Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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N . 20 Dr. Bloch's Wochenschrift T i-'' 353 aus diese Frage eine klare Antwort. Die Ausrichtung des mefjianischen Reiches, das ist das Ziel, auf welches die Geschichte hinsteuert, und' es ist gut, daß hier in einem wissenschaftlichen Werke diese Erundlehren des Judentums ohne jede Nebenabsicht und Tendenz, sondern lediglich durch die wuchtige Sprache der Quellen, einem rationalistischen GeschlechLe, welches ein Judentum ohne Messianismus behaupten zu können vermeint, in Erinnerung gebracht wird. _ Das Werk von Kraust bietet jedoch nicht blost die Gechichtsphilosophie der Rabbinen, es versetzt uns auch in die Mitte des bunten, bewegten Lebens der griechischen und besonders der römischen Kaijerzeit. Und so ziehen an uns vorüber die mächtigen Imperatoren, die großen Schlachtenlenker, die Verwalter von Provinzen und Reichen. „Sie ziehen an uns vorüber in frischer Lebendigkeit, aus dem Theater des wirklichen Lebens, inmitten von Voltsmassen, die ihnen entweder begeistert zujauchzen oder in banger Furcht scheu aus dem Wege gehen, und so sind diese von jüdischer Hand gezeichneten Gestalten vo l des Lebens und der Menschlichkeit, nicht schemenhaft stehen sie vor uns, sonden in handgreiflicher.Körperlichkeit, nicht aus der Ferne der geschichtlichen Betrachtung blicken wir zu ihnen hin, sondern unter der Führung von^ Zeitgenossen, die allen Grund hatten, auf die Taten dieser Großen der Wett zu achten und aus -ihre Worte zu lauschen." Und w.r fügen hinzu: Unter der Führung eines Forschers, in dem tiefste, innerliche Durchdringung des Stoffes mit der Kunst lebendiger Darstellung in seltener Weise vereint ist. Man sieht an dieser Probe noch deutlicher, als dies auf halachischem Gebiete sich zeigen konnte, welchen Wert die Monument« für die Aufklärung der talmudischen Ueberlieserung besitzen. Der Talmud wird auf diese Weise der Welt und den modernen Juden zugänglich gemacht, und die bequeme Ausrede, rabbinische Terte seien unzugänglich und unverständlich, hat hiermit ihre Berechtigung verloren. Der Einwand, den vie l icht mancher al zu sehr am überlieferten Zusammenhänge haftende Geist erheben könnte, daß durch die inhaltliche Anordnung der Stellm doch immerhin nur einzelne herausgegriffene Stücke geboten werden können, fä lt weg, wenn man bedenkt, daß eben um dieser, immer wieder in den Urwald verwickelter Disputationen seitab führenden Zusammenhänge willen der Talmud bisher ein recht unverarbeitet gebliebenes tleberlieferungsgul ist. Die Monumenta sind für die Wissenschaft ein hervorragendes Quellenwerk, sie sind aber mindestens ebensosehr berufen, für das jüdische Volk ein Buch der Belehrung für jung und alt zu werden, welches in keiner Familie fehlen darf. Machte sich seinerzeit jeder Jude, auch der ungebildetste, eine Ehre daraus, den Talm ld mit allen seinen Kommentaren im Hause zu haben, und nicht nur das, ihn auch innerlich zu beherrschen, so können heute an Stelle dieses nicht mehr durchführbaren Studiums die Monumenta treten, welche den ganzrn ungeheuren Stoff, nach modernen wissenschaftlichen Gesichtspunkten verarbeitet, dem allgemeinen Verständnisse näher rücken. Dr. N. E. P o h o r i l l e s. Eine Bemerkung zu dem Piutirn an den zwei letzten Tagen des Peffachfestes. Sehr geehrte Redaktion! Auf die Anfrage des Herrn Isidor V e r n f e l d in Stoyj, betreffend die Verschiebung des Pyjut (Keroboth) vom 7. auf den 8. Tag Pessach, wenn dieser aus einen Sabbat fällt, erlaube ich mir folgende Meinung auszusprechen, ohne jedoch behaupten zu wo'.len, daß sie die richtige sei. Inhaltlich kann die Verschiebung wob! kaum erklärt werden, da es, nach dem Machsor, in vielen Gemeinden üblich ist, diese Verschiebung ohne Rücksicht darauf, ob der 8. Tag ein Sabbat ist, vorzunehmen. Nun ist meine Ansicht die: Der Dichter der Keroboth für den 7. Tag ist der ob seiner Gedankentiefe berühmte Oheim Rafchis, Simon den Isaak (ebte in Mainz am Anfänge des 11. Jahrhunderts). Der Dichter der Keroboth für den 8. Tag ist Moses birabbi Kalonymos. der zu den weniger bekannten Paitanim gehört. Vielleicht wollte man demnach den Sabbat dadurch auszeichnen, daß man an ihm die gedankenreicheren Dichtungen Simons rezitierte, dessen Betrachtungen auch zu den schönsten gehören, die in die Morgenandacht für den 1. Tag Rosch-Haschanah ausgenommen wurden. Dies, wie gesagt, meine subjektive, ganz unmaßgebliche Meinung. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Mit Gruß Hochachtungsvoll Dr. I. E r ü n f e l d. Herr Isidor B e r n f e l d aus Stoyj hat in der letzten Nummer dieser Zeitschrift die Frage aufgeworfen, warum der Piut vom 7. Pessachtage Schachrith auf den 8. und vie« versa, wenn der letzte Pesfachtag auf Sabbat fällt, verschoben wird. Die Antwort hieraus gibt meines Erachtens schon der Magen Abraham Orach Chajim § 490, 7, der daselbst bemerkt: ljnen b;n ha«* bp "xv. ov.-ix ra?s»n;rnx er bn es» hd* 8 H er« 'T cv Freren *e^ mry pra-si .uvur Erklärend will ich hinzufügen, daß man doch, wie bekannt, am 8. Tage, wenn dieser aus Sabbat fällt, das Hohelied zu lesen pflegt und der Jozer vom "Tyrn L,:~ "rr bei welchem jede Strophe mit den Anfangssätzen des Hoheliedes schließt, soll ebenfalls an diesem Tage gesagt werden, weil er sich direkt auf das Hohelied bezieht. Nun ist der Verfasser dieses Jozers R. Simon d. Große aus Mainz (um 1069, über ihn siehe Grätz, Geschichte der Juden, V, S. 384 f), wie sein Name im Akrostichon der Zweiten Strophenzeilen ersichtlich ist. Ferners haben auch der rb,' und des S r rp’* R- Simon d. Großen zum Verfasser, und da nun a l diese auch den Gebetritual des 8. Pefsachtages, welcher auf Sabbat fällt, bilden, so hat man angeordnet, daß man an diesem Tage auch die Piutim des R. Simon d. Großen sagen soll. Der Verfasser der Piutim, welche für den 7. Pessachtag bestimmt sind, ist nun ebenfalls R. Simon d. Große, hingegen sind für den 8. Tag die Piutim von R. Moscheh b. Kalonymos aufgenommen worden, daher werden die Piutim vom 7. Pessachtage aus den 8. Tag und •••W>- vtrsi verschoben, damit man am 8. Tage, wenn dieser auf Sabbat fä-lt, lediglich nur Poesien de; R. Simon d. Großen sage. S k o 1 s ch a u, den 8. Mai 1914. Rabbiner Dr. Leopold Fischer. Aehnlich schreibt uns Herr Oeerra biner Josef Ro seufeld in Galgolez, R-ibbiuer 2r. Winkler, Kopenhagen, Herr Joses Weiß, Religionslehrer in llng.-Bro) und Herr Heinrich Frnhwir th, Religionsl.hrer in Zalopoul. Damit bringen wir diese Erörterung für unser Blatt zu.n Abschluß. Der in Nr. 19, Seite 336 Ihres geschätzten Blattes enthaltenen treffenden Bemerkung des Herrn Dr. P l a c z e k, daß der von den Leuten des karthagischen Seefahrers -vuimio einer begegne.cn Affengattung beigelegte Name „Gorilla" semitischen llr sprungs sein dürft', da »gorill* „Stein" bedeute, wovon denn der aus steinigem Bo en lebende Affe seinen Namen erhalten bade, er laube ich mir, ergänzend einige Worte hinzuzufügen: Die von König e-alomo nach dem Etdorod. de; Altertums im Norden (Ophir) entsandten Expeditionen brachten von dort Tiere mit der Bezeichnung e'2 st und mit. Diesen Namen wird fälschlich ein indischer Ursprung zugeschrieben. Tatsächlich erweisen sie sich aber bei kritischer Prüfung als aramäische Bezeichnung dieser vom Nordosten importierten Tiere. Caph und Kvph sind oft für einander gebrauchte Gutturale. ist daher identisch mit =p und bedeutet Felsen- oder Steinbewohner. Ob dieser Name den fraglichen Affen nach ihrem Aufenthalte auf steinigen Felsen beigelegt wurde oder aber nach den nordischen Stapelplätzen n-ü, woher sie im Altertum exportiert wurden, ist kaum sestzustellen; soviel ist sicher, daß ihr Name war. So hießen auch die Fasane (kbasianus Lolebieus) nach ihrem Vorkommen am Flusse Phasis, hebräisch a'^n. von -pn Höhlung (Bab. Kam. 110 sr * n ’z'r-) synonym mit nVin. Xenophon erwähnt in seiner Anabasis die Bewohner von Kolchis zu wiederholtenmalen unter demselben Namen: Taoyoc; diese Gegend heißt denn auch im Talmud (Nid. 38) und in Ber. Rab. 13,i"7i.-i. Der griechische Name des Flusses Phasis. gibt ja auch nur einfach das aramäisch-hebräische Wort £2 „Höhlung" wieder, das Homer (Ad. XII, 60) richtig mit i>. h. „nach beiden Seiten durchbohrt" übersetzt. ist also nur eine wörtliche und sinngemäße Wiedergabe des Wortes „Fasan". — Für die Gegend des Taurus erscheint im Talmud häufig auch die Bezeichnung 'xfp 'I und '^.'2 -2 So z. B. Berach. öl a, Sota 46 b, Chulin li 2 ny 8‘ira.ie -g*x 's-rr» tS mSs ptch *8£*P' (oder 2'2) „R. Mordchai begleitete R. Simi b. Aschi von Garina bis zum Taurus". Auch aus dem Zeugnisse des Plinius VIII, 28, der berichtet, — Pouipejus habe naa, dem Mübr öaiiuKi en .uri ge in Pontus in Rom Spiele aufgeführt und hiebei das erstemal das Chama und die Tiere aus Aethiopien (im Norden) Kepen (X7j~o:. *N2p Affen) genannt, gezeigt — ergibt sich, daß die Affen im Altertum ursprünglich aus der Gegend des Taurus vom Pontus Eurinus herkamen; darum wurden sie auch Kepen (lateinisch auch »8imia«« eulnerbinus oder pl'tvrrbin « von dem aram. ,-peT Nasenlöcher, Plattnasen) genannt. Der Name „Gorilla" «h-* aram. ist also nichts weiter als eine sinngetreue Nachbildung der synonymen Bezeichnung *x2p. welche die Karthager (gegen 500 v. Ehr.) dieser Affengattung beilegten, und demnach tatsächlich nur ein rein semitisches Wort. Wien. _ S. Spinner. „Saatkörner" von Malvine und Flora G r ü n w a l d. Illustration von Jenny Erünwald. Preis Kr. ,4.50 (mit Goldschnitt), einfacherem Einband Kr. 3.20 und kartoniert Kr. 2.10. Wien 1914. Im Selbstverläge, III., Radetzkystraße 17, und durch alle größeren Buchhandlungen in Wien zu beziehen.