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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 336 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. iS sichersten nach den kleinen feinen Zügen ihrer geistigen Physiognomie beurteilen. Solche Blütenstaubfäden sind in seinen Briefen an Dr. B. Placzek in Brünn wahrzunehmen. Aus seiner klassischen Feder kam keine Zeile ohne echten Wertgehalt, ohne anregende Nachwirkung für die Folge. Placzeks Studie „Die Affen" (Kosmos, sechster Jahrgang, Band 11) nahm Sueß sehr beifällig auf und bezeichnete besonders die nachstehende Darbietung über Gorilla in seiner Zuschrift vom 24. Mai 1882 als „sehr merkwürdig". Ob Geologen die Richtigstellung, daß das Männchen Gorill und nur das Weibchen Gorilla zu nennen sei, beachteten, ist unbekannt. „Wir wollen von dem Gorilla, dem Choleriker unter den vier großen Assen — Schimpanse stellt den Sanguiniker, der Orang den Phlegmatiker, der Gibbon den Melancholiker dar — nicht Abschied nehmen, ohne ihm einen etymologischen Passeport zu erteilen. Bekanntlich hat der karthagische Susfete Hanno im Jahre 470 (oder 510) v. Chr. mit einer aus 60 großen Fahrzeugen bestehenden Flotte eine Entdeckungsreise nach der Westküste Asrikas zur Gründung von Kolonien unternommen und hing nach seiner glücklichen Rückkehr eine Tafel mit dem Berichte über seine Reise im Kronostempel zu Karthago auf. Eine griechische llebersetzung davon hat sich unter dem Namen Periplus, Ilmschifsung, bis auf uns erhalten. Nach diesem Berichte begegnete er am Theon Ochaima an der heutigen Sierra-Leona-Küste nahe einer Lagune „wilden Menschen". Es gab weit mehr Weiber als Männer, heißt es in dem Berichte, sie waren dicht mit Haaren bewachsen und unsere Dolmetscher nannten sie Gorillas. Von den Mäntnern konnten wir trotz aller Anstrengung auch nicht eines einzigen habhaft werden. Sie flüchteten sich über Klüfte und verteidigten sich mit Steinwürfen. Aber drei Weiber fingen wir, die sich so wütend wehrten, daß wir sie töten mußten. Wir zogen ihnen die Haut ab, die wir, mit Stroh ausgestopft, nach Karthago Mitnahmen. Zwei davon sollen noch zur Zeit der Eroberung Karthagos durch die Römer (146 v. Chr.) daselbst im Tempel der Astarte gezeigt worden sein. — Auf diese Affen mögen sich die Berichte des portugiesischen Matrosen Eduard Lopez (1598) und des englischen Soldaten Andreas Battel beziehen, dessen Angaben Purchas in seiner Pilgrimsage 1.613 und. seinen Pilgrimes 1625 wiedergibt. Der mannigfache, früher mit dem Namen dieses Anthropoiden getriebene Mißbrauch veranlaßte Dr. Savage, ihm nach dem Periplus des karthagischen Seefahrers Hanno den semitischen Namen Gorilla beizulegen. Die Tiernamen der Alten waren eben oft onomatopoetisch, das heißt die Bezeichnung der von den Tieren ausgestoßenen Laute. Mit dem Kehlkopfe dieses Affen steht nämlich ein von dünner, elastischer Haut gebildeter Kehlsack in Verbindung. Derselbe hängt durch eine Spaltöffnung unmittelbar mit den Morgagnischen Taschen des Stimmapparates im Kehlkopfe zusammen. Daher rührt die eigentümliche Stimmbildung. Im Hebräischen, Arabischen, Syro-Chaldäischen bedeutet aber gara, garah, garar, gargar rauhe Töne im gereizten Zustande ausstoßen, einen Ton in der Kehle ziehen; garon heißt auch Kehle, figürlich laute Stimmen; ferner bedeuten jene Wurzeln, rauhe Töne Hervorbringen, heulen, grollen, äthiopisch anguar-guara murren. Goral, erweichte Form von gorar (die Chinesen substituieren für r das l; die alten merikanischen Sprachen kennen das r überhaupt nicht), bedeutet in den semitischen Sprachen ebenfalls rauh sein. Gorilla von goral nannten also die karthagischen Seefahrer ein Wesen, das sich mit ungewöhnlich rauher Außenseite darstellte und schreckliche, grollende, gurgelnde Töne ausstieß. Der ganze Habitus und das Gebaren dieser Wilden mußte wohl den karthagischen Schiffern den Ausruf goral bei der Namengebung entlocken. Betrachtet man, daß goril im Arabischen „Stein" bedeutet, so findet man vielleicht in der Benennung Gorilla den Hinweis auf den Umstand, daß diese Affen sich mit Steinen verteidigten oder auf „steinigem Boden lebten", also: Steinwerfer — etwa wie dran die Steinzeit nach dem Gebrauche von Werkzeugen und Waffen aus Stein benannte — oder Felsbewohner. Im Altslawischen heißen Gorali Gebirgsbewohner. Eorali nennt man noch jetzt die Polen, welche die Gebirgszüge von den Beskiden bis zur Tatra bewohnen. Da die weibliche Form in den semitischen Sprachen durch die Endsilbe ä ah gebildet wird und die Stelle in Hannos Periplus g^naikrs lias ekaloyn gorillas: „Die Weiber, die sie Gorillas nannten", lautet, so konnte die ursprüngliche semitische Bezeichnung Gorilla bestimmt nur den weiblichen Affen gegolten haben." Auf die kritischen Bemerkungen und Anfragen, die Placzek an Sueß, den bahnbrechenden Meister der tektonischen Geologie, nach Erscheinen eines seiner epochalen Werke richtete, erwiderte dieser am 2. Juni 1882 und am 21. November 1909: „Erlauben Sie mir, sehr geehrter Herr, folgende Bemerkungen auf Ihre gütige Zuschrift von heute, bei welchen ich allerdings bitten mutz, meine Eile tzu entschuldigen: 1. Es hat mir nicht von entscheidender Bedeutung erschienen, in die Einzelheiten Ihrer Angaben einzugehen; auch bin ich nicht Philologe und hätte mich dieses weit von meiner Ausgabe als Geologe abgeführt. 2. Ezech. 22, 24*) scheint sich meiner Ansicht nach nicht auf die Sintflut zu beziehen. Diese gibt namentlich der Zusammenhang mit dem übrigen Texte. 3. In bezug aus den egyptischen T e X1 habe ich mich nicht an Lauth und Naville, sondern an die jüngsten, von Naville mehrfach abweichenden Uebersetzungen von Brugsch gehalten. Es schien mir hinreichend, das Hauptdokument, die Grabesinschrift, Seti I, anzuführen. 4. Alle die amerikanischen Berichte sind etwas verdächtig wegen der assimilierenden Einflüsse der Berichterstatter. Meist handelt es sich nicht um die Sintflut, sondern um kosmogonische Mythen. Ich gestehe, daß ich das von Giran de Rialle ausgesprochene Urteil teile und nicht mit Lenormand stimme, welchen Humboldts Autorität beeinflußt zu haben scheint. Es ist mit dem Codex Chimalpozoca wohl auch nicht anders. — Verzeihen Sie die Eile, mit welcher ich antworte und genehmigen Sie für Ihre Zeilen den herz.ichsten und aufrichtigsten Dank" . . . „Ihr Schreiben betrifft eine Richtung von Studien, die mir sonst fremd ist, und die ich kaum auch nur als Dilettant zu behandeln gewagt habe." — Auf die Zusendung eines ornithologischen Buches und ähnlicher Schriften erhielt Placzek von Sueß am 2. Mai 1884, 25. Jänner 1902 und 11. Juli 1906 zustimmende freundliche Antworten. Auf eine Anfrage Placzeks im wissenschaftlichen Streit über Moldavite erwiderte Sueß am 17. November 1909 u. a.: „daß nicht er, sondern sein Sohn, Professor Franz E. Sueß in Wien, sich mit Moldaviten beschäftige und daß er sich mit demselben darüber ins Einvernehmen setzen werde." Obige Mitteilung bedarf noch einer kurzen Erklärung: Der Moldavit, nach der Moldau benannt, wo er. vielfach vorkommt, führt auch die Namen Bouteillenstein, Wasserchrysolith, Jglavit, weil chn die Jglava in großen Stücken mitführt. Er ist dem Obsidian verwandt oder ähnlich, dunkelgrün, durchsichtig oder durchscheinend. Eine Abart bildet der sibirische Marekanit, hellblau, klar, lebhaft glänzend, bei Beleuchtung smaragdgrün. Die Moldavite wurden zu den Halbedelsteinen der Quarzite gerechnet und gern als Schmucktzsteine verwendet. Vor 20 Jahren indes entstand über den Ursprung und die Beschaffenheit der Moldavite ein heftiger Streit unter den Mineralogen, und vornehmlich in Brünn wurde von Professor Makowsky und von seinen Kollegen an der deutschen Technik sowie von fachmännischen Mitgliedern des Naturforschenden Vereines, in dessen „Verhandlungen" die Frage diskutiert wurde, den Moldaviten der Steincharakt'er als Naturprodukt aberkannt und dieselben als Petrefakte, als Schlacken aus uralten Hochöfen, entschieden erklärt. Seither sind die Moldavite als Schmucksteine aus dem Handel mehr oder minder geschwunden. Vor einigen Jahren jedoch hat der obgenannte Wiener Professor Dr. Franz E. Sueß auf Grund tiefer, eingehender Untersuchungen die Moldavite als eruptives Gestein vulkanischen Ursprungs wahrscheinlich endgültig bezeichnet. Fest, sicher, unveränderlich wie sein Charakter, wie 'seine gesamte Geistes- und Willensrichtung ist auch seine Handschrift geblieben. In seinen Briefen aus den Jahren 1881—1911 meint man Abdrücke eines Hektographen vor sich zu haben. . . Unvergänglich und unwandelbar wird auchhas Andenken an den großen Quell- und Pfadfinder in der dankbaren Verehrung der Sterblichen fortleben. Welch ein Hochquell der Erfrischung, Erquickung und Klärung für die Geister ist sein gesprochenes und geschriebenes Wort geworden — wer mag cs ermessen?! *) Bezugnehmend auf P. R. G- 23, Zeb. 113 ä, Ber. rab. 33, Jalk. S. zu L^ech. 22, 24: „daß die Sintflut Palästina verschont hat." ,

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