Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 19 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 332 Dr. Bloch,'s Wochenschrift Nr. 19 Das hundertjährige Jubiläum der Judenemanzipation in» Dänemark. j* Wie in Ihrem geschätzten Blatte schon gemeldet wurde, konnten die dänischen Juden am 29. März die 100jährige Feier ihrer Emanzipation begehen. Am 29. März 1814 wurde nämlich die königliche Verordnung unterzeichnet, welche den dänischen Juden volles Bürgerrecht verlieh. Dieses Bürgerrecht ist zum Unterschiede von dem anderer Staaten nicht auf dem Papier geblieben, sondern voller Ernst geworden. Und man darf ohne Uebertreibung sagen: Dänemark hat von der Emanzipation seiner Juden ebenso viele Freude und Vorteile gehabt wie die Juden selbst. Es gibt kein Gebiet des öffentlichen Lebens, auf welchem die dänischen Juden nicht Hervorragendes geleistet haben. Kunst und Literatur, Handel und Verkehr, Politik und Philanthropie sind von ihnen nachhaltig beeinflußt und gefördert worden. Es ließe sich ein dickleibiges Buch über den Anteil der dänischen Juden an der dänischen Kultur schreiben. Dies wird auch von den Dänen neidlos und dankbar anerkannt. Antisemitismus ist in Dänemark ein unbekannter Begriff. Die gesamte Presse der Hauptstadt brachte ohne Unterschied der Parteirichtung überaus sympathische Artikel aus Anlaß des Jubiläums. Die Gemeinde selbst feierte den wichtigen Tag prunklos und stille. Oberrabbiner Dr. Schornstein hatte die jährliche Konfirmation auf den 29. März angesetzt und hielt bei dieser Gelegenheit in der bis auf den letzten Platz besetzten Synagoge eine glänzende Festrede, die allen Anwesenden aus der Seele gesprochen war. Die Rede ist seither aus Veranlassung der Repräsentanten gedruckt und an alle Gemeindemitglieder verteilt worden. Mittags wurden alle Bewohner der sehr zahlreichen jüdischen Alters- und Krankenversorgungshäuser.auf Kosten der Gemeinde gespeist. Nachmittags fand eine Festsitzung des Synagogenvorstandes statt, bei welcher Dr. Schornstein als Vorsitzender dem Präsidenten der Repräsentanten eine prachtvolle silberne Präsidentenglocke überreichte. Ein Festmahl auf dem Landsitze des Präsidenten Herrn Karl Melchior beschloß die Feier des Tages. — Am nächsten Vormittag waren der Oberrabbiner, der eben genannte Präsident und der Vizepräsident Reichsgerichtsanwalt Henriques zur Privataudienz bei Sr. Majestät dem König besohlen, der über die Huldigung der Gemeinde seiner hohen Befriedigung Ausdruck gab. Der König dankte auch für die Zusendung der Jubiläumsschrift seitens der Danmark-Loge. Die Benei-Bris-Loge, welche diesen Namen führt, hatte nämlich anläßlich des Jubiläums mit einem Aufwande von 5000 Kr. eine gediegene Festschrift herausgegeben, deren erster Teil, „Geschichte der Juden in In- und Ausland in der Zeit vor 1814", von Rathausbibliothekar Julius Salomon und dessen zweiter Teil, „Archivalia", von Gemeindebibliothekar Fischer verfaßt ist. Das erste Exemplar dieser Festschrift wurde durch den Kabinettssekretär Sr. Majestät dem König überreicht. Die Danmark-Loge hat mit dieser Festschrift dem Jubiläum und sich selbst ein schönes Denkmal gesetzt; die Leistung der Loge ist umso mehr anerkennenswert, als dieselbe erst seit zwei Jahren existiert. Bis dahin wurde die Gründung einer jüdischen Loge hier infolge der überaus günstigen sozialen Verhältnisse und des vollständigen Fehlens von Antisechitismus für unmöglich gehalten, und es bedurfte der zielbewußten und rastlosen Bemühungen, um eine solche Loge trotz aller Schwierigkeiten ins Leben zu rufen. Heute zählt die Loge schön 130 Mitglieder und verfügt trotz bedeutender Ausgaben für wohltätige Zwecke über ein Vermögen von zirka 20.000 Kronen. Die Danmark-Loge hat durch. Herausgabe der Festschrift, bewiesen, daß sie ihre vornehme ^Aufgabe richtig versteht: durch Pflege jüdischen Bewußtseins erhaltend und fördernd auf das dänische Judentum einzuwirken. Ein Däne. Zugrunde gegangene Sommerfrischen infolge Ausschlusses der Juden. Die in der Nähe von Kiew gelegene Sommerfrische Sosnowka hat bis vor ungefähr drei Jahren hauptsächlich den Juden von Kiew zum Erholungsorte gedient. Die Sommerfrische war in der ganzen Umgebung sehr beliebt und hat, dank der Förderung seitens der Juden, einen rgschen Aufschwung.genommen. Vor drei Jahren hat der Gouverneur den Juden den Aufenthalt in dieser Sommerfrische verboten und dieses Verbot auch dann aufrecht erhalten, als die Villenbesitzer gegen dasselbe mit der Begründung protestierten, daß die Ausschließung der Juden von der Sommerfrische den baldigen Ruin der blühenden Ortschaft herbeiführen müsse. Seit dem Erlasse dieses Verbotes ging die Sommerfrische so rapid zurück, daß die Hausbesitzer, zumeist kleine Leute, die ausschließlich von den jüdischen Sommergästen lebten, heuer nicht einmal mehr,in der Lage waren, ihre Steuern zu entrichten. Die Folge davon war, daß vor kurzem dreißig solcher Villen gepfändet und tief unter dem Werte verkauft werden mußten, um die Steuer hereinzubringen. Die Bewohner von Sosnowka sind nicht die einzigen, welche der unmenschlichen Verfolgungspolitik der russischen Regierung zum Opfer gefallen sind, es gibt eine ganze Anzahl von Kurorten und Sommerfrischen, welche total zugrunde gegangen sind, weil die Behörden die Benützung derselben durch die Juden verboten haben. Wie aus Petersburg hiezu berichtet wird, soll dieser Tage eine Deputation von Delegierten solcher Kurorte und Sommerfrischen beim Minister des Innern vorsprechen, um ihn von der Unmöglichkeit der Fortführung einer solchen Politik zu überzeugen. Empfänge beim neuen Warschauer Generalgouverneur. Aus Warschau wird uns geschrieben: Der Empfang der Abordnungen der einzelnen Konfessionen durch den neuernannten Generalgouverneur bot ein recht interessantes Bild. Die Vertreter der verschiedenen Konfessionen wurden in verschiedene Empfangssäle geführt, um dort vom Generalgouverneur empfangen zu werden. Die Abordnung der jüdischen Konfession wurde bezeichnenderweise mit den Delegierten der mohammedanischen Konfession in einem Saale untergebracht. Die jüdische Deputation bestand aus den Rabbinern Perlmutter und Segall und dem Präsidenten der Warschauer Judengemeinde Michael Bergsohn. Rabbiner Perlmutter begrüßte den im Saale erschienenen Generalgouverneur mit einem hebräischen Segensspruch und einem Zitate aus dem Psalm, worauf Rabbiner Segall im Namen der jüdischen Bevölkerung in polnischer Sprache den Generalgouverneur willkommen hieß und die Hoffnung aüssprach, daß er den Juden seinen mächtigen Schutz werde angedeihen lassen. In seiner Antwort betonte der Generalgouverneur sehr kurz, daß' er Gelegenheit gehabt habe, die Juden und ihre Lage kennen zu lernen, und indem er im Interesse des Wohlstandes des Landes tätig sein wird, werde er sich auch bemühen, nach Möglichkeit für die jüdische Bevölkerung zu sorgen. Diese recht verklausulierte Zusicherung wurde, wie die russischen Blätter melden, von der jüdischen Abordnung mit Befriedigung ausgenommen. Verurteilung der Lodzer Huligaus. Der Gouverneur des Petrikauer Gouvernements hat 88 Personen, welche der Anteilnahme an den Ausschreitungen und Plünderungen jüdischer Wohnhäuser und^