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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-15 · 20 (15.5.1914) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Btiu 344 Dr. Bloch's Wochenschrift N-.. 26 „Odeskie Nowosti" gegenüber folgendes: Ich machte die Reise, um die alte feeimat meinet Volkes kennen zu lernen, ich suchte Eindrücke aus der unmittelbaren Nähe zu den historischen Plätzen zu schöpfen und ich habe auch Eindrücke gewonnen. Aber in meinem Bewußtsein leben jetzt zwei verschiedene -Palästina. Einem dieser beiden nähere ich mich mit heiligen Gefühlen, mit zitternder Seele, mit dev Liebe eines Sohnes, der seine Mutter schätzt und alles, was an seine Mutter erinnert. Dem zweiten Palästina, jenem, dem die Rolle einer Zufluchtsstätte für die Millionen meiner leidenden Stammesgenossen zugewiesen wurde, nähere ich mich zu meinem großen Bedauern mit gewissen Zweifeln. Einem Lande, welches berufen sein soll, ein Volk zu retten und zu ernähren, darf man sich nicht mit der Phantasie und durch gar nichts gerechtfertigtem /leeren Glauben nähern, da ist praktischer Sinn erforderlich, der nur dann sich einstellt, wenn man auf realem Boden steht. Nun ist aber die Lage eine solche, daß gar kein Grund vorliegt, zu glauben an Palästina als einer Zufluchtsstätte für das jüdische Volk, welches so viele Pein und wirtschaftliche Unterdrückung durchmacht. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen und Bedingungen in Palästina kann nur ein kleines' Häuflein Menschen, die über solide Geldmittel verfügen und nicht darauf angewiesen sind, mit den Früchten ihrer investierten Mittel sofort rechnen zu müssen, einen wirtschaftlichen Wohlstand erlangen. Die Praxis hat bewiesen, daß diese Früchte sich erst nach acht bis zehn Jahren zeigen. Hierzu sind solche Mittel notwendig, über welche der jüdische Emigrant im allgemeinen nicht verfügt. Palästina ist also nicht imstande, jene Hunderttausende von Juden, welche gegenwärtig in dem russischen kulturellen, wirtschaftlichen und rechtlichen Ghetto fast ersticken, aufzunehmen und zu alimentieren. Auf die Frage „Was denn?" meinte Schalom Asch, die Lage sei zu kritisch, um die Hände in den Schoß zu legen und zu warten, bis Palästina geeignet werden wird, diese Hunderttausende von jüdischen Emigranten aus Rußland aufzunehmen. Am wichtigsten erscheint ihm jedoch, daß die Juden, so weit es noch irgend möglich ist, sich dem Handwerke zuwenden und daß die jüdischen Kapitalisten, anstatt Hunderttausende von Rubeln wohltätigen Zwecken zuzuwenden, lieber Werkstätten und Fabriken errichten, in welchen das jüdische Proletariat Arbeit finden könnte. Dann würde der Ausschluß von Juden aus den Hochschulen nicht jene katastrophale Bedeutung haben, welche er gegenwärtig besitzt. Zum Schluffe beklagt es Schalom Asch, daß es in Rußland nicht selten vorkommt, daß reiche jüdische Fabriksbesitzer auf der einen Seite aus eigenen Mitteln ein Spital für jüdische Kranke errichten, auf der anderen Seite aber in ihre Fabrik keine jüdischen Arbeiter aufnehmen. -Die Kammerwahlen in Frankreich. Bei den soeben abgelaufenen Parlamentswahlen in Frankreich wurden im ersten Wahlgange vier Juden gewählt, und zwar L. L. Klotz, der wiederholt ein. Ministerportefeuille innehatte, siegte mit großer Majorität. Ebenso wurden die früheren Deputierten Andre Hesse und Camille Picard wiedergewählt. Zum erstenmal zieht als gewählter Deputierter Pierre Masse, der Sohn des Eduard Masse, eines eifrigen Mitgliedes des jüdischen Zentralkonsistoriums von Frankreich und des Zentralkomitees der Alliance Jsraelite, in die Kammer ein. Beachtenswert ist, daß die Brüder Joseph und Theodore Reinach erst im Wege einer Stichwahl gewählt werden konnten. Unter normalen Verhältnissen wären noch einige jüdische Kandidaten durchgedrungen, wenn nicht die Antisemiten gerade in einigen Bezirken, wo sie jüdischen Kandidaten gegenüberstanden, in den radikalsten Sozialisten eine Unterstützung gefunden hätten. Eine Dumarede über die Rechtlosigkeit der Juden in Rußland. In der Petersburger Duma hielt der Abgeordnete Nekranow eine Rede über die Rechtlosigkeit der Juden in Rußland. Er schilderte ihre Drangsalierungen und Leiden und schloß mit folgenden Worten: „Mein Schlußwort richte ich an bie Juden, an das leidende jüdische Volk. Während Eures jahrhundelangen Aufenthaltes in Rußland habt Ihr, jüdische Mitbürger, 'viel Kummer, Unbill und Qualen erlitten, und die letzten Jahre Eures Lebens, als das russische Volk aufzuatmen und zu hoffen begann, haben Euch Kränkungen zugesügt, wie sie das russische Judentum noch nie erlitten hat. Es wird aber der Tag kommen — e r i st nah e, vielleicht näher, als diese Leute (auf die Extremrechten zeigend), die auf einem Vulkan tanzen und das, was vor chnen vorgeht, nicht sehen, glauben — früher, als Ihr glaubt, wird der Tag Heranbrechen, an dem das russische Volk diesen Sumpf, in den es geraten ist, beseitigen und Euch im brüderlichen Bunde mit allen Völkern und Stämmen volle Freiheit und alle Rechte gewähren wird." Ein Jude Bürgermeister in einer Burenstadt. Die aus dem Burenkriege bekannte Stadt Bloemfontein hat seit kurzem einen jüdischen Bürgermeister. Mr. S. Levy, der seit 16 Jahren in Diensten dieser Stadtkommune steht und sich in dieser Eigenschaft die Anerkennung aller Parteien erworben hat, wurde einhellig zum Bürgermeister gewählt. Mr. Levy nimmt auch an dem Leben der dortigen jüdischen Gemeinde führenden Anteil und die Synagoge derselben ist gleichfalls seine Gründung. Erfolg eines russisch-jüdischen Journalisten in Neuseeland. Wie aus London berichtet wird, hat der allgemeine Verband der Zeitungsherausgeber und Redakteure von Neuseeland, mit dem Sitze in New-Plymouth, in seinerjüngsten Jahresversammlung den Redakteur Mr. Phineas Selig zum Verbandspräsidenten wiedergewählt. Mr. Selig, der vor längerer Zeit aus Rußland eingewandert ist, genießt nicht nur als Publizist, sondern auch als Organisator großen Ruf und die Modernisierung und Entwicklung der Presse in Neuseeland wird hauptsächlich als sein Werk bezeichnet. " Ein jüdischer Turnverein in Shanghai. Es verdient sicherlich als wohltuendes Zeichen der Entwicklung der jüdischen Kolonie von Shanghai erwähnt zu werden, daß daselbst vor' kurzem ein jüdischer Turn- und Sportklub gegründet wurde, der sich eines lebhaften Zuspruches seitens der Mitglieder der dortigen Judengemeinde erfreut. Zum Obmann ist Mr. I. Joseph und zum Ehrensekretär Herr M. Sapher gewählt worden. Die Iugendlrhrrr -er talwu-ischen Zeit. Von L. WIesner. Vorbemerkung. Gelegentlich des Sammelns von Notizen zu einergrößeren Arbeit über das Kind im talmudischen Schrifttume haben auch die daselbst erwähnten Jugendlehrer mein Interesse erregt. Meines Wissens ist eine berufliche Würdigung dieser für ihre Aufgabe mit heiligem Ernst erfüllten Männer bisher nicht versucht worden, und mit Ausnahme einzelner gefeierter Persönlichkeiten find .ihre Namen und ihr Wirken unbekannt geblieben. Eine chrono-

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