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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Se te 366 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 «Gegen die getauften Offiziere. Die russische Regierung führt nun ihren Versolgungskrieg auch gegen die getauften Juden in der Armee. Bisher wurden Juden, falls sie sich taufen ließen, auch zum Offiziersdienst zugelassen. Es gibt jetzt in der russischen Armee eine beträchtliche Anzahl von Offizieren, die getaufte Juden sind. Um dem für die Zukunft vorzubeugen, hat die Regierung beschlossen, von jedem Frcüvilligen bei seinem Eintritt zum Militär eine genaue Ahnenliste bis in das dritte Geschlecht abzuverlangen, um auf diese Weise festzustellen, ob er nicht selbst getauft ist oder von Juden abstammt. Sollte ihm ein solch schreckliches Verbrechen nachgewiesen werden, so sei er überhaupt als Freiwilliger nicht aufzunehmen, beziehungsweise zur Offiziersprüfung nicht zuzulassen. Ein Uebergangener. Dieser Tage wurde in Petersburg das hundertjährige Jubiläum des dortigen Arsenals gefeiert. Zur Feier wurden stuch sämtliche Arbeiter des Arsenals herangezogen, sämtliche, nur einer nicht. Es ist dies der einzige jüdische Arbeiter Abraham Abramowitsch, der gleichzeitig der älteste Arbeiter des Arsenals ist. Abramowitsch wurde noch von Kaiser Nikolaus I. ins Arsenal ausgenommen und dient da'elbst ununterbrochen bis auf den heutigen Tag. Vielleicht hat er sich durch diese unwandelbare Treue und Ehrlichkeit unwürdig gezeigt, an dem Jubiläum teilzunehmen. Vermischtes. Wien. (V 0 r t r a g.) Samstag, den 23. d. M., um i '.,4 Uhr nachmittags, findet im Bethause des Vereines „Mechis Jeschuah", II., Josephineng. 7, ein Vortrag des Herrn Jsak. Berlin über „Misrachi" statt. Vormittags 10 Ühr hält Herr Jfak Verli n über den gleichen Gegenstand einen Vortrag im Vereine „Achwa Wereut", II., Taborstraße 59. Wien. Montag, den 25. Mai 1914, 8 Uhr abends, findet im Saale des Tempelvereines Mariahilf-Neubau, VI., Schmalzhofgasse 3, die 3. ordentliche Generalversammlung des Zentralvereines der jüdisch-territorialistischen Organisation „Jto" statt. Wien. (K a i s e r F r a n z I o s e f 1. - H u l d i g u n g stempel.) Dieser rührige, im 37. Vereinsjahre stehende Tempelverein hält Montag, am 25. Mai 1914, um V-,8 Uhr abends, in dem großen Wrsammlungslokale des neuen Tempelgebäudes, II., Pazmanitengasse 6, die ordentliche Generalversammlung mit dem Rechenschafts- - berichte für das Jahr 1913 ab. Mit Rücksicht auf den herrlichen Neubau hat der israelitische Bethausverein „Am Votiert" in dem 36. Vereinsjahre die Feuerprobe bestanden und eine allseits bewunderte Glanzleistung vollbracht. Schon im 1. Verwaltungsjahre ist der Gebarungsausweis des Jahres 1912 von rund 21.000 Kronen auf rund 40.000 Kronen gestiegen, ein Beweis für die Rührigkeit und emsige Tätigkeit des Vereines. In dem Jahresberichte erscheint chronologisch geordnet die Gesamtgeschichte des Vereines samt den anläßlich der Grundsteinlegung und Einweihung abgehaltenen Feierlichkeiten und bildet somit ein Gedenkblatt des Vereines. — Da gerade im heurigen Jahre die obersten Funktionäre des Vereines zur statutarischen Ausscheidung und eventuellen Neuwahl gelangen, gibt sich allseits reges Interesse für die bevorstehende Generalversammlung kund. Wien. (Silberne Hochzeit.) Herr und Frau Max Stern, Buchdruckerei- und Hausbesitzer, begehen im engsten Familienkreise am 23. Mai d. I. das Fest der Silbernen Hochzeit. . Wien. (T e m p e l b a u v e r e i n des 8. Bezirkes der Stadt Wien.) Im Josesstädter Tempel, VIII., Ncudeggergasse 12, findet am Sonntag, den 24. d. M., präzise 11 Uhr vormittags, die Mädchen-Konfirmation statt. Gäste willkommen. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenhelm. Am 25. Mai l. I., 6 Uhr abends, findet in den Räumen des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbcitcrinnenheims, II., Malzgasse 7, die diesjährige ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt, zu welcher die Mitglieder und Gönner des Vereines geladen werden. — Nach der Generalversammlung wird Frau Anitta Müller einen Vortrag: „Moderne Wohltätigkeitspflege" (mit besonderer Berücksichtigung des Arbeiterinnenproblems) halten. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Am 28. Mai l. I. veranstaltet das Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim im Stadtpark ilnd Knrsalon ein Frühlingsfest. Die Mitwirkung des Wiener kaufmännischen Gesangvereines und hervorragender Kunstkräfte sowie die äußerst rührige Tätigkeit des aus mehr als 250 Mitgliedern bestehenden, den besten Gesellschaftskreisen angehörigen Komitees lassen erwarten, daß dieses Fest eine der schönsten Veranstaltungen der diesjährigen raison werden wird. Eintrittskarten zu dem Feste zu 2 .Kronen -sind im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim, II., Malzgasse 7, und bei allen Vorstandsmitgliedern zu haben. Markus Weißman Chajes. Einen großen Toten hat die Wiener Judenschaft und mit ihr das ganze Judentum vor wenigen Wochen begraben. Einen Mann, dessen Name überall, wo Juden wohnen, einen guten Klang hatte. Welchem Hebräischkundigen ist der Name Markus W e iß ima u n E h ach es vulgo nicht' geläufig? ^Merkwürdigerweise haben die jüdischen Zeitungen — fast ausnahmslos — über seinen Heimgang nichts berichtet. Diese Tatsache gibt uns Anlaß, die im Talmud diskutierte Frage ob K’-p’ möD'H oder *\*n fcnp' ist, mit Anwendung der usuellen Lösung solcher Probleme "-•21 82p '82 UN 12L« dahin zu beantworten, daß riNQo'.i nur "m 8*ip’ sein kann. Denn hatte n"^2 eine ansehnliche, einflußreiche Verwandtschaft hinterlafsen — die man ehren zu müsseir glaubte —, würde sich gewiß der eine oder andere Berichterstatter gefunden haben, dem Verklärten, der sonst nichts besaß als das Verdienst, ein großer Gelehrter zu sein, einen die Hinterbliebenen ehrenden Nekrolog zu widmen. Wahrlich eine Ironie des Schicksals! Heber mt, der jedes geringfügige Ereignis in den Blättern, deren Korrespondent er war, mit seiner gewandten Feder zu einem interessanten Bericht zu gestalten wußte, wurde anläßlich seines Hinscheidens kein Sterbenswörtchen berichtet. Was n'">2 in der hebräischen Literaturwelt bedeutet, kann nur derjenige beurteilen, der die auf nahezu sieben Dezennien zurückreichenden Erscheinungen auf diesem Gebiete mit Interesse verfolgt hat. Man kann ohne llebertreibung sagen, daß der Verklärte der fruchtbarste hebräische Schriftsteller seit einem MenM schenalter war, denn abgesehen von vielen selbständigen Werken, unter denen seine Glossen zum Jeruschalmi Krotoschin 1866 und Dm vn d*22“ Wien 1892 hervorragen, hat er in die Tausende gehende homiletische, biographische und belletristische Aussätze geliefert. Eine köstliche Spezialität bilden seine Auf diesem Gebiete war er ein unerreichter Meister. Er schrieb ganze Abhandlungen, in denen jeder Satz, nach Summierung des Zahlenwertes der sie bildenden Buchstaben, eine einheitliche bestimmte Zahl ergibt. "Er hatte auch den nicht zu verkennenden Vorzug, in seinen Schriften, trotz seiner Satyrik, ganz obejctiv, mit peinpeinlicher Vermeidung jeder Verletzung der einen oder anderen Anschauung, zu sein. Für seine rührende Bescheidenheit diene folgendes Beispiel: Auf die Bitte eines seiner Verehrer, eine Selbstbiographie - zu verfassen, replizierte er: „Der Talmud bemerft zu dem biblischen Vers ai8 iynSin “SD m — ^2 n* mvu d. h. daß einer 2^8 “SD was doch mit Biographie identisch ist, nur ein ^1*12 würdig ist, zu denen er jedoch nicht gehöre." Seine gelehrten Aussätze schrieb er zumeist im Stegreif, ohne vorherige Konzeption. Es genügte ihm ein Papierschnitzeh eine Eafähausecke oder ein stiller Winkel der Gasse, wo er oft stehend in einigen Minuten seine Gedanken druckreif fertig

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