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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 360 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 durch feindliche Mächte Verbreiter:. Am gefährlichsten aber ist die niederträchtige Verleumdung, wonach es bekannt fei, daß zwischen den Juden in Saloniki und der Negierung in Sofia gegenwärtig geheime Verbindungen bestünden, Bulgarien sei bereits bereit, den Juden ganz besondere Privilegien einzuräumcn, wenn sie Saloniki verließen und sich in Dedeagatsch niederlicßen. Man ficht hier klar, daß der Zweck solcher Berichte nichts anderes ist, als die Juden von Saloniki vor den Griechen als Verräter urrd Verschwörer hinzustellen, um eventuelle Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Diese im Wege der serbischen Politiker lancierten Hetzberichte werden selbstredend von den griechischen Blättern reproduziert und dadurch eine Stimmung erzeugt, welche für die Juden von Saloniki täglich gefährlicher und unerträglicher wird. Botschafter Morgentau für die Emigration der Juden aus Saloniki. Aus Konstantinopel wird berichtet: Der amerikanische Botschafter Henri Morgentau hat auf seiner Rückkehr aus Palästina in Adana einer jüdischer: Deputation gegenüber erklärt, daß die Gegend von Adana für die Ansiedlung der Juden, welche jetzt gezwungen sind, aus Saloniki auszuwandern, sehr geeignet wäre. Er sei auch überzeugt, daß die türkische Regierung einem solchen Projekte das größte Wohlwollen entgegenbringen würde, ebenso daß die Juden in dieser Gegend mit Freuden ausgenommen würden, denn der türkische Jude habe »sich als so wertvoll erwiesen, daß er überall einen Anwart findet. Botschafter Morgentau versprach schließlich, bei der türkischen Regierung in Konstantinopel diesen Plan aufs wärmste zu befürworten. Hier sei auch bemerkt, daß mit Rücksicht auf die gänzliche Unhaltbarkeit der Lage der Juden in Saloniki sich im Schoße der B'nfti B'rith-Loge in Konstantinopel ein Komitee einflußreicher jüdischer Persönlichkeiten gebildet hat, welches die Aufgabe übernahm, die Auswanderung der Juden aus Saloniki zu regulieren und die eventuell hiezu erforderlichen Mittel zu beschaffen. Der erste jüdische Professor an der Harvard-Universität ein Wiener Jude. Aus Newyork wird uns geschrieben: Die berühmte amerikanische Universität, die Harvard-Universität in Boston, hat zum erstenmale seit ihrem Bestände einen jüdischen Professor erhalten. Es ist dies der auch in Europa bekannte juristische Gelehrte Dr. Felix Frankfurter, welcher die Professur für Kriminalisten erhielt. Ueber Frankfurter äußert sich der gewesene amerikanische Kriegsminister Steamson in einer Newyorker Zeitung dahin, daß die Harvard-Universität in Professor Frankfurter einen Gelehrten gewonnen hat, welcher wie kaum ein zweiter eine Verbindung der alten Schule mit den neuesten Methoden repräsentiert. Professor Frankfurter wurde im Jahre 1882 in Wien geboren und kam als I2jähriger Junge nach Amerika. Heute gilt Professor Frankfurter als eine der größten Kapazitäten unter den amerikanischen Rechtsgelehrten. Earmen Sylva und der Rabbiner von Dorohoi. Aus Bukarest wird uns der folgende interessante Fall berichtet: Der Oberrabbiner von Dorohoi I. D. Thumim feierte vor kurzem seinen siebzigsten Geburtstag. Er glaubte dieses Fest nicht anders begehen zu können, als unter dem Titel „Hadrath-Malka" ein der Königin von Rumänien gewidmetes poetisches Werk zu verfassen. In dem Begleitbrief, mit welchem Oberrabbiner Thumim dieses Geburtstagsgeschenk an die gekrönte Dichterin absandte, schilderte der greise Rabbiüer unumwunden und ohne Scheu die großen Leiden und die ungerechten Verfolgungen, welche die rumänischen Juden zu cibulbcn haben, und schloß mit der Frage, ob die Königin nicht auch der Meinung sei, daß es schon Zeit ist, diesen: unbegründeten blinden Judenhaß ein Ende zu machen. Die Königin ließ beit Oberrabbiner durch ihren Obersthofmeister antworten, daß sie von seinen so herzlichen Worten außerordentlich gerührt lvordcn sei, daß sie sich seine Klagen habe zu Herzen gehen lassen.... Welche Folgen das gehabt hat, geht daraus hervor, daß das rumänische Amtsblatt dieser Tage der staunenden Welt mitteilte, daß die Königin sich persönlich beim Kultusminister dafür einsetzte, daß er — nicht etwa eine neue Gesetzesvorlage betreffend die Gleichberechtigung der Juden — sondern eine Ordensauszeichnung für Oberrabbiner Thumim Vorschläge. Mit Recht fragt man in Bukarest, ob denn Carmen Sylva nicht auch die rührenden Klagelieder der gesamten rumänischen Judenschaft, welch? in den verschiedenen Memoranden erst jüngst wieder laut geworden sind, sich gleichfalls zu Herzen gehen lassen könnte, um ihnen allen wohl keine Ordensauszeichnung, aber dafür die einfachsten alltäglichen Menschenrechte zu vermitteln. Biblische. Heldengestalten in der Musik. Ostrowo. Herr Priv.-Dozent Dr. Hirschberg- Berlin sprach am 25. Januar über „Biblische Heldengestalten in der Musik". Aus der unübersehbaren Fülle des Stoffes wählte der Vortragende in kluger Beschränkung die in den vier gleichnamigen Meisteroratorien von Händel dargestellten alttestamentarischen Heroen Josua, Samson, Saul und Judas Maccabäus aus. Ueber die Grenzen seines Themas hinausgehend, gab jedoch Herr Dr. Hirschberg zugleich eine in kurzen Grundzügen gehaltene, treffend gezeichnete Charakteristik von Händels späterem musikalischen Schaffen. Er zeigte zunächst, wie Händel nach langen künstlerischen Lehr- und Wanderjahren, die er vorwiegend in Italien und in Norddeutschland verbrachte, erst im reifen Mannesälter, zur Zeit seiner Londoner Wirksamkeit, sich seiner eigentlichen Lebensaufgabe zuwandte und den ersten Schritt auf den: Wege zum Musikdrama tat, nachdem er sich von der Einseitigkeit und Aeußerlichkeit des damals bereits in der Entartung begriffenen italienischen Opernstiles befreit hatte. Wie Händel dann seine Helden eine große tragische Sprache, die den dramatischen Ausdruck der norddeutschen Schule mit der malerischen Schönheit der Italiener verband, reden ließ, wie das Orchester selbst an der Handlung des Oratoriums in realistischen, fast modernen Jnstrumentalstücken teilnahm, und wie vor allem der Chor den gestaltenden Schöpfergeist Händels offenbarte, erläuterte der Vortragende an geschickt ausgewählten Beispielen am Flügel. Die berühmte Arie des Josua, die ehemals die französischen Offiziere derart begeisterte, daß sie ihre Degen zogen, die Beschwörungsszene der Himmelskörper durch ihn, in der Streicher und Flöten eine Pastoralstimmung im Hörer erwecken, die tiefbewegte Klage des geblendeten Samson mit ihren: seltsam berührenden Wechsel von Dur und Moll, vor allem die dämonische Befragung der Hexe von Endor durch den an sich verzweifelten Saul und die durch dunkle Orchesterfarben illustrierte Erscheinung des toten Propheten, der Jubelchor der Jugend bei der Heimkehr Davids mit der lebhaften tanzartigen Stimmführung in den Flöten, der ergreifende Trauergesang aus diesem Oratorium, der den Kreis der wenigen weltberühmten Trauermusiken eröffnet und zum Schlüsse der wirkungsvoll aufgebaute Jubelchor aus „Judas Maccabäus" — alle diese Proben, die Herr Dr. Hirschberg nach ihrer gesanglichen wie klaviertechnischen Seite hin mit vollendetem Können bot, gaben'neben vielen anderen eine anschauliche Skizze von der Meisterschaft Händels und

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