Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 367 brachte, um sie gleich dem Nächstliegenden Briefkasten zur Weiterbeförderung zu übergeben. Er schrieb an manchen Tagen über zehn ganz diverse Thematas. Für den einen einen politischen Leitartikel, den anderen eine Schilderung von Land und Leuten, den dritten emen Nekrolog, Elegie-, Hochzeits-, Geburts-, Jubiläumscarmina, halachische oder homiletische Abhandlungen usw. Seine körperliche und geistige Frische bewahrte er bis an sein Lebensende, und erst vor kurzem übergab er sein ebenso sprachlich als auch inhaltlich ausgezeichnetes Werk CCS der Öffentlichkeit. Die israelitische Kultusgemeinde sorgte für ein würdiges Leichenbegängnis, indem sie ihm “H2CC e.ue Ruhestätte anwies. Vor den zahlreich erschienen Trauergästen hielten ihm ehrende Nachrufe: Herr Dr. Markus Spitzer, Vizepräsident der Chewra-Kadischa, Herr SB,. Torczyner, im Namen der Hebräisten, und Herr Benjamin Weih in Vertretung des Beth-- Ha-Midrasch, des Vereines „Beth-^Jsrael", in dem der Verstorbene jahrelang wirkte. Maier K u n st a d t. Wien. (Spenden.) Wir erhielten folgende Spenden: Anonym aus Karlsbad für die Sammlung Hilsner 10 Kronen und für die Sammlung Elka I. 10 Kronen, von Leo H e r z b e r g - F r ä n r e l, Teplitz, 4 Kronen, A. L., Wien, 20 Kronen, ein ungenannt fein wollender aus Pilsen 10 Kronen, Baumgartcn, Wien, 1 Krone. Aaitriite aas dem Judentum. Vom 10. Mai bis 16. Mai 1914 Blum Louise, geb. 8. März 1895, Kaposvar, I., Schottenring 15. Böhm Berta Marie Josefine geb. Bernhard, IX., Porzeilang. 26. Bohm Hugo, Kaufmann, geb. 80 Dezember 1868, Wien, XIV., Nadlergasse 13. Chieger geb. Schapira Jütte, geb. 22. Dezember 1852, Czernowitz, 111., Hauptstrassc- 22. Eisler Gerhard, Student, geb. 20. Februar 1897, Leipzig, 11., Schüttelstrasse 19a. Engel Hans Sigmund Hermann, Ingenieur, geb. 7. November 1877, Wien, II., Weintraubengassc 11. Fischer Siegfried Walter, geb. 8. April 1898 in Wien, II., Obere Donaustrasse 57. Flaszter Fanni, Dienstmädchen, geb. 15. März 1889, Köstvelyes. XIII., Amalienstrasse 8. Grünhut Arthur, Architekt-,' geb. -9. April 1885, Wien, IV., Waltergasse 4.. Hauer Cornell, Artist, geb. 18. April 1889, Wien, II., Zirkusg. 33. Kipp er er Etelka, geb. 11. Februar 1877, Wien, IX., Fluchtg. 8. Koch Hermine, Buchhalterin, geb. 15. Juli 1893, Wien, VIII., Langegasse 30. Neufeld Otto, Beamter, geb. 22. August 1887,Wien, III.,Hauptstr. 12. Schulhof Emanuel, Humorist, geb. 27. Juni 1872, Prag, II., Austeilungsstrasse 7. Taussig Leopold, geb. 22. August 1894, k. u. k. Wasserpost, Pola. Weiss Marie, Hilfsarbeiterin, geb. 26. Mai 1892, Wien, XVII., Weissgasse 1. Schenkung einer Nichtjüdin in Graz. Eine für d:e Alpenländer seltene Erscheinung ist die große Schenkung einer edlen Christin, die den sechsten Anteil eines sehr wertvollen Grazer Hauses unserem Rabbiner Herrn Univ.-Dozenten Dr. D. Herzog zur vollen Verfügung gestellt hat. Dieser konnte für die großherzige Stiftung keine bessere Verwendung finden, als sie dem segensreich wirkenden Israelitischen Armenbcteilungsverein (Chebra Matnoth Anijim) in Graz zu verschreiben, der sofort in die Nutznießung des Hausanteiles tritt. Diese erfreuliche Schenkung zeugt unzweiselbar für die Tatsache, daß sich das Judentum auch in Steiermark zu der ihm gebührenden Würdigung allmählig durchzuringen vermag; sie lvird auch nicht wenig dazu beitragen, daß ein regerer Sinn für Wohltätigkeit in jüdischen Herzen erivache. Meran. Rabbiner Dr. Altmann aus Salzburg, der im letzten Monat März hier eine Gastpredigt abgebalten hat, lvurde vom isr. Kultuskomitee für Südiu’ol mit dem .Sitze in Meran zum Rabbiner und Prediger gewählt. Salzburg. Herr Hofantiquar A. P o l l a k, Mitglied des Kultusvorstandes, hat den Titel eines kais. Rates erhalten. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. In der am 10. und 11. Mai in Berlin stattgefuudencn Plenarsitzung des Provisorischen Komitees der Agudas Jisroel wurde soeben der Beschluß gefaßt, die erste aus gewählten Delegierten d.er Ortsg r uppen sich zusammen setzend e H a u p t Versammlung der Agudas Jisroel, die „Kenes i j o h G e d a u l o h", auf R o s ch C h o d e s ch E l u t d. I. nach Frankfurt a. M. e inz ube ru sen. Die Zahl der Juden in Newyork. Laut der jüngsten Statistik, welche von Dr. Joses Ja.obs zusammengestellt wurde, beträgt die Zahl der Juden in Newyork gegenwärtig eine Million, von denen rund. 600.000 außerhalb Amerikas geboren wurden und -100.000 Newyorker Gebürtige sind. Mehr als die Hälfte der Juden von Newyork wohnt in der Vorstadt Man hattan. Es sind dies 450.000. Die wenigsten, und zwar 1150, in der Vorstadt Richmond. Feuilleton. „Ketten". Zu Rudolf Schildkrauts Gastspiel auf der Reuen Wiener Bühne. Schiller, der Idealist, dachte sich die Bühne als moralische Lehrkanzel im besten Sinne. Er wiederholte damit nur des Aristoteles Forderung, die Tragödie solle die Leidenschaften läutern. In beider Sinne ist somit das Drama stets als Tendenzstück zu konzipieren. Die von ihnen als Ziel gesetzte durchschlagende Kraft und umwandelnde Wirkung kann aber die Tendenz des Dramas nur dann erreichen, wenn sie in eine eiternde Wunde der verlogenen Gesellschaftsmoral schonungslos den Finger legt, wenn sie ohne Furcht und ohne scheue Wahl zimperlich-'cheuer Umschreibungen in seiner ganzen nackten Nichtigkeit und Verwerflichkeit aufdeckt, was Schwäche des Herzens und Feigheit der Gesinnung mit den Spinneweben dialektischer Spitzfindigkeiten verschleiert und mit leisetretertschen Phrasen bemäntelt, wenn sie mit dem intransigenten Pathos unserer Propheten den Abgrund vor uns enthüllt, dem die unter dem Schutz solcher Verlogenheit irregeleitete Leidenschaft zutaumelt. Die Nene Wiener Bühne hat sich ein unbestrittenes Verdienst erworben, indem sie in einem solchen Tendenzdrama, den „Schiffbrüchigen", nicht „sexuelle A u f k i ä r u n g", sondern sittliche Selb stbeherrschung predigte. Das war eine Tat. Paul E h r l i ch s Erfindung feierte ein Berliner Witzblatt mt* einer Zeichnung, auf der eine mächtige Flasche mit Ehrlichs Elixir von zweideutigen Figuren bacchantisch nmtanzt wird. Die Deutung des Bildes erübrigt sich. Sollte Ehrlichs Tat solche Wirkling anslösen, dann dürften die Krankenziffern in geometrischer Progression vorwärrsgaloppieren. Für Berlirt verzeichnet die Stattstik dieser entsetzlichen Seuche schon heute der Opfer 90 Prozent. Nicht Salben und Elixiere, nur die „Läuterung der Leidenschaften", die Wandlung des Willens können ihr Einhalt gebieten. Auch das neue Stück, mit dem uns der Premiereabend am vergangenen Samstag bekannt machte, behandelt Schiffbrüchige, die einem mit ähnlicher Tücke und vergleichbarer Ausbreitungskraft schleichenden Gifte zum Opfer fallen. Es deckt die Abscheulichkeit und die tragischen Folgen der Taufe auf. Der Auftakt, ein Freitagabend, erinnert an Nathansons „Hinter Mauern". Im Detail der Genrekunst mag mancher Aesthet deni Dänen vor dem Deutschen Reichenbach die Palme reichen. Aber welch ein wohltuender Abstand im gedanklichen Gehalt zwischen den „Kette,t" und Nathansons banaler Proklamation der Allheilkraft der Mischehe mit obligatem Ausblick in das Tobuwabohu, die schülerhafte Utopie eines „Menschentums ohne Vorzeichen", eines „konfessionslosen Weltbürgerttims". Echt Made in Copenhague!