Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 361 seiner Darstellungskunst biblischer Heldengestalten. Als Gegenstück zu Hündels „Saul" brachte Herr Dr. Hirschberg die Löwesche Ballade „Saul und Samuel" zum Vortrage, die durch die plastische Lebendigkeit der verschiedenen Stimmungen, durch die Kunst musikalischer Charakterisierung bei so einfachen Mitteln dank der durchaus meisterlichen gesanglichen Wiedergabe wohl den tiefsten Eindruck des Abends schuf. Der ebenso lehrreiche wie Vortrag, der in der Aula der Töchterschule stattfand, erntete den reichen Beifall des gutbesetzten Auditoriums. _ Die Ingerrdlehrer der talmudifchen Zeit. Bon L. Wiesner. (Fortsetzung.) K1BD Eleazar Safra. Eleazar Safra gehört zu den ältesten Vertretern seines Berufes. Seine Wirksamkeit reicht wahrscheinlich noch in die Zeit des Tempelbestandes hinein und, wenn unsere Vernmtung richtig ist, so war er, wie sein Genosse 'R. Jochanan b. Gudgeda, auch Beamter des Tempels?) Ersterer versah das Amt eines Torschließers,-? letzterer war Verwalter der Vorhänge?) Seine persönlichen Schicksale und Erlebnisse zur Zeit des Unterganges des jüdischen Staates bleiben uns unbekannt. Ebenso fehlt uns jeder charakteristische Zug aus seinem Berufsleben. Nach dem Untergange des jüdischen Staates gehörte er zu jenen Gesetzeslehrern, welche durch Mitteilung der sich in ihrem geistigen Besitze befindenden Traditionslehren zur Klärung von Meinungsverschiedenheiten beitrugen. So hatte Eleazar Safra im Vereine mit Jochanan b. Gudgeda in der strittigen Frage in betreff eines lebend abgehäuteten Tieres Zeugnis abgelegt, daß es verwerflich (rb'trzv). also zum Genüsse verboten ist?) XILV "p:l * 3 4) Nakkai Safra. Nakkai wirkte als Safra viele Jahre hindurch in Magdala d'Zebaja, einem Städtchen unweit von Tiberias. Nach einer anderen Version bekleidete er daselbst nur das Amt eines Synagogendieners Oföp). Wahrscheinlich waren, wie in vielen Gemeinden, beide Äemter in einer Person vereinigt?) oder er war in der ersten Zeit nn'' wvV und stieg in späteren Jahren zum Range eines Safra empor. Seine Wirksamkeit, deren Anfang noch in die Zeit des Tempelbestandes zurückreicht, umfaßt einen Zeitraum von nahezu sieben Jahrzehnten?) Nakkai war eine hervorragende Persönlichkeit und genost als Bibelkundiger einen großen Ruf. Die Angabe der Zahl der Verse, Worte und Buchstaben des Pentateuchs sowie der anderen Bücher der Heiligen Schrift wird auf seinen Namen zurückaeführt?) Nach der hadrianischen Verfolgung, deren Schrecken er, ivie so viele Gelehrte jener Zeit, in hobem Grade erfahren, wurde er von Rufus, dem damaligen römischen Statthalter in st Er ist vielleicht identisch mit dem Schekalim, V, 1 erwähnten Eleazar. *) Tosesta Schekalim IT. 14 (177, 2), Erachin 11 b. 3) Siebe Anmerkung 1. 4) Cholin 55 b. st Siehe Bacher, Magazin f. d. Wissenschaft d. Judentums, 1890, S. 169—172. *) Jer. Maasser schein V, 2. 31 Bergt. Echo r. zu 3, 7 und Midrasch Echo r. Buber zur selben Stelle sowie Aruch s. v. n L st Die sich mit seiner Person beschäftigenden, etwas sagenhaften Berichte spielen in der Zeit des Tempelbestandes (Jer. Maasser scheni V. 2) und im 4. oder 5. Jahrzehnt des zweiten Jahrhunderts. (Jer. Schebiith IX. 1. st S. Bacher, Magazin, 1890, S. 169—172 und Strack-Baer, Dikduke Teamim p. 56). Judäa, tut« dem Lande verbannt, „damit in diesem die Thora nicht vorhanden sei".") Als hochbetagter Greis wanderte er nach Babylon aus, wohin er die unter dem Namen Massora bekannte Wissenschaft, als deren Begründer er genannt wird, verpflanzte?) Einer seiner Schüler dürfte auch R. Hamnuna, der Safra von Babylon, gewesen sein, bei welchem R. Chanina b. Chama seine gründlichen Bibelkenntnisse erworben hatte?) pnn pr? W Rabbi Zenon, der Chazan. Von den im Talmud häufig erwähnten, nach ihrem Amte schlechtweg nst.t nn oder mit dem erklärenden Zusatze n>-! bezeichueteu Personen lernen wir nur zwei mit ihren Eigennamen kennen: I'nn prn '=n und ■«‘»n »nran s»::n rG-y — -'i )){. Zenon lebte in Palästina um das Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Jahrhunderts und war vielleicht noch Zeuge der furchtbaren Katastrophe der Tempelzerstörung. Wir begegnen ihm im Kreise jener Geistesheroen und Glan benshelden, welche die Hochschule zu Jamnia G:^st unter dem Präsidium des Patriarchen R. Gamaliel II. vereinigte und welche ans die Entwicklung der Tradition und die Gestaltung des religiösen Lebens der Juden in der Diaspora den mächtigsten Einfluß genommen haben. In dieser berühmten Akademie versah R. Zenon das Amt eines gnH mit welchem Amte, gleichivie mit dem des yn -i) eilte gewisse Beziehung zur Schule und zum Jugendunterrichte fixiert war.''') In größeren Gemeinden allerdings erstreckten sich diese Beziehungen, bei den mannigfachen dienstlichen Verpflichtungen, die einem yn oblagen, nur auf die Unterstützung und aushilfsweise Vertretung des rr-so, des eigentlichen Kinderlehrers, neben welchen! der pn fungierte. In kleineren Gemeinden jedoch, die nicht imstande waren, mehrere Beamte zu besolden, versah der neben anderem auch das Schulamt?) An den Verhandlunaen und Diskussionen im Lehrhanse scheint sich R. Zenon nicht beteiligt zu haben: wahrscheinlich hielt er e» seiner Stellung gemäß für angemessener, bei den oft stürmischen Debatten nicht hervorzutreten. R. Zenon sunaierte auch in jener denkwürdigen Versammlung, in welcher der Unwille des Volkes gegen die große Strenge des Patriarchen R. Gamaliel II. zum Ausbruche kam und zu seiner Abieuung führte. Während ihm von seiten der Versammlung zugernsen wurde, das übliche Zeichen zum Schlüsse der SVuua zu neben, befahl der Patriarch seinem Metnrgeman') R. Chu.zpith, unbekümmert um das Ruten des Volkes, nt der Verdolmetschung des Vortrages fortzufahren?) Unter den obwaltenden Umständen 8) Daselbst, st Daselbst. 8) Bacher, Aaada d. p. Am. 1 S. 2, Anmerk. 1. st So nach Schürer, Verzeichnis der Personennamen in der Mischna, Leipzig 1913. *) Siehe diesen, st Aufseher, st Spnagogenausseher. st M. Sabbath I, 3. o-imp mpirnn p'n rwn pnn Siehe Rasi und Maimonides' Kommentar zur Stelle. — Midrasch Lekach Tob B. zu Numeri XIV, 25. ->svn 82V pnb st Bergl. Jer. Schebiith VI. 1 und Jer. Jebamoth XII, 6; Frankel, Mebo 118 b und Monatsschrift 1866, S. 275. Anm. 3, vermutet, daß der pn der Jugend die Anfangsgriinde beibrachte, während der den höheren Unterricht erteilte. st Dolmetsch, Ilebersetzer, Ausleger, der die Worte des Lehrers dem Auditorium veritändlich machte. st Jer. Berachoth IV. 1. Ich möchte hiemit den Versuch wagen, die schwierige Stelle zu erklären. Zn diesem Zwecke seien hier die Berichte des Jeruschalmi und Babli inander gegcnübergestellt. Ter Be richt in Jeruschalmi lautet: