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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seil- 348 Dr. Vloch's Wochenschrift vorging. Frau Bernfeld beantragte unter lauter Zustimmung die Errichtung eines Baufonds für ein künftiges eigenes Heim, Herr Max Zirner überbrachte die Grüße der Kultusgemeinde, Herr Rabbiner Dr. T a g l i ch t feierte nicht nur den Hietzinger Verein, sondern alle, die, wie Frau DozentGrünfeld, Frau Fischel-Landeis, sich der Kinderfürsorge annehmen. Frau Dr. Krennbergcr erteilte hierauf Frau Direktor U l m a n n das Wort zu ihrem Referate „über weibliche F ü r s o r g e". Lauter Beifall begrüßte die bescheidene Jubilarin der Vorwoche gleichsam als verspätete Gratulation. Es ist begreiflich, daß die weit über den Rahmen gewöhnlicher Vereinsrcden stehenden, die Wunden und Bewegungen unserer Zeit trefflich illustrierenden Worte der Rednerin, die stellenweise von lautem Beifall unterbrochen wurde, zu rauschendem Schlußapplaus, der weiblichen Fürsorge aber zu neuen Sympathien und Bekämpfung alter Vorurteile verhalfen. Es entspann sich noch eine Debatte, an der sich Herr ka's. Rai Dr. Krüger, Dr. Moriz Löwy, Frau Dozent Grünfeld, Herr- Max Zirner beteiligten und die zur Klärung der Ziele der Fürsorge gewiß beitragen wird. Herr Amtsleiter Krauß führte wieder zum Hietzinger Verein zurück und empfahl allen Anwesenden aufs dringlichste, für denselben zu wirken; in der Tat ist der Hietzinger Verein ein Musterverein, in dem die Damen mit mühsamer Inspektion nach nah und fern, mit Liebe und erziehlichem Einfluß schon seit langer Zeit so wirken, wie es den Damen Pappen heim und Forchheimer als Ideal der Fürsorge vorschwebt. Mit den besten Absichten und Wünschen für den Verein, dem immer höhere sichten und Wünschen für den Verein verließen die Anwesenden um Mitternacht das Restaurant. Unter den Gästen waren die Präsidentinnen" Sofie Grünfeld (Ferienheim), Kopstein (Frauenhort), Fischel-Landeis, Beck (Philanthropie), Weiß s Brigittenau), Kahn (Döbling), Grünw a l d (Floridsdorf), Frankl, kais. Rat Krüger, May (Lehrmädchenhort), die Herren Max Zirner, Kultusvorsteher, Rudolf Krauß, Dr. Moriz Löwy, Dr. Krennberger und zahlreiche andere, die den Verein mit wärmsten Sympathien begleiten, vertreten. Wien. (Verband der isr. Religionslehr er a n d e n ö st e r r. Mittelschulen.) Der Ausschuß hielt am 4. d. M. unter dem Vorsitze seines Obmannes des Herrn Rabbiners Dr. M. R o f e n b a u m die dritte Sitzung ab, in welcher über erlangte weitere Bonifikationen in den Kurorten für die Verbandsmitglieder Mitteilung gemacht wurde. Sodann wurde ein dreigliederiaes Komitee gewählt behufs Ausarbeitung und Ueberreichung eines Memorandums bezüglich günstigerer Anwendung der bevorstehenden Dienstpragmatik auf alle Kategorien der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen. Zürich. Vor kurzem fanden sich die Vertreter der lerritorialistischen Ortsgruppen in Rußland zu einer Beratung über die nächsten Ausgaben der Territorialistischen.Organisation zusammen. Im Mittelpunkte der Verhandlungen stand die Frage der jüdischen Kolonisation in der portugiesischen Kolonie Angola sowie die Frage der Schaffung einer Finanzinstitution. Zur Beleuchtung der ersten Frage wurde ein ausführliches Referat über den gegenwärtigen Stand des Angola-Projektes in politischer Beziehung gehalten. Der Referent stellte unter anderem fest, daß die aufgetauchten Gerüchte über eine Aufteilung Angolas durch England und Deutschland jeder Grundlage entbehren. Es wurde daraufhin beschlossen, die eingehende Untersuchung des Landes in bezug auf dessen Tauglichkeit für eine jüdische Groß- N. 20 kolonisation fortzusetzen, wobei der Wunsch geäüßert wurde, eine zweite Forschungsexpedition abgehen -'zu lassen, welche aber mehr Teilnehmer aufweisen und für eine längere Zeit' ausgerüstet werden sollte, als es bei der ersten der Fall war, um sich ein definitives Urteil über das betreffende Gebiet bilden zu können. Es wurde bei der Beratung auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, den territorialistifchen Projekten in Amerika mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. Was die Schaffung eines Finanzinstitutes anbelangt, wurde der Beschluß gefaßt, sowohl unter der russischen als auch unter' der ausländischen Judenheit eine entsprechende Aktion in die Wege zu leiten. Angesichts der im September 1914 in Budapest stattfindenden allweltlichen territorial ist i sch en Konferenz, welche sowohl über die Annehmbarkeit des Angola-Projektes als auch über diä Gründung einer Finanzinstitution zu entscheide'!: Haben wird, beauftragte die Versammlung einen von ihr gewählten Ausschuß, für eine möglichst gute Vertretung der russischen Territorialisten auf dieser Konferenz die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Von der Leipziger Ausstellung ifür Buchgewerbe und Graphik. „Jewish Chronicle" schreibt: Die internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik wird auch eine Abteilung für Kulturgeschichte haben. Der Orient wird sehr gut vertreten sein und die ausgestellten Objekte werden von großer Wichtigkeit sein. Die Bibliotheken und Institutionen von London, Cambridge und Oxford sowohl als auch Privatsammler fördern die Ausstellung in generöser Weise durch Ueberlassung bon Ausstellungsobjekten und auch die Regierung nimmt offiziell an dieser Förderungstätigkeit teil. Dr. Bruno. Schindler -stellt soeben die der Ausstellung zu überlassenden-Manuskripte und Dokumente fest. Soeben ist das Verzeichnis der syrischen, äthiopischen und arabischen Ausstellung erschienen, demnächst wird das mit großem Interesse erwartete Heft über die hebräische Paleographie erscheinen. Die Liste der Teilnehmer an der Ausstellung enthält zahlreiche Juden, und es ist bereits bekannt, daß Leipzig tvährend der Ausstellung ein Aendezvousort jüdischer Gelehrter aus allen Weltteilen sein wird. Ihre Ankunft haben bereits angekündigt unter anderen Professor Morris Jastrow aus Newyork, Jack Mosseri als Vertreter des jüdischen Museums in Kairo, welches jetzt zum erstenmale in einer Gelehrtenkörperschaft vertreten sein wird. Professor Goldziher aus Budapest, Professor Mittwoch aus Berlin unb Professor Dr. Jahuda aus Madrid treffen gleichfalls tvährend der Ausstellung in Leipzig ein. Statistisches aus Italien. Vor kurzem erschien der amtliche statistische Ausweis über Italien im Jahre 1911. Obgleich in Italien (kein gesetzlicher Zwang für die Angabe des Glaubensbekenntnisses besteht, enthält dieser statistische Band auch eir: Kapitel über die einzelnen Konfessionen. Es ist klar, daß diese Daten, von .denen wir hier einige wiedergeben, auf Vollkommenheit und Genauigkeit keinen Anspruch erheben können und nur auf Schätzungen, bezw. auf Angaben der einzelnen jüdischen Gemeinden beruhen. Beide jedoch sind ziemlich unverläßlich. Nach den Angaben des Statistischen Amtes gab es im Jahre 1911 in Italien insgesamt 43.924 Juoen (ich Jahre/ 1901 waren es nur 35.617). Auf je 1000 Einwohner in Italien kommen 962 Katholiken, 2 Protestanten und 1 Jude. Die Zahl der Juden in den neueroberten Gäbieten ist mit Genauigkeit noch nicht festgeftellt worden, aber Kenner des Landes versichern, daß die Juden in Tripolis und der Cyrenaica zumindest 30.000 Seelen zählen. Trifft das zu, so hat sich die Zahl der italienischen Juden durch den erfolgreichen tripolitanischen Krieg fast verdoppelt.

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