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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift König Georg von England bei Leopold de Rothschild. Aus London wird berichtet: Vorige Woche Mittwoch war König Georg bei Mir. Leopold de Rothschild zu Gaste. Der König nahm im Rothschckdschen Palais im New-Market das Diner. Da jedoch der Herr des Hauses Leopold de Rothschild sich unwohl gefühlt hatte, um Seine Majestät persönlich zu empfangen, ließ er sich durch seinenjüngeren Sohn vertreten, welcher auch während des ganzes Empfanges die Honneurs machte. Eine Beratung wegen der russisch-jüdischen Studenten. In Kiew fand dieser Tage eine Beratung statt, an welcher die angesehensten und einflußreichsten jüdischen Persönlichkeiten teilgenommen haben. Gegenstand der Beratung bildete die Lage derjenigen jüdischen Studenten, welche von den russischen Universitäten ausgeschlossen und in die europäischen Universitäten laut des neuesten Kurses nicht aufgenommen werden. Es wurde ernstlich die Frage ventiliert, ob diesem kritischen Zustand überhaupt noch auf andere Weise abgeholfen werden könnte, als durch die Gründung einer modernen europäischen Universität für jüdische Studenten. Da die Sache sehr dringlich äst, wurde das Exekutivkomitee beauftragt, noch bis Mitte Mai, zu welcher Zeit in Petersburg in derselben Angelegenheit eine große Beratung stattfindet, konkrete Vorschläge auszuarbeiten. Auch aus Odessa werden die Juden vertrieben. Die russische Regierung hat ihre alte Ausweisungstätigkeit gegenüber den Juden wieder mit aller Härte ausgenommen. Aus fast allen Teilen Rußlands kommen Nachrichten, daß die Regierung wieder auf Grund Ihrer berüchtigten „Senatserklärungen" zahllose Juden aus ihren alten Existenzen reißt und sie zum Verlassen ihrer Wohnstätten zwingt. In den letzten Tagen ist wieder -so" ein'Hügel won SMätserklärungen über den Odessaer Bezirk niedergegangen, und als Opfer derselben müssen Hunderte von-jüdischen Familien, die in ihren bisherigen Wohnorten seit .Jahrzehnten friedlich lebten, nun zum Wanderstabe Seifen und in das Ungewisse, aber in jedem Falle in Not und Elend wandern. Da diese Senatserklärungen besagen, daß alle Juden, welche bis zum Erlassen der sogenannten provisorischen Gesetze in bcn Dörfern gewohnt haben, aus diesen Dörfern zu vertreiben sind, so droht Tausenden von jüdischen Familien, die in den verschiedenen Dörfern leben und gleichfalls in diese Kategorie gehören, ebenfalls die Vertreibung. Vermischtes. Eine Büste des Erzherzogs Josef Ferdinand. Der Linzer Bildhauer Bernhard Schwarz, der Schöpfer des im Vorjahre enthüllten ersten Fliegerdenkmals, wurde beauftragt, eine Büste des Erzherzogs Josef Ferdinand zu modellieren. Das sehr gelungene, in Bronze ausgeführte Werk wurde nun im Hauptsaale des natur- und kunstgeschichtlichen Erzherzog-Josef-Ferdinand-Museums, dessen Gründer Erzherzog Josef Ferdinand ist, aufgestellt. Wien. Der Oberrabbiner der österreichisch-ungarischen israelitischen Kultusgemeinde in Sarajevo Dr. Samuel Wessel und der Rabbiner der sephardischen Kultußgemeinde Jeschua M. Salom wurden mit dem Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Wien. (Oesterreichisch-Jsrael. Union.) Dienstag den 19. Mai 1914 findet im Saale des Hotel Guth, II. Bez, Stephaniestraße 14, die XXIX. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichifch-Jsraelitischen Union" statt. Tagesordnung:!. Mitteilungen des Präfidiums; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Kassahericht; 4. Wahlen in den Vorstand; 5. Anträge und Interpellationen; 6. Diskussion. Verein „Jüdisches Asyl für Obdachlose". Wien. Die bisherigen Aktionen dieses Vereines zeitigten schon glänzende Erfolge. Dem Vereine, dem bei seiner vor etwa drei Monaten statlgefundenen Gründungsvermmmlu.ng zirka 50 Personen angehörten, sind nun schon ungefähr 1200 Personen beigetreten, und es wurden bisher von diesen Leuten, trotzdem der Mitgliedsbeitrag nur 3 Kronen jährlich betrügt, mehr als 10.000 Kronen eingezahlt, d. s. durchschnittlich pro Mitglied 8.50 Kr. An größeren Spenden sind von einigen Personen auch schon viele Tausende Kronen eingezahlt worden. Einige Leute verpflichteten sich, beim Beginne des Baues des Asyls größere Betrüge abzufül)ren. Ilm den Gedanken der Schaffung des Jüdischen Asyls für Obdachlose recht bald zu realisieren, möchte der Verein zum Ankäufe eines Bauplatzes schreiten. Da jedoch die vorhandenen Mittel auch zu diesem Zwecke uocf) nicht ausreichen, wendet sich der Verein an die große Oesfent lichkeit und speziell an alle jene, die die baldige Schaffung des Asyls wünschen, mit der Bitte, ihm größere Beträge zukommen zu lassen. Es existieren sicherlich noch Men schenfreunde, die der Sache des Vereines „Jüdisches Asyl für Obdachlose" Interesse entgegenbringen und die baldige Schaffung des Asyls wünschen und ihr Scherslein noch nicht beigetragen haben. Der Vorstand bittet auch, bei jedem in Betracht kommenden Anlässe des Asyls zu gedenken. Auf viele an ihn gerichtete Anfragen teilt er mit, daß ins Jüdische Asyl statutengemäß Leute o h n e U n t e r schied d e r K o n fesfion und Nationalität Ausnahme finden werden. Geldspenden nehmen entgegen: der Kassier des Vereines, Herr Bezirksrat Josef H as l i n ge r, Wien, II. Stefaniestraße 11, und die Administration unseres Blattes, die die bei ihr einlaufenden Spenden auch ausweist. Wien-Floridsdorf. Se. Majestät der Kaiser hat dem praktischen Arzt Herrn Dr. Jakob König den Titel eines Medizinalrates verliehen. Wien. Herr Rabbiner Mayersohn hat vom Prä sidenten der Chewra-Kadischa, Herrn Salo Cohn, nachstehendes Schreiben erhalten: Sehr geehrter Herr Rabbiner! In meiner Eigenschaft als Vors’tzender der Festversammlung im Konzertbause am 26. April 1914 erachte ich es als meine Pflicht, Ihnen zu erklären, daß ich den Vorfall in der erwähnten Versammlung auf das Lebhafteste bedaure. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Salo Cohn. Sr. hhrwiirden Her n Rabbiner M. Mayersohn Wien. Herr Kultusvorsteher Earl L e m b e r g e r ersucht uns, bekannt zu geben, daß er mittels Zuschrift an das Präsidium der isr. Kultusgerneinde seine Aemter als Mitglied des Kultusvorstandes und als Mitglied des Bethausvorstandes zurückgelegt hat. Als Grund feiner Demission wird die Unzufriedenheit und die Nichtübereinstimmung mit dem Verhalten des Präsidiums angegeben. Hilferuf! Von hochangesehener Seite übersendet mau uns folgende Bitte an edle Menfchen: Die unglückliche Frau eines wegen unheilbarer Krankheit im Siechenhause untergebrachten Buchhalters, Frau Elka I., befindet sich mit ihrer Familie, einer lungenkranken Tochter und einem schwer nervenkranken 16jähr:igen Sohne im größten Elend. Der Verzweiflung nahe, wendet sie sich an alle edlen Menschenfreunde um rascheste Hilfe. Gütige spenden nimmt unsere Administrativ.: .ml gegen.

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