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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 Dr. BLoch's Wochenschrift Seite 368 großen Sympathien, die er genießt, erhalte und neue gewinne. Spenden für den Verein und für Bausteine fürs Heim find an den „Frauenhort" IX., Müllnerg. 21, zu richten. Verein „Kinderheim". Unter dem Vorsitze des neugewählten Präsidenten Herrn Moriz Eißler fand am 30. April d. I. im Restaurant Tonello die Zahlreich besuchte Generalversammlung des Vereines „Kinderheim" zur Errichtung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, schwache und rekonvaleszente Kinder statt. In Vertretung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde war Herr Kultusvorsteher Adolf Schramek erschienen. Ferner nahmen an der Versammlung teil die Kultusvorsteher Dr. Ehrlich und Oberinaenieur Stricker, Frau Dozent Sofie Grünfeld in Vertretung des Vereines. „Ferienheim", Frau Dr. Laura K r e n n b e r g e r für den Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein und Frau Franziska Birman für den Verein „Frauenhort" und Hofrat Dr. Schlag für den Verein „Philanthropia". Präsident Eißler eröffnete die Versammlung mit Worten herzlicher Begrüßung an die erschienenen Gäste und betonte sodann, daß er als neugewählter Präsident zum erstenmale die Ehre habe, einer Vereinsversammlung zu präsidieren. Er werde sich alle Mühe geben, den Intentionen seiner Vorgänger in dieser Würde zu entsprechen und die Interessen des Vereines mit allen Kräften zu wahren. Hierauf erstattete der erste Vizepräsident Herr Emil K e l e t i den Bericht über die Wirksamkeit des Vereines im abgelaufenen 'Jahre. Herr K e l e t i begann seine Ausführunaeu mit einem tiefempfundenen Nachrufe für den verstorbenen Freund und Führer des Vereines, Herrn Heinrich Egge r. Die Versammlung gibt ihrem Schmerze über das Ableben Eggers durch Erbeben. von den Sitzen Ausdruck- Redner schilderte sodann die überaus segensreiche Tätigkeit des Vereines, welcher im Iabre 1913 in seinem Kinderheim zu Laa bei Neulenäbach 125 Pfleglinge mit 9075 Verpflegstagen beherbergte. Es ist dies die höchste Leistung, welche die Anstalt bisher zu verzeichnen hat. Insgesamt hat das Kinderheim seit seinem 12jährigen Bestände 713 Kinder ausgenommen und der Heilung zugeführt und biefür einen Betrag von 122.790 Kronen verausgabt. Es muß ausdrücklich betont werden, daß es eine zweite derartige Anstalt für Krüpvelkinder in der ganzen Monarchie nickt gibt und daß insbesondere jede staatliche Fürsorge für Krüpvelkinder bisher vermißt wird. Herr K e l e t i verwies in seinem Berichte auf die freudige Anerkennung. welche den Heilwirkungen des Heimes in Laa sowohl von den Müttern der armen Kinder als auch von diesen selbst gezollt wird. Redner dankt allen Gönnern des Vereines, welche denselben durch Spenden in Geld oder in Naturalien unterstützt haben, und zollt auch der Oberin des Heimes, Frau Kreuzer, ferner dem Anstaltsarzte Dr. Riedl und dem Anstaltslehrer Herrn Großmann uneingeschränktes Lob. (Lebhafter Beifall.) Nach Erstattung des Kassaberichtes durch Herrn E n d erteilt sodann über Antrag des Revisors Herrn S. Deutsch die Versammlung dem Vorstande einst i m m i g das A b s o l u t o r i u m. Es folgt hierauf die Neuwahl des Vorstandes, bei welcher folgende Herren wiedergewählt werden: y Herr Vizepräsident K e l e t i dankt im Namen des Gesamtvorstandes für die erfolgte Wiederwahl und teilt zugleich mit, daß Herr Dr. Ludwig Stricker in uneigennützigster Weise die Agenden eines ärztlichen Leiters übernommen habe. Mit derselben Uneigennütziqkeit hat sich Herr Architekt Ernst Ornstein bereit erklärt, für die beabsichtigte Ausgestaltung des Kinderheims in Laa die erforderlichen Pläne zu entwerfen und deren Ausführung zu überwachen. Herr Dr. Ludwig Stricker bespricht in längerer Rede die Notwendigkeit des sanitären Ausbaues der Anstalt. Es sei ihm gelungen, einen ärztlichen Stab von hervorragenden Spezialisten für die Anstalt zu interessieren, welche in durchaus selbstloser Weife als Konsilarien und Ordinarien fungieren wollen. Es müsse in Zukunft eine genaue Zweiteilung zwischen den wirklich kranken und den rekonvaleszenten Kindern durchgeführt werden. Die Anstalt habe den Zweck eines Krüppelkinderheims und dürfe nicht den vorwiegenden Charakter eines Ferienheims gewinnen. Mit lebhafter Zustimmung wird die Ankündigung des Redners begrüßt, daß bei dem projektierten Neubau eines Pavillons auch die Errichtung einer Sonnenheilstätte in Aussicht genommen sei. Als weiteres Ziel müsse sich der Verein dann noch die Errichtung eines Armenambulatoriums in Wien selbst für Krüppelkinder und schwache Kinder stellen. Redner teilt mit, daß er auch mit dem Sanitätsdepartement der Statthalterei Fühlung genommen und daselbst die! Zusage möglichster Unter- - stützung des Vereines erhalten habe. Eine weitere Entwicklung stelle vielleicht ein künftiger Könner mit dem soeben im Bau begriffenen neuen jüdischen Kinderspital dar. Es sei ja schon in der vorjährigen Generalversammlung angeregt worden, daß die Anstalt in Laa als Rekonvaleszentenheim für das jüdische Kinderspital diene. (Lebhafter Beifall.) Herr Kultusvorsteher Adolf S ch r a m e k begrüßt den Verein im Namen des Kultusvorstandes und erklärt, daß er gerne bereit sei, innerhalb dieser Körperschaft im Interesse dieses Vereines zu wirken. Herr Ignaz K l e i n gibt die Anregung, daß möglichst viele Mitglieder zur Tilgung des Gebarungsdefizites ihren Jahresbeitrag kapitalisieren und erklärt, daß er zur Fundierung seines Beitrages 250 Kronen widme. Die gleiche Erklärung gaben die Herren S ch r a m e k und Generalkonsul Jaeaues Weiß ab. Der Letztere richtet einen Appell an die anwesenden drei Kultusvorsteher, dahin zu wirken, daß der Aufruf um Unterstützung des Vereines an die jüdische Bevölkerung Wiens von der Kultusaemeinde ausgehe, ebenso bitte er Herrn Klein, in gleichem Sinne bei der Cbewra-Kadischa zu wirken. Herr Generalkonsul Weiß wünscht ferner, daß der Name des Vereines auch aus die Tafel für Temvelspenden gesetzt werde. Privilegien dürfe es da nicht geben. Herr Fritz Weiß schließt sich diesen Ausführunaen an. Andere Vereine, die weniger leisten, beziehen eine größere Subvention. Herr Schramek erklärt, daß die bisher gewährte Subvention von 250 Kronen von Seiterl der Kultusqemeinde nur als eine Anerkennung der Verdienste des Kinderheims aufzufassen sei und daß der neue Vorstand gewiß mehr erzielen werde. Herr Kultusvorsteher Dr. Ehrlich gibt die Versicherung, daß er und sein Kollege Oberingenieur Stricker sich energisch dafür einsetzen werden, damit der Verein um ein Vielfaches des jetzigen Betrages mehr bekomme. Präsident Eißler bittet die Versammlung, zur Kenntnis Au nehmen, daß bei der Kultusgemeinde gewiß der Wille vorhanden sei, eine größere Subvention zu gewähren, daß man aber dort mit der Beschränktheit der Mittel rechnen müsse. Der Präsident schließt die Versammlung mit Worten. herzlichen Dankes an alle Erschienenen. An die Generalversammlung schloß sich ein höchst instruktiver, mit großem Beifall auwenommener Vortrag des Schriftstellers Siegfried Fleischer über „Kinderhygiene im alten Jerusalem".

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