die in Hamburg vorzubringen wären. Nach längeren Debatten und nach Wahl einer Kommission wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die St. Petersburger Konferenz jüdischer Emigrationsvereine mit Anteilnahme namhafter, in der Oeffentlichkeit tätiger Persönlichkeiten begrüßt die vom „Verein für die Regelung der jüdischen Emigration" ergriffene Initiative, eine Zusammenkunft in Sachen der jüdischen Auswanderungsverhältnisse mit den deutschen Schiffahrtsgesellschaften zuwege zu bringen und fordert alle an der jüdischen Emigration Interesse nehmenden Kreise auf, diese Initiative zum Wohl der jüdischen Emigranten zu unterstützen."

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